Ausgabe 
10.2.1902
 
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cheu, demnach ein ruheloser Geist durch diese Räume irrt, Ihr würdet sonst Wohl nicht so völlig allein hier wohnen."

Tie Greisin lächelte wieder ihr eigenes Lächeln.Nein, ich glaube mehr an böse Geister in Fleisch und Blut, wie an Tomowoi. Der und ich, wir schicken uns schon in ein­ander. Uebrigens bitt ich gern einsam; nut unten den Leuten von gestern"- sie meinte damit die seinerzeit mit Mera gekommene Dienerschafthabe ich nichts gemein, da gehe ich lieber mit einem Gedanken in die Vergangen­heit. O, Barischni, damals hätten Sie müssen hier sein, als meine gnädige Herrin noch lebte, und Alexis, mein Seelchen, mein Herzenskind, noch solch goldlockiger Knabe war, wie unten das Bild ihn zeigt!"

Wie traurig", klagte Clarita,daß, er gestorben ist!" Gestorben!" wiederholte die Alte düster.Ja sie sagen's: er sei gestorben!"

Und Ihr glanbt das nicht?" fragte Clarita bebend.

Ich? oh, was macht's, wenn die greise Eudotja glaubt und meint- Sie denkt eben, es werde viel gelogen. Doch" setzte sie forschend hinzu:Woher wissen Sie, Barischni, von Alexis!"

Feodor erzählte mir gestern von ihm-"

O, Feodor, er lügt nicht" murmelte die Alte,aber er ist ein Kind. Ein solches glaubt, was man ihm sagt."'

So ist es wohl auch unwahr, daß Wladimir Ornatoff ermordet wurde?"

Tie Greisin blickte scharf die Fragerin an, ehe sie langsam sagte:Doch er wurde erdolcht-"

Und Alexis?" flüsterte Clarita voll unsagbarer Angst-

Er war nicht der Mörder, Barischni, davon seien Sie fest überzeugt." Die Stimme der Alten zischte ordentlich vor Erregung, während sie leidenschaftlich fortsuhr:Und wenn die ganze Welt ihn so nennen würde, ich- die alte Eudotja sage es: Er ist schuldlos! Er that seinem Bruder kern Leid! Er liebte ihn!"

(Fortsetzung folgt.)

von unten nach oben umgekehrt wurde. Diese ausge­lassenen, ja ausschweifenden Feste, welche ungefähr um die Zeit der Weihnachten gefeiert wurden, sahen unserem Fasching ähnlich wie ein Ei dem andern. Die Kirche suchte sie als Ueberbleibsel heidnischen Kults zu unterdrücken, und, da dies trotz jahrhundertelanger Bemühungen nicht gelang, schob sie diese wenigstens zeitlich aus der Nähe des die Geburt des Gottessohnes feiernden Festes weg, sooah der Fasching allmählich; von denjenigen Wochen des Jahres Besitz ergriff, welche gegenwärtig der Huldigung des Prinzen Karneval gewidmet sind.

Entsprechend der Eigenart der einzelnen Völker, von denen fast ein jedes nach Weihnachten und Neujahr in eine Periode der Lustbarkeiten tritt, haben sich diese Festesfreuden sehr verschiedenartig ausgestaltet. In Spanien sind esFreßseste" im wahren Sinne des Wortes, bei welchen Unmengen der zahllosen nationalen Gerichte verspeist werden, danach die steifen Dons und graziösen glutäugigen Sennoritas gar nicht aussehen. Der Karneval von Rom und derjenige von Venedig mit seinen Tombolas, Tierhetzen, Feuerwerken und Herkulesspielen sind zur Ge­nüge durch tausendfache Darstellungen nicht zum wenigsten durch die Beschreibung Goethes in seiner zweiten, italieni­schen Reise bekannt geworden, und in Triest, wo die großen Veglione (Maskenbälle in den Theatern) den Mittelpunkt! bilden, setzt sogar der hohe obrigkeitliche Magistrat aus öffentlichen Mitteln alljährlich! große, die Sehnsucht deut­scher Schriftsteller wachrufende Prämien auf das beste, natürlich singbare, Karnevalsgedicht aus, welches dann für etliche Jahre dauernd dem Liederschätze des Volkes ein­verleibt wird.

Aehnlich steht es mit der Faschingslust in Deutsch- Oesterreich, wo sich alles zu den großen öffentlichen Masken­bällen schart. Besonders gilt dies von Graz, wo die großen; Jndustriehallenfeste jeden Donnerstag und Sonntag Nacht bis zu 7000 Menschen, das ist also mindestens jeden neunten erwachsenen Einwohner der etwa 130 000 Köpfe zählenden Stadt, zu Spiel und Tanz anlocken.

