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unter die Leut trauen? — Hab ich leicht was G'fehltes angestellt?"
„9ta, na — fragen wird man doch noch dürfen, ich hat halt grad gemeint", lenkt der Lenz eüt. Dann sich neben den Lenz breit und ungeniert niederlassend, schreit er die eben vorbeikommend-e Kellnerin an:
„Thu mir mein Bier auf den Tisch her da und nimm für den Andrä auch eine Maß mit — auf meine Rechnung!"
„Sauf Dein Bier selber, ich brauch nix von einem solchen Protzen!" lehnt der Andrä die Gastfreundschaft ab.
„Hihihihi!" kichert der Angeredete nicht im mindesten beleidigt. „Nachher bleibt mir fein mein Geld, frag auch nix darnach. — Aber gelt, dies hat Dich halt doch recht nentisch gewurmt, daß Dir beim Resl der Schnabel so sauber geblieben ist? — H ah ah aha! — Hast gemeint, es braucht sonst nix als wie her und auf den Baum auf ft! — Ja mein, solche Narren gab es noch mehr. Drum ntuß mau halt alleweil auf dies Sprüchl einen Bedacht haben: „Schuster bleib bei Deinem Leisten!" Wie wird sich denn ein „Häuslmann" bei einem großen Bauern als Schwiegersohn anmeldcn dürfen? — Dies hältst Du Dir doch schon in der Erst abfingerln können, daß der----"
Klatsch—hatte der Rotbuchner Lenz Schneider-Andräs Bier mit samt dem Krug im Gesicht, daß ihm die Scherben stecken blieben.
Und als habe man im Tanzsaal auf dieses Signal gewartet, so gings nun los.
Hageldicht fielen die Hiebe mit Fäusten und Stöcken.
Maßkrüge und einige aus dem „Nebenzimmer" herbeigeholte Stühle dienten als Wurfgeschosse.
Auch die Musikanten, deren brillante Leistungen so plötzlich unterbrochen wurden, blieben keine müßigen Zuschauer, sondertt sie bemühtet: sich nach Kräften den Streit zu schlichten, und möglichst viele Beulen an ihren Blech- rnstrnmenten einzuheimsen.
„D'Obrigkeit kimmt!" donnert nun eine Stimme zur offenstehenden Saalthüre hinein — „Aus ist's — ich bin gestochen!" tönts mit lautem Aufschrei aus dem wirren, sich am Boden herumbalgenden Knüttel und im 'selben Moment wankt ein junger Bursch, von zwei anderen gestützt, kreidebleich und blutüberströmt der Thüre zu, vorbei an dem in vollster Amtswürde dortstehenden Ortspolizeidiener, die Treppe hinab und dem sich vor dem Wirtshaus auf der „Gred" befiudlichen, steinernen Wasser- troge zu.
„Fehlts weit, Han Jakl?" fragt einer der Begleiter den Verwundeten mitleidig. „Bluten thust als wie eine Sau." -
Nein, es fehlte nicht weit. Nachdetn die „Montur" und das Gesicht draußen am Brunnentrog vom meisten Blut gereinigt waren, stellte sich heraus, daß nur die eine Ohrmuschel entzwei geschnitten war.
„Na„ wann es sonst nix hat, nachher trinken ivir noch ein „Maßl" auf den Schrecken auffi!" seufzt der Verletzte erleichtert auf, und hinein gehts wieder in Gam- brinns' geweihte Hallen.
Dort hat inzwischen eine robuste Hausmagd die letzten Spuren der Verwüstung im Tauzsaal hiitweggeräumt und: „Utt — dalda, Un — dalda, Tra — di -i ritata —" Nudl,auf d' Nacht — Knödl auf d' Nacht — und a Bratl a!" tönt es den Wiederkehretiden Entgegen. —
GemeßirnÄtzrgss.
