Ausgabe 
10.9.1902
 
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Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'lchen UmverkiiätS-Buä- und Eteindruckerei eDüUL Erben) in Gikhen.

Anagramm.

(Nachdruck verboten.)

Nektar, Haut, Angel, Amsel, Vater, Elba, Rauch, Mais, Gans, Falte, Reich, Emil, Beile, Launen, Genie, Tanger.

Von jedem der vorstehenden Wörter ist durch Umstellung der Buch« staben ein anderes bekanntes Hauptwort zu bilden. Die Anfangsbuchstaben der neuen Wörter müssen, im Zusammenhang gelesen, ewe jur das irunst« leben wichtige Veranstaltung bezeichnen.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Rätsels in Nr. 182 t

Der Hunger.

zuging, ihn unter fortwährendem Erzählen von deut Schnürvb'art) tote die Buren an denselben nicht glauben wollten 2C., wieder auf den Stuhl niederdrückte und ihm die beiden Brillen von der Nase nahm) da fing ich auch an, meinen Apparat aufzubauen und kümmerte mich schließ­lich ebenso wenig um den Groll des! Wen, der sich, noch hin und wieder in tonten Ausbrüchen Luft machte. Zum! Unglück mußte ich noch erfi-ärett, daß es dort zu dunkel sei, weil das breite Werandadach zu viel Schatten gab) und ich glaubte schon tiUeS1 verloren, aber wenn (Stoff sich einmal ins Mittel legte, dann that ers ganz. Er nötigt« kurz entschlossen den Men durch ein nicht mißzuver-. stehendes Bornüberkippen des Lehnstuhles zum Auf steh en,- packte das schwere Möbel mit seinen derben Fausten, trug es, als ob es ein Wiener Rohrstuhl wäre, auf die Veranda Unfl führte dann OHM Paul, dessen Widerstand schon wieder anfing, lebhafter zu werden, mit sanfter Gewalt hinterher, und binnen wenigen Minuten waren zwei Auf-, nahmen fertig, die er dann auch ruhig über sich, hatte er-; gehen lassen. Als die Leibärzte vom Frühstück zurücklamech war ich schon beim Einpacken, und ihr Schelten über di« gesundheitsschädliche Aufregung irr die wir den Präsidenten! versetzt hatten, war ebenso Unnütz wie dessen iMrner wieder herdorgestoßenes ^Verdummte schellems!" (verdammt« Schelme). Wir hatten unfern Zweck erreicht- und vergnügt zog ich Mit meinen beiden Ausnahmen Von dannen. Tas, erste Bild davon bekam selbstverständlich Elofs, das zweit« erst Ohm Pastl. i

Eine Skandalgeschichte ans dem New-Yorker High Life". Aus New-York wird berichtet: Aufsehen­erregende Enthüllungen über das Leben und Treib M unsererbesten Gesellschaft" werden in einer Ehescheidung^ klage gemacht, welche von Adele Watt geMN ihren (Satten Archibald Watt, einen wettbekannten Iach^i man und einstigen Kommodore desAmerrcan, vWW KlNb", angestrengt worden ist. Die Fran beschuldigt den Gatten, sich saft täglich, bis zur Bewußtloftgkett berauscht zu haben, Orgien aN Bord des Schiffes mtt Damen gehalten und sich in anderer Weise vergangen zu Wen. Uw der Gatte, dessen Vermögen nach Millionen geschätzt wird, der behauptet, vollständig verarmt und' nur von der Gnad« einer alten- reichen Erbtante abhängig Ku sern, zeiht dr« Frau des verbotene:: Umganges! Mit einem Newyorker. Geistlichen, der in einer der vornehmsten Kirchen Man-! hattans die Pfarre bekleidet und großen Einfluß auch rM politischen Leben der Stadt ausübt. Nächtlich, wenn der Gatte im Schlafe lag, so heißt es in der Erwiderung der Klageschrift, kam der Geistliche an Bord, Und trank mrt de« Frau des Jachteigentümers dessen Champagner. Auch mrt anderen Männern soll die Frau verbotenen ^rkehr nntM-i halten haben. Die GatttU behauptet, dre Jacht verschlrng« 8000 Mark wöchentlich. Frau Watt verherratete s^ mrt Archibald Watt, dem Abkömwlrng erner der ältesten Knicker« bocker-Familien, 1895, an demselben Tage, an welchem sw von ihrem ersten Gatten, dem millionenrerchen FabrrkanteN Mc. Laughlin, geschieden wurde. Watt behandelte sre gleich, von Beginn der Ehe sehr glerchgrttrg und war öfter ber feiner reichen Tante, Mäulern Mary &u f'«tom/

in seinem eigenen Hause. Sern en Hauptwohnsitz harr« das Ehepaar aus der Jacht- auf welcher es gastfreies Haus hielt. Mau Watt behauptet, daß sie gezwungen war, dw Gäste sehr oft allein zU empfangen, da ihr Mann schon, vor Anbruch der Nacht sich in einem' solchen Zustande der Trunkenheit befand, daß Man ihn zu Bett bringen mußten

