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nimmt diesen Punkt mildernd Ml, — sie giebt ja zu, daß er herausgefordert wurde. — Außer iftd^ in der vollsten Höhe seiner Wut ergreift er einen am Kaminsims liegenden Tolch und droht auch jetzt seinerseits. Sie höhnt ihn, glaubt ihm nicht, und er--sticht zu. Sie fällt. Ent
setzt kniet er neben ihr nieder, versucht sie auszurichben, und tn dem Augenblick, vielleicht auch einige Minuten srüher, löst sich ein Hemdknopf aus dem Hemd und rollt tn das — Blut unter dem Leichnam. Tenn sie ist bereits eine Leiche, — er hat es jetzt erkannt. Was thun? Außer sich vor Entsetzen entflieht er. . . der Portier sieht ihn herabeilen und an seiner Loge vorübergehen. Er erkennt zwar nicht seine Züge, doch sind es dieselben Kleider, es ist derselbe Ueberzieher mit hochgeschlagenem Kragen, den auch Herr Keßler erkannt hat.
Ter Angeklagte stürmt dann kopflos eine Stunde durch ganz Berlin. Tann kehrt er nach Haufe zurück. Selbst sein alter Diener Wilhelm, den man nicht beschuldigen kann, daß er feinem Herrn übel wolle, hatte bemerkt, daß sein Herr voll Unruhe und Aufregung war, daß ihm etwas zugestoßen sein müsse, — daß er lange noch, ehe er sich zu Bett legte, Tm Zimmer auf- und niederging, und daß er eine Wunde an dem einen Finger aufwies, eine Wunde, die er sich durch den Tolch zugezogen hatte und dessen blutige Spur am Halse des Opfers zu ersehen war.
„So war aller Wahrscheinlichkeit nach der Zusammenhang", schloß der Staatsanwalt, „so legen ihn auch sämtliche Zeugen aus, und so dürfte die Wahrheit fein. Wenn wir uns, was ganz unwahrscheinlich ist, täuschen sollten, so erhebe sich der Angeklagte und künde, was er zu der Zeit gethan hat, wo er den Wend des Verbrechens zugebracht hatte."
„Bei mir! Er war mit mir zusammen!" rief plötzlich eine Stimme aus dem Saale. !
(Fortsetzung folgt.)
Heber M Rauchen.
Ich will dem Leser keine Weisheiten und Ratschläge auftischen, ob das Rauchen nützlich oder schädlich sei. Es haben schon sehr berühmte und minder berühmte Gelehrte dicke Bücher und Abhandlungen darüber geschrieben, in denen die einen bewiesen, daß der Tabak ein Teufelskraut sei, während die anderen mit gleicher Geistesschärfe versicherten, er käme direkt aus dem Paradiese und ließe alle Freuden eines schönen Jenseits ahnen. Begnügen wir uns also mit der Thatsache, daß der Tabak da ist, und daß wir ihn überall finden. Ueberall wird geraucht, geraucht, vom hochgefürsteten Thron bis herab zum Arbeiter, vom zivilisiertesten Menschen bis zum Eingeborenen der verborgensten Urwälder Afrikas. Wenn man recht boshaft sein wollte, könnte man behaupten, die ungeheure Verbreitung des Tabaks sei dem Umstande zu verdanken, daß die Einführung des Tabaks in Europa auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten gestoßen ist.
Als nämlich der Tabak zuerst nach Europa kam, bezeichnete die Geistlichkeit ihn als Teufelskraut und Inbegriff aller Laster. Ter Bann wurde darüber ausgesprochen, und die Regierungen verboten den Import dieses Krautes. Ja, es gab sogar eine Zeit in der Weltgeschichte Europas, da die Todesstrafe auf das Rauchen stand! Und trotz aller Schwierigkeiten wuchs die Verbreitung, bis endlich auch diejenigen, die den Tabak am heftigsten verpönt hatten, dem Genüsse des Teufelskrautes verfielen.
Es muß also doch etwas daran sein, den blauen Tampf in die Luft blasen zu können, und wirklich magische Wirkungen scheint der Tabak zu haben. Ter Hungrige sättigt sich, der Durstige stillt seinen Durst daran, der Verstimmte verringert sich seine Sorgen, der Freudige erhöht seine Behaglichkeit, der Gesättigte befördert seine Verdauung, der Abgespannte versinkt tn ein seliges Mrwana, und der Nachdenkende holt seine schönsten Gedanken aus den blauen Rauchwolken.
Kurz, das Rauchen ist zum beinahe unentbehrlichen geistigen Genüsse aller zivilisierten Menschen geworden, und man kann sagen, daß Menschen, an die das Leben große Anforderungen gestellt hat, die viel geistig arbeiten, fast durchweg starke Raucher sind. Es braucht nicht erst versichert zu werden, daß die Geschmacksrichtungen in betreff des Tabaks sehr verschieden sind. So viel Sorten, so viel Geschmäcker".