Koh len o xy d v e r gif tun g durch T a b a k r a n ch. Man sollte wirklich meinen, daß es schwer wäre, zur Auklage und zur Verteidigung des Tabaks, noch etwas Neues zu sagen, aber es scheint sich doch noch jemand gefunden zu haben, der das große Register der Anfeindungen gegen die „Rauchsucht" noch um ein neues Glied vermehren zu können glaubt. Daß der im Tabak enthaltene chemische Stoff, der nach der wissenschaftlichen Gattungsbezeichnung der Pflanze (Nicotiana) den Namen Nikotin erhalten hat, zu den Giften gerechnet werden muß, ist allerdings unbestritten. Wenn das Nikotin mit den Schleimhäuten des Mundes und Halses in Berührung kommt, so reizt es sie bis zur Entzündung, verursacht Heiserkeit, ferner auch nervöse Erscheinungen usw. Andererseits lehrt jedoch die
Erfahrung, daß bei einem nicht übertriebenen Tabakgenuß die schädlichen Wirkungen des Nikotin so geringfügig sind, daß von einer Schädigung der Gesundheit nicht gesprochen werden kann. Der Hygieniker Pommerol hat nun aber herausgefunden, daß der Tabak außer dem Nikotin einen bisher gar nicht gewürdigten Stickstoff enthält. Er ist zu dieser Ueberzeugung durch die Beobachtung gekommen,' daß die Krankheitserscheinungen bet Zigarettenrauchern eine große Aehnlichkeit mit denjenigen besitzen, die sich als Folge der Einatmungen von glühenden Kohlen bei Köchinnen, Plätterinnen usw. gelegentlich zeigen und in Blutleere, Appetitlosigkeit uud Nerveuafiektionen bestehen. Auch die Folgen für das Allgemeinbefinden sind angeblich in beiden Fällen ähnliche; Gedächtnisschwäche, eine gewisse Gedankeitträgheit, unbezwingliche Schläfrigkeit u. a. m. Tie Zigarettenraucher haben namentlich die Gewohnheit, den würzigen Rauch eiuzuschlncken, der in einer Mischung der Berbremtungsgase des Papieves und des Tabaks mit der Atemluft besteht, und lassen ihn bis in die tiefsten Verzweigungen der Atmungswege eindringen. Nun ist aber im Tabaksrauch, wie in jedem Rauch, Kohlenoxyd enthalten, und zwar in beträchtlichen Mengen, und die Zigarettenraucher verschlucken auch dieses durch seine Giftigkeit besonders berüchtigte Gas. Dadurch entsteht eine langsame Blutvergiftung. Alle anderen Arten des Tabakgenusses sind weit weniger schädlich, weil dabei der Ranch nicht eingesogen wird. Kohlettoxydvergiftung durch Tabak- rauch will Pommerol aber auch als Berufskrankheit bei den Personen festgestellt haben, die sich zum Zwecke der Bedienuug bett größten Teil des Tages in verräucherten Räumen aufzuhalten haben. Soweit hat er zweifellos recht, als das Verschlucken des Rauches beim Zigarettengenuß nicht oft und nicht strenge genug verurteilt werden kann. Bei seiner endgiltigen Wirkung wäre das Kohlenoxyd bei dieser Art des Tabakrauchens sogar verhängnisvoller als das Nikotin, da dieses nur örtliche Entzündungen hervorruft, während jenes zu einer langsamen Zersetzung des Blutes und zu eigenartigen Störungen des Allgetnein- befindens führt.
Gewöhnung zur Thätigkeit. Sobald ein Kind soweit entwickelt ist, daß es die Hilfeleistungen anderer nach und nach entbehren kann, sollte man es daran gewöhnen, andern Hilfeleistungen zu gewähren. Wieviel leichte Arbeiten gießt es in der Küche, Hof und Garten, die auch von Kinderhänden verrichtet werden können! Wer die Gewöhnung zur Thätigkeit fehlt leider nicht selten. Manche Eltern meinen, ihre Kinder seien zu „gut", zu „fein" dazu, tut Haus, Hof uud Garten mit Hand anzulegen. Sie wissen gar nicht, wie sich das Kind freut, wenn es an ihm zusagender Stelle Mitarbeiten kann als ein Rädchen im Wirt- schaftsgetriebc. Freilich, wenn das Gift jener thörichten Meinung von dem „Zu gut" und „Zn fein" erst in die kindlichen Seelen hiueingesät ist, dann wächst darin der Hochmut, und statt anderen behilflich zu sein, läßt sich das verwöhnte Kind von anderen bedienen. Die Frucht einen solchen Erziehung sind dann z .B. jene — übrigens gar nicht seltenen, schreibt der „Praktische Wegweiser", Würzburg, — erwachsenen Töchter, die der Mutter alle häuslichen Arbeiten überlassen, selbst aber mit einer „Handarbeit" oder gar mit einem Romane die Zeit totschlagen.
Buchstabenrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Im Wald und auf der Haide Das Kleine ist alleine; Jedoch im Alltagskleide, Da stecken alle beide, Das Große wie das Kleine. Es sitzt in jedem Wagen, Man trifft's bei jedem Stand. Man hat es stets im Magen Und stets auch in der Hand. Doch wer es hat am Bart, Ist von besondrer Art.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Austösung des Magischen Quadrats in vor. Nr.r ZORN OBOE ROHR NERZ
Redaktion: I. V.: R. Dittmann. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


