Ausgabe 
5.4.1902
 
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Dienst eilte ihm nicht. Er würde Befehl geben, daß er nicht vor Nachmittag zu sprechen wäre.

Wenn Sie Zeit haben, Herr Oberst."

Ich habe sehr viel Zeit."

Sie verstand ihn nicht, und dachte auch nicht werter über seine Worte nach.

Sie gingen miteinander denselben Weg, den er vor- dem allein gegangen, und alles schien ihm anders. Tie Kinder liefen voraus, und haschten sich. Ernestine machte eine Bernerkung darüber, die er nicht hörte. Er grübelte darüber, wie er ihr am besten alles erzählen könne.

Hat Ihnen .Hertha vielleicht gesagt?" begann er.

Nein." Sie sah ihn erstaunt an.

Ich dachte. Jederrfalls machte ich_ ihr gegenüber heut eine Bemerkung, daß daß sie vielleicht bald bald ihre Freundinnen verlassen müsse"

Sind Sie versetzt, Herr Oberst?"

Nein." ,

Sie schwieg und dachte nach. Dabei gangen sie glerch- wäßig weiter. Plötzlich dämmerte ihr die Wahrheit.

Es ist doch nicht nein, es kann ja nicht sein" stotterte sie.

Doch."

Der Abschied?"

Ja", sagte er tonlos,der Abschied."

i Jetzt blieb sie stehen in ihrer Erregung.

Tas ist ja schrecklich", sagte sie unwillkürliche

Er dachte:Aha, die enttäuschte Eitelkeit: sie hat doch! mehr an die Karriere gedacht", er wollte bitter werden; allein er schwieg.

Tie Wahrheit hatte wie eine Kralle ihr Herz ge- packt. Er und die Kinder würden fortgehen von hier, und so traurig, so traurig. Keine Zukunft mehr für den Mann au ihrer Seite. Vielleicht war das der Grund, daß er

Sie hätte ihn an der Hand packen mögen, und sagen: .Ich will Tir helfen, daun wird es besser gehen". Allein xr schien plötzlich so streng und abweisend.

Tie kleinen Mädchen kamen zurück gelaufen, und be­richteten über ein botanisches Wunder, das sie entdeckt. Dann liefen sie wieder davon.

Ich glaube,'ach taugte nicht zum Soldaten", sagte der Mann niedergedrückt,und das haben meine Vor­gesetzten auch, herausgefühlt. Es ist nur hart, und viel­leicht hätte man etwas Mitleid mit mir haben können. Wenigstens mit meinen Kindern"

Ernestine tröstete. Tie Kinder würden schon ihren Weg durch das Leben machen.

Sie werden keine leichte Jugend haben", erwiderte er,und dazu fehlt ihnen noch Vie Mutter."

Tas war ihm gegen seinetmWillen herausgefahren. Ernestine wußte nicht darauf zu antworten.

Sie gingen die Park-Allee entlang, und sahen aus den Bäumen das weiße Schloß auftauchen. Ein Reiter kam hinter ihnen gesprengt, und Ernestine rief in heller Angst nach den Kindern. Sie kamen lachend herbei. Ten Mater hatte die Sorge warm und wohlthuend berührt.

Was werden Sie mit den Kindern thun?" fragte sie.

Sie mit mir nehmen, natürlich. Ich dachte nach einer kleinen Stadt zu ziehen, wo das Leben billig ist."

Sie hatte mit einem Entschluß gekämpft und ihre letzte Scheu überwindend, sagte sie:

Ich möchte Ihnen etwas Vorschlägen. Lassen Sie mir die Kinder vorläufig. In meiner, Wohnung ist Platz genug, und sie können so lange bei mir bleiben, bis Sie etwas Passendes gefunden. Dann braucht auch, der Unterricht gar nicht gestört werden."

Fräulein Ernestine."

Sie waren beide stehen geblieben.

Bedenken Sie", fuhr sie fort,welche Last die Kinder bei einem Umzug für Sie sind. Bei mir haben sie ihre Ordnung, und Sie wissen, wie"

Sie stockte.

lieb ich sie habe", hatte sie sägen wollen.

Sie sind zu gut, Fräulein Ernestine", antwortete er beklommen,und ich weih nicht, ob ich Ihr Anerbieten annehmen darf."

Wissen Sie denn nicht, wie nah mir Annas Kinder stehen?"

Gemeinnütziges.

Für die Zubereitung d er Rh ab arberstiele! finden sich! in den meisten Kochbüchern Rezepte, welche anweisen, sie von vornherein in Wein und Zucker zu kochen. Ich möchte empfehlen, die Stiele vorerst in Wasser abzubrühen. Man lege die Stiele in eine Schüssel und gieße kochendes Wasser darüber, das man nach drei Minuten durch einen Durchschlag ablaufen läßt. Der herbe Geschmack verliert sich dadurch, und nebenbei hat man den Vorteil,, auch bedeutend an Zucker sparen zu können.

Sie war empört. Dachte et, sie habe andere Absichten.

Ueberlegen Sie sich das, Herr Otierft", sagte sie etwas, kurz, und machte eine Schwenkung zum Gehen,und danm glaube ich, ist es besser, Sie lassen mich heut nach Hause gehen. Tas war ein wenig überwältigend."

Gehen Sie nicht", sagte er leise, und nahm ihre Hand.Ich weiß. Sie verstehen mich nicht. Ach, wenn ich bett blauen Brief nicht in der Tasche hätte, der mich äst wie ein Schandmal brennt, ich würde anders sprechen. Ich hätte Sie etwas gefragt, Ernestine, worauf Sie mir hätten antworten müssen. Aber wie darf das ein Manu thun, der nichts zu bieten hat, als seine Armut und seine leere Zukunft."

Ist sie leer?" sragte sie fast unter Thranen, und wies nach den Kindern.

Tas ist auch das beste, was mir geblieben."

Tas ist besser als Karriere." ,

Aber ein Vorwärtskommen hätte mir viellercht manches gebracht, woran ich, jetzt nicht mehr denken darf."-

Ta lachte sie auf, etwas spöttisch und doch glücklich. Sie lachte ihm eigentlich gerade in das Gesicht, und ihre dunklen Augen blitzten in einem metallenen Glanz.!

Sie wollten ja fragen"

Ich?"

Ja, wenn Sw Karriere machten

Tie mache ich ja aber nicht mehr."

Haben Sie denn noch nicht genug, Sie Unersättlicher? Sie sollten jetzt anderen ohne Murren Ihren Platz räumen., In so jungen Jahren Regimentskommandeur zu werden,, möchte mancher praktisch ausprobieren." ,

Nun hat es aber auch ein Ende mit der schere baren Herrlichkeit", sagte er trübe.

Gut, so müssen Sie sich begnügen lernen. Abeü fragen Sie doch einmal."

Ach, Ernestine."

Ich werde Ihnen helfen. Um die Wahrhett zu sagen i* will die Kinder nicht mehr allein haben, Sie müssen schon dabei bleiben. Und wenn Sie durchaus in einet kleine Stadt wollen, dann pflanzen wir dort unsere Bohnen und Erbsen in Seelenfrieden, und stecken all unseren Ehr­geiz hinein."

Er lieh ihre Hand nicht los, und murmelte:

So schafft das Unglück dennoch Glück."

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten).

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Magischen Dreiecks in vor. Nr.r

AOSTA

Redaktion: E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätZ-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.