1902. — Nr, 150.
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(Nachdruck verboten.)
Die Mper.
Nach dem Französischen bearbeitet von H. Revel-
(Fortsetzung.)
Bertha überlegte einige Augenblicke, bau« fuhr sie fort:
„Ja — alles, was Sie mir über diesen Menschen sagen: sein schlechter Nus, seine Aehnlichkert mit Herrn von Sempach — seine Geldforderunaen r-i — alles das erweckt Verdacht. — Wer um ihn zu suchen und zu finden. Müßte man wenigstens seinen Namen wissen. Kennen Sie Hn vielleicht?"
„Er hat denselben Namen, wie die. gnädige Frau."
>,Also von Sanden?"
„Nein, das war nur der Theatername der gnädigen Frau. Ihr eigentlicher Name, ihr Familienname war Münser."
„Münser in Straßburg", nahm Bertha von neNem auf.
>,Ein Mann von mehr als Mittelgröße, nicht wahr?"
„Ja, gnädige Frau."
„War er blond oder brünett? Können Sie sich Noch besinnen?"
„Blond. Ich erinnere mich ganz genau."
„Steht er Halbweg ordentliche aus?"
„Er war sehr anständig gekleidet."
„Driickie er sich? gut aus?"
„O, sehr gut. — Die gnädige FraN war aus gutem Hause."
„Mit diesen Fingerzeigen gelingt mir's vielleicht, ihn zu entdecken. Ich will darüber nachdenken und werde sehen, was ich zu thun habe. Ich ersuche Sie nur um das eme, liebes Fräulein, darüber eine Zeit lang das Geheimnis zu bewahren. Wie Sie ja selbst sagen, werden Ihre Aussagen an Wert mehr gewinnen, wenn sie auf genauen Angaben fußen. Wenn ich solche erhalten kann und unser noch unbegründeter Verdacht ein ernsterer wird, so darf ich doch dann auf Sie rechnen, nicht wahr? .Sie werden nichts verschweigen von alledem, was Sie mir jetzt gesagt haben?" ::
„O, gnädige Frau, ich habe keinen sehnlicheren Wunsch, als Ihnen zu helfen, die Wahrheit zu entdecken und die Unschuld des Herrn von Sempach zu beweisen. Jetzt aber bitte ich Sie um Vergebung. Die lange Unterredung hat mich: sehr angestrengt — ich fühle mich sehr schwach und —"
»Ja, ja, wir wollen gehen. — Ich wünsche nur, daß Ihnen nichts abgeht, und will mich noch diesbezüglich mrt der Portiersfrau ins Einvernehmen setzen. Also auf Wiedersehen und baldige Besserung!"
Minna versuchte, ihren Besuch bis an die Thür zu begleiten. Doch mitten auf dem Wege wankte sie und mußte e$. vntMageu. M Kaum aber war die Thur Puter feit*
beiden Damen geschlossen, als ihr wie durch ein Wundes plötzlich alle Kräfte wiederkehrten. Begann durch daH Zimmer zu tänzeln und zu Hüpfen, und leise hörte man sie vor sich Hinlachenr .Meingefallen, meine Kleine!" i
Um 6 Uhr kletterte die Portterssrau mit einem KörbK chen in der Hand nach dem Zimmer Minnas die Trepptz hinauf.
„Heute bringe ich Ihnen ein wahres Festessen", 'S« gönn die alte Frau, „fette Suppe, Geflügel, Johannisbee» gelee und alten Bordeaux. Was sagen Sie nun?"
„Ich sage, liebe Frau Peters, daß Sie von einer sind--"
„Mir haben Sie nicht zu danken. Das bnNmt alles von den beiden Damen, den beiden vom Theater. Sehen Sie, die haben eben ihr Herz auf dem rechten Fleck"
„Ja, sie sind sehr mildherzig. Aber ihr Besuch yiM sich nur etwas in die Länge gezogen, und ich fühle Mich matter als je."
„Ma, versuchen Sie nur etwas zu essen; dann legen Sie sich gleich, wieder in die Klappe, schlafen recht fest unbi gesund, — und morgen sehen Sie dann aus wie der Liepgarten — so frisch"
„Ach möchte ich's doch gantz gern", erwiderte Minnck lächelnd.
„Warten Sie mal", sagte die Portiersfrau, ,-ob ich auch nichts in meinem Korb vergessen habe. — Nein, es ist schon alles hier auf dem Disch, hergerichtet. Fetzt will ich Sie aber allein lassen. Ms morgen in der Früh wird Sie! kein Mensch mehr stören. Guten Appetit auch, und schlafen Sie recht schön!" ; .
Kaum war Minna allein, als sie einen verächtlichen Blick auf die ihr gebrachten Eßwaren warf und anstatt zu essen — anfing, sich mit ihrer Toilette zu beschäftigen.- Mit einem kupfernen Leuchter in der Hand, worin ein Stück Kerze brannte, trat sie vor einen kleinen, an der Wand hängenden Spiegel, besah sich darin eine Weile, drehte sich in ihrem warmblonden Haare kleine, zierliche Löckchen und kaute mit ihren weißen, spitzen Zähnen chre Lippen, damit sie voller würden und mehr Glanz bekämen. Dann warf sie das Foulardtuch, das sie immer um hatte, sobald fitz Besuch bekam, über den Kopf, hüllte sich rn einen großen Shawl, den ihr vermutlich die Sanden geschenkt hatte, löschte das Licht und öffnete die Thür zur Hälfte,
Hall beruhigt durch das Dunkel und daN tiefe Schwelgen des Treppenhauses, versucht« sie, mit dem Auge daN Dunkel zu druchd ringen, und horchte einige Augenblick« mit zurückgehaltenem Atem. MN sie weder etwas sah noch hörte, schloß sie die Thüre zweimal ab, steckte den Thü« schlüssel in ihre Tasche und schlich dann Schritt für Schritt auf den Zehenspitzen katzenartig bis Wr Gestndestiege, di« auf die Treppe mündete.
Auf dem Absätze deS fünften SkxkkS, tob nbch ehtti Wvüche MlSflawme brannte, hrwchde fle abermaW, bvg W über das Geländer, und rrstE fitz W pergewissevk


