Ausgabe 
8.10.1902
 
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>,Das WM W MW sagen; ehte Perke ist kaum zu Wen."

Ja, aber sie hätte auf einem dunklen Teppich geglänzt; dann hätte sie auch Frau von Sanden beim Gehen zertreten, ha sie ja mitten im Salon lag."

Ganz recht; sie konnte aber etwa unter ein Möbel gerollt sein und war vielleicht erst am letzten Tage, in dem letzten Moment auf den Platz hingeschleppt worden, auf dem man sie fand. Das kann ja durch irgend etwas geschehen sein, zum Beispiel durch die Schleppe eines Kleides. Ebenso gut wäre es möglich, daß sie unmittelbar vorher die Perle aufgehoben und aus den Tisch gelegt hatte oder irgendwo hin, und daß sie dann während des Kampfes der unglück­lichen Frau mit ihrem Mörder zur Stunde des Verbrechens erst auf den Boden gerollt war."

Ja, das ist allerdings möglich", sagte Minna nach- sinnend.Daran hatte ich noch gar nicht gedacht."

Es ist immer noch Zeit, den Untersuchungsrichter darauf aufmerksam zu machen."

Ich werde es gewiß nicht unterlassen. Einerseits ist es meine Pflicht, und dann scheinen sich auch die gnädige Frau für Herrn von Sempach zu interessieren."

Das thue ich auch ; denn ich halte ihn für unschuldig." Wirklich ! Sie glauben?"

Ich bin fest davon überzeugt, und es war meine Pflicht, auch Ihnen diese meine Ueberzengung beizubringen, damit Sie ihm weniger feindlich gesonnen sind."

O, ich bin ihm nicht im mindesten feindlich gesonnen, gnädige Frau. Er hat mir niemals etwas zu leide gethan. Im Gegenteil, er war immer sehr gut zu mir. Meine Angaben beruhen nur auf der reuten Wahrheit."

Ich zweifle nicht daran; aber wenn man von jemandes Schuld überzeugt ist, so sieht und zeigt man die Sachen in ganz anderem Lichte. Sie werden sie mit ganz anderen Augen ansehen, wenn Sie von seiner Schuldlosigkeit über­zeugt sind."

Was mir hier die gnädige Frau sagt, mag wohl richtig sein. Nur habe ich bereits unglücklicherweise aus­gesagt."

Ohne etwas in Ihren Aussagen zu ändern, können Sie ja in einem der weiteren Verhöre einige für den Angeklagten günstige Bemerkungen fallen lassen, aus denen er Vorteil ziehen könnte."

Ich würde sehr glücklich sein, wenn der Baron, wie Sie glauben, wirklich unschuldig wäre. Wer wer ist dann der Schuldige?"

Suchen wir ihn gemeinschaftlich!"

Ob ich wohl die Kraft dazu habe? Ich bin ja so leidend."

Haben Sie nur etwas Mut, ich beschwöre Sie!"

Ich will es um Jhret- und seinetwillen versuchen, gnädige Frau."

Bertha dankte chr und begann von neuem:

Eine der schwerwiegendsten Aussagen gegen Sempach ist die eines gewissen Herrn Keßler, der hier im Hause wohnen soll. Kennen Sie diesen Menschen?"

Ja, ich kenne ihn; ich bin ihm einigemale auf der Treppe begegnet."

Halten Sie ihn für einen ehrlichen Menschen?"

Ich denke, gnädige Frau; man spricht nur Gutes über ihn."

Dann darf man also an seinem guten Glauben nicht zweifeln; jedenfalls hält er dann eine andere Person für die des Herrn von Sempach."

Welche Person?"

Die müßte eben gesunden werden. Sagen Sie mir, haben Sie niemals bei Frau von Sanden jemand gesehen, der irgend eine, wenn auch entfernte Aehnlichkeit an Gestalt und Kleidung mit Herrn von Sempach gehabt hätte?"

Nein. Außerdem empfing auch die gnädige Frau keine Besuche; ich habe das ja auch ausgesagt."

Ja, sie empfing sie nicht regelmäßig, aber vielleicht einmal aus Zufall konnte sie doch = erinnern Sie sich nur gut und genau daran."

Minna stützte den Ellbogen auf den Bettrand und sann, ihren Kopf in die Hand gestützt, mit geschlossenen Augen einige Augenblicke nach.

Ja, ja", murmelte sie endlich als o6! ihr eine Erinne­rung aufleuchtete.

Sie erinnern sich also?" fragte Bertha lebhaft.

Ja, ich glaube mich zu erinnern. Vor sechs Monaten

ungefähr besuchte Frau von Sanden einer ihrer Verwandten aus der Provinz."

