Ausgabe 
11.8.1902
 
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jede Art Sportkleidung, so verschieden sie auch scheinen mag, gelten gewisse gemeinsame Grundregeln; wer die begriffen hat, steht mit einem Male allen Bewegungsspielen, Fahrten und Wanderungen unabhängig gegenüber. Alle für Sport­zwecke bestimmten Kleidungsstücke müssen solid, regen- und wetterfest sein, dürfen nicht allzu leicht schmutzen, müssen schützen und volle Bewegungsfreiheit gestatten, dürfen also vor allen Dingen keine Tailleneinschnürung haben. Diese letztere Forderung deckt sich übrigens mit den Grundsätzen, die für die moderne Kleidung allgemein aufgestellt sind.

Die wirklich elegante Frau hat längst eingesehen, daß die Schönheit ihrer Erscheinung nicht in der widernatür­lichen Taillenform gipfelt, sondern daß sie im reizvollen natürlichen Ebenmaße, in aufrechter Haltung, ungezwunge­nen, schönen Bewegungen und einem anmutigen Gange liegt. Tas Korsett ivird wohl schwerlich ganz abgeschafft werden, und das ist auch nicht nötig, aber es hat seine Rolle als Schnürmaschine ausgespielt, und gerade dem Sport haben wir in dieser Hinsicht viel zu danken.

Als zweite Regel für den Sport gilt als zweckent­sprechende Unterkleidung das Reformbeinkleid, wenigstens für Radfahrerinnen und Touristinnen, bet den anderen Sportarten: Lawn-tennis, Rudern rc. ziehen viele Damen leichte Unterröcke vor.

Als dritte Bedingung ist ein fr,Ureier, gutsitzender,

schneidermäßig hergestellter Rock zu nennen, der für jeden Sport unerläßlich ist. Bei der Auswahl des Materials diene als oberster Grundsatz, daß das Beste gerade gut genug ist. Nur schwere, gediegene Stoffe sind schön unb zugleich praktisch widerstandsfähig gegen Staub und Nässe- mit denen doch jede sportliebende und spvrtausübende Dame zu rechnen hat. Nur durch; einen guten Schnitt und! durchs gutes Material wird ein Sportanzug elegant, da alle Ausputzartikel bei diesen praktischen Kostümen von vorn­herein ausgeschlossen sind.

Ties gilt nun ganz besonders für Radfahr- und Dou- risten-Kostüme, die doch auch chic und elegant aussehen sollen, um Gegnern dieses Sports nicht gleich von vorn-, herein eine berechtigte Abneigung dagegen emzusloßen. Fürs Radfahren sind Röcke mit geteiltem Sattelstück be­sonders empfehlenswert, da sie vorzüglich fallen und den Sitz verhüllen, denn es gilt nicht für elegant, wenn man den Sattel sieht. Ein Radfahr-Rock muß des weiteren, vor allem die nötige Weite haben, auch vorn über denKnreen/ und gut gearbeitet und gebügelt sein, was aber durchaus! kein Kunststück ist, wenn man einen guten, tadellos fallenden Schnitt verwendet. Auch der einfachere Rock, bei dem etrte ähnliche Wirkung durch eine sehr tiefe Falte in der Hinteren Mitte erzielt wird, ist sehr empfehlenswert und leichter herzu stellen.

Abbildung 1.

Radfahrkostüm mit Bloufenjacke und einfachem Nadsahrrock,

Abbildung 2.

Touristenkleid mit Faltenbluse und rundem, kurzem Rock.

Abbildung 3.

Lawn-tmnis-Kostüm mit Sammetjäckchen und geschweiftem Rock.

Anagramm.

(Nachdruck verboten.)

Im Garten steht's mit farbiger Pracht, Da hat es der Junge dem Alten gebracht. Der Jnnge, wer ist das? Wom Alten dort Das nmgestellte Rätselwort.

(Anflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Lieb ohne Achtung ist nie dauernd.

frischen Motrasenkleider in allen Farben gern getragen, besonders praktisch sind dunkelblaue mit rot oder weiß besetzt und grauleinene; ganz weise sind sehr smart und werden von jungen Mädchen viel und gern getragen.

Für alle Sportkostüme sind dieses Jahr die verschreden- artiasten kurzen Jäckchen: Bolero, Spencer, Blousenjackchen u. s. tu. sehr beliebt und haben die Sackpaletots, wenigstens! bei der lieben Jugend, fast ganz verdrängt, da sie chrc aussehen und leichter auf Partien mitzunehmen sind. Wenn sich auch Sportkostüme weniger verändern, wie die anderen Kleider, so müssen doch auch sie sich nach der Mode richten. Selbst dem einfachsten Anzug sieht man leicht den ^ahr- gang an. Es ist wohl nicht erst nötig, zu erwähnen daß der tadellos sitzende Schuh für jedes elegante Sportkostum, des fußfreien Rockes wegen, Hauptbedingung ist, eben,» ein einfacher, mit dem Anzug harmonierender Hut. _.

Unsere Abbildung 1 zeigt diesen einfachen Rock tu Zu­sammenhang mit einer der dieses Jahr so modernen, und beliebten Blousenjacken, die junge Mädchen so hübsch kleiden. Anstatt der kleinen Revers wählt man gern auch einen breiten Schulterkragen, der weniger herrenmäßig ausfleht, oder man trägt die noch immer beliebte Hemd- blouse aus leichtem Waschstoff oder Flanell, je nach der Jahreszeit. Auch diefe hat eine Wandlung burchgemacht und sieht mit den weiten, durch, weiche Stoffbündchen am Handgelenk geschlossenen Bloufenärmel, weniger männlich, aus wie bisher. c ,

Für ein Touristenkleid kann, derselbe Rock angewendet werden, nur etwas weniger weit, sehr chic und zweckent­sprechend ist dazu die Faltenblouse unserer Abbildung 2 aus leichtem Flanell, die von einem dazu passenden Leder- gürtel gehalten wird.

Mehr Variationen sind bei den übrigen Lawn-tennis- kleidern zu finden, sowohl in Bezug auf Material, wie auf Schnitt. Für schwere Stoffe ist hier der geschweifte Rock, Figur 3, sehr beliebt, für leichtere wähle man lieber keine glatte Form, sondern lasse den unteren Rand mit einem beliebigen breiteren oder mehreren schmäleren Volants endigen.

Sehr chic und elegant, wenn auch nicht gerade besonders praktisch, ist das kurze Sammetjäckchen auf unserer Wbil- dung 3, das das helle Kostüm so reizvoll vervollständigt.

Für den Ruder- und Segelsport werden die kleidsamen.

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckcrei (Pietsch Erben) in Eicken.