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noch in Händen begüterter Bauernfamilien befindet, vor dem Untergange zu bewahren. Denn man verhehlt sich nicht, daß ohne ein systematisches Aufkäufen und Einreihen in Museen, diese Schätze dem Untergänge geweiht wären, da die Industrie alle Wolkskreise mit billigen Erzeugnissen versorgt, die, obschon meist künstlerisch minderwertig, willig aufgenommen werden, weil sie dem Ausgleichungstrieb entgegenkommen. Denn der Dörfler will'sich nicht mehr von dem Städter unterscheiden, nun er mit ihm durch reichliche vermehrte Verkehrswege in lebhaftere Beziehung gebracht wird. Auch wurzelt er selbst nicht mehr so fest an der Scholle, um daraus eine wirkliche Anhänglichkeit an ererbte Gewohnheit und Tracht herzuleiten, und so dürfte es mit einer besonderen Volkskunst und darum auch mit dem eigentlichen Volksschmuck ein Ende haben. Die ererbten Stücke werden geringer geachtet, ja sie werden gar nach dem Materialwert verkauft und umgearbeitet. Aber gerade darum haben die Beispiele, welche glücklich gerettet und in Museen sicher untergebracht sind, einen besonderen Wert als Ueberreste einer Vergangenheit, in der noch die einzelnen Landschaften Deutschlands ihre streng gesonderten Sitten hatten.
Was das Material betrifft, so gleichen sich zwar die Erzeugnisse der verschiedenen Gegenden sehr, obgleich auch die ausnahmsweise Bevorzugung bestimmter Stoffe an gewissen Orten vvrkommt. Und auch die Technik ist im wesentlichen in den deutschredenden Landstrichen die gleiche. Natürlich, es müssen die einfachen Verfahren sein, welche anfänglichem Können und ursprünglichem Handwerkszeug gelingen sollen.
Unter den Materialien steht das Silber obenan, aber auch das Gold kommt vor. Zur Verzierung wird das Metall mit farbigen Steinen besetzt, Blau, Rot und Grün herrschen vor, in durchsichtiger Klarheit, doch findet sich ausnahmsweise undurchsichtige Einlage. So wird in Württemberg Malachit zu Kreuzsormen zusammengestellt als Anhänger, und in der Schweiz ist Perlmuttermosaik wiederholt anzutreffen. Besonders häufig sind aber in Bayern und ebenfalls in der Schweiz kleine, runde oder kreuzförmige Einlegeplatten aus Thon mit farbiger Bemalung. Diese stellt in der Regel den Gekreuzigten oder ein Heiligenbild dar, und die Scherben dienen dann in ihrer Metallfassung als Anhänger. Perlen finden sich im ganzen selten, sie prangen in der Regel als Mittelstück zwischen farbigen Steinen. Die Kostbarkeit mag das seltene Vorkommen erklären. Dagegen wird auch das geringwertige Material nicht verschmäht, wenn es sich nur durch zierliche Anordnung als Schmuck zu empfehlen weiß. So finden sich in der Schweiz fein gearbeitete Metallschildchen durch mehrfache Perlenketten aus Rubinglas zu einem Halsschmuck verbunden, und in Litauen werden mit Hilfe von Nadel und Faden eine Art Bänder in Glasperlenmosaik hergestellt. Auch Mascheugeschlinge reihten sich vielfach an einander zwischen farblos durchsichtigen und Milchglasperlen .
Eine andere Zusammenstellung zeigt Schwarz, Gold und Grau als direkte Farbenharmonie, eine bescheidene Zier für Handgelenk oder Hals. Endlich sind noch die Bernsteinketten zu erwähnen, die als Perlen sehr großen Umfanges sehr häufig nur oberflächlich geglättet, oder auch mit ziemlich vollkommenem Facettenschliff getragen werden. Merkwürdigerweise sollen diese mit ihrem lebhaften Gelb besonders auffälligen Geschmeide als Abzeichen der Trauer im Gegensatz zum Metallschmuck angesehen werden.
Von dieser Art und Farbe ist das Material. Und so wie es sich vorfindet, wird es auch verwendet. Ein Färben der Metalle kommt nicht vor, wie es doch die berufsmäßige Juwelierkunst so geschickt ausübt. Da ist nur das gelbe Gold und das weißgraue Silber, und besonders das letztere nimmt mit der Zeit eine recht unscheinbare Farbe an. Bei der Fülle von Kröpfen und Behängen, die zu den meisten regelrechten Bauerntrachten gehören, liegt aber eher ein Vorzug in dem Umstande, daß das Metall mit den Jahren weniger auffällig wird. Manche Liebhabersammler aber mögen sich mit den zurückhaltenden grauen Schattierungen nicht zufrieden geben, und kommen fleißig mit Putzlappen und Silberseife über chre aufgespeicherten Schätze. Das blinkt dann in solcher Sammlung ganz protzig unfein, und die künstlerische, aber manchmal etwas derbe Arbeit kommt bei dem hellen Glanz in nicht gerade vorteilhafter Weise zur Geltung.
