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mein Flug nicht, Aerztin werden zu wollen, wie so manche meiner Freundinnen ... ^as würde ich nicht leisten können, darüber bin ich mAklar . . . aber an Apothekerin dachte ich — man hofft ja, daß dies für uns Frauen bewilligt wird. Botanik möchte ich studieren. . . dafür interessiere ich mich; ich bin ja immer dem Vater zur Hand gegangen . . . Sie wissen's doch noch . . - und jedes Blümchen kenne ich, und jedes Kraut ... es werden ja noch Jahre darüber hingehen. . . aber ich will so fleißig sein, so fleißig, damit ich mein Ziel erreiche, und Mutter entlasten kann/'
„Vertrauen gegen Vertrauen, Hilde! Auch ich will Ihnen etwas beichten — Sie allein sollen es vorher wissen . . . ich, ich bin der Nachfolger Ihres geliebten Vaters, mich hat man aus fernen Landen heimberufen, den Professortitel haben sie mir für meine Schriften gegeben . . . hier... in diesem lieben, alten Hause soll ich wohnen; ich habe es Ihrer Mama schon angedeutet, daß sie nicht heraus soll, vorerst nicht, und — später — nun wie Gott will, — ich brauche ja nur wenige Stuben für mich, und . . . für meine Frau."
„Für Ihre Frau. . .?" — tonlos sprach Hilde es nach. —
Tie braunen Augen, die schwermütigen, die bei seinem Bericht so geglänzt hatten, waren plötzlich wieder ganz traurig geworden.
„Ja . . . für meine Frau . . - noch ist's ja nicht so weit, sie weiß es kaum, wie ich sie liebe, immer geliebt habe . . . aber, man muß an die Zukunft denken . ., nicht wahr . . . und deshalb . . ."
„Ja . . . deshalb . . . Herr Doktor — und au die Zukunft. . . Sie sagen es ja auch, aber — ob Mama es annehmen wird . . . ich wenigstens, ich kann nicht bleiben ... ich muß fort von hier. . . fort, fort, /'■ Hilflos sah sie sich um.
„Für jetzt muß ich mich verabschiedeir, Fräulein Hilde. Ich darf nachher wiederkommen; Ihre liebe Mama hat es mir gestattet. . . Und den rechten Glückwunsch zum Geburtstage habe ich noch gar nicht gesagt ... ich muh Ihnen auch etwas schenken. . . nein? Sie wollen nichts . . . gar nichts. . . Hilde . . . Etwas müssen Sie von mir aunehmen, weil Sie sich nichts anderes wünschen . . . nur Bücher ... da darf ich dann auch ein Buch bringen nur ein Buch... zu Ihrem künftigen Beruf. . . ja?"
Sie nickte hastig, dann entriß sie ihm die Hände, und eilte davon.
Lange sah er ihr nach.
„Tu, mein scheues Lieb . . . hast Dich ja doch verraten . . . gleich beim ersten Anblick. . . wie will ich Tich lieben. Dich hegen!"
In Gedanken versunken ging er fort. Er sagte nicht einmal der alten Josefine Lebewohl.
Tie hantierte in der Küche heruin, und lachte über's ganze Gesicht.
,^ch merk's, ich merk's ... na, wenn das nicht noch heute eilt gottgesegneter Geburtstag wird!"
Und die Stunden rannen durch den Tag. Die Freundinnen kamen zu dem Geburtstagskinde, brachten ihr allerlei Liebesgaben, und suchten Hilde froher zu stimmen; aber es gelang ihnen nicht... sie steckten die Köpfe zusammen und tuschelten. . . denn von der Bewerbung des Oberlehrers war allerlei laut geworden. Er hatte es damals auch gar zu offenbar gemacht mit seiner Huldigung. . . .
Aber es war nichts zu sehen von ihm, nicht einmal besonders schöne Blumen.
Tie kamen später; die brachte Dr. Gerhart, der schwer bepackt damit ankam.
Josefine mußte immer mehr und mehr aus der Troschke herausholen . . . Pakete. . . Kisten . . . Blumen ... die schönsten Frühlingsblüten . . . Hyacinthe», Tulpen, Veilchen, auch ein Myrteutöpfchen fehlte nicht.
