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Schnallen gern die Herzform durch einen Metallstreifen umschreiben, mag weniger Symbolik als Ausnutzung der dem Zweck sehr angemessenen hübschen Linie sein. Aber das Herz findet sich auch häufig direkt im Ornament. So auf dem Schild von Verlobungsringen aus Franken. Meist ist es sogar zu zweien angebracht und die Zugehörigkeit ivird mehr drastisch als geschmackvoll durch ein Vorhänge­schloß ausgedrückt, welches die beiden zu ewigem Bei- sammensein aneinander schließt. Den gleichen Sinn haben die verschlungenen Hände, welche sich beispielsweise auf einer altjüdischen Brautkette aus der Maingegend vor­finden. Sie füllen das Innere - rechtwinkliger, goldener Schilder, welche untereinander durch doppelte, sehr massive, eng ineinander geschlungene Silberketten zusammengehalten werden . Die vielen Marien- und ändere Heiligenbilder in den katholischen Gegenden gehen schon über das Gebiet der Ornamentik hinaus. Außer den schon erwähnten Tauben kommen auch andere Tiere vor, so ein sehr hübsch aus Silberblech geschnittener Stier mit Gravierung als Be­krönung einer Gürtelschnalle aus dem Kanton Unterwalden. Ändere Ornamentmotive knüpfen an die Bestimmung des Schmuckstückes an. Ich nenne Miederhaken aus Holstein, welche die Form des Mieders selbst im Kleinen nachahmen. Die Knöpfe, welche so überreich auf der Bauerntracht ver­teilt zu sein pflegen, mehr zur Verschönerung als zum wirklichen Gebrauch, wären ein Thema für sich allein. Sie Iind zuweilen ganz flach und glatt, wenig anders als die lnisormknöpfe. Dann wieder kugelförmig und überreich mit Filigran oder Buckelung verziert, sodaß sie wirklich schlecht geeignet wären, als Verschluß der Kleidung zu dienen. Besonders originelle Exemplare stammen von der Insel Föhr. Als wären sie der Posamentierarbeit nach­gebildet, zeigen sie ihre Oberfläche bedeckt von in einander- geschlungenen Bändern, die ihrerseits aus Filigran her­gestellt sind.

Die moderne Geschmeidekunst hat hier und da an die Zierformen uranfänglicher Stile angeknüpft. Sie wählte die romanische oder altnordische Ornamentik als Anregern! mehr denn als direktes Vorbrld. Sie könnte sich in gleichem Sinne auch bei dem Volksschmuck umsehen, dessen Einfalt sie dem zivilisierten Geschmack zwar nicht zumuten wird, dessen dekorativen Takt sie aber auf alle Fälle wird aner­kennen müssen.

Unser Garten im März.

(Nachdruck verboten.)

Im März gehts ernstlich los mit der Arbeit. Wir müssen uns schon sputen und regen, um alles planmäßig in Ordnung zu bringen.

Ta heißt es dringend: Veredele alte Bäume um, prüfe neue Sorten, indem Du sie auf ältere Bäume veredelst. Pflanze, aber gieb acht auf den Boden! Auf feuchtem Boden ist Hügelpflanzung dringend notwendig. Gieb acht beim Setzen, damit nicht der später sackende Baum Krankheit und Unlust durch den zu tiefen Sand erhält. D)ie Vorarbeit im Kampf gegen das schreckliche Fusicladium beginnt. Spritzen in Ordnung! Kalk und Kupfervitriol beschafft! Eh' noch die Knospen sich regen, das erste Mal dem Feind eine Douche, damit er an schneller Entwickelung gehindert werde!

Ter Schnitt an allen Bäumen ist fertig zu stellen, mangelhafte Namenstafeln sind flink zu ersetzen. Ein letzter suchender Blick fällt auf die Zweige der Bäume, um zu schauen, ob nicht hier oder da Eier des Ringel­spinners haften, oder in trockenen, zusammengesponnenen Blättern die Goldafterraupen auf günstige Zeit warten, oder ob mit Stamm der Eierhaufen eines Schwamm­spinners übersehen wurde.

Höchste Zeit ist es, Pflaumensteine zu legen, Apfel- und Birnenkerne auszusäen, auch Pfirsichkerne, Walnüsse vergesse man nicht.

. Es werden Weinreben gepflanzt, die jungen Stöcke gleich geschnitten. Alte Weinstöcke sollten im Herbst ge­schnitten fein! Wo es nicht geschah, rasch ans Werk, dann aber auch die Schildläuse nicht vergessen!

