Ausgabe 
6.6.1902
 
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Abbildung 1.

Abbildung 3.

Abbildung 2.

- Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn UniversitSts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.

Redaktion: I. V.: R. Dittmann.

mehr oder minder reich ausgestattet, jedem Geschmack Rechnung tragen. ^^ilung für sich bilden die zu den Jackenlostümen gehörenden Röcke, welche unter allen Um­ständen so schlicht wie möglich gehalten sem müssen und schon aus diesem Grunde nicht bet allgemeinen Mode mit ihren Volants und sonstigen Garnituren folgen können. Ein glatter, nach unten weit ausfallender Schmit, eventl. mit geschweiften Nähten oder einfachem, angesetztem Ser­pentinevolant ist das einzig richtige. Dazu tst eine mäßige Länge geboten und jede Schlepp-enverlängerung wegzu­lassen, denn diese würde ihren Zweck, dte Eleganz dev Anzuges zu erhöhen, in diesem Speztalsalle vollkommen verfehlen, da sie entweder immer gerafft werden muß, oder immer schmutzig sein wird; beides ist weder elegant noch schön und außerdem unbequem.

Im Gegenteil können wir berichten, daß die Blöde jetzt endgiltig den stark gekürzten, also fußfreien Rock angenommen hat, und daß die neuesten und elegantesten Modelle für Reisekleider in dieser Länge gehalten sind. Natürlich stellen diese Röcke erhöhte Anforderungen an die Eleganz des Rockschnittes, welcher von vornherein unter Berücksichtigung der kürzeren Länge hergestellt werden muß. Die üblichsten Fehler an den fußfreien Röcken sind zu wenig Weite, besonders vorn ungleichmäßige Abrundung und zu dünner Stoff. Alles das läßt den fußfreien Rock sehr leicht unelegant und ungraziös erscheinen und muß

daher sorgfältig vermieden werden. Dazu kommt noch, daß man vielfach der Meinung ist, auf Reisen wären alte, ausgetretene Schuhe das einzig zweckmäßige Selbstver­ständlich tragen diese nie zur Erhöhung der Eleganz der. Beim fußfreien Rock jedoch können sie einen sonst elegan­ten Anzug .direkt verunzieren, weshalb das Schuhwerk ttt diesem Falle mit besonderen Sorgfalt auszuwahlen ist,

Frauen, welche wünschen, die Kleidung für fich und die Familie bei möglichst mäßigen Aufwendungen nach individuellem Geschmack selbst herzustellen re;p Her­stellen zu lassen, finden zur vollkommenen Errerchrmg dieses Zweckes in dem Reichhaltigen Modenalbum und chnit^ Musterbuch der Intern. Schnittmanufaktur Dresden, (Preis nur 50 Pf.) eine wertvolle Hilfe. Nicht nur, daß diese- große Album mit vielen 100 Modellen eine umfassende Uebersicht der modernen Frauenkleidung, sowie allerlei Ratschläge für die Praktische Schneiderei Pretet, sondern es steht mit demselben auch der große Vorzug in Ver­bindung, daß von allen Modellen dre sorgfältig au^ probierten Schnitte zu sehr tnäßigen Preisen erhältlich sind. Die Frauenwelt ist, wie viele Hunderte wärmster Anerkennungen in jeder Saison beweisen, von dieser prak­tischen Einrichtung und von der leichten Verwendbarkeit und dem vorzüglichen Sitz dieser Schnitte geradezu ent­zückt, und jede Dame, dte damit einen Versuch machte wird sicher gute Erfahrungen machen. ,

bündchen wurden. Die oberhemdartig in Fältchen ge­steppten Vorderteile werden jetzt zierlicher mit gleichmäßi­gen Fältchen, Zwischensätzen und dergl. ausgestattet, und die steifgestärkten Leinenkragen ersetzt man durch breite um den Hals gelegte Bänder, deren lange Enden vorn zu zier­lichen Schleifenarrangements geordnet werden, wie Abbild­ung 3 zeigt. An Stelle der schlichten Matrosenhute schließ­lich hat die Mode dte kleidsame dreieckige Marquissorm/ wie Abb. 1 zeigt, gesetzt, welche der geringen und ein­fachen Garnitur halber, die sie benötigt, wohl ebenso, praktisch sein dürfte, als jene.

Man sieht hieraus, daß die Mode, ttt Bezug auf den Reiseanzug durchaus nicht einförmig ist, denn neben all diesen Neuerungen, bestehen die vorjährigen Formen un- geschntälert zu Recht und zwar in zahlreichen Variationen/ so daß wohl für jeden Geschmack und jedes Alter Passendes zu finden ist. So lieben z. B. junge Mädchen, besonders wenn sie eine gute Figur besitzen, immer noch sehr dte koketten Bolerojäckchen, wie ein solches mit Abb. 1 ver­anschaulicht wird, denn es bringt ein hübsches Kragen­arrangement oder eine elegante Bluse am ehesten zur Geltung. Aeltere Damen dagegen sind dem Sackjackett auch in diesem Jahre tren geblieben (siehe Abb. 2), da es nicht nur bequem, sondern auch für eine weniger regel­mäßige Figur am vorteilhaftesten ist. Außerdem gtebr es noch eine Menge von Jackenformen jeder Art, welche^

tenige was ihm seine mehr oder minder zweckmäßigen Eigenschaften verleiht, und wir können es uns nicht ver­hehlen daß die Mode bei Bestimmung derselben doch stark nach der Männerkleidung hinübergeblickt hat, wie dte nähere Ansstattnng der für die Reise hauptsächlich m Frage kommenden Kleider leicht erkennen läßt. Beweis dafür sind die direkt der Herrenmode entlehnten Sackpaletots mit Herrenrevers, die, den Männerhemden nachgebildeten Dlonsen mit steifen Leinenkragen und Manschetten, sowie die Schlipse, ferner die schmucklosen Matrosen- und 'Chasseurhüte, welche zwar nicht mehr das Neueste auf diesem Specialgebiete, aber doch noch sehr beliebt sind.

Und dennoch zeigt sich auch bet allen die,eu der Herrenkleidung entlehnten Formen das der Frauenmvde nun einmal eigene Bestreben zu wechseln und zu variieren und das Bekannte umzumodeln und zu erneuern. Auch gegenwärtig kann man das wieder feststellen. Dte schmalen Umlegekragen und Revers haben sich zu breiten Schulter- kraqen umgewandelt, welche sich nnittels geschweifter Nahte in graziöser Form der Schulterlinie anpassen. Die Sack­paletots werden zum großen Teil von dem Blusenjackett verdrängt, für das besonders die liebe Jugend eine ganz besondere Vorliebe an den Tag legt. Auch die Hemdbluse hat Wandlungen durchgemacht, welche sie nicht weniger praktisch, aber doch weniger männlich erscheinen laßt, indem die Hemdärmel zu Blusenärmeln mit weichem Stoff-