Volkstümlicher und urwüchsiger als diese Massenmaske­raden, zu denen die Bewohner der steierischen Berge oft zwanzig Meilen weit hergereist kommen, ist das ebenfalls in den Alpenländern weitverbreiteteBlockziehen", wel­ches Reinsberg-Düringsfeld, der Verfasser vonDas fest­liche Jahr" irrtümlich als eine Spezialität des Oberinn- thales anspricht. In den wunderlichsten Kostümen begiebt sich ein langer Zug von Berittenen und Fußgängern, welche an den Vorübergehenden und namentlich an den Mädchen, die aus den Fenstern der vom Zuge berührten Häuser herausschauen, die erdenklichsten Streiche verüben, in den nahen Wald, wo schon derBlock" (ein gefällter und von den Aesten befreiter Baum) zum Transport bereit liegt, um auf einen Wagen geladen, zu werden. Fünfzig bis hundert Menschen, besonders die liebe, als Mohren, Affen und dergleichen verkleidete Jugend, spannen sich nun vor diesen. Je mehr Kuriosa der Zug enthält, desto besser. Fast niemals fehlt eine riesenhafte Kaffeemühle, in, welche oben ein altes Weib hineingestopft wird, um nach fleißigem, mit ungeheurem Geräusch verbundenem Drehen unten als chnges, bildhübickies Mädchen herauszukommen. So wird unter Böllerschüssen der Block zurückgeleitet, mancherorten wohl auch zu Guusten der Festkässe versteigert, und dann begiebt sich alles eilends zu dem Blocksball mit seinen Täfel- freuden undPolstertänzen", bei welch letzteren nicht das Kissen, sondern dasKüssen" die Hauptsache ist.

In vielen Alpendörfern ist noch heute am Faschings­dienstag das Perchtenlaufen in Uebung, bei welchem sich Burschen und zuweilen auch Mädchen, teils mit schönen, teils mit manchmal ausgesucht häßlichen Masken mit Teufels­kopf bekleiden, Herumlaufen und, wenn es schöne Perchten sind, Geschenke austeilen, als häßliche Perchten aber den Menschen Ruß und Asche ins Gesicht werfen.

Noch am selben Tage, sicher aber am nächsten, dem Aschermittwoch!, muß dann der Fasching ertränkt werden. Wo es zu machen geht, nimmt man eine Strohpuppe, welche ins Wasser geworfen wird. Größeres Gaudium er­regt es freilich, wenn ein Bursch; gegen gute Bezahlung die Unannehmlichkeiten eines kalten Bades im Winter aus sich nimmt und sich in phantastischem Aufputz in die Fluten schleudern läßt. In Ermangelung eins andern holt man ich beim Fastnachtsballe auch einen Musikanten ans der Kapelle heraus, der vom Orchester in den Saal geworfen

Deutsche Faschingsfreuden.

Eine Plauderei aus der Zeit des Karnevals.

Von Dr. Max Neuwirth.

(Nachdruck verboten.)

In den Kreisen wo alles Ausländische schon wegen seiner Herkunft einen höheren Wert hat, rodet man zwar gern vom Karneval; aber dort, wo im deutschen Volke noch die echte unverfälschte Freude am ausgelassenen Frohsinn lebendig ist, in Süddeutschland, am Rheme, in ganz Deutschj- österreich, in Schlesien, in Sachsen und in vielen anderen Gegenden bezeichnet man noch immer mit dem kerngermani­schen Worte Fasching (mittelhochdeutsch Vaschanc gleich Fast­nacht) die lustige mit dem heiligen Dreikönigstag beginnende und mit Aschermittwoch; endende Zeit der rauschenden Ball­vergnügungen; der Maskeraden und der Umzüge, in welcher der holde und tolle Uebermut und oft genug auch der ver­gnügliche Blödsinn der zu Scherz und possenhaften Streichen aufgelegten Menschheit aus den geschlossenen Räumen des Ballsaales auf die Gassen dringt, wie es in alten Zeiten der Fall war, als der Winter in fast jede Arbeit einen Stillstand brachte und den Menschen mehr Zeit als heute gewährte, sich einmal unbeschränkt dem Frohsinn zu über­lassen.

Wenn man das ganze übrige Jahr tote, ein geplagtes Lasttier im drückenden Joche schwerer Arbeit den Lebens­weg dahintrottet, so will man doch wenigstens einmal auf eine kurze Spanne Zeit der schwarzen Sorgen vergessen. Mag da auch manches augenblicklich entbehrliche Schmuckstück und noch notwendigere Sachen in jenes Haus wandern, wo man Geld vorschießt, und welches mit stets geöffneten Liebes- ärmen die unglaublichsten Gegenstände vom Fahrrad bis zum Bügeleisen und- den Betten aufnimmt; getollt muß werden nach dem Grundsätze des Weaners, der da singt:

Das Drah'n, das ist mein Leben;

's kann ja nichts Schönres geben Als drah'n die ganze Nacht, Bis neu der Tag erwacht-

Allerdings ist Faschingsulk und Faschingstreiben durch- aus nichts spezifisch Deutsches; schon damals, als noch die Götter der antiken heidnische Welt regierten, waren die römischen Saturnalien die Zeit, wo Narrenkappe und Schellen Sinnbilder des höchsten Ansehens waren und alles