Habsburger Herrscherhause vermehren. Da Man der Erz­herzogin wieder ihre Skrupel auszureden suchte, um ein Eklat zu vermeiden, wandte sich die Prinzessin vor der Mreise des Kaisers Franz Josef Nach, Ischl, flehentlich an diesen mit der Bitte, ihr zu gestatten, den Herzog, den sie um seiner liebenswürdigen Eigenschaften schätzen ge­lernt, aber nie lieben werde, zu bitten, ihr das! Jawort rurückzugeben. Der greise Herrscher gab den flehentlichen Bitten seiner Nichte Gehör, und die Prinzessin schrieb Ende vorigen Monats selbst dem Herzog im Sinne ihrer Bitte an den Kaiser. Die Aufhebung der Verlobung erfolgte nach mehrtägiger mündlichen Verhandlungen zwischen den Verwandten. Die Erzherzogin hat die Absicht, sich Nun ganz in das adelige Tamenstist in Prag, dessen Aebtissin sie ist, zurückzuziehen.

Ohm Paul als Photographenopfer. In launiger T eise erzählt G. Männchen in derLa Plata Post", in der er in einer langen Reihe interessanter Skizzen seine Erlebnisse als freiwilliger Mitkämpfer auf der Burensette schildert, wie es ihm am Schlüsse seiner Kriegs-zett gelang, OHM Paul auf der Veranda seines provisorischen Regie- rungsgebäudeS in Watervalonder zu einer photographischen Sitzung zu zwingen und so den Schnurrbart im Bilde z i verewigen, den der alte Herr sich gegen seine Gewohn- h nt in der unruhigen Zett seines! Rückzuges hatte wachsen Kissen.Beharrlichkeit, List und Schläue", so erzählt er, und nicht zum wenigsten das! Opfer meines letzten Pfund­stückes! als Trinkgeld für den Lieblings-Enkel und Leib­kutscher des Präsidenten führten mich schließlich doch zu dem gewünschten Ziele. Es! war ein eigentümliches Ver­hältnis zwischen Ohm Paul und diesem seinem Enkel und Leibkutscher. Ein Bursche von etwa 22 Jahren, natürlich schon verheiratet und Vater Mehrerer Kindler, von saft ungeschlachtem Körperbau, trotz ferner Jugend so dick und mastig wie seine Gäule, mit flachsbtondem Haar und Voll­bart, gesunder Gesichtsfarbe und' kleinen, listigen, blauen Augen, war im Hofstaate Ohm Pauls' das enfant terrible. Wie häufig Großeltern für ein Enkelkind, so hatte auch Ohm Paul für diesen eine besondere Schwäche und ließ sich von ihm fast aus der Nase herumtanzen Ter Kutscher (Stoff, so hieß der Bengel-, da er seine Familie in Pretoria gelassen hatte, mit dem Präsidenten und den Staatsministern tot einem Tische, mischte sich dabei dreist in die Unterhaltung über hohe Politik und brachte zuweilen die Staatsmänner in nicht geringe Verzweiflung, wenn Ohm Paul, wie gewöhnlich, der Ansicht seines' Kutschers zuneigte und nicht so wollte, wie sie. Sie hatten sich aber mit der Zeit daran gewöhnt. Mit ihm zu rechnen, und poussierten ihn schließlich ebenso, wie alle andern, die mit Ohm Paul in Verbindung standen. Daß der schlaue Bursche diese seine Macht weidlich zu seinem Vorteil aus- nutzte, das kann man ihm im Grunde genommen nicht ver­denken. Die Trinkgelder in Gestalt von Pfunden, deren Zahl er sehr gut mit der Größe des zu leistenden Dienstes in Einklang zu bringen verstand- flogen ihm nur so zu. Wochenlang hatte ich schon wegen einer Sitzung bei Ohm Paul angebohrt, und er hatte mich immer gröblich ablaufen lassen, nicht selten mit der bescheidenen Anfrage, ob ich ganz und gar verrückt geworden wäre, bis ich mich endlich hinter (Stoff steckte . Dieser fiel auch zuerst heftig ab', und ich mußte zweimal mit meinem Apparat unverrichteter Sache wieder abziehen. Beim dritten Male jedoch drückte ers mit Gewalt durch. Er hatte einen Moment äbgepaßt, daß die beiden Leibärzte zum Frühstück in das gegenüber­liegende Hotel gegangen waren. Wir standen beide vor der Thür des Zimmers, in welchem Ohm Paul am Fenster saß, und (Stoff rief zur Thür herein:Ohm! Tie Kerl is nu dar!" Mit Donnerstimme rief er zurückrWie Kerl?" (welcher Kerl).Na, die Kerl mit die Photographie! Mag ik em rinlate!" (Dars ich ihn herein lassen?) fragte Elofs. Wieder donnerte der We:Nee! Ik will dre Kerl niet feen niet! Laut em my niet rin." Aber mit den Worten: Ohm, tk laat em doch rin!" hatte mir (Stoff schon einen Stoß gegeben- und ich stolperte ins Zimmer. Me ein grollender Löwe erhob sich Ohm Paul von seinem Lehn­stuhle und brüllte uns die denkwürdigen Worte entgegen: »Fs helle heele mal geck?" (Seid Ihr ganz und gär ver­rückt?) Ich hätte am liebsten gleich wieder Kehrt gewacht, »ber als ich sah, wie sorglos (Stoff auf den alten Herrn