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1902. — Nr. 20.
Mittwoch den 5. Februar.
er Wille und nicht die Gabe macht den Geber.
Lessing.
ins Freie. Freundlich, liebreich sprach, sie zu ihr, aber sie erhielt nur verwirrte Antworten, und hörte auf jegliche Frage nach Dimitri einzig die unglücklichen Laute: „Ich weiß nichts!"
„Entsetzlich!" seufzte Clarita wieder aus tiefster Seele, und dem unglücklichen Weibe einen Rubel in die Hand drückend, wandte sie sich, schmerzlich ergriffen, von dieser armseligen Stätte ab. Dort war keines Bleibens weder für sie nocb für Feodor, der gleichfalls einige mitleidig« Worte für Nina hatte. „Warum hast Du geweint, Nina?'* fragte er forschend.
Sie sah ihn scheu an, antwortete jedoch halb trotzig, halb klagend: „Ich war bei Eudotja Karpowna, sie schalt mit mir."
„Besuchst Du sie fleißig?" fragte der Knabe weiter. „
„Nein — stammelte die Soldatka verlegen, „sie zürnt immer."
„So hat Eudotja gewiß Grund, wenn sie schilt", entschied der kleine Richter ernsthaft. „Soll die Mutter Dir gut sein, so bleib nicht so lange fern und häng' nicht solchen Flitter nm." Früher sahst Du viel hübscher aus, Nina! Nun komme bald wieder nach Ornatoffsko, ich will Eudotja sagen, daß sie Dich freundlich behandelt."
Er nrcrre der Verdutzten altverständig zu, jeder Zoll ein kleiner Bärin. Clarita hatte unterdes ihr Pferd wieder bestiegen.
Sie hörte kaum, daß Herr Galuschkin sich mit Jwaz über Pferde und Reiten unterhielt; sie winkte Feodor, und, mit ihm rasch vorausreitend, suchte sie möglichst ruhig zu sagen: „Nun, bitte, erzählen Sie mir noch von. dem armen Dimitri. Wo waren wir doch geblieben? Richtig — Dimitri kam mit Ihrem Bruder aus dem Auslande zurück" — , .
„Nein, er kam allein, mehrere Wochen vor Alexts. Ich erinnere mich dessen sehr gut, erwiderte der Knabe, unwillkürlich dem angeregten Gedankengang folgend, „denn Pa- pacha lebte damals noch und war ärgerlich, daß Alexis nur seinen Diener geschickt, statt selber zu kommen."
„Aber Ihr Bruder kam doch selber?"
„Ja, nur zu spät!" lautete die gedankenvoll gegeben^ Antwort, nach welcher Feodor rasch abspringend, beifügte: „Was Dimitri anbelangt, so ivar er sroh, wieder daheim zu sein, und glaubte, dort bleiben zu können, da sein Herr nach Rußland zurückkehren sollte. Aber der arme Alexis blieb nur wenige Tage in Ornatoffsko. Nach Papachas und Wladimirs Tod eilte er ins Ausland zurück. Alles ging damals furchtbar rasch. Ich selber war krank und so froh, Alexis an meinem Bette zu sehen. Ich hebt; ihn, er war freundlich und gut zu mir, nicht ernst und smster iute Wladimir, der mich kaum beachtete. Alexis lrebte mtch er weinte mit mir um Papacha, er versprach, mit mir aus- zureiten, sobald ich wieder hinaus dürfe, aber o y Wladimir starb, und als ich zum ersten ;Me aus dem
Nachdruck verboten.
Verschollen.
Original-Erzählung von M. Ludolfs.
(Fortsetzung.)
Den ganzeit Palast der armen Soldatka bildete eine einzige Stube nrit drei winzigen Fensterchen und einer Thür, durch die tiiciit direkt von der Straße in die Stube trat. Einen Teil derselben nahm der Ofen ein, den zweiten füllte eine ärmliche Bettstatt nebst einem Schrank aus, und im dritten Teile stand entlang der freien Wand eine Bank aus Kiefernholz, während davor, ungefähr in der Mitte, der übliche Lichtspender thronte, ein aufrechtstehender Stock auf kreuzförmigem Gestelle, oben mit einem vierteiligen Eisenbecken versehen. In diesem brennen die Holzstücke, deren Flammen einen unerträglichen Rauch und ein unbestimmtes Licht verbreiten, während am Fuße solchen Leuchters ein kleines wassergefülltes Schaff steht, in das zischend die verkohlten, ausgebrannten Holzstücke niederfallen, wodurch der Raum ein düster, phantastisches Aussehen erhält. Dies war auch in Ninas Stube so, wo trotz des milden Frühjahrsabends ein Holzscheit aus dem Leuchter angebrannt war. Das flackernde Licht davon beleuchtete einige Mädchen, welche Spinnrocken vor sich, auf der Bank saßen, schläfrig spannen und fast tote tönebegabte Maschinen in immer wieder in kich selbst zurückkehrender Weise ihr Lied mehr plärrten als sangen. Jäh brachen sie nun darin ab und starrten die fremden Gäste an. Andern Besuch mochten sie erwartet haben — junge Burschen ans dem 'Dorfe, sie waren daher von ihrer Verwunderung zunächst ganz übermannt, was sich durch ihr plötzliches Verstummen kund that.
Ties weckte erst der Soldatka Aufmerksamkeit. Nachdem diese vorhin den Herrschaften nachgeblickt, war sie eben in die Hütte gekommen und hatte sich auf den niedrigen Ofen hingelegt, den Rücken zur Decke gewandt, den Kopf in die Hände gestützt, den Blick gegen die Wand geheftet. Als iie sich jetzt aus dieser Lieblingsstellung jäh nach der Thüre wandte, sah man ihre Augen vom Weinen gerötet, ihre Wangen heiß, doch trotzig aufgeworfen ihre Lippen. — Bet dem Erblicken Feodors und der fremden Barischni sprang sie auf, fiel diesen zu Füßen und küßte die Zipfel ihrer Kleider.
Ihre Freundinnen wollten dem Beispiele folgen, was im Verein mit dem Qualm in der Stube Clarita zu schleunigem Rückzüge trieb, doch nahm sie sich Nina mtt hinaus


