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elnbogen war. Die Rodensteiner Latten sicht also genötigt gesehen, z-N einem der mächtigen Nachharn in ein Schutz- verhättnts gut treten, das ihre Freiheit minderte. Sie sind Mannen der Katzenelnbogener geworden. Sehr ansprechend ist die von Dr. Frhrn. Schwenk geäußerte Vermutung, daß das Lehnsverhältnis gleichzeitig mit der Erbauung der Burg begründet wurde. Der mächtige Nachbar wird die Errichtung eines befestigten Platzes unmittelbar an der Grenze seines Besitzes nur unter der Bedingung zugelassen haben, daß ihm ein Einfluß auf chas! neue Bollwerk eingeräumt wurde.
Heinrich von Rodenstein, derselbe, der 1346 seinen Anteil an Rodenstein von dem Grafen von Katzenelnbogen zu Lehn nahm, hat die Erbtochter des edelfreien Hauses Lißberg in Oberhessen geheiratet. Bon ihm stammt die Linie der Herren zu Rodenstein und Lißberg, die sich länger als der im Odenwald verbleibende Zweig im Herrenstaude erhalten konnte. Ihre Geschichte weist keine besonderen Züge auf: es ist die typische Geschichte einer mit den mächtigeren Nachbarn um ihre herrenmäßige Stellung ringenden Adelsfamilie. Sie ist erfüllt von größeren und kleineren Fehden. Der Lißberger Zweig der Robensteiner lag mit Gott und der Welt im Streite. Im großen und ganzen sind sie bei ihren ewigen Kämpfen wenig vom Glücke begünstigt gewesen. Um sich in ihrer Herrenstellung zu erhalten, haben sie einen über ihre Verhältnisse gehenden Aufwand machen müssen. Das Liß- berger Erbe, so reich es war, schmolz immer mehr zusammen, Schulden über Schulden wurden gemacht. Verpfändungen und Veräußerungen bilden den monotonen Inhalt der Urkunden, aus denen wir die Geschichte der Herren zu Rodenstein und Lißberg im fünfzehnten Jahrhundert zum größten Teil entnehmen müssen. Um die Mitte des Jahrhunderts'hatten sie abgewirtschaftet: 1454 verzichteten Engelhart und Hans von Rodenstein-Lißberg zu Gunsten des Landgrafen von Hessen aus Lißberg und zogen sich wieder auf das inzwischen ebenfalls stark zusammen- geschmolzene Odenwälder Erbe zurück.
Die Tochter Engelharts hat Hans von Rodenstein von der jüngeren, im Odenwald verbliebenen Linie geheiratet und ihm ihren Anteil an der Rodensteiner Erbschaft zu- aebracht. Diese jüngere Linie hat schon früh den Herrenstand verloren. Ihre Glieder haben Frauen aus hem Stande der Ministerialen geheiratet, die Kinder sind her ärgeren Hand gefolgt, und sind gleichfalls Ministerialen geworden. Wir finden deshalb die Odenwälder Rodensteiner bald in den Diensten der Grafen von Katzeneln-, Vogen., der Pfalzgrafen und der Erzbischöfe von Mainz. Sie haben ein stilleres, ruhigeres Leben geführt als ihre 'ehrgeizigeren Lißberger Vettern. Ihre Geschichte ist des- 'halb einfach und hausbacken verlaufen. Kein über das Mittelmaß Hinausreichender ist ihrem Stamme entsprossen. Zwei von ihnen sind Bischöse von Worms gewesen: auch sie haben nur eine bescheidene Rolle gespielt. 1671 ist auch dieser Zweig der Rodensteiner abgestorben. Seine Güter sind zum Teil den Lehnsherren heimgefallen, zum Teil an verschwägerte Familien, wie die von Gemmingen, von Haxthausen, von Prettlack u. a. gekommen. Die Frei- herrn Ueberbruck von Rodenstein sind zwar durch Kauf in den Besitz einiger Rodensteiner Güter gekommen, hängen aber mit dem alten Geschlecht derer von Crumbach und Rodenstein nicht zusammen.
Hausbacken und einfach, ist die Geschichte der Odenwälder Linie derer von Rodenstein verlaufen. Berühmt und bekannt geworden sind die Rodensteiner erst durch die Verbindung, in der sie die Sage mit dem „Landgeist"' auf dem Schnellerts gebracht hat, berühmt und bekannt vor allem durch die poetische Behandlung und Ausgestaltung der Sage in den Liedern Scheffels. Anlaß zu der Verknüpfung des Namens Rodenstein mit dem wilden Heer vom Schnellerts und seinem Führer soll das gespenstische Aussehen eines Rodensteiner Grabdenkmals in der Kirche zu Fränktsch^Crumbach gegeben haben. Soviel steht aber . fest, daß in allen den Sagen ' vom Rodensteiner, die sich meist in jüngerer Zeit gebildet haben, auch nicht her kleinste geschichtliche Kern steckt. Die Mehrzahl der von Scheffel besungenen Episoden, der Eintritt in Heidel- herg, das Verschlemmen der Güter und Dörfer, die Vererbung des Restes an die Universität Heidelberg, der Be
such! Darmstadts uss., beruht huf freier Erfindüng des Dichters. !
