Ausgabe 
8.8.1902
 
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I. W. Malkah,der amerikanische Silberkönig", Ivie man ihn allgemein hieß, ist, wie der Telegraph schon berichtet hat, in seiner Londoner Stadtwohnung auf Carlton House Terrace unweit der deutschen Botschaft nach kurzer KÄinkheit im 72. Jahre seines Alters durch den Tod abgerufen worden. Mit ihm schwindet, so lesen wir in derKöln. Ztg", der letzte der brer Männer von der Schaubühne, die in den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts durch ihre großen Silberentdeckungen, ihren gewaltigen Grubenbetrieb und eine Förderung, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellte, die un­geheure Silberentwertung und die Umwälzung in den Ge­schäfts- und Währungsverhältnissen Indiens, Chinas nnd anderer Länder herbeiführten, deren letzte Rückwirkungen heute noch nicht zu übersehen sind. John William Mackay war ein Sohn der grünen Insel, entstammte aber den harten schottischen Einwanderen, die einst Cromwell in den Norden Irlands als seßhafte protestantische Garnison verpflanzt hatte, und die bis heutigen Tages den rührigsten, betriebsamsten Teil der Bevölkerung Irlands darstellen. Die Familie Mackay war wohl durch Zwischenheiraten im Laufe der Zeit katholisch geworden und hauste in Dublin, als der spätere Silberkönig geboren wurde. Seine Eltern wanderten nach den Vereinigten Staaten aus, als man 1840 schrieb, und als armer Leute Kind verdiente der Knabe schon früh auf den Schiffswerften Newyorks sein ÄCot in harter Arbeit. Er zählte neunzehn Jahre, als 1849 in Kalifornien die neuen Goldentdechungen die Mensch­heit in Aufregung versetzten und von allen Enden der Erde abenteuerliche Geister unwiderstehlich nach dem neuen Eldorado lockten, und er war bald auch selber unter den ersten Tausenden zu finden, die dort ihr Glück versuchten. Heute sind diese Pioniere, die Neunundvierziger, wie man sie in Amerika nennt, sagenumwobene, in Lied und Roman besungene Gestalten, und Mackay ragte wie ein Urgreis aus dem Heidenzeitalter Kaliforniens in die moderne Ge­genwart hinein. Aus seinen früheren kalifornischen An­fängen sei nur kurz erwähnt, daß er in dem ersten Dutzend Jahre mit Hacke und Schaufel als Goldgräber mehrere ganz stattliche Vermögen gewann und im Getriebe der Spekulation auch wieder verlor. Er war unter den wilden Männern der Goldfelder ein ungewöhnlich nüchterner und stetiger Geselle, den seine Kameraden den Puritaner nann­ten, aber doch in einer gewissen Achtung hielten. Um 1860 kehrte Mackay, der allgemach 30 Jahre alt geworden war und seine Lehrjahre als Bergmann und auf allen möglichen anderen Gebieten hinter sich hatte, Kalifornien den Rücken und wandte sich nach Nevada, zunächst um das Gelände zu erforschen und Studien auf dem Gebiete der neuen Silberentdeckungen derComstock Lode" zu machen. Hier wurde er nach einiger Zeit mit zwei andern Neunundvierzigern, I. C. Flood und W. S. O'Brien, zu­sammengeworfen. Die letzter» beiden hatten ihr Glück auf geschäftlichem Gebiete gesucht und gefunden. * Sie hatten zuerst ein Spezereigeschäft gegründet, auch mit Getränken gehandelt, glänzende Erträge erzielt, waren dann in die Spekulation mit Grnbeuanteileu hmeingetrieben und dort nicht minder vom Schicksal begünstigt worden. Bon Gruben und Grubenbetrieb hatten sie keine Kenntnis. I. W. Mackay, der auf diesem Felde eine zur damaligen Zeit hervor­ragende Persönlichkeit war, erschien ihnen daher als der erwünschte Verbündete. Im Jahre 1864 gesellten sich die drei noch einen vierten Teilhaber zu, und nun begann für sie der Großbetrieb. In den Gruben Hale und Norcrosss allein brachte ihre Förderung in den Jahren 1865, 1866 und 1867 einen Reingewinn von 200 000 Pfd. St. Dann trat 1868 Walker aus und an seiner Stelle der spätere Senator James G. Fair in das Geschäft ein. Mehrere Gruben der Comstock Lode wurden erworben und unter dem TitelConsolidated Virginia" verschmolzen. Alles das aber war nur ein Anfang. Mackay hatte die Betriebsleitung in der Hand. Er hatte feilte Theorien über Gang und Lage der Erzader,r und operierte kühn und im großen Stil. Tiefe Schachten wurden ausgehoben. Man ging 600 Fuß in die Tiefe, streß aber nicht aus Silber. Man ging bis auf 1160 Fuß hinab und fand immer noch nicht die gesuchte Ader. Doch Mackay verzagte nichh und trieb in der Tiefe seitwärts einen mächtigen Tunnel durch, bis er zuletzt die erwartete große Entdeckung machte und die beispiellos reiche Silber-

