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Hrößenverhaltnisse anpelangt, so ist es jedem Geschöpf —- den Menschen selber nicht ausgenommen — beschieden, gleichzeitig die Rolle des Wurmes oder des Ungeheuers zu spielen, je nachdem es einem anderen größeren oder kleineren Geschöpfe gegenübersteht. Darum wird mich niemand verhindern können, den Tausendfüßer (Myriapode) zu den Lindwürmern zu rechnen, da ich mir hierbei sehr wobl Gewußt bin, mit dieser Bezeichnung keineswegs' wider die von der Wissenschaft aufgestellte hierarchische Ordnung oder gesellschaftliche Klassifizierung des Tierreiches zu verstoßen. Wenn ich mir den Schrecken vergegenwärtige, den meine Frau erlitten hat, als sie des Nachts aus einer finsteren Ecke des Schlafzimmers zwei leuchjtende Hörner sich emporrecken sah, so war dieser Schrecken Wohl quantitativ, aber nicht qualitativ verschieden von dem Schrecken, der jeden anderen befallen würde, wenn etwa in einem Zauberwalde aus finsterer Höhle ein seuerschnaubendes Ungeheuer auf ihn zukäme. Wenn der kleine Lindwurm mit den leuchtenden Hörnern bei Lichte besehen sich and} als ein harmloser Tausendfüßer herausstellte, so hatte er doch, vor allen feurigen Ungeheuern dies voraus, daß er nicht in das Reich der Fabel gehörte, sondern wirklich und thatsächlich leibte und lebte. Denn er begegnete uns in der feuchten Wohnung in zahlreichen Exemplaren bei Dag und bei Nacht und nistete sich! sogar in dem Wäscheschrank in das schön ge- Slättete Weißzeug ein. Ich hätte die feuchte und finstere Löhnung mit ehren Keinen tausendfüßigen Ungeheuern wahrscheinlich bald Mntz vergessen, wenn ich, nicht vor kurzem mit etlichen Augenzeugen bei Nacht und Nebel auf freiem Felde wieder einem solchen leuchtenden Lindwurm oder Tausendfüßer beigeguet wäre. Das an sich, unbedeutende Vorkommnis würde ich nicht so umständlich, berichten, wenn ich, nicht annehmen dürfte, daß diese Einzelheiten manchem Leser als Beitrag zur Seelenlehre oder Körperlehre der Gattung Myriapoden oder Tausendfüßer willkommen wären. Bei dieser Begegnung habe id), offenbar durch das Gewicht meines Körpers dem kleinen Lindwurm das leuchtende Fluidum als Angstschweiß oder als Dodesschweiß ausgepreßt. Tenn unter meinem Fußtritt erst machte sich das über den Pfad kriechende Tierchen dUr.ch fern Leuchten bemerklich,: so wie wenn eine ganze Familie der bekannten Glühwürmer (Lampyridae) sich an derselben Stelle phosphoreszierenden Zeitvertreib in kalter Nacht gegönnt, oder wie wenn ein Stückchen leuchtenden Holzes dagelegen hätte. Beim Auslesen des Tierchens dauerte das Leuchten an der Stelle, wo es Aelegen hatte, fort, wie die leuchtende Masse auch an jeder Stelle der Hand beim Andrücken einige Zett lang haften blieb. Erst bet Licht stellte sich herauch daß wir es mit dem bekannten kleinen gelben Tausendfüßer zu thun hatten, mit demselben Lindwurm, der vor etlichen Jahren aus der finsteren Ecke der feuchten Wohnung meiner Frau die feurigen Hörner entgegengestreckt hatte.
Vermischtes.
Bon dem vielseitigen Interesse unseres Kaisers, von seinem Eingreifen in die verschiedensten Gebiete, selbst technische Detailfragen, giebt abermals folgende Mitteilung Zeugnis: Die Mittelpromenade der Berliner Linden wird aus Wunsch des Kaisers nicht mit Mosaik gepflastert werden. In den ursprünglichen Entwürfen war vom Stadtbaurat Krause . eine solche Pflasterung vorgesehen. Der Kaiser aber wies, der „Post" zufolge, persönlich Herrn Krause darauf hin, daß dieser Mittelweg doch die Triumphstraße Berlins sei, auf der sich bei festlichen Einzügen Rosse und Reiter und Wagen bewegen. Dann würde aber nicht nur das kostbare Pflaster beschädigt werden, sondern es bestehe auch die Gefahr, daß auf den Steinen die Pferde stürzen und alles in Verwirrung geraten könne. @g' bleibt daher 6et der Kiesaufschüttung, doch hat man durch entsprechende Vorrichtungen verhindert, daß die Mittelpromenade bei Regenwetter in den aufgeweichten Zustand gerate, in dem sie sich früher gelegentlich befand.
