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Manschetten und auf den Kleiderstücken. Sllles dies hat er aussagen müssen."
„Das ist schwerwiegend", murmelte Georg.
„Ja, das ist auch schwerwiegend. Ja, und wenn das noch alles wäre! Wer mitten in dem Zimmer, auf dem Teppich der Frau von Sanden, neben der Leiche, wurde auf der Stelle, wo sie ausgestreckt lag, eine als Hemd- lnopf gefaßte Perle gefunden, die Herrn von Senipach gehörte. Ter Richter sagte sich natürlich sofort, daß sie sich während des Kampfes zwischen Mörder und Opfer losgelöst habe. Wilhelm behauptet War mit aller Sicherheit, daß Sempach diesen Hemdknopf bereits vorige Woche verloren habe; doch man verdächtigt ihn, aus Anhänglichkeit an seinen Herrn zu lügen. Man ist eher geneigt, sich an die Aussagen des Kammermädchens zu halten, die nach ihrer Behauptung jeden Tag mit größter Sorgfalt den Teppich abgefegt habe, und jedenfalls diese Perle schon seit langem gefunden haben müßte. — Was sagst Tu nun, Georg?" Bist Tn auch noch immer so fest überzeugt wie — sie, daß unserem Freund keine Gefahr droht?"
„Nein, ich habe Angst."
Sie aber fnhr rasch fort:
„Und gesetzt den Fall, er würde freigesprochen, müßte ihm der Gedanke nicht furchtbar sein, daß man ihn nach so schweren Verdächtigungen vielleicht doch für schuldig hielte, daß er sich sagen müßte: „Man glaubt mich schuldig, man hält mich für einen Mörder — mich — mich!" Welche Seelenmarter! Und dann die Abgeschlossenheit, in der man ihn festhält, durch die man jedenfalls hofft, ihn zu Geständnissen zu zwingen! Und das Gefängnis! Zählt man denn dies für gar nichts? — Aus diesem entzückenden Heim, das Tu mir beschrieben hast, das ganz ausgestattet ist mit Seide, geschmückt mit Blumen — kommt er in «ine Kerkerzelle nach Plötzensee! — Und sie, die es nur ein Wort kostet, ihn aus jenem Kerker zu holen, sie läßt ihn dort! Und ste bedauert ihn nicht einmal! — Er ist ja zu glücklich, für sie leiden zu dürfen, — nicht wahr? Er könnte sterben, und fie würde kaltlächelnd sagen: „Ich bin es wert, daß man für mich stirbt". Ach, siehst Tu, dieses Weib, dieses ehrgeizige — diese Egoisten, ich verachte sie, ich hasse sie!"
Bewegt und hingerissen von ihren Worten, hatte er nur mehr seine Schwester und seinen Freund vor Augen, hatte er die Gräfin vergessen und rief:
„Willst Du, daß ich rede, um ihn zu retten?"
Sie bedachte sich einen Augenblick und sagte dann:
„Ich habe viel darüber gesonnen. Tenn ich habe den Fall, wie er heute vorliegt, vorausgesehen. Ich wußte, daß sie sich weigern würde, den Richter zu sehen, und vor »hm Zeugnis abzulegen. Ich halte mich enolich nicht für berechtigr, Dir zu raten: Zeuge an ihrer Stelle, sage über sie alles, was Du weißt. Wir haben früher daran allerdings gedacht und hatten uns vorgenommen, so zu handeln; doch darf ich Tir heute nicht mehr dazu raten. Mich; hält nicht etwa die Furcht zurück, ihren Ruf zu schädigen. Düs Weib flößt mir absolut kein Interesse ein. Wer aus Deinem Gespräch mit ihr ist mir besonders ein Punkt aufgefallen, als sie Dir sagte: „Haben Sie das Recht, mich zu einem Schritte zu veranlassen, den mir Herr von Sempach niemals raten, ja, den zu thun er mich sogar verhindern würde?" — Ja, und darin hat sie recht — er würde sie verhindern — und dann ----“
„Ist es auch uns untersagt, zu sprechen", vollendete er.
Nach einem kurzen Stillschweigen .begann sie von
Steuern:
„Auch in dem anderen Punkt hat sie vielleicht wieder recht. „Anstatt mich aufzusuchen, in mein Leben einzudringen, hatte sie gesagt, weshalb haben Sie es nicht versucht, den 'wahrhaft Schuldigen Herauszufinden?" Wir hätten antworten können: „Weil diese Nachforschungen, vorausgesetzt, daß sie gelingen, viel, sehr viel Zeit erfordern, und er inzwischen im Kerker schmachtet. Wir haben einstweilen das Wichtigste gethan, toir sind zu Ihnen gegangen". Wer fie entwischt uns; ihre Zeugenschaft ist uns entzogen. — Also ziehen wir einen Schleier darüber, Und suchen wir jetzt."
„Ja, das ist das Richtige, das einzig Richtige. Und sie wird uns helfen."
