592

durchfahrene Strecke, Berlin-Leipzig, eine Länge von 173 Km. hat. Demnächst folgt Baden mit 80 Km. per Stunde, Elsaß-Lothringen mit nahezu 77 Km., Bayern (mit 76Vs), die Pfalz (71 Vi), die Main-Neckar- und die sächsischen Bahnen (mit 70 Km.) re. Mit Bezug auf die längste, aufenthaltlos durchfahrene Strecke steht Bayern an der Spitze: Die Strecken MünchenNürnberg (199 Km.), MünchenAnsbach (188 Km.) und HofRegensburg (179 Km.) sind länger als die oben erwähnte preußische Strecke. Die Leistungen der deutschen Eisenbahnen sind danach schon jetzt recht ansehn­liche. Im Hinblick auf unseren Oberbau und unsere Betriebs­mittel können wir nach Ansicht des Verfassers dasselbe leisten, wie Frankreich und England. Deshalb müsse das nächste Ziel der deutschen Bahnen die Erhöhung der Fahr­geschwindigkeit auf 120 Km. pro Stunde sein- Tie Elektrizität könne heute noch nicht in ernstliche Konkurrenz treten, wenigstens nicht auf den Hauptbahnen mit Schnellzugver- kehr. Hier werde nach wie vor der vielgeschmähte Dampf herrschen; denn der Weg zur 200 Km.-Geschwindigkeit mittelst Elektrizität führe nur über die 120- und 150 Km.-Geschwin­digkeit mittelst Dampfes,

Gebratene Rebhühner." Unter dieser Spitzmarke veröffentlichtWild und Hunt/' folgende sehr beachtens­werte Zuschrift:Die Hühnerjagd ist nun in vollem Gange, und mit dem weidgerechten Jäger zieht auch der Jagd­schinder hinaus in Gottes weite Welt; ersterer, um dem Weidwerk obzuliegen, letzterer, um unbarmherzig alles niederzuknallen, was da fleucht und kreucht. Wie gründ­lich das zuweilen besorgt wird, hatte ich Gelegenheit, kürzlich in einem Weinrestaurant durch den Augenschein sestzuftellen. Als armer Strohwitwer wollte ich» mit einem guten Freunde, der in derselben Lage ist, etwas schlemmen, und was lag näher, als ein gebratenes Rebhuhn mit Sauerkraut als ersten Gang zu nehmen, nachdem uns das Verzeichnis der Speisen dasselbe für 1.20 Mk. zugänglich machte. Wir wunderten uns über den im Verhältnis zu den anderen Zahlen sehr billigen Preis und gaben unserer Verwunde­rung hierüber zunächst dadurch Ausdruck, daß wir zu den Hühnern eine bessere Marke bestellten. Nun, unsere Hühner kamen, zunächst wenigstens die Platten. Silbern waren sie sogar, und schon als sie die Thüre unseres Gemaches passierten, entzückte uns der liebliche Duft der den Boden bedeckenden bräunlichen Sauce, aus welcher wieder jung­fräulich schneeweiß Kartoffelpüree sich hervorhob, und auf ihm, kunstgerecht aufgebaut, ein Chimborassv von Sauer­kraut, in welches das Huhn, nur züchtig das Köpfchen hervorstreckend, versenkt war. Mit einem schmelzenden Witte" und entzückendem Schwünge hatte der befrackte Ganymed seines Mundschenkenamtes gewaltet und den Rückzug angetreten, um die neue Nummer zu holen. Ich war eben noch mit dem Auseinanderzerren meiner Ser­viette beschäftigt, als ich plötzlich aus allen Himmeln ge­rüttelt wurde «durch einen mir noch unerklärlich en Wut­ausbruch, der meinen Freund ergriffen hatte.Verfluchte Gemeinheit; so ein infamer Kerl!" und noch andere Epi­theta entquollen dem beredten Munde, und mit einem Ruck warf er mir einen Krammetsvögel auf die Platte. Donnerwetter! Ich habe auch einen! Dem Krater meines Sauerkrautberges entriß ich einen Krammetsbogel. Gany­med kam mit der Flasche und wurde kräftig angefahren, weil er statt Hühner Krammetsvögel gebracht hatte.Das sind keine Krammetsvögel, das sind Hühner, wirkliche Reb­hühner", flötete der seine Serviette graziös schwenkende Jüngling, undWahrhaftig, der Kerl hat Recht!" entfuhr es dem Gehege meiner Zähne. Es waren wirklich Reb­hühner! Ich ließ mir den Kneipwirt, der mich nicht kannte, kommen und stellte ihn mit der Frage zur Rede, was ihn eigentlich veranlaßte, unsfalsche Thatsacheu" vorzuspie­geln. Nach der ihm gebührend erscheinenden Begründung fügte er dann noch hinzu, daß er noch eine ganze Menge von diesen Hühnern hätte; die würden in diesem Jahre nicht größer. Den schlechten Witz verzieh ich ihm; auch wurde ihm verziehen, daß er mit seinen billigen Hühnern Leute aus den Leim lockte, aber dem Kerl, der diese Hühner geschossen hat, verzeihe ich es nicht. Es ist wirklich ein Skandal, daß diesem Würgengel niemand sein schießwütiges Handwerk legen kann, denn solche Hühner schießen und auch noch obendrein verkaufen, das ist wirkliche der Gipfel der allergewöhnlichsten Aasjägerei!"