Sah er Herrn von Sempach ähnlich?"

Im Gesicht nicht. Mer ich sollte meinen, er hatte dessen Größe, etwas kräftige Schultern und schlanke Tatlle."

Was wollte er bei Frau von Sanden?"

Geld. Ich entsinne mich noch ganz genau, daß mir noch die gnädige Frau, nachdem er weg war, gesagt hatte:Ein jeder glaubt, daß ich nur so in Geld schwimme. Die weitläufigsten Verwandten erinnern sich urplötzlich an mich, um von mir Geld zu borgen. Einigen habe ich den Gefallen gethan; - dem aber gebe ich nichts. Das ist ein lüderliches Tuch, ein ganz verkommener Mensch, der zu allem fähig ist."

Ah, sie hat gesagt" '

Sie werden begreifen, daß ich nicht mehr ganz genau den Wortlaut weiß, daran kann ich mich nicht mehr so erinnern; aber das war jedenfalls der Sinn ihrer Worte."

Und Sie haben in Ihren Aussagen keine Silbe davon erwähnt?"

Nein, ich habe nicht mehr daran gedacht. Sie sind es jetzt, gnädige Frau, die mich! darauf brachten, als Sie von der Aehnlichkeit sprachen. Sie begreifen: bisher hatte ich immer an die Schuld des Herrn von Sempach geglaubt, und so suchte ich nach keinem andern."

Nicht wahr, Sie werden nicht verfehlen, in Ihrem nächsten Verhöre von diesem Individuum, von diesem Ver- wanoten Ihrer Herrin zu sprechen?"

Nein, gewiß nicht, gnädige Frau. Mer diese Unter­suchung ist schon soweit vorgeschritten, daß ich fürchte, meine Erklärungen werden nicht berücksichtigt werden. Ja, wenn man gleichzeitig über diese Person genaue Nach­richten geben könnte!"

Ja aber wie solche verschaffen? Wo und von wem dieselben erlangen?"

In ihrer Heimat vielleicht."

In welcher Heimat?"

3n der Heimat der gnädigen Frau. Sie ist gebürtig aus Straßburg. Man kann ja jemand den Auftrag geben, sich dort zu erkmrdigeu."

O, da würde ich mich nur auf mich selbst verlassen!" ries Bertha lebhaft.

Und wenn man dann etwa angeben könnte", fuhr Minna weiter fort,daß dieser Verwandte von ihr jetzt hier in Berlin lebe oder wenigstens zur Zeit des Verbrechens in Berlin gewesen ist und wenn Herr Keßler ihn als den wiedererkennen würde, den er damals für Herrn von Sempach gehalten, dann könnte man daraus wohl schon Folgerungen ziehen."

Ganz ohne Zweifel", sagte die Fxau Linden.Man könnte dann wohl die Frage aufwerfen, ob er sich an dem Wend nicht etwa wieder bei seiner Verwandten einge­schlichen hätte, um, wie das erstemal, von ihr Geld zu verlangen. Sie hat es ihm vielleicht mit harten Worten abgeschlagen; es entspann sich ein Wortstreit und---"

Und er hat nach vollbrachter That das Geld gestohlen", fuhr Fräulein Rakenius fort;denn man darf nicht ver­gessen, daß Herr von Sempach behauptet, Frau von Sanden eine größere Summe Geldes drei Tage vor dem Morde übergeben zu haben."

Ich weiß, daß er das behauptet", sagte Minna mit schwacher Stimme,doch ich wußte nichts von dem Gelde." (Fortsetzung folgt.)

Die merkwürdigste Telegraphenstation der Welt.

Marconi hat jetzt seine Station für transatlantische drahtlose Telegraphie in Neu-Schottland beendet. Es ist jedenfalls das merkwürdigste Telegraphenamt der ganzen Welt. Es liegt auf Kap Breton, Neu-Schottland, einem der ödesten Vorgebirge an der Küste des Atlantischen Ozeans. Für den Besucher am interessantesten sind die vier Türme für die Luftleitung. Sie sind 215 Fuß hoch und stehen an den vier Ecken eines Platzes, der an jeder Seite etwa 200. Fuß mißt. Die Türme sind aus starken hölzernen Balken, die mit Bolzen fest verbunden, in ein Betvnfundamench gesetzt und mit einer Reihe von Drahtseilen geschützt sind. Der die Station leitende Techniker Mr. .Vyvyan versichert, ein Sturm köune sie unmöglich umreißen. Bon der Höhe jedes Turmes ist ein Kabel von 3 Zoll Durchmesser ge­spannt, von dem 150 Luftdrähte herabhängen. Diese sind