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ist unbestimmt, und wohin sich MajeM begeben, unbekannt."
Wir sahen uns alle Drei an, und ich sagte: „Das wird unsere diplomatischen Beziehungen zu Oesterreich (Kaiserin Elisabeth war die Schwester oer Braut) wesentlich fördern."
Der Fürst zuckte die Achseln. „Was will ich machen: das ist offenbar ein unabänderlicher Beschluß. Besser ist es doch noch immer so, als wenn mir nach einem Jahre die Erwirkung einer Scheidung aufgetragen worden wäre."
„Ich bewundere die Fähigkeit Eurer Durchlaucht, jeder Sache eine gute Seite abzugewinnen", bernerkte ich, „das ist allerdings richtig, aber es ist ja gar kein Grund vorhanden, der den König berechtigt, sein Verlöbnis zu lösen."
„Eben darum muß diese Lösung von Setten der Braut ausgehen", sagte der Fürst, „ich muß es so einrichten, daß sie einen genügenden Anlaß findet, zurückzutreten. Das wird nicht zu schwierig werden. Aber, da fällt mir eben ein, das Erste, um ivas ich Sie ersuche —. ich bewunderte im Stillen, wie umsichtig der hohe Herr auch an Kleinigkeiten dachte —, ist: gehen Sie sofort auf die Münze, und geben Sie Avis, daß vorerst die Ausprägung des Geschichlsthalers mit dem Doppelbildnis des Brautpaars sistiert wird. („Das gelang mir denn auch", bemerkt hierzu der Verfasser, „noch heute müssen die Stanzen unter Siegel liegen. Dagegen hat eine Privatanstalt lu jener Zeit eine Medaille mit den beiden Köpfen prägen rassen, die nunmehr als große Rarität gilt.") Dann aber machen Sie, daß Sie nach Hause kommen, und essen Sie ordentlich zu Mittag; denn heute wird es spät werden, bis Sie zum Souper kommen".
Die Mittagsstunde war allerdings längst vorüber, bis ich zur zürnenden Gattin heimkam, und da icfy natürlich bas Amtsgeheimnis nicht verletzen durfte, hatte ich Mühe, nach zu rechtfertigen. Als ich aber sehr wenig aß, und gleich nachher wieder in das Ministerium eilte, meinte meine Frau kopfschüttelnd: „Das ist gewiß wieder ein recht verbrannter Pfannkuchen, um den Ihr solch' eine Wirtschaft macht."
König Ludwig II. hatte die geschickte Hand, und den diplomatischen Takt des Fürsten nicht überschätzt; aber allerdings that er auch alles, was Letzterer anriet. Zuerst eine Hinausschiebung des Termins der Heirat mit dem Bei- fügen, daß die Absicht zu letzterer nach wie vor bestehe. Dann auf die Aufforderung, mindestens einen endlichen Zeitpunkt zu bestimmen, die ausweichende Erklärung, „dieser lasse sich mit Rücksicht auf die Gesundheit des Königs nicht wohl festsetzen." Das gab denn natürlich dem herzoglichen Hause den genügenden Grund, „unter solchen Verhält- nissen lieber das Verlöbnis als aufgelöst ansehen zu wollen"; welche Erklärung der König „mit dem tiefsten Bedauern" entgegennahm. So gelang es, die Angelegenheit zu ordnen, ohne daß eine allzu große Verstimmung entstand.
Etwa ein Jahr darauf verlobte sich Prinzessin Sophie mit dem Herzog von Alenyon. Am 26. September 1868 war in Possenhofen — soviel ich mich erinnere — das Verlobungsfest. Plötzlich erscheint Seine Majestät in Begleitung der Kaiserin von Rußland und bleibt eine volle Stunde da, ohne im Mindesten zu fühlen, daß seine Anwesenheit höchst peinlich empfunden werde.
