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mann aus der Bank unter den» Wallnnßbaum gesessen, zur Ruhe zu legen.

Frau Graumann brachte sie selbst zu Bett, und be­diente sie, als ob sie eine Prinzessin vor sich hätte. Sie ließ es sich nicht nehmen, ihr selbst das schöne Haar aus­zukämmen, ihr die Stiefel auszuziehen, und ihr einen Schlaftrunk, wie ihn Traute als Kind so liebte, von Him­beersaft und Wasser, an das Bett zu bringen. Traute ließ es sich müde gefallen, die Anhänglichkeit und Ergeben­heit der alten Leute that ihr so unendlich wohl. Mit tiefem Tank nnd feuchten Augen streichelte sie Frau Grau- tncmn die runzeligen Wangen, und als diese ihr die Hand küssen wollte, fiel sie der alten Frau um den Hals. Der ganze Jammer, und die niedergekämpften Thränen des Tages kamen jetzt zu einem elementaren Ausbruch, und wie ein Kind weinte sie sich endlich nnter den trösten­den Worten ihrer Wirtin in den Schlaf.

Neunzehntes Kapitel.

Am folgenden Morgen hatte sich Trante in ihr Schicksal gesunden, einige Tage bis zur Rückkehr Paul Lehmigkes in Brantikow zu bleiben. Und als sie an dem lachenden Sommertage in der Bohnenlaube von Grau- mauus Gärtchen saß, wo die alte Frau einen zierlichen Frühstückstisch mit allerlei guten Dingen für sie gedeckt hatte, wäre ihr dieser verlängerte Aufenthalt wie ein Glücksgeschenk, wie eine Ruhepause in den Stürmen des Schicksals erschienen, wenn sie nicht gewußt hätte, mit welcher Unruhe und Angst sie daheim erwartet wurde.

Während sie ihren Kaffee trank, saß Frau Graumann plaudernd bei ihr, und rupfte ein Hähnchen, das für Traute zu Mittag gebraten iverden sollte.

Ja, ja, Fräulein Trautchen, es ist alles anders geworden da oben auf dem Hof", erzählte sie,na, mau kann ja der neuen Herrschaft auch viel Gutes nachsagen, aber mein Manu und ich sind alte Leute, und für uns ist das nichts mehr, da halten wir uns fern. Im Anfang hat mein Alter versucht, auf seinem Dienerposten auszu- harren, aber es zeigte sich bald, daß Herr Lehmigke kein Einsehen hatte, was ein fechzigjähriger Mann ist, und was rinem herrschaftlichen Diener zukommt. Er verlangte mehr Arbeit von ihm als recht und schicklich war, und als Graumann darauf aufmerksam machte, daß er sich als Diener, aber nicht als Lohnknecht für alles vermietet habe, begegnete ihm der Herr sehr grob und sagte, wenn er nicht mehr arbeiten könne und wolle, solle er in ein Hospital gehen. Sein Haus sei keine Bersorgungsanstalt für Müßiggänger. Na, das ließ sich denn Graumann nicht zweimal sagen. Und ebenso ging es mir mit der Frau Lehmigke. Im Anfang wurde ich bei Gelegenheiten, wie Gesellschaften und Wäscheplätten, zur Hausarbeit zuge­zogen wie bet der gnädigen Frau Mama. Ja, die Frau Mama! Das war eine Dame. Da hatte alles seinen Chic, und man wurde anständig behandelt. Sie wußte, man thut, was man kann, und mehr kann man nicht. Und so nobel in allen Dingen! Ta ist Frau Lehmigke anders/ nicht einen Krümel mehr giebt sie, als sie muß, und da feilscht und knausert sie noch. Und als sie mir noch eines . Tages vor allen Waschfrauen sagte, meine Arbeit sei Bum­melarbeit, und die Plätterinnen in der Stadt leisteten drei­mal so viel an einem £age, sagte ich ihr mit altem Respekt, der einem vor der Herrschaft zukommt, mag sie nun sein wie sie wolle, wenn gnädige Frau sich wollen eine Plätterin aus der Stadt kommen lassen, bin ich es zufrieden, und wissen Sie, was sie mir darauf antwortete? Das sei ihr sehr lieb; denn ich ruiniere ihr alle Ober­hemden ihres Mannes durch mein schlechtes Plätten. Seit­dem sind wir nun geschiedene Leute."

Trante sah nachdenklich vor sich hin, während Frau Graumann weiter plauderte:

Fast alle alten Leute haben den Dienst gekündigt vder sind entlassen worden. Die Löhne sind wohl erhöht worden, dafür muß aber auch dreimal soviel gearbeitet Werden. Und furchtbar scharf ist Herr Lehmigke. Der sieht durch ein eichen Brett. Er selbst ist alle Tage der erste und letzte aus dem Posten, und es kommt ihm gar nicht darauf an, bei der schwersten und niedrigsten Arbeit selbst mit Hand anzulegen. Gr kann arbeiten wie ein Knecht. Mit Faulheit und Unehrlichkeit hält er sich nicht lange auf. Aber ich frage Sie, Fräulein Trautchen, schickt es sich wohl für einen reichen Herrn, so auf seinen Vorteil bedacht »ein? Und Frau Lehmiake ist noch tausendmal schlimmer.

fragte Traute.

