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toie konnte ich ahnen, daß Hella so schwer darunter leiden würde. Sie, die Gefeierte, Umworbene, sollte an unglück­licher Liebe leiden? Warum hatte sie ihn denn abgewiesen? Tenn, daß sie dies gethan, stand bei ihr fest. Wie hätte Loßberg sich sonst zurückziehen können? Sollte vielleicht Hellas Vater in Loßberg nicht den erwünschten Schwieger­sohn erblicken, vielleicht, weil er nicht reicher war?"

Tas könnte sein. Deshalb auch Hellas lange Abwesenheit, tza so, und nur auf diese Weise war der Bruch zu erklären. Arme Hella", dachte sie,welch beneidenswertes Los habe ich dagegen gezogen."

Toch warum hatte sich Hella dem so duldsam gefügt, sie selbst würde das nicht gethan, sie würde das Recht ihrer Liebe behauptet haben.

Und dann, um Hella auf andere Gedanken zu bringen, fragte sie:Du kommst doch morgen zu Saarstedts?"

Ich weiß noch nicht", gab Hella zurück.

Aber warum den« nicht? Sei doch wieder die alte, fröhliche Hella, die jedermann bezauberte."

Hella autwortete nicht sogleich, dann nach einer Weile: ,,Ach, das Leben ist doch viel zu ernst, als daß wir es nur so im Trubel nichtssagender Vergnügungen hinbringen sollten."

Hella, Hella!" rief Mthe in komischer Verzweiflung, ich kenne Dich nicht wieder. Sag', hast Du bei Deiner Tante diese trübe Weltanschauung gelernt?"

Hella schüttelte abwehrend den Kopf.Durchaus nicht, aber es kommen Zeiten, wo man über die Aufgaben des Lebens tiefer Nachdenken lernt, und da sagt man sich, daß unsere Lebensaufgabe doch in etwas anderem zu suchen ist, als in immerwährender Lust und Freude. Wir Töchter der wohlhabenden Stände leben überhaupt viel zu sehr ohne den rechten Ernst, ohne Pflicht, nur darauf bedacht, der Augenblickslaune zu genügen."

Aber um des Himmel--, willen, Hella, was willst Du denn beginnen, willst Du vielleicht barmherzige Schwester werden. Dich zur Krankenpflegerin ausbilden?"

Spotte nicht", mahnte Hella ernst.Der schlechteste Beruf wäre das nicht. Dennoch, denke ich, kann man sich auch anders noch nützlich machen, und segenbringend wirken; denn jene Stellungen, die zugleich eine Versorgung bedeuten, will ich meinen minder begünstigten Mitschwestern über­lassen."

Aber es giebt noch andere Not zu lindern, Not und Elend im tief verborgenen Winkel, wohin weder das Auge der barmherzigen Schwester, noch das der Krankenpflegerin dringt."

Aber das versteht sich ja von selbst, Hella, daß wir Uns der Armen annehmen, meine Eltern geben regelmäßig ihre Spende."

An die Sammelstellen", erwiderte Hella.Ja, weißt Tu denn so gewiß, daß es dann gerade die Bedürftigsten find, die Deine Wohlthat genießen? Die verschämte Armut wagt sich nicht an die Oeffentlichkeit, und diese gerade ist es, die meist am schwersten mit dem Leden ringt."

Aber wie willst Du das anfangett, Hella, gerade die Bedürftigsten zu treffen? Man wird Deine Güte miß­brauchen."

Jede in Wirklichkeit getrocknete Thräne wird diesen Mißbrauch tausendfältig aufwiegen."

Hella, Du steigst heute riesengroß vor mir empor. Bisher liebte ich in Dir die Freundin, die gleichgestimmte. Heute sehe ich die Heilige in Dir, die sich hoch über unsere Alltäglichkeit emporhebt."

Sei nicht thöricht, Käthe! Ich bin durchaus keine Heilige, und werde es nie werden. Ich suche mir nur einen Pflichtenkreis, ohne den kein Mensch, will er gesund an Leib und Seele bleiben, für die Dauer leben kann."

Wird Dein Vater mit Deinem Vorhaben einverstanden sein?"

Er billigt dasselbe und hat mir bereits zum Beginn meines Werkes eine nicht unbedeutende Summe überwiesen."

Wie eigentümlich sich doch unsere Wege unterscheiden, Hella. Du, die Vielgefeierte, Beneidete, deren Lebensweg bestimmt schien, auf sonniger Lebenshöhe zu verlaufen, er­wählst aus freien Stücken eine Aufgabe, welche Dich fort­während mit den Nachtseiten des Lebens in Berührung bringen muß, während mir ein unverdientes, sonniges Glück $lt teil wurde."

Ter Himmel bewahre es Dir, Mthe."

