Ausgabe 
11.1.1902
 
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dem Geschwätz nachhängen

thut es mir weh sehr

was kümmert mich da

,©ie quälen?"

Za gerade von Ihnen

Er hörte ein leises Knistern, dann Wurde ihm die Binds von den Augen genommen- Er stand vor der Geliebten., Einen Augenblick hindurch sah er nichts, als sie- Dann blickte er sich um- Eine niedrige, düstere Halle, durch das blutrote Licht einer Fackel erleuchtet. Inmitten sie in langem/ weißem Gewände, lose von einem Gürtel um die wundere volle Taille zusammengehalten. Ihr Blondhaar wallte offen herab. Die blauen Augen hatten etwas Spöttisches, Hartes, eine finstere Falte entstellte die edle Stirn- Der feine Mund erschien ihm verzerrt, höhnisch, grinsend, wie die Mundhöhlen der Skelette, die ringsherum an den Wänden standen. Geräuschlos war die alte Beschließerin hinauf geschlichen er war mit Ilona allein, allem in dem un- heimlichsten Raume, den er jemals betreten-

Sie trat auf ihn zu, sprach ,

Ein Wort wolltest Du hören von mir, em Wort, das Dir alle Himmel oder alle Höllen eröffnet, Sandor Guglai, sprich, verlangst Du noch dies Wort von mir?"

Ich habe nur einen Wunsch auf Erden, das tft bie|er !'< Du liebst mich also?"

Ilona, Du weißt es ja-"

Liebst Du mich so, daß Du alles vergessen kannst?"< Alles >"

"Nun, wohl denn" Sie beugte sich zu ihm herab, zog seinen Kopf an ihre Brust, hauchte einen Kuß auf feilte Stirn.

Alles auch daß ich eine Mörderin?"

Auch das-"

Sie riß sich los-

So liebst Du mich ohne Vertrauen

"llud ohne Vertrauen ist keine wahre Liebe- Geh, Saudor Guglai, geh"

meh

Ilona Sie lieben mich was kümmert mich da das Geschwätz; meine Liebe macht mich alles vergessen, trotzdem und alledem flehe ich Sie an, die Meine zu werden, mich zum glücklichsten Menschen der Erde zu machen. Ilona, erhöre mein Flehen, ich werde Dich gegen eine Welt ver­

teidigen."

Die schöne Gräfin wollte sich zu dem Knieenden hinab­beugen, aber sie bezwang sich. Es leuchtete Liebe in ihren Augen, n-ls sie auf den schönen Mann hinblickte, der ihr mit Leib und Seele ergeben war trotzdem- Und nun huschte ein düsterer Schatten über chr Antlitz. Wenn sie ihn auch liebte, wenn sie auch fühlte, daß er sie wahrhaft liebe ihren Stolz durfte sie nicht brechen er sollte bestraft werden für seine Vermessenheit- Als sie sich wieder zu chm wandte, umspielte ein seines Lächeln ihre Lippen-

Stehen Sie auf, Sandor Guglai-"

Nicht eher, bis Sie mir ein Wort gesagt ein einziges, beseligendes Wort-"

Nein nicht jetzt lassen Sie nur Zell gehn Sie, Sandor, gehen Sie" .

Nichts kann mich von der Stelle reißen als Dem Wort nur ein Hoffnungsstrahl"

Nun wohl, dann heut' um Mitternacht holen Sre sich die Antwort

Für ja?"

Vielleicht"

Ilona, Süßeste ich komme"

In der Vorhalle um Mitternacht"

Um Mitternacht!"

//3*01tCt"

Er wollte auf sie zustürzen plötzlich schwankte er, - der Boden öffnete sich unter seinen Füßen em heiserer Schrei dann Stille Stille

Als Sandor wieder zu sich kam, befand er sich in völliger Finsternis- Er wagte sich sticht zu rühren; denn er hörte ein leises Rauschen an seiner Selle- Der H-luß/ der den Burgberg durchfloß, in dem er fern Ende finden sollte, sein Ende- So war er doch den Weg gegangen, den so mancher vor ihm gegangen war mid er Halle ge­wähnt, sie liebte ihn- Wenn seine Lage Nicht so entsetzlich gewesen wäre, jetzt hätte er lachen können über diesen Glauben, lachen-

