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ich stand ja , u________ ... _____u_...
„Ich hatte ein rosa Tüll kleid "an mit Moosrosen, Es war an demselben Tage, als die alte Gräfin Haken--
In der nächsten Sekunde klärte sich das' Mißverständnis auf, und tit dem alten, dunklen Keller unter Weinflaschen und Spinnweben spielte sich nun eine rührend schöne Fa- nnlrenszene ab. Aber Herr Velten mußte sich doch erst einen Augenblick. aus die nächste Weinkiste setzen, ehe er seine Fassung wiederfcmd, so war ihm der Schreck in die Kniee gefahren. Und zur allgemeinen, unendlichen Belustigung sagte er spater in der Zerstreutheit zu Hulde: „Liebes flE, wenn Du D-ich eiiinial wieder verlobst, drücke Dich doch ja gleich etwas deutlicher aus."
Egon war immer ein großer Liebling in Brantikow gewesen, und das Elternpaar Velten zögerte keinen Augenblick, seine Einwilligung zu dieser Verbindung zu geben, trotzdem der künftige Schwiegersohn nichts als ein Se- kondeleutnant war, der noch von der Zulage seines Vaters lebte. An eine Heirat war fürs erste nicht zu denken, aber das Paar war noch jung und konnte warten. Herr und Frau Velten strahlten beide von freudigem Stolz, einen preußischen Leutnant als Schwiegersohn zu bekommen und Frau Velten empfand es als eine süße Genugthuung, daß llsre Tochter dereinst wieder ihren eigenen geliebten Mädchennamen „von Lodenstein" tragen sollte, auf den sie immer noch heimlich stolz war.
Das Glück des jungen Paares !var ein unendlicher in dem allgemeinen Herzenskummer und Traute ime Armin hatten sogar wieder «eine Anwandlungen von Uebermut. Beide waren sehr überrascht, als sie, eifrig mit dem Einpacken ihrer Kiste auf einem Vorflur beschäftigt tgulbe und Egon Hand in Hand eintreten sahen und dahinter die Eltern, den Papa mit einer dickbäuchigen Flasche Sekt rin Arm, tote ein Kellermeister mit einer blauen Schürze angethan und einer seltsam feierlichen Miene, d« Mama heimlich ein Thränchen trocknend in ebenfalls nicht sehr saloumäßigem Aufzug.
ist lo8""^^ter!" rief Armin aufspringend, „was
Traute wußte in einem Augenblick, trag- geschehen war.
„Hulde! schrie sie auf und flog der Schwester lacheiid uitb toetnenb in bie Arme.
Armin stand immer noch mit offenem Munde und war seiner Sache nicht ganz sicher.
c Eer Junge, so gratuliere doch!"
rief der Papa fröhlich und gab seinem Sohn einen herzhaften Klaps auf die Schulter. 3
_ "Hurrah!" schrie Armin, „das ist famos! Tas ist wirtlich fams!"
Und nun gab es ein allgemeines Umarmen und Küssen.
Auf dem Kistendeckel wurde der Sekt entkorkt, Traute brachte schnell die Bauerntassen herbei, aus denen man vorher Kaffee Mrunken, und mit diesen stieß man auf das Wohl des Brautpaares am
_ r, dlisin gönnte sich ein halbes Stündchen Ruhe, um btt Erste Freude zusammen zu genießen.
Braiitpaar saß in der Mitte auf einer bereits geschlossenen Kiste, Armin und Traute hockten zusammen auf etnem Heubüudel, bas zum Verpacken bienen sollte, und bte Ellern auf bem einzigen anwesenden Schemel.
Traute behauptete, es wäre zum Photographieren, Arntm sagte in jedem Satz dreimal „Schwager" und die Eltern waren in weicher, gerührter Stimmung.
Herr Velten schlang den Arm um seine Frau: „Weißt Du noch. Klärchen, wie wir uns verlobten? Wie die Zell vergeht! Mir ist's, als wäre es gestern gewesen!" . t^au Veltens Augen leuchteten auf. „Ja, das war «in bischen anders tote heute! Es war auf dem Ball beim Onkel General. Der Prinz Hohenloh war da und er war der erste, der mir grckkulierte. Er sagte — was sagte er doch, Theophil?"
Frau Velten wußte ganz genau, was er gesagt gatte, und bte Kinder kannten alle bie Geschichte aus- toenbtg, bte immer bei Familienfesten erzählt wurde, ober sie hörten sie alle immer wieder mit demselben Vergnügen. 1
fagte: „mein gnädiges Fräulein, ich bin ent» ruckt, daß die Schönheit zu unserer Fahne schwört", ergänzte Herr Belten. „Ja, Eure Mama war schön an dem Tage", fuhr er mit zärtlichem Stolz fort, „und stand ja im Regiment des Prinzen."
berg von mir sagte: ,1a belle petite en rose danse la valse parfaitement bien!*" erzählte Frau Velten. „Und der unser Brautführer auf der Hochzeit, es waren s chs Exzellenzen, zwei Prinzen und vier Grafen in unserem rVl-tlblLgLlU "
In diesem Augenblick trat Graumauu ein.