Hella hatte ihr Vorhaben ausgeführt und sich in den Dienst der Ringenden und Elenden dieser Welt gestellt. Es galt doch wohl manche Schwierigkeit zu überwinden, um aus die rechte Art und am rechten Orte Gutes zu wirken,, aber Mut und Ausdauer halfen ihr auch darüber hinweg. Sie ward die geheime Helferin und Wohlthäterin derer, die da im geheimen mit der Not des Lebens zu ringen haben/ und die vergebens nach der rettenden Hand aussehen, oder aus Scheu und Stolz die Hilfe anderer nicht zu erbitten! wagen.

Ihr selbst ward ihr Thun zur Wohlthat. Sie hatte Leid erfahren, und glaubte, an der Menschheit verzweifeln zu müssen. Aber an der Menschheit in ihrem Elend undi Jammer richtete sie sich wieder auf; sie erkannte die reinigende Kraft des Leids, welche uns aus der Erdennot hinauf zur Gottheit führt, hinweg aus der Endlichkeit der Tinge, zu dem, was ewig bleibt.

Hella, Liebste! Finde ich Dich einmal daheim!" Mit diesem Jubel flog Mthe der Freundin in die Arme.Schon dreimal war ich hier, ooch ohne Dich zu treffen."

Meine Zeit ist jetzt sehr in Anspruch genommen", erwiderte Hella mit leuchtendem Blick.

Du fühlst Dich befriedigt?"

Ja, denn ich habe etwas, das mein Denken und Fühlen voll in Anspruch nimmt. Jeder Morgen erinnert mich, daß neue Pflichten meiner warten, deren Versäumnis für manchen eine herbe Enttäuschung sein würde, wenn nicht noch schwereres."

Weißt Du, Hella, daß ich durch Dein Beispiel an­gefacht, das Leben jetzt ebenfalls ernster auffasse? Auch mich hat das Nachdenken gelehrt: Nicht nur zu Glück und Freuden sind wir geboren. Auch dem unter den glücklichsten Voraus­setzungen geschlossenen Lebensbund werden die dunklen, sonnenlosen Tage nicht fehlen. Und diese würdig zu tragen, dem erwählten Lebensgefährten in jeder Lebenslage treu zur Seite zu stehen, das ist der ernste Vorsatz und das Ziel, das ich zu erringen strebe, und ich hoffe zum Schöpfer, daß er mir dabei seinen Beistand leiht."

Tas wird er, Käthe, sobald Du das rechte Wollen nicht verlierst."

O, ich will meinem Vorbilde schon Ehre machen"/ lächelte Käthe heiter und siegesgewiß.Und was mich so überaus glücklich macht, ist, daß ich darin mit meinem Verlobten völlig übereinstimme, er sagt: ,Die Freuden des Lebens sind dazu da, uns aus dem Alltagsleben einmal herauszuheben, damit es uns nicht unterkriegt. Doch nicht zur Gewohnheit oder täglichen Bedürfnis sollen sie werden.' Ist das nicht schön?"

Ich freue mich mit Dir Eurer Uebereinsti mmun g. Toch, entschuldige, daß ich Dich nicht schon darum bat, willst! Tu nicht ablegen, und ein Plauderstündchen mit mir halten?"

Gern, wenn ich nicht störe."

Für heute ist mein Tagewerk vollendet."

Reizend!" jubelte Mthe, indem sie mit Hilfe der Freundin sich ihrer Oberkleider entledigte.

Bald sitzen die Freundinnen in weniger ernstem Ge­spräch traulich beieinander. Tie Spiritusflamme unter dem Theekessel leuchtet auf, und das Wasser fängt an, zu summen. Es ist so still und heimlich, so überaus wohlig im Gemach.

Hella hält Käthe die Kuchenschüssel entgegen.So greif'- doch zu, ich kann Dir dieses Gebäck wirklich als vorzüglich empfehlen."

Käthe thut, wie die Freundin wünscht.Danke."

Hellas Blick wird plötzlich starr, ihre Augen weiten sich in Äitsetzen und ruhen auf Käthens Hand, die eben ein Stück jenes knusperigen Gebäcks zum Munde führt.

(Fortsetzung folgt.)

Bauernschmuck.

Von A. L. Plehn.

(Nachdruck verboten.)

Mit dem wiedererwachten Sinn für künstlerische Formen überhaupt hat auch das Interesse an volkstümlichem Schmuck in der letzten Zeit einen merklichen Aufschwung genommen. Es ist nicht mehr selten, daß die Damen sich aus der Sommerfrische in Oberbayern einen silbernen Miederaufputz mitbringen, den sie dann ihrer modischen Tracht anpassen. Mehr als diese jprtbate Sammelthätigkeit dienen die Be­strebungen von Vereinen dazu, mit anderen künstlerischen Zeugen vergangener Zeiten auch den Schmuck, wie er sich