Ausgabe 
8.8.1902
 
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Freitag den 8, August.

Nr. 116

1902.

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MA

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ii

(Nachdruck verboten.)

Miß Cookson aus New-Jork.

Bon Heinrich Lee.

(Fortsetzung folgt.)

Er sagte es ohne Galanterie, in seiner ruhigen Weise, über jede dieser seiner kleinen Anerkennungen machte sie glücklich.

Ueberhaupt, ich finde, Deine Freundin scheint auch sonst eine etwas sonderbare Dame. Du sagst, sie ist ziemlich arm, und doch macht sie eine Reise über das Meer, nur um Mich, zu besuchen."

Sie stand im Begriff, ihm die Wahrheit über Bell zu sagen. Es kam ihr tote Unrecht vor, ihn zu täuschen auch im Kleinsten. Aber Bell hatte ihr ,Versprechen, und außerdem machte ihr die kleine Komödie, weil fte eben Frau toar, ein gewisses Vergnügen.

Sie sagt sich, wahrscheinlich. Man lebt tn Deutschland billig er als in Amerika, und außerdem ist sie doch mein Gast."

Tann sollte sie vor allem bescheidener sem und we­niger Aufsehen machen."

Ottilie lächelte.

Ich, fürchte nun wirklich, sie wird Tein Wohlgefallen nicht erringen können."

Im Grunde ihres Herzens hatte die Antipathie, die er Bell entgegenbrachte, etwas Angenehmes für sie. Er sollte überhaupt an keinen anderen Frauen Gefallen finden. Hätte er gewußt, tote reich Bell war vielleicht wäre eg dann in Versuchung gekommen, vielleicht hätte er Bell schon von vornherein seiner Aufmerksamkeit für wert

berühmt. Herr Westheim war vor', ^Schlechtes Wetter heute, Herr Gehein durch die Thür zugerufen, dann trat hem Herrn Geh ' Zeigen, die er x)> bagebliebett.

Morgen, Herr Baron! Morgen, gnädige Frau!", Herr

befunden.

Wenn die Cobra kam, so kam sie erst nachmittags. ja, bei dem Seegang heute, wahrscheinlich erst abends.

Gegen Mittag kehrten sie beide zurück Der Geheimrat war nicht allein. In dem Gartensalon, in dem er seine Zeitungen gelesen hatte, leistete ihm Herr Westheim Gesell­schaft. Herr Westheim, war Junggeselle, er hatte wenig Sorgen, und mit den Menschen, besonders mit Damen, aber iaud) mit Herrschaften von adligem Namen, Leuten von der Kirnst und der Litteratur uird dergleichen, mit denen nran auf Reisen zusammentrisft, wurde er schnell bekannt. War er wieder in Berlin, so stellte er seine derartigen Bekannt­schaften nicht Unter den Scheffel. Er war wegen seiner Imponierenden Bekanntschaften in seinen Kreisen geradezu '.. l,rhin nach Hause gekommen. Geheimrat", hatte er ihm er herein, nur um >eimrat eine merkwürdige Muschel zu reitte gefunden hatte, und so war er

Westheim verneigte sich tief. Dann aber erklärte er, nun Toilette machen zu'müssen und empfahl sich.

Ein aufdringlicher Mensch!" sagte Herwarth das Beste wäre, in einem Hause ganz allein zu wohnen!"

Mer der Geheimrat nahm Herrn Westheim in Schutz'. Herr Westheim wollte mit ihm, wenn er allein war, Piauet spielen. Ein so guter. Mensch fand sich nicht bald wieder. Das Wetter wurde am Nachmittag nicht besser. Her­warth und Ottilie gingen wieder an den Strand. In der sechsten Stunde sah man fern am Horizont von Nordwest' her einen dunklen Fleck.

Die Cobra!" ging es durch die gan^e Trampelbahn, wie der Brettersteg am Strande scherzweise hiest

Immer deutlicher war das Schiff zu sehen, endlich unterschied man auch den feilten Rauch Es schlingerte und rollte fürchterlich. Vorder- und Hinterteil waren zuweilen vom Wasser ganz verdeckt. Nach zwanzig Minuten war es wieder aus dem Gesichtskreise verschwunden.

In einer Stunde kommt der Zug", sagte Ottilie,nun bin ich neugierig, ob sie mitgekommen sein wird oder

nicht."

Ter Bahnhof war, als der Schiffszug eintraf, auf denk Perron ganz leer. Niemand hatte diesmal jemand zu er­warten. Nur die Hoteldiener und Gepäckträger standen ge­wohnheitsmäßig herum. Auch der ftug schien ganz leer, An den Fenstern zeigte sich nicht ettt Gesicht.

Sie ist nicht gekommen", sagte Ottilie.

Ta sah man aus dem letzten Wagen eine Gestalt heraus- steigen, eine einzelne Dame. Sie war in dem ganzen Zuge ber" einzige Passagier.

Ottilie, ich bin es Bell", sagte die Dame lächelnd, als Ottilie auf sie zueilte und dann zweifelnd vor ihr

stehen blieb.

Jetzt erkenne ich Dich", rief Ottilie herzliche erfreut.

Sie umarmten sich beide und küßten sich

Miß Cookson ivar eine Dame von ebenmäßiger schlanker Gestalt. Ihr Gesicht war weder hübsch noch häßlich zu nennen. Es war ein Gesicht, das man übersah oder doch, wenn man es bemerkte, in der nächsten Viertelstunde wieder vergessen hatte. Dabei hatte es einen abweisenden Zug von Nüchternheit, den Ausdruck einer Gouvernante, einer Diakonissin. Nur ein Paar unbestreitbar hübsche braune Augen und zwei Reihen kräftiger, schöner, weißer Zähne gaben ihm etwas Wohlgefälliges. Unter dem schlichten, fast schlichten Hütchen quoll das dichte kastanienbraune Haar hervor. So schlicht und unscheinbär wie das Hütchen war auch ihre übrige Toilette. In der einen Hand hielt sie eine kleine Reisetasche. Man hätte sie in der Tbat für eine reisende Gouvernante oder Lehrerin halten

können. ,, ___

Und hier stelle ich Dir meinen Petter Herwarth -Ahoneck f(tüte iOtitlie.

herwarth verbeugte sich nn!> Pell neigte leicht bett, Kopf. *