An den Vortrag schloß sich! eine eingehende Besrchti- gung der Burgruine, bei der Herr Lehrer Ferck aus Büttel born in liebenswürdiger Weise die Führung übernahm, Ueber das Wer der Burg erhob sich eine lebhafte Debatte,. Zu sicheren Ergebnissen wird man erst gelangen, wenn eine sorgfältige Ausnahme der ganzen Anlage vorliegt.. Die Erläuterungen der in der Burg selbst, in dem am Fuße derselben gelegenen Hofe und anderwärts vorhan-. denen Reliquien aus der Zeit derer von Rodenstein, die! Herr Lehrer Feick gab, wurden mit Dank und Beifall auf-, genommen. c. _
Von der Burg Rodenstein ab übernahmen die Groß!-, Bierbrauer, Mitglieder des Vereins, die Herren Schönberger, und Eckstein, die sich überhaupt UM das Zustandekommen des Ausflugs große Verdienste erworben hatten, die Füh^ runtz. Auf herrlichen Waldwegen, von denen aus fich zeitweise weite Fernsichten eröffneten — hervorzuheben ist namentlich die einzig schöne Aussicht von Rimdidinch und der Blick auf Lichtenberg von Steinau aus — ging es dann in einstündigem Marsche nach dem idyllisch gelegenen Dörfchen Steinau, von da bergauf zur Wscheuer nut ihrem bekannten wohlerhaltenen Ringwall. Gegen 3 Uhr würde Lichtenberg erreicht. Das Mittagsmahl wurde rüdem Gasthause des Herrn Schellhaas eingenommen.
Nach eiuer längeren Ruhepause übernahm mau den Aufstieg zum Schlosse, das innen und außen eingehend besichtigt wurde. Besonderes Interesse erregten dre Heine,: stimmungsvolle Kapelle, das Schlafzimmer des Landgrafen Georg, die weiten, luftigen Archivräume, vor allem aber die von Fenster zu Fenster wechselnde herrliche Aussicht.. Hieran reihte sich der Besuch des, auf der gegenüber-, liegenden Kuppe erbauten massigen Bollwerks. Da die Zeit knapp geworden war, mußte von einer Erläuterung, der einzelnen Bauten Wstand genommen werden. Schon warteten die Wagen, um die Ermüdeten nach! Reinheim zur Bahn zu bringen. Ein kühler Trunk auf der Terrasse des Bahühofshotels in Darmstadt beschloß den Vierten Sommerausslug des Historischen Vereins! nach! Rodenstein und Lichtenberg. „Darmst. Ztg. -
Vermischtes.
Regerrwetter und Poesie. Unter diesem Titel schreibt die „Wiener Abendpost": In einem Ausfichtspavillon bet Goisern im Salzkammergut liegt ein Fremdenbuchs auf. — Die anhaltende Regenperiode hat bei mehreren Touristen und Sommerfrischlern eine Axt Galgenhumor erzeugt, der sich in verschiedenen poetischen Ginzeichnungen kündgiebt. Ein Besucher schreibt über seinen Namen den Vers:
„Der Sänger hält im Feld die Wetterwacht, In seinem Arme ruht der Schirm, der off'ne,. Er grüßt mit Hellem Lied die Regennacht Und schlägt dazu mit nasser Hand die Harfe."
Ein Anderer:
„Es regnet am Neckar, Es regnet am Rhein, Warum soll's denn im Salzkamtn'er- Gut besser sein?"
Ein dritter schreibt:
„Es war ein Tourist in Thüle, Die Sonne sah er nie, Dem sterbend seine Buhle Einen Gummimantel lieh."'
Aus einer anderen Seite findet sich die Annierkungt „Hier las ich vom 12. bis 18. Juni die sehr zeitgemaßE Novelle von Spielhagen: „Alles fließt.^
Geheimschrift.
(Nachdruck verboten.)
V2q r3bg rSkars L23rs2q Brs 5mc r3bg a2g2qqrbg2m ilmm, 021 Srs c32 V2ks 5mo lkk2r 5ms2qsglm. (Ek2113mt.)
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Logogriphs in vor. Nr.r
Falter — Alter.
Redaktion: Curt Vlqto. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen,