Ich sagte schon, daß die Technik sich bei diesen Arbeiten
überall auf einfacher Stufe gehalten hat. Aber sie entbehrt an manchen Orten keineswegs großer Zierlichkeit. Die Gußtechnik wird geübt, wenn auch nicht häufig. In der Mehrzahl der Fälle wird das Metall in Gestalt von Blech oder Draht verarbeitet. Für das Blech besteht die Verzierung entweder in Treibarbeit, die sich häufig auf einfache, reihenweise angebrachte kleine Buckelungen beschränkt, oder in Gravierung, die oft in bescheidener Linienzeichnung auftritt. An einer besonders zierlichen goldenen Halskette schlesischen Ursprunges schien mir auch Aetzung angewendet zu fein. Der Draht findet für die sogenannte Filigranarbeit Verwendung,' die Lieblingstechnik jedes Bauernschmuckes. Die feinen, um einander gewundenen Silberdrähte werden mit der Zange in künstliche Schlingen und Windungen gebogen. Ihre Gebrechlichkeit bedarf natürlich eines festen Halles, den ihnen entweder eine Einfassung durch stärkeren Draht gewährt, in welchem das feine Gespinst schwebend angelötet wird, oder dieses legt sich fest auf eine schützende Metallblechunterlage. An den reich verzierten Haarpfeilen Süddeutschlands und der Schweiz erscheint das Silberfiligran in der Regel auf vergoldeter Fläche und erhält durch hellblaue und rote Steine eine besondere Munterkeit. Die krause Zierlichkeit des Filigrans wird besonders wirkungsvoll gehoben, wenn sie zu dem glatten Metall in Gegensatz gebracht wird. Schon die Metallfläche des Grundes, die zwischen den Zwischenräumen der Maschen hindurchblickt, thut in dieser Richtung ihre Wirkung. Aber noch eindrucksvoller macht sich auf höchst einfache Weise das glatte Metall neben dem gewundenen geltend, wenn die Auflage, wie es im Hannöverschen üblich ist, nicht den ganzen Grund zudeckt, sondern rings am Rande einen mehr oder minder breiten Streifen frei stehen läßt. Diese Anordnung wird gleichzeitig der Haltbarkeit des Schmuckes dienlich sein, welche umsomehr gefährdet ist, je näher die feinen Drähte mit den Geweben der Kleidung in Berührung kommen. Aber noch in anderer Weise tritt das glatte Metall zum Filigran in Gegensatz, und Avar vielfach in den norddeutschen Landen als kleine Auflageplättchen, besonders in Rautenform über dem Fadengeschlinge des Metalls.
Gerade in Bezug auf die Güte der technischen Arbeit unterscheiden sich die verschiedenen Landstriche am deutlichsten von einander. Besonders sein sind die Stücke, welche aus Dithmarschen und aus Friesland stammen. Sowohl getriebene Arbeit wie Filigran zeigt dort sehr reiche Muster. In Bayern sind die am Mieder angebrachten Verzierungen ost sehr schwer und umfangreich und noch weiter nach Süden in Tirol herrscht eine etwas plumpe, unbeholfene Metallbehandlung. Der Schmuck wird aus starkem Silberblech in derben Formen ausgeschnitten und ziemlich ungeschickt getrieben. Daneben kommt Gravierung vor. In der Schweiz dagegen findet sich zuweilen wunderbar feine Arbeit. Die Ketten aus Appenzell mit ihren zierlichen, dünnen Gliedern aus Filigran oder gefällig ausgeschnittenem, vergoldetem Metall, die trotz der winzigen Fläche manchmal noch Strichgravierung zeigen, lassen fast an die wunderbaren Geschmeide von Ashbee oder einem anderen modernen Engländer denken.
Was nun die Motive der Ornamentik des Bauernschmucks betrifft, so sind sie im ganzen einfacher Art. Außer den gewöhnlichen Reihungen aus Ringen, Rauten, Punkten und Halbmonden finden sich häufig einfache Blatt- und Rankengeschlinge in Treibarbeit oder Gravierung. Im ganzen ist die anfängliche Technik eurer sehr zusammengesetzten Ornamentik nicht förderlich. Unb der gesunde Geschmack dieser Volkskunst hält sich auch absichtlich fern von einem nachdrücklichen Hervorheben der Verzierung. Die Flüchen sollen mehr durch Licht und Schatten belebt als von deutlichen Formen erfüllt sein. So hat es auch die Gerätkunst der Naturvölker stets gehalten. Nur die hochentwickelte Technik kann es wagen, ihren einzelnen Motiven durch Isolierung Wichtigkeit zu geben, sodaß sie sich anspruchsvoll um die Aufmerksamkeit des Auges bewerben. Aber dennoch sind in dem Volksschmuck gewisse Elements einer realistischen Ornamentik enthalten, welche alle einen symbolischen Sinn verraten, wie er ja der Bedeutung des Schmuckes durchaus angemessen ist. Die wichtigste, Rolle spielen die Herzformen, die verschlungenen Hände, weiterhin die Tauben, welche gerade sich noch so zu beiden Seiten eines Baumes gegenüber zu sitzen pflegen, wie im altpersischen Wappenstil die geflügelten Löwen. Daß dis


