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ihm keinen Trost bringen konnte. Sie dachte an das entsetz­liche Wiedersehen d er alten Heimat und an Camills Worte : »Wenn es denn sein muß/'

Und ihre Gedanken wanderten zu Frau Alma und Paul Lehmigke, sie hielt beide nebeneinander und grübelte über das vermittelnde Band zwischen ihnen. Sie fand keins. Dann maß sie Almas Persönlichkeit mit der ihrer Mutter, ihrer Schwester und sich selbst.

Giebt es eine Gerechtigkeit? Und wo liegt nun der wahre Wert des Menschen? Ml diese quälenden Gedanken erstickten aber in d er Angst um das Unglück, das daheim ihrer wartete.

Keuchend und ächzend jagte der SchUellzug mit ihr durch den staubigen Sommertag, und jeder heulende Pfiff der Lokomotive schien ihr wie ein Schpei, ein ungeheurer Schrei der Angst und Qual, der schaurig über die weite Ebene tönte. Endlich tauchten die Türme und Schornsteine von Leipzig auf, in einer Dunstschicht von Rauch und Qualm, in der die sinkende Sonne wie eine blutrote Feuerkugel hing, endlich brauste der Zug in die kohlenstaubige Einfahrts- Halle.

Die dicke Frau steht in ihrer ganzen Breite an Fenster Und versperrt jeden Blick auf den Bahnsteig, sie hat bereits seit fünf Minuten dort Posto gefaßt, um zuerst mit ihren Schachteln und Körben zur Thur hinauszukommen, und sie war noch nie in ihrem Leben so erschrocken und empört, als sie plötzliche zwei zitternde Mädchenhände von rückwärts fassen und sie mit solcher Energie auf den Sitz zurückziehen, daß es keinen Widerstand giebt.

Aber Traute stürzt an ihr vorbei, zur Thür hinaus, sie Hat ihren Bruder Armin in der Menge gesehen.

Die dicke Frau zappelte noch auf dem Rücken und ächzt: Das will eine feine Dame sein!" als Traute schon mit beiden Händen des Bruders Arm umklammert hat.

^Armin! Armin!"

Weiter kann sie nichts sagen, sie liest alles in seinem Blick, und die Geschwister halten sich in wortlosem Jammer Umfaßt. Sie werden von der hastenden Menge gestoßen, gedrängt und geschoben, aber sie sind in diesem Augenblick allein mit sich und ihrem Schmerz.

(Fortsetzung folgt.)

Eine verhängnisvolle Mitgift.

Eine hübsche Schnurre erzählt Ernest Blum in seinem letztenJournal d'un Vaudevillrste", in dem er durch die Ucberraschungen, die die Bilderverkäufe der letzten Zeit Mit sich gebracht haben, zu tiefsinnigen Betrachtungen an­geregt wird.Einer meiner Freunde", schreibt er,hatte ein reizendes junges Mädchen geheiratet, das ihm als einzige Mitgift ein prächtiges Bild von Deeamps mit in die Ehe gebracht hatte. Sein künftiger Schwiegervater hätte ihm gesagt:

Ich kann meiner Tochter kein Geld mitgeben, aber ich gebe ihr einen Deeamps mit, den ich früher einmal für Lin Butterbrot von einem Künstler, der in der Klemme war, gekauft habe: er ist heute 50 000 Francs wert, und wenn Sie wollen, so können wir ihn ja von einem Bilder- Händler abschätzen lassen."

Man ging in der That zu einem Mlderhäudler, Und dieser erklärte sich sofort bereit, 50 000 Francs für das Werk zu geben, und er meinte sogar noch, daß er sie dabei um 10 000 betrüge. Mein Freund war entzückt, und da er die Malerei lickte, und selbst auch fand, daß! es ein prächtiger Deeamps wäre, heiratete er oas junge Mäd­chen. Er war in der Ehe verhältnismäßig glücklich; nur war dabei, da alles doch nicht ewig rosig sein kann, und kleine Streitigkeiten kamen, der Uebelstand, daß die junge Frau niemals verfehlte, zu ihrem Manne zu sagen:

Schließlich hast Du mich absolut nicht um meinet­willen geheiratet, sondern nur wegen meiner Mitgift von 50 000 Francs!"

Worauf der Ehemann erwidern konnte:

Deine Mitgift! Sie hängt ja an der Wand; was willst Du eigentlich, daß ich damit thun soll?"

Eines Tages war er jedoch dieser ewigen Vorwürfe überdrüssig, ging wieder zu dem Mlderhändler und bat ihn, sein Bild noch einmal als Sachperständiger abzuschätzen.

Es ist noch immer 50 000 Francs wert, nicht wahr?"