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aber fand, die später äks die große BonänKa weltbekannt wurde. Tas war anfanAs der siebziger Jahre. Von nun an wurden fabelhafte Schatze aus dem Schoße der Erde ge­hoben. In vier Jahren zahlten die Gruben einen Rein­gewinn von 15 000 000 Pfd. St., in sechs Jahren wurden im ganzen für mehr als 60 Millionen Pfd. St. an Gold und Silber, aber in der großen Hauptsache Silber, zutage gefördert. Mackahs Anteil am Gewinn betrug zwei Fünftel/ und er wurde tu verhältnismäßig kurzer Zeit und in noch jungen Jahren einer der reichsten Leute der Welt. Uns dieselbe Zeit aber ging in der östlichen Welt, in Indien und China, das gan'ze Geschäft infolge dieser Silberfunde aus der, Fugen. Banken verkrachten auf allen Seiten, und die Großkaufleute jammerten, daß sie wohl an der Ware glänzende Gewinne erzielt, aber infolge der Entwertung des Silbers noch viel mehr am Kurs verloren hätten. In den Vereinigten Staaten selbst wurde damals die Silber-- frage geboren, die seither bei allen großen Wahlen die politische Menschheit in Aufregung versetzt hat. Gegen Ende der siebziger Jahre war die große Zeit der Bonanzagruben! vorüber und ihre welterschütternde Bedeutung zu Endg. wenn auch bis heutigen Tages der Ertrag immer noch reich genannt iverden kann. Von Beginn der achtziger Jahre wandte sich Mackay, der bis dahin Bergmann und nur Bergmann gewesen war, anderen Geschäften zu. Tie Bonanza hatte für ihn das ausschließliche Interesse ver­loren. O'Brien, einer der vier Teilhaber, war 1879 ge? storben. Mackay, Flood und Fair gründeten zusammen mit 10000 000 Doll, die Bank von Kalifornien. Einige Zeit darauf zog sich Fair vom Geschäft zurück. Mit Fwvd zu­sammen gründete Mackay dann die Bank von.Nevada, die tm Jahre 1887 11000 000 Doll, verlor, weil ihr Leiter Branders sich in toller Weise ag der Weizenspekulation dieses Jahres beteiligt hatte. Ms die Nachricht einging, bemerkte Mackay zu Flood: ,/Tu, alter Junge, es sieht ja fast ansj. als müßten wir wieder anfangen, zu arbeiten." Flood ver­mochte sich nicht so leicht über den Verlust Hinwegsetzen. Er starb bald darauf, tote man sagte, an gebrochenem Serzen. Im Jahre 1884 machte Mackay sein letztes großes eschäft. Mit Gordon Bennett, dem Besitzer desNetoyvrk Herald", gründete er die Commereiale Cable Company, die seitdem zwei atlantische Kabel gelegt hat. Einige Jahre später setzte sich dann der Silberkönig zur Rtlhe und lebte zumeist in Europa, vorwiegend in Lonovn, ein anspruchs­loser, fast schüchterner, stiller Mann, der ohne viel Lärm' war, auch beträchtliche Käufe in Kunstgegenständen machte, aber seinen eigenen Geschmack hatte. Das Bildnis seiner Gattin, das Meissonier gemalt hatte, zerstörte er ohne weiteres, weil es ihm mißfiel.

Mode.

Je mehr sich der Wohlstand verbreitet, je mehr sich unsere Lebensformen verfeinern und komplizierter gestal­ten, umso höhere Ansprüche stellen wir an unsere Kleidung. Die herrschenden Moden werden demgemäß üppiger und' luxuriöser. Vornehm und elegant wirkt aber meist das Einfache. Die bekannte HalbmonatsschriftWiener Mode" übt seit ihrem Bestehen auf den guten Geschmack in Toilettefragen einen veredlerenden Einfluß aus, denk wir die chiee Art, sich heute zu kleiden, zu danken haben. Was das Blatt in den zahlreichen, von Künstlerhand ent­worfenen Figuren den Leserinnen darbietet, ist durchwegs schön und kleidsam. Außer dem Modeteil besitzt das Blatt einen Handarbeits-, einen Unterhaltungsteil und behandelt Angelegenheiten der Küche und des Hauses. Mau abon­niert bei allen Buchhandlungen, bei den meisten Post- Anstalten sowie direkt beim Verlag derWiener Mode^ in Wien VI/2 zum Preise von Mk. 2.50 vierteljährlich. '

Quadratrütsel. AADDEEII INNBBBSS

Vorstehende Buchstaben sind in Ouadratform derart zu ordnen, daß vier wagerechte nnd gleichlautend mit denselben vier senkrechte Reihe» entstehen, die Wörter von folgender Bedeutung bilden: 1. Haustier; 2. Fluß in Bayern; 8. Teil des Gesichts; 4. Zahlwort.

Auslösung der Geheimschrift in vor, Nr.:

(Schlüssel: Für jeden Buchstaben ist der im Alphabet darauffolgende au setzen, für die Zahlen 16 die fünf Vokale, also für 1 a, für 2 e ri.) Wer sich selbst Meister ist und sich beherrschen kann, Dem ist die Welt und alles untcrthan. (Flemming.)

tedaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckerei (Pietsch Erbe») in Giesiett.