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Werck, welches Er bearbeiten Helffen, Jämmerlich erschlagen, unziveisentlich aber seeligst verschied wird gegenwärtiger Grabstein zu unsterblichem Andenken und letzter Ehrenbezeugung allffgerichtet." 1664. Ferner sind auf dieser Seite noch zu erwähnen die Grabsteine des Bart holdThom, „ge- tvesenen gasthalters zum Wilden Mann in Gießen ist ge- bohren zu Buchenau im Hirschfeldtschen ao 1635", starb 1688, sowie der Elisabeth Müller, geb. Becker, Gemahlin des Professors, Oberbaumeisters und „Artellery Direktors", geb. 1597, gest. 1670.
Treten wir in die Kapelle ein, so erblicken wir ringsum an den Wänden eine Reihe zum Teil wohl erhaltener künstlerisch ausgeführter Gedenksteine. Sie sind meist dem Gedächtnis gelehrter geistlicher Herren und dem um das Gemeindewohl verdienten Bürger gewidmet. Mr verweilen am Eingänge links bei dem Denkmal des berühmten Justus Feuerborn, der in Amtstracht dargestellt ist, „ein Herrlicher und umb die gantze Christliche Kirchen hoch verdienter und durch viele erbawliche Schriften weit berühmter Theo- logus und treuer" diener seines Hey'landes Jesu Christi. Ist vom Jahr 1616 bis in das 1656. und also bis ins 69. Jahr seines alters der Universität und Kirchen zu Gießen, Marburg und folgends wieder zu Gießen als ein Professor, Senior: Prediger ephorus und des Marburgtschen Theils Superintendens treulich fleißig und nützlich zu seinem unsterblichen Ruhm vorgestanden und ist am 6. Febr. anno 1656 in Christo Jesu sanft und selig entschlafen." Justus in Palma florebit. (Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum.)
Gleich daneben findet sich in derselben Ausführung das Grabdenkmal des Peter Haberkorn, „der heil.Schrift doctor, Pfarrer, Superintendens und püof. theol. bey der löbl. Universität zu Gießen ein treuer Diener seines Heilandes Jesu Christi. Hat dem Fürstentum Hessen in die 44 Jahre als von 1632 bis ins 1676. Jahr nemlich ein fahr als Physicus Professor zu Marpurg, in die zehen Jahr als Hofprediger, in die 33 Jahr als Superintendens und zugleich 26 Jahr als Professor theologiae und also bis ins 72. Jahr seines alters treu und sleisig gedient. In domino est justitia et robures." (In dem Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke.) Ms dritter Gedenkstein folgt das Marmor- denkinal des Quaestors und Kammerrats Dan. Nie. Stipp, gest. 1658, mit dem Bilde des Verblichenen und seiner Frau A. Elis. Kath., einer geborenen Anthony. In der Ecke an der Ostwand findet sich die Gedenktafel für den Gertchtsschöffen zu Gießen und bei dem Provinzialgericht L u c a s F r a n tz, geb. 1659, gest. 1730. Am Eingänge rechts findet sich ein Gedenkstein, auf dem die Wiederkunft Christi zum Gericht dargestellt ist, und der die Aufschrift trägt: „Dises hatt H. Conrad Wagener Rath Schöffen all Htr Seiner liben Hauß Frau und Kindern Zu Ehren auff Richten lasen. Gott wolle sie Mle sampt In Seinen Schutz und genade nehmen und Ihnen Eine Fröhliche Auffer- stehung ver leyen, auff daß sie auch um den stul Gottes mögen stehn und sehen seine Herrlich Keht." Auf derselben Seite ist ferner zu erwähnen das Denkmal des J o h. Ja c. Wilh. Riegel mann, gest. 1695, eines Riedesel'schen Gerichtsbeamten, verheiratet mit einer geborenen Follenius. Der Gedenkstein ist errichtet von der Tochter und dem Schwiegersohn Franz Justus Kortholt, acc. Gis. Pvoean- cellarius. In der Ecke befindet sich die lebensgroße Figur einer Frau, ohne Aufschrift und Jahreszahl. Es soll das Bild einer Frau v. Berlepsch darstellen, die eine Stiftung hinterließ, aus der die Kinder der Stadtschulen alljährlich mit einem „Teigscher" beschenkt werden; daher die Stifterin im Volksmund den Namen „Teigscherfrau" führt. An der Westseite in der Ecke findet sich die Gedenktafel für Joh. Eb erh. Cron, Organist und Praeceptor zu Gießen, geb. 1605 zu Mombach in der Wetterau, gest. 1680. Weiter sei hier erwähnt das Denkmal für den Gerichtsschöffen Dan. Joh. MalcomesiUs, geb. 1585, gest. 1655, der sich, nach den auf dem Gedenkstein dargestellten Symbolen zu schließen, um die Landwirtschaft verdient gemacht hat.