„Gnädiger, Herr, zwei Packlliechte sind betrunken und prügeln sich-/ und bie Fuhrleute fluchen unb sagen, bret Möbelwagen seien zu wenig für all bie Sachen."
§err Velten erhob sich mit einem Seufzer. Tie rauyL Wirklichkeit zerstörte unbarmherzig bie schönen Erinnerungen an eine sonnige Vergangenheit.
„ „Ach", sagte Traute mit einem Seufzer, „der arme
Alte in, dem kleinen Kreis empfanden in diesem Augenblick bitter den grausamen Schicksalswechsel. Mer bei. der fügend siegten Mut und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. '
Nur Frau Velten ging mit tief sorgenvoller Miene °u die Arbeit zurück. Wie stolz, wie kühn war ihr Lebensschiffleln hinausgesegelt in wolkenloses Blau und als welch trauriges Wrack trieb es jetzt einer trüben Zukunft entgegen! Es bedurfte ihres ganzen Gottvertrauens, um ihren finkenden Mut aufrecht zu halten.
Viertes Kapitel.
, Tte Abschiedsstunde kam mit ihrem Bitteren Herzweh, mit jenem herben, zweischneidigen Schmerz, der seine Narben zurückläßt.
Im grauen trüben Dämmerlicht hielt der Wagen vor der Hausthür, der die Familie Velten zur Bahn bringen sollte. Zum letzten Mal! Tenn Wagen, Pferde, Kutscher, Diener, alles blieb in Brantikow zurück und ging an den neuen Herrn über.
Der prächtige, große Landauer, den mau so gern Schabt hatte, bie lieben braunen Kutschpferde, die jedem einzelnen in der Familie aus Herz gewachsen waren — ach, und Fritze Krüger und Graumauu! Tie saßen beide auf dem Bock als sollten sie heute ihr Liebstes zu Grabe fahren.
Man hatte mit dem Mittagszuge abreisen wollen, aber bie Möbelwagen kamen nicht zur rechten Zeit fort und so mußte man bis zum Abendzuge warten.
Da traf, um den Kelch des Unbehagens voll zu machen, Paul Lehmigke am Nachmittag ein, der bte Familie bereits am Morgen ab gereist glaubte. Wahrscheinlich empfanb er bas Peinliche ber Situation ebenso lästig, aber er trug eine ruhige Gleichgiltigkeit zur Schau. Er fing an sich in einem der leeren Zimmer des Hauses mit bem Notwendigsten einzurichten was er mit» gebracht hatte. Es war ein Parterrezimmer der Vorder» front. Er suchte die Familie Velten nicht auf, unb begrüßte sie nicht, doch war ein Zusammentreffen nicht zu vermeiden.
Einmal kamen Hulde und Traute mit blassen, verweinten Gesichtem die Haustreppe herab, um einen letzten Bang durch den Park zu machen, da stand er unten im . ansflur unb ließ von einem Knecht seine Gepäckstück« in das Zimmer tragen. Man grüßte sich formell unb Traute empfanb in diesem Augenblick mehr als Abneigung gegen ihn. Wie unvorteilhaft er aussah mit bem harten, verschlossenen Ausdruck, dem scharfkantigen Kopf auf der gedrungenen Figur und tote häßlich dieses Reisekostüm! Der alte Paletot unb bte abgegriffene Geldtasche am Riemen. Ganz tote ein Passagier der dritten Klasse!
Wie taktlos, bereits Einzug zu halten, während sie noch im Hause waren! Später ereignete sich sogar etwas Unangenehmes.
Herr Lehmigke junior ließ Frau Velten um Audienz bitten. Er trat etwas brüsk in das leere Zimmer, in dem Frau Velten mit ihrem Reisegepäck beschäftigt war, und sagte ohne viele Zeremonie: „Ich sehe soeben, daß Ihre Leute die Küchengerätschaften aufpacken wollen, trotzdem im Kontrakt ausbedungen ist, daß die Küchen-Einrichtung nicht entfernt werden soll. Ich muß doch sehr bitten, die Kontraktbedingungen einzuhalten."
Frau Velten richtete sich hoch auf und war ganz vornehme Dame, als sie mit ausgesuchter Höflichkeit erwiderte: „Ich bedaure unendlich, Herr Lehmigke, wenn hier ein Irrtum vorliegt. Ich habe nichts von diese?


