Ausgabe 
8.9.1902
 
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Montag den 8. September.

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1902. Nr. 133.

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(Nachdruck verboten.)

Miß Cookson aus New-Jork.

Bon Heinrich Seek ' \ d

(Schluß.)

Erschreckt starrte sie in ihr blasses', unbewegliches Gesicht.

Hab' keine Furcht vor mir", erwiderte sie,sich, komme zu Bell. Wo ist. sie?"

Carla war noch wie gelähmt, dann antwortete sie, daß Bell nicht daheim sei.

So werde ich warten, bis sie kommt."

Sie' wandte sich nach einem Seitenpfad''ststh ließ Carla' stehen.

Und Carla wagte ihr nicht zu folgen ihr, der An­stifterin von allem Unglück, das über sie hereingebrochen war.

Sie ging zurück ins Haus, aber nicht in die Veranda. Fred Bennet war allein. Er sah sehr vergnügt aus, und da niemand bei ihm war, der ihm, wenn er sprechen wollte, die Finger auf den Mund legte, so murmelte er fortwährend drei deutsche Worte vor sich hinIch liebe Dich",Ich liebe Dich",Ich liebe Dich!"

Es war noch! ein besonderes Glück, daß Bells gute Freundinnen und namentlich Bessie Willingford jetzt viel zu sehr von der Politik und von den Festlichkeiten, die man für die heimkehrenden Sieger zu veranstalten hatte, in Anspruchs genommen wurden, als daß sie sich Um Bell selber viel hätten kümmern können. Auch Herr Westheim konnte das nicht mehr, denn der Krieg! hatte seine Ge­schäfte wesentlich abgekürzt, und so war er wieder, ohne daß es ihm leider möglich gewesen, die nötigen Abschieds­besuche zu machten, nach Mropa abgedampft.

Auch wäre die Neugier, die sich mit Bells geheimnis­vollen Besuchen in Newyork beschäftigt hätte, kaum auf ihre Rechnung gekommen. Cs waren Wege, die sie in schlechte Stadtviertel führten, in trübe Dachkammern und dumpfe Keller, wo hilflose Arnre und Krankt lagen. Be­gleitet wurde sie auf diesen Wegen vor: zwei Lohndienern, die ihren Namen nickst kannten und' die jeder einen großen Korb mit Weinflaschen und guten Eßwaren schleppten. Wo sie hinkam, war es, als trat ein von: Himmel herniederge­stiegener Engel durchs die Thür. Eins nur fehlte diesem Engel er verteilte seine Gaben ohne Freude.

Tie Hungrigen, die Nackten, die Frierenden, die Kranken priesen sie als ihre Wohlthäterin und doch war ihr das Wohtthun nur ein Mittel, um eine innere Stimme zu betäuben, die Stimme:Tu hast ihn in Verzweiflung ge­trieben, vielleicht in den Tod. Du hast ihm nicht geglaubt auch als er Glauben verdiente, als er Dir die Beweise gab. Nun glaubst Tu ihm, nun nagt die Reue, und nun ist es, zu spät."

Niemand wußte, was ist ihr vorging auch, nicht Carvch auch nicht Fred, denn sie wagten nicht, in rhrer Gegen« wart von ihm zu sprechest.

Auch ihr alter Hitchock ließ sich nicht mehr sehest kümmerte sich nickst mehr um sie, er hatte ihr seine FreunKt schäft anfgelündigt. i

Und doch war es nicht so am besten? Daß er tot war. für sie, wie auch sie tot war für ihst? Und war er ge« storben auch! das war gut. Tanu.war's zu Ende.

Was aber quälte sie dennoch, bohrend, ermattend, wie eine Krankheit, die sie zerrieb?

Es war die Lüge, die sie ihm nachgerufen hatte, das Verbrechen, daß sie, sich verleumdend, an sich selbst bvq gangen hatte. Tie Lüge und immer die Lüge war es, die/ einmal heraufbeschworen, nun unausrottbar sich um sie wand, bis sie sich selbst darin verstrickte.W ist nicht wahr, womit ich mich geschmäht. Ich bin Dir treu ge­wesen!" Wenn sie ihm diese Worte, wo er auch weilte, unter den Lebenden oder den Toten, hätte nachrufen dürfern Es war das Einzige, das Letzte, was ihr zu wünschen übrig geblieben war.

Ihre Jacht lag Unbenutzt tm1 Hafen von Newyork und die Bootsmannschaft hatte gute Tage. Ihre Pferde wurdest von den Stallleuten geritten, und ihre Edelsteine und Perlen lagen verpackt in den Tresors der Staatsbank. Es gab nichts, was ihr noch eine Freude oder überhaupt stoch eine Auffrischung verursacht hätte, weder die projektierte! und dann wieder fallengelassene winterliche Reise nach Maine noch die Siegesbotschaften ihres Volkes noch auch ihre Bücher. Sie war müde geworden. Wenn sie arm ge*. wesen wäre! Dann hätte sie wenigstens arbeiten müssen, ihr Leben hätte einen Inhalt gehabt, wie das anderer armer Mädchen. Aber selbst die Sorge um ihren Reichtum wurde ihr abgenommen, dafür waren Beamte da. Tas Wort eines deutschen Dichters ging ihr durch den Sinn:Ein unnütz Leben ist ein früher Tod!" Ja, warum lebte sie noch? Warum?

Außer dew Parkthor hatte dieses hübsche Schweizer« Häuschen noch auf der anderen Seite eine kleine versteckte! Einfahrt. Hier hielt ihr Wagest an, hier stieg sie aus:

Carla kam auf sie zu.

Bell, es ist jemand da, der Dich zu sprechen wünscht sagte sie.

Aus den Baumgruppen, die das Haus umzogen, trat eine schwarze Gestatt hervor.

Ottilie!" klang es von Betts Lippen.

Tann standen sie sich wortlos' gegenüber.

Komm!" sprach Bett, und sie schnitt ihr voran.

Endlich waren sie allein. ,

Bett", begann sie,ich komme nicht um meinetwillen^ sondern um setnettvitten. Wir haben ihn ja Beide getteLtz Während wir hier stehen, stirbt er vielleicht und rch Habs ihn getötet. Sag' mir, was Mische u Euch geschehest ist.