Ausgabe 
6.6.1902
 
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mit unentbehrlichen Papieren nicht finden und behauptete, sie seiner Frau zum Aufbewahren gegeben zu haben.

Frau Velten protestierte, durchwühlte aber dennoch in wahrer Verzweiflung sämtliche Schubfächer ihres Schreib­tisches und ihrer Kommode. Die ganze Familie und die Dienerschaft half suchen, man stöberte unter Schränken und Sofas umher, man kehrte alle Winkel um, und Herr Velten sagte endlich, bleich und verstört: er sei ein ^verlorener Mann, gewisse Leute hätten ihm die Brieftasche mit den Dokumenten gestohlen.

Im letzten Augenblick allgemeiner Auflösung und Rat­losigkeit kam der Gärtner aitgelaufen, den vermißten Gegen­stand in der Hand. Er hatte das Portefeuille im Sande bei den Pfirsichspalieren gefunden, wo es Herrn Belten beim Bücken aus der Tasche gefallen war. Dieser stürzte nun in rasender Eile den übrigen Herren nach in den Wagen, nachdem er seiner Frau die tröstliche Versicherung gegeben, er sei in Schweiß gebadet und werde sich wahr­scheinlich den Tod holen auf der Fahrt int offenen Wagen. Ä-au Velten riß d araus einen Winterüberzieher und eine dicke Decke aus einem Schrank, und Graumann mußte mit diesen Umhüllungen dem bereits davonrollenden Wagen nachkeucheu.

Trotzdem schwebte sie ib'eit Rest des Tages in entsetz- licher Angst um das Leben des Gatten und versenkte sich vorsorglich in das Studiunt ihreshomöopathischen Leit­fadens für Laien", um im Fall eines Unglücks das rechte- Mtttel zur Hand zu haben.

(Fortsetzung folgt.)

Jttöische Fabeln.

Int letzten Heft der Seidlscheu MonatsschriftDie Ge­sellschaft" übersetzt H. I. Gramatzki, frei nach den im Mu- habat-t-htndi (I. Shakespear, London, 1817) befindlichen Orrgtnalen eine Reihe altindischer Fabeln. Einige aus dieser Sammlung sind so hübsch, daß wir sie unferett Lesern als Verspiele mitteilen möchten:

Der König und sein Minister. Ein König und sern Minister aßen aus einer Schüssel Datteln. Jedesmal, wenn der König eine Dattel gegessen hatte, schob er den Kern vor den Minister hin, ohne daß dieser es merkte». Als die Schüssel leer war, sagte der König zum Minister: Du brst ein schöner Vielfraß! Sieh einmal den Haufen Kerne vor Dir an!" Der Minister antwortete:Majestät, Ihr seid der Vielfraß, denn Ihr habt die Datteln samt den Kernen gegessen!"

Der Oelmann und der Student. Ein Student kam einmal zu einems Oelmanne (Oelverkäufer) und sah, daß dessen Ochse am Halse eine Glocke trug.Was für em eit Zweck hat das?" fragte der Student. Ter Oelmann antwortete:Durch das Geläute finde ich heraus, wo der Ochse sich befindet." Der Stttdent sagte:Aber wenn der Ochse, auf einem Fleck bleibend, sich schütteln würde, sodaß es immerfort lautet, was wäre dann herauszufinden!?" Der Oelmann antwortete:Mein Ochse ist kein Student."

Die sechs Brote. Ein Schulmeister kaufte täglich sechs Wecken Brot. Da fragte ihn einmal ein Bekannter:

Sage mir, lieber Freund, was brauchst Tu beim immer, sechs Brote?" Der Schulmeister antwortete:Eines für mich selbst, ein anderes werfe ich weg, aber es kommt wieder; zwei leihe ich her, und mit den übrig bleibenden zweien bezahle ich meine Schulden."Erkläre Dich deut-! licher" entgegnete der andere,ich verstehe Dich nicht." Nun", sagte der Schulmeister,ein Brot esse ich ein Brot gebe ich meiner Schwiegermutter, zwei meinen Kindern zwei meinen Eltern."

GemernnÄtzrgss.