Der Kletterer. Die „N. Fr. Pr.« bringt folgende Verse von Oscar Blumenthal aus der Sommerfrische:
Den Bergstock und den Pickel her!
Die Schuhe derb und nagelschwer!
Ich, klimme heur auf einen Grat,, Den vor mir Keiner noch, betrat. Das meld' ich dann den Blättern — Ich klett're, um zu klettern.
Ob nebeltrüb und Wolkenreick-, Ob blau der Himmel, mir ist's gleich Ich will ja keine Aussicht seh'n — Ich will nur auf dem Mpfel steh'n. Ich' trotze allen Wettern — Und klett're, um zu klettern.
Durch- alle Krümmen bieg' ich- mich, Durch, alle Rinnen schmieg ich mich Und ist am Ziel mein Höhenflug, ' So schreibe ich ins Hüttenbuch Mit stolzgetränkten Lettern: Ich klett're, um zu klettern.
Vielleicht, daß einst ein Rettungskorps Mich aus der Tiefe holt empor.
Und fragen sie mich staunend dann: „Was thun Sie denn da unten, Mann!?" So sag' ich Meinen Rettern: Ich klett're um zu klettern."
Lttterarisches.
Max Klinger, Die Hauptwerke der Malerei und P l a st i k d e s Künstlers nebst einer Einführung in seine Kunst, (Verlag von I. I. Weber in Leipzig. In Mappe 6 Mark.) Bon allen Künstlern der Gegenwart ist Klinger vielleicht der phantasievollste, jedenfalls aber einer der gedankenreichsten. Wer jedoch den viel bewunderten und! viel verkannten Mann und seine Werke verstehen will/ muß sich- in Klingers Welt vertiefen, muß mit dem Künstler denken und fühlen, in die Probleme, die er zu lösen sucht,, ohne Voreingenommenheit sich' versenken. Die rechte Wür-- digung des vielseitigen Leipziger Meisters in weiteres Kreisen zu fördern, ist die Ausgabe, die sich- die vorliegende Künstmappe gesetzt hat, die m vorzüglichen Holzschnitten die Hauptwerke Klingers reproduziert von dem liebenswür^ digen Jugendwerk „Der Abend" ab, einem Oelgemälde, dass in den Berliner Lehrjahren entstand, bis zum „Beethoven",, der die Summe von Klingers plastischem Schaffen zieht. Von den reproduzierten Oelgemälden ist „Das Urteil des Paris" koloristisch jedenfalls das Schönste, was Klinger geschaffen, und „Christus im Olymps das Werk, welches das größte Aufsehen erregt hat. Die Tendenz des Meisters,, in der Plastik durchs farbiges und echtes Material zu wirken, zeigen außer seinem „Beethoven" die Halbsigureu der „Salome", der „Kassandra" und ,Mfa Asenijesf". Weib-- liche Akte von wunderbarer Lebensfülle sind die Marmor-- statuen des badenden und des kauernden Mädchens sowie' die der Amphitrite. Die aus berufener Feder stammende Einführung in Klingers Kunst ist durch ein gutes Porträt des Meisters bereichert.
Logogriph.
Nachdruck verboten.
Schimmernd gaukelt's durch die Luft. Hat's den Kopf verloren, Hat's ein jeder immerdar (In verschiedenem Grade zwar, So, wann er geboren).
Aber wer es ist, dem ist Ohne alle Frage Nur beschicken kurze Frist Noch der Lebenslage.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Quadrat-Arithmogriphs in vor. Nr.r N 0 B F O L K B E E N X E E GIESSEN ENGLAND ORLEANS FESTUNG J? U L T A W A
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