„O, was dies anbelangt: nein, ich bedarf ihrer Hilfe nicht. Sie mag auf ihre Rechnung suchen, oder tot Verein mit Dir, wenn es Dir recht ist. Ich will nichts
mit dieser Frau zu thun haben, mich in keinem Unternehmen mit ihr verbinden."
„Was kannst Tu allein ausrichten?"
„Ich werde nicht allein handeln. Meine frühere Klavierlehrerin hat mich heut besucht. Sie hat momentan keine Stunden und stellt sich mir vollkommen zur Verfügung. Ich werde auch Wilhelm in Anspruch nehmen, Gott, der Mensch wäre ja so glücklich, wenn ihm sein Herr wiedergegeben würde! Er wird das übernehmen, was wir Frauen nicht selbst thun können. Wir drei werden vielleicht zu einem besseren Resultat kommen, als Tu mit Deiner geliebten Gräfin".
„Meine geliebte Gräfin! Was soll das heißen?"
Sie aber verließ ihn nervös aufgeregt und ohne Antwort, um sich nach ihrem Zimmer zu begeben.
28. Kapitel.
Als sich Georg folgenden Tags im Palais Doroukoff einfand, mußte er sich gestehen, daß seinem Namen, der in dieser fürstlichen Wohnung allerdings etwas bürgerlich llingen mochte, und seinem Verdienste alle Ehre gezollt wurde. Tie Gräfin hatte jedenfalls während des Diners in Gegenwart ihrer Angestellten mit ihrem Gatten übw: den jungen Maler geplaudert, die Stellung betont, die er einnahm, und ihn auf die richtige Höhe gestellt. Denn kaum hatte Georg das Vestibül betreten, als sich sämtliche Lakaien erhoben. Sofort kam wie gestern der Kammerdiener auf ihn zu und meldete:
„Tie Frau Gräfin erivartet den gnädigen Herrn ttt ihrem Atelier. Ich habe den Auftrag, den gnädigen Herrn sofort hinauf zu führen."
„Ich folge Ihnen", sagte der Maler.
Sie stiegen — der Diener Georg voran — die große Freitreppe hinauf, durchschritten eine lange Galerie, benützten dann eine Keine Nebentreppe, und kamen im zweiten Stockiverk an. Dann hob der Kammerdiener tote gestern eine antike Mauerverkleidung in die Höhe, öffnete eine Pforte und meldete: „Herr Georg Rakenius!"
Sofort stellte die Gräfin, die eben malend vor einer Staffelei stand, ihre Arbeit ein, legte Palette und Pinsel weg und kam ihrem Gast zwei Schritte entgegen: „Es ist nicht mehr die Gräfin Doroukoff", begann sie mit ihrer melodischen Stimme und einem reizenden Lächeln, „bte Sie hier empfängt, sondern nur Ihre Schülerin, bte Ste Ihres Rates gütigst würdigen wollen."
Er blickte sie, entzückt über ihren unerwarteten Empfang, voll Verwunderung an und fand sie in dieser neuen Umgebung am lichten Tage, so einfach als möglich gelleidet, geradezu wundervoll schön, schöner noch, als sie ihm je erschienen war. ,
„Erscheint Ihnen mein Atelier geeignet?" fragte sie ihn plötzlich. vz„ ... ....
„Geeignet? Sagen Sie lieber vollkommen, Graftn; es ist sehr groß, hoch, ausgestattet mit feinem Geschmack, hat herrliches Licht — ---
„Sie sehen mich hocherfreut über Ihr Urteil. Dies Atelier ist nämlich mein Werk. Ties war noch zur Zett des vorigen Eigentümers, des Prinzen Tschigorin, eine Wohnung, bestehend aus drei Zimmern, Salon, Speisezimmer und einem finsteren Kabinett, das "ich glaube — der Sekretär des Prinzen bewohnt hatte. Ich habe nun die Wände niederreißen, den Plafond höher machen und das zweite mit dem dritten Stockwerk vereinigen lassen. Ter arme Sekretär würde sich heute nicht mehr zurecht finden. Dieses Melier ist mein Lieblingsausenthalt. Jeden Morgen nach dem Frühstück begebe ich mich nach oben und, wenn mich nichts zwingt, auszugehen, bleibe ich hier bis zum Abend. Hier stört mich keine Seele. Bin ich hier oben, dann haben die Leute den Auftrag zu sagen, ich wäre ausgegangen. Selbst der Graf respektiert dieses Heiligtum. Unter anderem, wohl verstanden, ich habe mit ihm über Sie gesprochen. Er ist entzückt, daß Sie eingewrlngt haben, mein Porträt zu .malen, und mir ltoterricht zu erteilet!."
Sie sagte dies alles auf die einfachste und liebenswürdigste Weise, ein reizendes Lächeln aus den Lippen. Sie hatte wohl recht zu behaupten, hier im zweiten Stockwerk, tot Atelier, existiere kein Gräfin Doroukoff mehr, und diese wäre mit ihrem hochfahrenden Wesen unten in den großen Salons des Erdgeschosses geblieben.
Plötzlich machte Georg eine Bewegung des Erstaunens.


