Zimmer durste, war Alexis fort!, Doch, Was rede ich! Ich wollte ja von Dimitri erzählen. Er war mit Alexis ge- gangen, wurde jedoch, wie ich, später hörte, in Moskau eingezvgen und ins Militär gesteckt. So wurde Nina zur Soldatka!"

Und Ihr Bruder? konnte er den treuen Diener nicht vor solchem Los schützen.

Ich weiß es nicht!" lautete auch hier wieder Feodors Antwort, wobei der Knabe seufzte und verstohlen mit der Hand über die Augen fuhr, indem er leise hinzusügte: O, mein armer Alexis lassen wir ihn!"

Warum, Feodor? Wenn Sie ihn lieben, warum sprechen, erzählen Sie nicht von ihm?"

Nein, ich darf ich kann nicht, es ist zu traurig, lassen Sie mir mein Geheimnis!"

Aber weshalb?" rief Clarita, den Nachsatz ignorierend. Warum verließ Ihr Bruder Sie gleich nach den Todes­fällen so eilig?"

Warum? Ja warum? Er ging eben, um nie mehr wiederzukehren; denn auch ihn habe ich verloren. Ich konnte es anfangs gar nicht glauben, als Mama es mir sagte sie weinte so sehr." .

Worüber weinte Ihre Mama? Was sagte sie Ihnen?" Nun die trostlose Nachricht."

Welche Nachricht?"

.Daß Alexis auf seiner Reise nach dem Auslande ge­storben ist. Ja, auch er ist tot. Ich bin der letzte Ornatoff. Mama sagte es mir unter Thränen."

Claritas Finger umkrallten den Zügel,ihr Herz drohte snlle zu stehen, die Nacht sank nicht nur rings um sie her, auch vor ihren Augen wurde es schwarze Nacht, und tote tausend gelle Stimmen klang es durch diese ihr ent­gegen: Der letzte Ornatoff!"

Es war gut, daß in dresem Moment Feodor selber allzu u-hr durch die Erinnerung beschäftigt wurde, und Herr Goluschkin neben die beiden reitend, das Gespräch jäh ab- chnttt durch den Ausruf:Sehen Sie dort durch das ; >imne Grün die Lichter von Ornatoffsko blinken? Es ist pät geworden, wir bringen die Nacht mit heim."

r ÄG die erhellten Fenster des Herrenhauses blitzten jetzt nape zwischen den Bäumen hervor, wie tausend tanzende Lichtpunkte flimmerten sie vor der stillen Reiterin Augen; rhr Mund war verstunrmt. Keine Frage, keinen Ausruf hatte sie an Feodors letzte Mitteilung mehr zu knüpfen vermocht; sie war einzig froh, daß dieser in raschem Stimmungswechsel, wie solcher ja Kindern eigen ist, mit seinem Mentor über die Neuigkeiten zu schwatzen begann, welche derselbe sich eben von Jwaz über die Tebunen hatte berichten lassen. So, munter schwatzend die beiden, schweig- 1551 ander?, lenkte die kleine Gesellschaft in den schlummer- stillen Park ein, wo von der Freitreppe des Herrenhauses her Lisavetta und Madame Duslois ihnen Vorwürfe über ihre Verspätung entgegen riefen, auf die Feodors silber­helles Lachen nur fröhlich antwortete, daß der Ritt herrlich gewesen und Clarita eine vortreffliche Reiterin fet!

XVII.

Ans Kindesmund.

Nun brich, mein Herz!

Denn schweigen muß mein Mund.

Shakespeare.

Wie trostlos das hier aussieht!" meinte die hübsche Lisavetta mit einem ganz betrübten Gesicht, während sie die Stirne gegen eine Fensterscheibe gedrückt von dem wohnlichen Familiensalon aus dem Regen zusah, der aller­dings in vollen Strömen niedergoß und das ganze Land­schaftsbild jetzt gar eintönig, grau in grau erscheinen neß.Es ist um schwermütig zu werden", seufzt« sie weiter, an die Petersburger Unterhaltungen denkend.Ich kann's begreifen, daß Wera diesen Aufenthalt haßt! Kein Wunder, wenn sie fürchtet zu vertrauern in diesem alten Gemäuer. Mir ist förmlich unheimlich darin, nun man nicht einmal hinaus in's Freie kann. Lassen Sie uns etwas musizieren, Mademoiselle Clarita, es wird uns zer­streuen."

Sie müssen mich heute entschuldigen, liebe Lisavetta", Erklärte die Ungesprochene leise,es ist mir jetzt unmög­lich, meta Kopf schmerzt mich."