Die Bekämpfung der Fliegenplage ist nur dann Mit Erfolg möglich, wenn man die Ursachen beseitiqt d. h. den Fliegen nicht Gelegenheit zur Eierablage und mr ®nttoufelung gießt Von den Bekämpfungsmitteln kann man sich niemals eine genügende Wirkung versprechen, wenn die eigeiitlichen Ursachen, die da besonders auf dem Lande unbedeckte Abortanlagen und Miststätten sind, unberück­sichtigt bleiben. Die Ansiedelung von Schwalben in Kuh­ställen, das Anbringen von Fliegengittern an den Fenstern, das Aufstellen von Fangapparten und dergl. sind und bleiben stets nur halbe Maßregeln. Tie Hauptsache bleibt, die Mort­gruben mittelst Einstreumitteln, Eisenvitriol, Schwefelsäure, Torfstreu und dergl. zu desinfizieren und ebenso den Stall­mist auf der Düngerstätte mit Snperphosphat, Kalisalzen oder Düngergyps zu bestreuen. Auf diese Weise verhindert man die Entwickelung der Fliegenbrut und gleichzeitig wird der Dünger verbessert, sodaß die Zersetzung desselben ver­hindert wird.x.

Einen lebenden Barometer hat fast jede Gärtner in feinem Garten,sei es, daß er sich einen Laub­frosch hält oder sich nach dem Gebühren einer Kreuzspinne, einer Kröte oder nach den Vorgängen an irgend einer Pflanze richtet. Wenig bekannt, weil man ihn wohl seltener findet, ist der Blutegel als Wetterprophet. Er wird in eilte Flasche, die man halbvoll mit Wasser füllt, gethan und die Flaschenöffnung mit einem Stückchen Gaze verbunden. Liegt der Blutegel ruhig und zusammengerollt am Boden, so ist sicher auf schönes Wetter zu rechneu, gießt es dagegen Regen, so kriecht er an der Flaschenwand empor. Wenn Sturm i'm Anzüge ist, wird der Blutegel unruhig und macht schnelle krampfartige Bewegungen. Ohne Zweifel ist, nach dem Praktischen Wegweiser", Würzburg, der Blutegel ein ebenso zuverlässiger Wetterprophet, wie der Laubfrosch.r.

A k r o ft i ch o n.

Nachdruck verboten.

Von jedem der nachfolgenden Wörter ist durch Umwandlung des Anfangsbuchstabens ein neues Wort zu bilden. Sind die richtigen Wörter gefunden, so bezeichnen deren Anfangsbuchstaben im Zusammen. Hang ein für die europäischen Staaten wichtiges politisches Ereignis.

Rand, Enkel, Tanten, Bier, Pose, Engel, Ohr, Galle, Riegel, Wanne, Fuge, Hagel, Name, Gran, Base, Feder, Wand, Aller, Gabel, Ostern. '

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auslösung des Scherzrätsels in vor. Nr.: Estrich st Erich.

Wre ziehe ich mich für die Reise an?

Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittniannfaktur Drcsden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbnch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich.

, stt eine durch die Erfahrung genugsam bekannte Thasiache, daß eine Dame ihren Reiseanzug nie praktisch und zugleich sorgfältig genug wählen kann, sodaß also der Zweckmäßigkeit, zugleich aber der Kleidsamkeit in gleichem Grade die gebührende Beachtung gezollt wird. Es thut nicht gut lediglich die praktischen Eigenschaften ins Auge zu fassen, ohne an das gute Aussehen zu denken, denn man erwartet nun einmal von den Vertreterinnen des schonen Geschlechts die gefällige, anmutige Form. Daß man diesen beiden Anforderungen recht gut zu gleicher Zeit entsprechen kann, darüber wird unser Bericht ge­nügende Orientierung bieten.

Als oberster Grundsatz diene bei Auswahl des Materials, das Beste als gerade gut genug anzusehen, nur wirklich gute Stoffe sind schön und zugleich praktisch, d. h. widerstandsfähig gegen Staub, Regen und alle anderen Einflüsse, denen sie auf Reisen nur zu leicht

ausgesetzt sind. Aus gleichen Gründen wähle man eventk. Besatz möglichst einfach und haltbar, weshalb aufgesteppte Blenden und Borden, von denen die Mode eine außer­gewöhnlich große Auswahl liefert, am meisten zu em­pfehlen sind, wenn anders man nicht einfach die zwar schon jahrelang bekannten, aber immer wieder modernen abgesteppten Kanten vorzieht.

Am modernsten und freundlichsten dürften jedoch die Garnituren fein, welche sich von selbst bet den neuen Reversible-Stosfen bieten, deren Rückseite in leuchtenden Farben, oft auch in forcierter Musterung gehalten sind und die int wirksamen Kontrast zur einfarbig, dunkel gehaltenen Vorderseite stehen. Als Revers, Aermel-Auf- schlag und Rockbesatz verwendet, gießt sie dem Ganzen, bei allen praktischen Eigenschaften doch ein elegantes Aus­sehen.

Nächst dem Material ist die Fa-on des Anzuges das-