>,50 000 Francs? . . ; Im ganzen Leben nicht! Die Deeamps sind sehr gefallen, sie sind überhaupt nicht mehr in Mode, die Amerikaner wollen keine mehr, was alle Talente im Preise sinken läßt".

Und was ist denn mein Deeamps wert?"

Ich werde keine 15 000 Francs für geben, und über­dies. . . ."

Mein Freund ließ die Ohren hängen, und kehrte mit seinem Bilde und seiner Enttäuschung unter dem Arm nach Hause zurück; indessen machte er sich die Sache doch zu Nutze, indem er zu seiner Frau sagte:

Wenigstens wirst Du mir jetzt nicht mehr Deine 50000 Francs Mitgift vorwerfen, ich habe Dich für höchstens 15 000 Francs geheiratet, und ich verliere dabei!"

Die Frau neigte jetzt ihrerseits das Haupt und wurde wieder lieb und sanft, denn sie begriff, daß sie ihren Mann auf diese Weise für den Verlust von 35 000 Francs von ihrer Mitgift schadlos halten mußte. Mein Freund gewann also im Grunde dabei. Ein Jahr darauf erschien aber der Bilderhändler wieder.

Haben Sie noch immer Ihren Deeamps?"

Meine Mitgift!" antwortete die junge Frau.Aber gewiß, sie ist noch immer da."

Ich biete Ihnen dafür 60 000 Francs. Die Deeamps steigen wieder, sie kommen wieder in Mode; die Ameri­kaner beißen wieder an und haben fast Lust, einen Trust daraus zu machen."

Natürlich war die Freude groß. Trotzdem schlug der Ehemann, der besonders schlau sein wollte, das Aner­bieten aus.

Da mein Gemälde diesen neuen Sprung von 15 000 auf 60 000 gemacht hat, so wird es auch noch einen weiteren machen, wenn die Amerikaner wieder Geschmack daran gewrnnen."

Aber von diesem Tage an fing die Frau wieder an, ihrem Manne nicht nur die 50 000 Francs, sondern die 60000 Francs und vielleicht sogar die 100 000 vorzuwersen. Und mein Freund sagte sich:

Ich hätte vielleicht besser gethan, das Gemälde ehe­mals für 15 000 Francs zu verkaufen, ich wäre dann we- nigstens in meinem Heim glücklich."

Endlich, an einem verhängnisvollen Tage, als die Streitigkeiten zu groß geworden waren, ließ man den Ml­derhändler wieder kommen, der 500 Francs für das Bild bot! Nicht nur die Amerikaner wollten keinen Decanlps mehr, auch die Engländer nicht, und natürlich dann auch die französischen Sammler nicht, die immer den Ameri­kanern und Engländer:: auf dem Fuße folgen. Jetzt konnte mein Freund seiner Frau vorwersen, daß er sie ohne Mitgift geheiratet hätte, was er aber als guter Mann nicht that. Nur hat er geschworen, daß er, wenn er sich wieder einmal verheiraten wird, niemals eine Frau nehmen wird, die eine Ware als Mitgift hat."

Das aufgehobene Verlöbnis König Ludwigs II.

Aus den persönlichen Erinnerungen des Freiherru v. Völderndorsf brachten wir bereits eine Probe. In der Fortsetzung erzählt der Verfasser folgende inter­essante Episode über die Aufhebung des Verlöbnisses König Ludwigs II.: Es war anfangs September 1867; ich wollte eben, nachdem es! 1 Uhr über der Arbeit geworden, und ich, seit 7 Uhr morgens im. Bureau beschäftigt, starken Hunger verspürte, mich nach Hause zum Mittagessen begeben, als der Bureaudiener kam:Durchlaucht lassen bitten!" Da muß es etwas sehr Dringendes geben, dachte ich, denn mein Chef war immer so rücksichtsvoll, mir die Mittags­stunden freizulasseu.Da lesen Sie, etwas Neues", empfing mich Fürst Hohenlohe, und reichte mir ein königliches Hand­schreiben, worin der König kurz mitteilte, er habe sich entschlossen, die Herzogin Sophia in Bayern, nut welcher er seit Mitte Januar des Jahres verlobt war, nicht zu heiraten. Er vertraue derbewährten Geschicklichkeit des! Fürsten, diese Sache zur allgemeinen Zufriedenheit zu ordnen."Ich habe mich sofort zur Audienz bei Seiner Majestät gemeldet", bemerkte der Fürst,da kommt die Nachricht, wann ich empfangen werde", setzte er bei, als! die Rückkehr des in die Residenz geschickten Generalsekre­tärs gemeldet wurde.

Seine Majestät meldete dieser sind vor einer Viertelstunde ins Gebirge gefahren; wann er heimkommt,