Sie haben gestern Ihren Mit zu weit ausgedehnt, Und dafür heute Migräne!"

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Ja, die Zimmerlust beengt mich, ich werde mich nebenan ans Fenster des Boudoirs zurückziehen; kehren Sie sich indes nicht an mich; spielen Sie ungeniert.^ Sie werden das Piano nicht wohl ertragen können bei Ihrem Kopfschmerz?"

Doch! Versuchen Sie's nur mit Haydn, der wirkt nervenberuhigend. Aber wo ist Madame Düflois?"

Noch im Speisezimmer, sie will Herrn Goluschkin hierher locken, damit er Schach mit ihr spiele."

Das Wort war kaum heraus, als die beiden Ge­nannten mitsamt dem Schachbrett erschienen; Lisavetta nunmehr versichert, daß auch von dieser Seite für sie keine Unterhaltung zu erhoffen sei, setzte sich ans Piano nieder, und war alsbald in eine Komposition Haydn's vertieft. Die kleine Jnstitutka war nicht ohne Tiefe des Gemütes,. daher ihr Verständnis für jene Musik nicht fehlte dabei spielte sie gut und gern- Darüber schwand ihre Langeweile. Clarita hatte sich still zurück­gezogen, und starrte hinaus ins Freie. Ihr Blick richtete sich nach dem verödeten oder doch wenigstens scheinbar- unbewohnten Seitenflügel dem alten Bau. Einzelne Fenster in der langen Reihe des ersten Stockwerkes waren heute geöffnet, wohl um etwas Luft in die dumpfen Räume ziehen zu lassen tat übrigen sah das Ganze- heillos trist und düster, ja unheimlich aus; nur oben in dem Giebel schien ein lebendes Wesen zu weilen; denn au dem winzigen Fenster zwischen den braunen morschen Balken, kam zuweilen ein altes, runzeliges Gesicht zum Vorschein.. Fast bis zum Giebel empor umrauschten rings! umher die alten, hohen Bäume geheimnisvoll den stillen Bau.

Denselben zu durchwandern empfand Clarita eine un­aussprechliche Sehnsucht. Sie könnte ihr nicht widerstehen. Feodor", rief sie daher, sich ermunternd, dem eben ein­tretenden Knaben zu.Sie kommen gerade recht, ich Habs eben einen guten Gedanken, der uns ein treffliches Mittel zeigt gegen die Langeweile dieses Regentages."

Ah, Clarita! Das wäre ein Glück!" gestand Feodor erfreut,es ist entsetzlich, nicht hinaus in den Park zu können!"

Auch mir beuchten die Zimmer zu eng" stimmte' Clarita beilassen Sie uns den Moment benutzen, das! ganze Haus zu durchstreifet:. Dasselbe ist altertümlich genug, um interessant zu sein, und Sie versprachen, mir alle seine Merkwürdigkeiten zu zeigen."

Ter Knabe lachte:Aber Clarita Taliana Petrowna' hat Ihnen ja bereits ihr ganzes Reich gezeigt. Sie in alle Stuben des Hauses hineingeführt."

Nicht in alle drüben in dem Seitenflügel sind wir noch nicht gewesen."

Feodor stutzte.O Sie meinen den alten Bau? Der ist unbewohnt und verschlossen. Die Stuben sind verödet und traurig sie", ergänzte er zögernd,sie laden nicht zum Besuche ein."

Warum nicht? Je altertümlicher, desto besser- Mir scheint's ein lohnender Zeitvertreib, jene stillen Räume einmal zu durchstöbern."

Ter Knabe zögerte. Er blickte etwas unsicher die- Sprecherin an-

Taliana wird es ungern sehen, daß wir dort ein« dringen, und ich selbst", fügte er leise hinzu,ich möchte nicht mitgehen."

(Fortsetzung folgt.)

Wetterprognosen.

Eine meteorologische Studie von Fritz E-ckchardt, / (Nachdruck verböten/)"

Noch heute begegnet man vielfach Zweifeln darüber, ob denn Sonne und Mond wirklich die Atmosphäre unserer Erde beeinflussen und also bestimmend auf diejenigen Vor­gänge wirken, deren Gesamtbild man mit dem Namen Witterung bezeichnet- Wenn man aber der Untersuchung dieser Frage näher tritt, und vom sogenanntenschönen Wetter", wie bekanntlich heitere, sonnige Tage genannt werden, ausgeht, so ist nicht zu leugnen,-daß es zunächst die Sonne ist, die diese Art der Witterung hervorbringt. Es stellt also gelegentlich schon das Sonnenlicht an sich dasjenige dar, was man Witterung nennt-

Doch neben der Lichtmaterie spendet der Sonnenball