Tann entpuppten sich prachtvolle Geschenke für die Knaben, in fernen Ländern für sie gesammelt. . . für .Hilde blieb nur ein kleines Päckchen übrig, das gab ihr der Toktor, nachdem er die duftenden Töpfe aus dem Geburtstagstisch geordnet, und den Tank des Mädchens entgegen genommen hatte.
„. ,. Und nun habe ich Ihnen noch etwas mit
gebracht, Hilde", — sie standen jetzt beide allein in dem geschmückten Erker, der Schnee hatte längst aufgehört, die Natur ins weiße Wintergewand zu hüllen; und es konnte ein Fenster geöffnet werden — es war, als dränge ein frischer, belebender, weicher Frühlingshauch ins Gemach; die Blumen dufteten, wie im Lenz, und mit diesem Duften und Hauchen und Wehen kam es leise, fast verstohlen ins Haus. . . das .... was ihm so lange gefehlt hatte — das Glück.
Tie Mutter ahute sein Kommen.
Sie stand vor dem Bilde des Gatten, hielt die Hände gefaltet und flüsterte: „Sollte Dein heißester Wunsch in Erfüllung gehen, Geliebter?"
Und die Alte in der Küche überlegte, was sie wohl zum Abendbrot Herrichten müßte; denn mit rechten Dingen ginge das da drin nicht zu. . . und wenn der Himmel nur ein Bißchen Einsehen haben würde . . . ein paar Hühnerchen sind wohl das beste. . ."
„Und nun habe ich Ihnen nur dieses Buch mitgebracht, Hilde", sprach Dr. Gerhart, „und wenn Sie das heut gern von mir annehmen, und zu dem Zwecke annehmen, den ich mir dabei gedacht, — dann — Hilde — dann bin ich. der seligste Mann auf Erden. . . und dann, zieht bald hier oben die kleine Professorin -ein, . auf die ich längst gehofft, .» . schlag' das Buch auf, geliebte Hilde, schlag' es auf..."
Sie zitterte, ganz blaß wurde sie dabei... die Hände vermochten es kaum zu halten.
„Ein K o ch b u ch", flüsterte sie. „Das — das für mich?"
„Ja, das möchte ich Dir schenken, mein Liebling, zu dem Beruf, der am meisten für Dich paßt, zu dem einer jungen Hausfrau. Du, nur Du sollst im alten Haus mit mir leben, aber keine Mixturen sollst Du brauen; nein, kräftige Speisen und allerlei gute Sachen mußt Tu kochen lernen nach den Rezepten, die hier stehen. . . Mädchen . . . Hilde. . . Geliebte, sage mir, soll es so sein?"
Sie lag in seinen Armen, an seiner Brust, das gequälte Herz von unsagbarer Seligkeit erfüllt.
„Mutter, giebst Du sie mir?" fragte er daun die erschütterte Frau, zu der sie geeilt waren.
„Du haft sie Dir ja schon genommen, mein Sohn — aber ich bin zufrieden, und der da" ... sie zeigte auf das von Tannenzweigerr umringte Bild. . . „der ist's auch. . . das kann ich Euch sagen."
„Hilde hat Geburtstag", jubelte Freddy — „und wir haben dabei die schönsten Geschenke bekommen, und nun zu guterletzt noch einen Schwager."
„Und wir brauchen nicht fortzugehen von dem Garten' und dem Teich, und den Gewächshäusern. . . Hurrat" rief der kleine Rolf, und schlug die Hände froh zusammen.
Tie alte Josefine stand von weitem, und hielt die Schürze vor die Augen, und schluchzte hinein:
„So ein Mann, so ein Mann... ein Kochbuch, an was der nicht alles denkt. Aber meine geschriebenen Rezepte... die kriegen Sie auch, Hildecheu, und wenn Sie mal was nicht wissen, dann kommen Sie man zu mir — die alte Fine wird schon helfen. Und jetzt, na Herr Toktor, jetzt braten wir die Hühner.
Bilderrätsel.
(Nachbildung verboten).
(Auflösung in nächster Nummer.)
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Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Bnch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen,