Vom Rauchgeschmack der Kaiser und Könige und mancher hervorragenden Persönlichkeiten weiß ein englischer Schriftsteller, der sich in der letzten Zeit viel mit dem Studium dieser befaßt hat, manches Interessante zu berichten.
Unser Kaiser Wilhelm II. ist ein leidenschaftlicher Zigarrenraucher und ein Liebhaber von Havannazigarren, die der Raucher unter dem Begriff „Importen" kennt. Aber sein Zigarettenkonsum ist ebenfalls bedeutend. Tie „Kaiser- Zigarett^ ist 15 Zentimeter lang, gerade die Hälfte kommt davon auf das Mundstück. Gelegentlich eines Spazierganges war dem Kaiser die Zigarette „ausgegangen", und da er keine Streichhölzer bei sich trug, bat er einen Knaben, der seine ersten Rauchversuche machte, um den Stummel seiner brennenden Zigarette. Ter Kleine mag wohl nicht wenig erstaunt gewesen sein, als er für diesen Dienst mit einem Goldstück belohnt wurde, das die Photographie des Gebers trug. —
König Eduard VII. von England, der Onkel unseres Kaisers, ist gleichfalls ein begeisterter Verehrer dieses duftenden Krautes. Seine Spezialität sind auch Havannas, die aber größer und stärker sino als diejenigen seines kaiserlichen Neffen.
Nach Tisch und wenn die Regierungsangelegenheiten erledigt sind, greift der König zur Zigarre, die er nur in Gegenwart einer Tame aus der Hand legt.
Eines Tages geht König Eduard gemütlich rauchend durch die Umgebung von Sandringham, als ihm das Feuer seiner Zigarre plötzlich erlischt. Er will sie natürlich von neuem anzünden, merkt aber zu feinem Schreck, daß sich auch nicht ein Zündholz in seinen Taschen befindet. — Was thun?--In einiger Entfernung bemerkt der König
eine Bauernhütte — er geht hin, tritt ein, und bittet die
Frau um Feuer.
Tie Bäuerin, die ihren hohen Gast sofort erkennt, sucht nun in allen Ecken nach einem Streichholz, und teilt dem Könige bestürzt und verwirrt mit, daß ihr Mann die einzige Streichholzschachtel zur Arbeit mitgenommen habe. Doch Eduard wußte sich zu helfen. Aus einem Stüchen Papier dreht er einen Fidibus, entzündet ihn am Kamin, und verläßt mit liebenswürdigen Tankesworten die beglückte Frau.
Noch eine andere kleine Anekdote erzählt man sich in Sandringham von dem König.
Er sah eines Morgens, wie zwei Arbeiter, die in dem Gehölz arbeiteten, ihre Werkzeuge fortwarfen und sich um einen winzig Keinen Gegenstand, den sie am Erdboden entdeckten,^ zu schlagen begannen. Eine Weile beobachtete der Herrscher den Streit, ohne das Objekt desselben entdecken zu können. Er trat endlich näher und richtete an den einen von ihnen die Frage, weshalb denn auf einmal Zwist unter ihnen ausgebrochen sei. „Ich habe den Stummel der Zigarre gefunden, den Ew. Majestät fortgeworfen haben, und mein Kollege will ihn mir entreißen", war die Antwort. Lächelnd ging der König fort, kehrte bald darauf mit zwei Kistchen seiner Zigarren zurück, die er den beiden Männern selbst gab. Ihre Behauptung, daß sie nie in ihrem Leben wieder so gute Zigarren geraucht haben, darf man ihnen sicher ohne weiteres glauben. Gleich diesen beiden erwähnten Monarchen sind alle anderen regierenden Häupter Zigarren- oder Zigarettenraucher. .
In früheren Jahren war der Kaiser von Oesterreich em Verehrer der schwersten Virginia-Zigarren. Erst, als ihm aus gesundheitlichen Rücksichten das Rauchen verboten wurde, ging er allmählich zur milderen Zigarre und hin und wieder zur Zigarette über.
Kaiserin Elisabeth war eine leidenschaftliche Zigarettenraucherin, und die Königin von Portugal bevorzugt die stärksten Havanna-Zigarren. Für den Sultan wird eine ganz besondere Tabaksart kultiviert, es ist dies die teuerste Sorte des türkischen Tabaks. Nur ganz wenig gemischt wird er zu Zigaretten verarbeitet, deren Aroma köstlich ist. Pfeife raucht der Sultan fast gar nicht, und auch das Nargileh liebt er nicht besonders. Trotzdem ,die Sitte des Rauchens zuletzt nach dem Orient gekommen ist, finden wir unter den indischen Fürsten die passioniertesten Raucher. , .
Tie Zigarren und Zigaretten der Kaiser, Könige und Fürsten haben gewissermaßen einen diplomatischen Charakter. Aus den feinen blau-arauen Wolken entwirren