Vermischtes«
Hohe Patienten. Im Anschluß an die Operation des Königs Eduard erzählt die „Westminster Gazette" folgende Geschichten von hohen Patienten und ihren Ärzten: Der König hat nicht nur die besten Aerzte zur Verfügung, sondern er gehorcht ihnen auch aufs Wort. Das ist nicht mit allen hohen Patienten der Fall. Vor einem Jahre weigerte sich der Sultan ganz entschieden, eine Operation an sich vornehmen zu lassen, die ein Münchener Spezialist für notwendig erklärte. Abdul Hamid entließ den deutschen Arzt und vertraute sich wieder seinem eigenen Doktor an. Vor einigen Monaten verfiel er nun in einen solchen Zustand von Schlafsucht, daß eine Operation notwendig erschien. Er unterzog sich dieser Operation aber erst, nachdem er seinen arabischen Arzt auf den Koran hatte schwören lassen, daß schlimme Folgen ausgeschlossen seien. Dr. Lappoui hat mrt der Behandlung des Papstes manche
Schwierigkeiten. Seine Heiligkeit verstößt häufig gegen die Vorschriften des Arztes in Bezug auf Ruhe und Empfang von Besuchern. Mr. Gladstone setzte großes Vertrauen in Sir Andrew Clark, Merschritt aber oft die ihm von diesemi im Interesse feiner Gesundheit vorgeschriebenen Grenzen. Man glaubt, daß Cecil Rhodes so früh sterben mußte, weil er die ärztlichen Vorschriften unberücksichtigt ließ. Dr. Schweninger, Bismarcks Arzt, duldete keinen Ungehorsam., Als er einst eine gewisse Diät vorgeschrieben hatte, fand er Bismarck eine verbotene Speise essend. Ohne ein Wort! zu sagen, ergriff er den Teller und warf ihn aus dem Fenster. Der Mann von Blut und Eisen war sprachlos, fügte sich dann aber. »
Hohe Intelligenz eines Hundes. Ein Waidmann aus Flensburg giebt in der „D. I. Z." das folgende Erlebnis zum besten: Ich fuhr Anfang Juni d. I. des Morgens früh per Rad auf die Rehbockpürsche und nabm, wie gewöhnlich meinen etwa zweijährigen Brauntiger edler Abstammung mit. Als ich durch das Dorf F. fuhr, in welchem der Förster des fiskalischen Reviers wohnt, und bei welchem mein Hund im vorigen Jahre längere Zeit in Dressur gewesen war, stand die Hausthüre zur Wohnung des Försters offen, und mein Hund lief in das Hans hinein. Ich hatte nun bereits mehreremal den Hund, sobald ich' mein Rad in das Gehölz hineingeschoben hatte, bei dem Rad« abgelegt, um ihn nötigenfalls bei der Hand zu haben, weshalb ich so bei mir dachte, er hätte wohl den Aufenthalt im Hause beS: Försters dem Liegen beim Rade vorgezogen, und fuhr, da mir auch, die Zeit knapp war, ohne den Hundj zu rufen, durch das langgestreckte Dorf dem Holze zu. Hier angekommen, wählte ich für mein Rad einen anderen Ort, etwa fünf Minuten vor demjenigen entfernt, wo ich früher dasselbe eingestellt, und den Hund abgelegt hatte. Nach etwa drei Stunden kehrte ich zu meinem Rade zurück und fand dort zu meiner großen Ueberraschung meinen „Tell" bei demselben liegen. Er war mir also, nachdem er in der Försterwohnung die Hundeschüsseln eingehend revidiert hatte, die ca. lr/s Kilometer nachgelaufen, hatte an der Stelle, wo ich vom Rade abgesprungen war, mein« Spur aufgenommen und sich alsdann ruhig bei dem Rade hingelegt, ohne zu wagen, meiner Spur weiter zu folgen.
Ei« «euer Berns. Aus Marien bad wird dem „Hann. C." geschrieben: Im hiesigen „Tagebl." bietet eine „intelligente Dame", die deutsch, englisch und französisch spricht, ihre Dienste als „Promeneure" an. Einsame Badegäste können also auf ganz, ordnungsmäßigem Wege zu! einer gewiß unterhaltsamen Begleitung auf den ihnen verordneten Spaziergängen gelangen. Die kühne Hinwegsetz- unq über sprachliche Engherzigkeiten, mit der der neue Titel gebildet ist, verspricht jedenfalls das Beste. Einige sozialpolitisch angehauchte Kurgäste haben bereits fest- gestellt, daß man es hier mit einem neuen Typus, dem der „ständigen Saisonarbeiterinnen", zu thun hat, die, wenn die Saison im rauhen Norden zu Ende geht, nach südlichen Gestaden. ziehen, um, wenn die ersten Lerchen schwirren, zu uns zurückzukehren. Die Erfindung der „Pro- meneuren" ist ein Beweis dafür, daß die Differenzierung der Berufe noch einer ungeahnten Entwickelung fähig M — eine Thatsache, deren sozialpolitische Bedeutung bet der zunehmenden Uebervölkerung nicht unterschätzt werde« darf. — '
Zahle« rätsel.
(Nachdruck verboten.) 123345645748 vielersehnte Erholungszeit. 2 1 7 5 7 1 altägyptische Gottheit.
3 4 4 5 geographische Bezech ung.
8 2 14 1 alttestamentarische GestcM.
4 5 2 1 griechischer Gvtt.
5 2 14 Blume.
6 4 5 1 4 Teil des Fußes.
4 7 8 1 Zahlwort.
5 7 4 1 4 Märchcngestalt.
7 5 7 1 Teil des Auges.
4 7 1 4 8 Metall.
8 4 5 2 römischer Kaiser.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Austösung des Wechselrätsels in vor. Nr.r Reck, Geck, Deck, Leck, keck, Neck.
Redaktion: Curt Dlato. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttats-Vuch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