Kinder?'

Da ist mir der Herr zehnmal lieber; denn einem ordent­lichen Arbeiter gönnt er auch sein ordentliches Brot, aber die Frau gönnt niemand etwas, außer sich selbst. Di« behandelt alle Dienstboten ganz niederträchtig, und giebt niemand recht satt zu essen. Aber wenn Besuch kommt,, oder wenn es Gesellschaften giebt, da kann es nicht hoch genug hergehen, und dann geht sie in Sammet und Seide, und spielt sich auf als die große Dame. Und ich will Ihnen was erzählens Fräuleinchen, ich glaube, zwischen dem Herrn und der Frau ist nicht alles so wie es sein follte, und die Liehe ist wohl schon zu dem Schornstein hinaus, wenn sie überhaupt mal dagewesen ist. Es kann einen eigentlich wundern, denn sie ist doch immerhin eine schöne Person, wenn sie auch nichts Feines ist, aber der Herrj kümmert sich eigentlich wenig um sie. Man sieht sie nie zusammen, ja jeder geht seine Wege, und er kommt nicht mal immer zu den Mahlzeiten. Sie haben auch getrennte Zimmer. Und die Leute erzählen ja, daß sie oft scharf aneinandergeraten. Die haben alle beide harte Köpfe. Ich! glaube, Frau Lehmigke möchte gern ein großes Haus machen; denn wenn sie auch noch geiziger ist, als der Herr, so ist sie doch auch sehr eitel, und hochmütig, und möchte hier mit all den adeligen Herrschaften in der Nachbarschaft verkehren, und es allen noch zuvorthun. Aber für so was hat nun der Herr gar keinen Sinn, der denkt - seine Arbeit. Da giebt es denn auch ost

anzusehen. . . ,.

Traute willigte ein; denn sie war neugierig, die Erfolge von Paul Lehmigkes Wirken und Schaffen zu sehen. Sie mußte diesen Manu, dessen Persönlichkeit sie quälte, ganz kennen lernen. Sie mußte versuchen, ob nicht ein Punkt zu finden war, von dem aus sie ihn m ihren eigenen Augen entwerten konnte, und sich selbst rechtfertigen. Er war so beängstigend gewachsen vor ihrer inneren Kritik.

Mer dieser Spaziergang hatte den entgegengesetzten Erfolg. Sie kannte die alte Heimat kaum wieder. Der fried­liche Gutshof mit dem gemütlichen, wirtschaftlichen Schlen- drian war zu einer Stätte intensiver Erwerbsthatlgkeit geworden. , , rL

Uebcrall neue, stattliche Gebäude mit den besten und zweckmäßigsten Erfindungen der Neuzeit ausaestattet, überall peinliche Ordnung und Sauberkeit. Der Viehbestand und die Arbeiterzahl um das dreifache bis fünffache ver­mehrt, und überall Arbeit mit Anspannung aller Kräfte, mit Zuhilfenahme der zweckmäßigsten Maschinen. Wie ein ausgezogenes Uhrwerk schien sich das ganze Getriebe: aus dem Hofe zu vollziehen, und die ganze große Werkstatte, die Riesenmaschine, war wie von unsichtbarer Hand geleitet, sodaß alle Funktionen tadellos ineinandergriffen.

Staunend ging Traute an Graumanns Seite durch die Ställe. Der alte Kuhstall mit seinen Spinnweben und Schwalbennestern unter den Balken, der stets einer Dung- grübe geglichen, war verschwunden, an seiner Stelle stano ein massiver Palast mit eisernen Säulengängen, auf bereu Steinfließen man mit Tanzschuhen hätte gehen können, mit Ventilation und Röhrenleitungen, mit Dampfpunipen uiw Futterschneidemaschinen, mit ungezählten Reihen aalglatte, herrlicher Rinder.

immer nur an

Uneinigkeit."

Haben Sie ...... -------- ,

Sie haben einen kleinen Jungen gehabt, aber das arme Würmchen ist gestorben. Und daran ist seine Mutter schuld; denn sie ist mitten int kalten Winter, als es kaum zwei Monat alt war, mit ihm nach Leipzig gefahren zu den Eltern, um dort einen Geburtstag zu feiern. Ta hat \ es sich erkältet und den Tod geholt. Sie war überhaupt V schrecklich hart mit dem Kind, sie ließ es immer allem liegen und schreien, weil sie keinen Dienstboten dafür halten wollte. Aber der Herr soll es ihr nicht vergessen können, daß das Kind gestorben ist durch ihre Schuld; denn er hat das kleine Ding doch wohl Heb gehabt. Die Leute sagen ich weiß nicht, ob es wahr ist es {jabe bann einmal einen schrecklichen Auftritt zwischen den Eheleuten gegeben, er hätte ihr gesagt, sie sei eine schlechte Mutter gewesen, die das Leben ihres Kindes leichtsinnig aufs Spiel gesetzt habe, und er wolle keine Kinder mehr von ihr haben."

Graumann kam jetzt in die Laube und fragte, ob Fräulein Trautchen nicht einen Spaziergang mit ihm machen wolle, um sich die neuen Bauten und die Fabrik