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1902.
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fä gibt Menschen, die auf die Mängel ihrer Feinde sinnen; dabei kommt nichts heraus. Ich habe immer auf die Verdienste meiner Widersacher acht gehabt und davon Vorteil gezogen.
Goethe.
(Nachdruck verboten.)
Ein verhängnisvoller Ning.
Novelle von E. Hainberg.
(Fortsetzung.)
Holthaus machte eine Pause und atmete schwer. Dann aber, nachdem er sich innerlich einen Ruck gegeben, sprach er rasch weiter: „Der Ring, der er vermißte und suchte, lag auf dem Tisch des Pfandleihers."
„Und Sie, Sie glaubten!" fuhr Loßberg auf.
„Konnte ich ahnen, welch ein sonderbarer Zufall hier sein verhängnisvolles Spiel trieb?" verteidigte sich Holthaus.
„Aber warum forschten Sie nicht weiter, warum stellten Sie mich nicht zur Rede?"
„Ich wollte, wie ich schon bemerkte, kein Aufheben von der häßlichen Geschichte machen."
„Wahrlich, sehr edelmütig gegen den — Dieb! Wer für mich, — eine, eine--. Nun, ich will das Wort weiter
nicht aussprechen. Doch gegen Ihre Fräulein Tochter unterließen Sie wohl nicht, mich als den Dieb hinzustellen?"
„Das war nach meinem damaligen Dafürhalten meine Pflicht."
„So, also Ihre Pflicht! Ohne nähere Untersuchung, ohne den Beschuldigten selbst gehört zu haben! Ich bin Ihnen wirklich sehr verbunden, Herr Holthaus, für den guten Glauben, den Sie in meine — Redlichkeit setzten."
„Nicht diesen Hohn, Herr von Loßberg! Sie ahnen nicht, wie schwer, wie bitter schwer auch mir das alles geworden ist."
„Wie wäre das möglich", erwiderte Loßberg, „nachdem Sie so rasch mit Ihrem Verdammungsurteil fertig wurden. — Wer Ihr «Fräulein Tochter, teilte sie Jhen Glauben?" o, „»Nein. Aber sie mußte sich den Konsequenzen dieser Auffassung fügen."
„Das könnte,, für die erste Zeit Geltung haben — aber Dann — als ich einige Wochen später Ihr Fräulein Tochter um Aufklärung bat und sie mir bereits mit der Bitte um Verleihung die Hand entgegenstreckte, dann aber plötzlich, fchembar ohne jede Veranlassung, mich mit einer Verachtung behandelte, die ich nur einer Dame ungestraft Hinsehen lassen konnte, und die mir völlig unbegreiflich, war ~ was lag dem zu Grunde?"
„Eben wieder jener unglückselige Ring, den meine Tochf- ter an Ihrer Hand erblickte."
Loßberg schlug sich vor den Kopf. „Ah, der Ring, wieder der Ring! Nun natürlich war ich auch in den Augen des gnädigen Fräuleins ein Dieb!"
„Herr von Loßberg, möchten Sie die Umstände nicht verkennen, die gar zu sehr gegen Sie sprachen."
„Nun ja, cs war ja wohl leichter, einen ehrlichen Menschen zum Dieb zu stempeln, als sich der Mühe zu unterziehen, der auffallenden Thatsache nachzuforschen, daß ein vermeintlicher Dieb in dem Augenblick den gestohlenen Ring am Finger trägt, wo er hofft, mit dem Bestohlenen zusammenzutreffen!"
„Ich habe meiner Tochter ähnliches gesagt, als sie mir vor wenigen Wochen davon Mitteilung machte."
„Und jetzt? Haben Sie etwa abermals einen Beweis gegen mich aufgefunden, der ebenwohl für meine Thäter- schaft spricht?"
„Ich verstehe die Bitterkeit, die Sie aufs neue erfaßt, Herr von Loßberg; ich hätte so gern geschwiegen, doch Hella wollte es nicht anders."
„Noch eine Frage, Herr Holthaus. Auf welche Weise sind Sie nun plötzlich zu der Ucberzeugung gelangt, daß ich nicht der Dieb bin, für den Sie mich gehalten?"
„Meine Tochter entdeckte abermals den verhängnisvollen Ring und zwar diesmal an der Hand ihrer Freundin Käthe Horst, die ihn als Geschenk von ihrem Verlobten erhalten hatte. Dieser hatte ihn in Berlin in einem bekannten Juweliergeschäft gekauft. Von dem Inhaber des Geschäfts, dein ich die bestimmte Mitteilung machte, daß jener Ring mir vor beinahe Jahresfrist in meinem Haus, gelegentlich, einer größeren Gesellschaft, abhanden gekommen sei, erfuhr ich denn auch den Verkäufer. Und dieser war — ein Kamerad von Ihnen, Herr von Loßberg. Nun kannten ivir den Dieb, und damit unsere große Gedankenschuld gegen Sie. Wie Sie nun selbst, wahrscheinlich nur für kurze Zeit, in den Besitz des unheilvollen Ringes ge-i kommen sind, das kommt nun völlig außer Betracht."
„Ich habe jenen Ring nie besessen."
„Nie, Herr von Loßberg? So hätte meine Tochter sich geirrt, als sie den ihr wohlbekannten Ring an Ihrer Hand zu erblicket! glaubte?"
„Jedenfalls war es nicht der Ring, welchen Sie vermißten, Herr Holthaus."
„Es existierte also wirklich ein Doppelgänger?"
„Ich glaube, das annehmen zu müssen. Der Ring, den ich trug, und der sich noch; jetzt in meinem. Besitz befindet^ ist ein altes Erbstück meiner Familie, von dem die Sage, geht, daß er ursprünglich einen Bruder hatte, der ihm voll« ständig glich. Nur die Initialen in Leiden waren verschieden' lind zeigten die Anfangsbuchstaben der Namen eines Brautpaares."
Holthaus schlug sich vor die Stirn, „Also das wäre