Regungslos lag er da, kaum den Kopf wagte er zu wenden- Er versuchte, die Finsternis zu durchbringen, er konnte nichts sehen, nichts- Nicht den kleinsten Lichtschimmer. Und das Rauschen klang lauter und lauter bald wird ihn der Nimmersatte Strudel in die Tiefe ziehen und er würde nie mehr die schöne Erde sehen, nie mehr. Und! er hatte geglaubt, sie liebte ihn; Thor, drersacyer st-yor, der er war- Sie hatte ihn zum Tode verdammt, wie all die anderen. Wer nein, sie sollte nicht über ihn triumphieren, das sollte sie nicht; nein, das sollte sie nicht- Er wollte sich befreien, ja das wollte er, wollte es um leben .Preis, Almr tote? War er nicht völlig machtlos? Er wufte ja noch? nicht einmal, wo er sich befand- Ob er einmal nutzer Hand um sich fühlte? Er wagte kaum, den Arm au-zu- strecken- Ein paar Mal versuchte es es, immer wieder zog er ihn zurück- Wer weiß, wie breit der Raum war, auf dem er lag? Er könnte das Gleichgewicht verlieren rn den Fluß stürzen- Cudlich wagte er es. Neben sich fühlte er etwas Glattes, Kaltes- Entsetzt zog er du Hand zuruck. , War das nicht ein menschlicher Körper? ©eine Nerven zitterten, seine Pulse flogen- Er mußte seine ganze Kraft zusammenraffen, um noch einmal zu tasten- Er folgte den Linien wahrhaftig, ein Körper, kalt, tot, starr- Em entsetzter Schrei entrang sich ihm, tote em Echo tonte es von "bett Wänden nieder, aber klirrend, hart, tote wenn ein nacktes Schwert an hartes Gemäuer fcyluge- O, M war llug, llug, die Schlange wenn ihn nicht der jhtg mit sich zog, würde ihn der Hunger dahtnrafsen, wie ' seinen kalten, stummen Nachbar- Wie entsetzlich, neben dem

Toten zu liegen, unerträglich! tooUte fori: Jbon fort! Aber das Rauschen! Und doch, besser tot, als lebend neben dem zu liegen, der das Los zeigte, was ihm bevorstand qualvoller Hungertod! Also sorgfältig nut ber Linken getastet- Ah was war bas, das, das? Ev fühlte, fühlte etwas Weiches ein Fett- Entsetzen, Entsetzen/

Empörend 1"

Nein, nicht empörend, das Recht souveräner, das Recht der Herrschernaturen und, eine solche sind Sie, Ilona, die mich, den unbesiegbaren Sandor Guglai, zum Sllaven

Vom Turme des alten Kastells schlug es in dumpfen Tönen Zwölf- Sandor stand in ber bunklen Vorhallest die alte Beschließerin er mochte sie nicht leiden verband ihm die Augen- Er wollte sich dagegen wehren, aber die Alte dämpfte jeden Widerstand mit den Worten: So will's Ilona." Als die Alte ihn dann an der Hand nahm und ihn aus der Halle hinausfübrte, ward es ihm recht unheimlich zu Mute- Was sollte bte geheimnisvolle Wanderung bedeuten? Sollte auch er beit Weg gehen, ben so mancher attbere gegangen war? Nein bas wollt« er nicht- Lieber umkehren. Umlehren? Auch bas war unmöglich. Vor ihr, bie er liebte, feige erscheinen, bas wollte, bas bürste er nicht- Also vorwärts. 3n berJemen fühlte er die kalte, runzlige Hand ber Wen, die ihn fast gewaltsam weiterzog. Warum gewaltsam? Folgte er denn nicht willig? Und warum so schnell? Wenn er, der sehnende Liebhaber, keine Eile hatte, warum hatte sie nie Alte? Jetzt hallten die Schritte an einem Gewölbe wieder, es umwehte ihn kalte, dumpfe Luft, er fröstelte, trotzdem es ihm fieberheiß über den Rücken rieselte- Wo befand er sich? Wohin wurde er geführt? Die Alte hatte fern Wort für ihn- Seine Knie begannen zu zittern, seine Augen toetteten sich unter der Binde- Jetzt wurde eine Thur geöffnet, dumpf siel sie wieder ins Schloß. Noch ein paar Schritte, bann, plötzlich, wurde er gezwungen, stehen zu bleiben.

gemacht." t , , . ,

Lieber Freund ich muß denn doch sagen, daß ich trotz Ihrer auf recht schwachen Füßen stehenden Verteidigung darauf verzichte, eine souveräne Natur zu sein, die ihre Freier vernichtet- Wenn das Volk, was hier um das Kastell herumhaust, schlecht von mir redet, so thut es wohl weh, aber was kann ich dagegen thun? Die Landbevölkerung ist nun einmal noch im Irrwahn befangen daß so viele Gebildete, daß Sie bte albernen Märchen glauben

O, wären es Märchen"

Sie machen mich ernstlich böse boch nein, bas nicht Sie sind eben ein Dichter, bei dem die Phantasie oft mit dem Verstände durchbreunt, das Abnorme reizt Sie und vielleicht ist es auch nur das Abnorme, das Phantastische, das Sie bei mir anzieht"

Ilona ich liebe Sie"

Sie lieben mich und zweifeln an mir?!"

Zweifeln an Ihnen nie unb nitnnter!" _

Nun also, wie können Sie i Ist' ..

unb mich damit quälen?"