Litterarischer.

Was mutz die Fra« von der Hygiene missen?"

Unter diesem Titel hat der bestbekannte Frauenarzt Dr. Siegmund Kohn im Verlage von Hugo Steinitz, Berlin SW. 12 ein Buch veröffentlicht, das infolge seiner Reichhaltigkeit und Volkstümlichkeit geeignet erscheint, sich gar bald die Gunst weitester Kreise zu erwerben. Der Verfasser bespricht darin die Entwickelung des Weibes von den frühesten Kindesjahren bis ins Greisenalter und giebt für alle Phasen geeignete hygienische Winke. Vieles, was allgemein bekannt zu sein scheint, doch niemals Berücksich­tigung findet, erfährt in dem Buche die erforderliche kräftige! Betonung. Der Verfasser geht in seinem Werke von Prak«, tischen Gesichtspunkten aus. Nichts ist bei ihm unwesentlich, alles wird, wenn auch nur mit wenigen Worten, doch immer mit Nachdruck hervorgehoben. Das Buch erscheint als eine wissenschaftlich vertiefte populäre Anleitung zu Hütung und Erhaltung der Gesundheit des Weibes in allen Altersstufen und bei allen physiologischen Momenten. Die Einfachheit und Klarheit der Schreibweise, die übrigens auch die Fähigkeit besitzt, den Leser unausgesetzt in Atem zu halten, werden dem Buche ein weites Terrain erobern- Der Preis beträgt 1 Mark.

Mode.

Mode-Bericht Winter 1902/03. Die bekannte Seiden- Fabrik Henneberg, Zürich, schreibt uns: Es wird immer schwieriger, einen Modebericht auszuarbeiten bei der großen Mannigfaltigkeit von Seidenstoffen, die in der gegenwärtigen Zeit in den Handel kommen das ist eine Folge der nicht mehr zu verdrängenden Blousen-Mode! Von einer ein­heitlichenMode" kann man schon seit Jahren nicht mehr sprechen; es ist eben allesMode"! Gestreift, karrierh gemustert, einfarbig, Changeant (Schiller), moiriert, Chine, Foulard, Merveilleux, Louisine, Taffet, Atlas rc. rc. Am bevorzugtesten von Geweben bleibt wieder: Taffet rn weiß, schwarz, farbig, bedruckt und gemustert. Daneben: Louisine, Chine und die unvermeidliche Foulard-Seide! AuchSchotten", die kaum als abgethan gegolten, tauchen wieder in neuen Farbenstellungen auf, darunterblau mit grün", als hochmodern! Gestreifte Seidenstoffe in un­gezählten Dessins, ebenso aucb Karo's sind von Parrs und London fürs Frühjahr bestellt worden. Eine Hauptrolle dürften die duftigen Seiden-Mousselines, bedruckt, spielen. Für die Reise werden wieder die gelblich-grauen Stoffe in Linon und Rohseide die Führung übernehmen, da sre sich in der letzten Saison als ungemein praktisch bewahrt haben. Für Gesellschaftstoiletten im kommenden Winter, werden viel die hochfeinen, edlen Crepes de Chine bestellt, die seit Jahren vernachlässigt worden sind. In Damasten sind große Dessins auf mattem Fonds, sowie Morree mit Chine-Effekten bevorzugt. Moderne Farben smd: grau, 2ent (grün), fraise, pfaublau, dunkel-violett, electrrc braun in allen .Abstufungen.

Preisrätsel.

Infolge der überaus zahlreich eingegangenen Lösungen unseres Preisrätsels können wir die Namen der Gewmner erst am L ,

Mittwoch, dem 8. Oktober

bekannt machen.

Die Redaktion der Gießener Familienblatter,,

Worträtsel.

(Nachdruck verboten.)

Die Eins und Zwei, zu denen wir Auch dermaleinst gehören, Sie ruhen aus in Drei und Vier, Und nichts mehr kann sie stören. Das Ganze nennt den Mann, der dann An ihnen seine Pflicht gethan.

. (Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr.r Hand, Ei, Ida, Reid, Rost, Insel, Chor, Haut Heinrich.

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universttäts«Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.