Tas Losungswort im Gemüsegarten lautet: Alles graben, die Saatbeete in Ordnung, gepflanzt und gesät, was an der Reihe ist. Und das sind: Zwiebeln, Erbsen,

Petersilie, Radies, Salat, Karotten, Möhren, Schwarza- Wurzeln, Spinat, Sommerrettiche. Steckzwiebeln werden gesteckt, die ersten Salatpflanzen, Kohlrabi, Blumenkohl, Wirsing ausgepflanzt, Früherbsen, Frühkartoffeln eben­falls in den Boden. Wo zur Samenzucht bestimmte Möhren, Sellerie, Petersilie vorhanden sind, heißt es auch diese auspflanzen. Frühbeete werden neu angelegt. Tie alten verlangen stete Bedienung. Sonnenwärme, Luft- lvärme, Entwickelung der Pflanzen, wollen bei der Be­handlung beachtet sein. Das Frühbeet ist der erste Gedanke des Pflanzenzüchters, wenn die Sonne hinter den Wolken hervortritt, oder wenn fie hinter denselben verschwindet. Jedesmal ändern sich dadurch die Arbeiten am Mistbeet. Schatten und Luft, gießen und spritzen sind dadurch be­dingt, Mistbeete für die Sommeraussaaten werden bereit gehalten, und dieselben Aussaaten gemacht, welche unten für das Zimmer angegeben sind.

Im Zimmer macht die Pflege ebenfalls einen energischen Anlauf um die Schäden des Winters aus­zubessern, Verluste zu ersetzen, und wieder sommerliche Lebensfreude hervorzurufeu. Sie teilt sich hauptsächlich in drei Arbeiten: In das Stecklingmachen, in das Zu­rückschneiden der laugtriebigen, blattlosen Gewächse, in das Reinigen und eventuelle Verpflanzen. Die Stecklings­zucht setzt ein. mit Fuchsien, Pelargonien, Primeln, Myr­ten, Gummibaum, Libonien, Phlogine, Passiflora, Tra- descantia usw. Das Verstopfen oder Verpflanzen der. kleinen aus Samen gewonnenen Lobelien, Begonien, Gloxinien, Mimulus, Akazien und ähnlicher Pflanzen be­ginnt.

Tas Einpflauzen der alten Knollen von Begonien, Gloxinien, Tydaea, Canna, Hedychium hat schnellstens zu geschehen. Turch vorsichtiges Zerschneiden der Begonien­knollen kann man eine schöne Vermehrung erzielen. Tas Zerteilen der Cannaknollen ist schon des Platzes wegen notwendig.

Richtiger Rückschnitt langtriebiger, kahler Pflanzen, sei dies nun Lorbeer, Myrte, Bouvardie, Evonymus, Fuchsie oder Pelargonie, ist wesentlich für die Gewinnung guten Triebes und schöner Pflanzen.

Stecklinge, die im vorigen Monat von Chrysanthemum oder Fuchsien gemacht worden sind, bedürfen eines Rück­schnittes zum Buschigwerden. Im Zimmer sind zum Schluß schnellstens alle die Aussaaten zu machen, durch welche Pslanzen zur Verschönerung unseres Zimmers oder Gartens herangezogen werden sollen. Das wären Löwenmaul, frühe. Astern, Stiefmütterchen, Marienblümchen, Hahnenkamm, Kornblumen, Rittersporn, Nelken aller Art, Gaillardien, Godetien, Sommerröschen, Strohblumen, Levkoyen, Zier- Tabak, Petunien, Phlox, Scabiosen, Verbenen, einige Zier­gräser und manches andere. I. C. Schmidt, Erfurt.

Die Seele des Menschen.

Bon Prof. Dr. Rehmke. Geh. 1 Mk., geschmackvoll geb. 1.25 Mk. (Aus Natur mtb Geisteswelt." Sammlung wissen­schaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Ge­bieten des Wissens. 36. Bändchen.) Verlag von G. B..

Teubner in Leipzig.

Nichts liegt dem Menschen näher als seine Seele, und bei einem jeden stellt sich das Bedürfnis ein, vom Seelen­wesen und Seelenleben, diesem vorerst bekannten Unbe-i kannten, klare Begriffe zu gewinnen, die ihm der sichere Leitfaden seien, um sich selber als seelisches Wesen in feinent eigenen besonderen Leben verstehen und erkennen zu können. Diesem Bedürfnisse sucht der Verfasser in der vorstehenden Schrift gerecht zu werden, indem er das Seelenwesen und! das Seelenleben in seinen Grundzügen und allgemeinen Gesetzen gemeinfaßlich zur Darstellung bringt. Bei der Abfassung derSchrifthatteder Verfasserno ch den besonderen Zweck im Auge, allen, denen das Erziehungsgeschäft obliegt, also den Eltern sowie den Lehrern, einen Führer zuy Seele des Kindes in die Hand zu geben.

Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.:

Es ist der Fehler des Jünglings, sich immer für glücklicher oder unglücklicher z» halten, als er ist. Lessing.

Redaktion: E. Burkhardt, Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.