Die Gedenktafeln auf der Südseite enthalten meistens die Namen verdienter Universitätslehrer und Geistlichen. Es ist hier zu neunen der Gedenkstein des Christ. Busch, Licent. beider Rechte, aus Hamburg, geb. 1643, gest. 1667, (errichtet von Joh. Laur. Langermann aus Hamburg), des
Professors Melch. Dethmar Griolm ann, geb-, bei Bochum 1668, gest. 1722, des Prof. Ierem. LaurentiuÄ Mögen, gest. 1692, des Prof. Heine. Che. Senckenberg, gest. 1744.
Hierauf folgt das Grabdenkmal bed1 Dr. Ioh. Winckel- mann, mit lebensgroßem Bildnis, eines von den Marburger vertriebenen Professoren, des 1. Rektors des am 5. Okt. 1605 gegründeten Paedagogiums, der sich um di« Errichtung der Universität bedeutende Verdienste erworben. Das Dennnal trägt die Aufschrift: „Dies Ehrengedächtnisl hat die ehrenvolle, und tugendsame Frau Barbara Winckel- manns Wttbe, ihrem in dem Herrn ruhenden Ehevogt seligem mit welchem sie 13 Jahr, in Lieb u. Einigkeit gelebt. . .. zu seligen Ehren aufrichten lassen. — Die Lehrer werden leuchten wie des Himmels Glanz rc. Gedenket an euere Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben rc." An der Seite des Denkmals sind Zirkel und Winkelmaß verzeichnet, was auf den Namen weist. Hieran schließt sich die Gedenktafel für Chr. Math. Pfaff, Dr. theol. und Prof, zu Gießen, geb. 1686 zu Bingen, gest. 1760. Errichtet von Fried. Ernst de Hopper. Daneben das Denkmal des M. Lu d. Seltzer, Superintendent und Pastor zu Gießen, der nach seiner selbst verzeichneten Grabschrift zuerst in Worms, daun 16 Jahre in Münster als Pfarrer gewirkt, bis er schon int vorgerückten Alter als Superintendent und Pfarrer in seine Vaterstadt berufen wurde. Er war geboren 1581 und starb 1642. Die letzte Gedenktafel nennt uns einen hochverdienten Gießener Pfarrer, den Dr. theol. Joh. Dieterich aus Gemünden an der Wohra, gest. 1635. 6
vermischtes.
Eine wunderbare Irrfahrt hat eine Ansichtspostkarte gemacht, die am 31. August 1897 ein Kaufmann in Hagen an seine in Düsseldorf wohnende Braut aufgegeben hatte. Wie der Poststempel zeigt, kam die Karte am Abend des genannten Tages richtig in Düsseldorf an, doch gelangte sie nicht in den Besitz der Adressatin, sondern verschwand auf unerklärliche Weise spurlos. Nach fast fünf Jahren nun, am 16. Mai 1902, tauchte die Karte plötzlich in Rio de Janeiro auf. Da sie in diesen exotischen Gefilden nicht an den Mann zu bringen war, wanderte sie laut Poststempel wiedch^nach Düsseldorf zurück. Doch nun begann eine neue Irrfahrt für die Karte. Am 10. Juni findet sie sich plötzlich in Straßburg wieder. Abermals ging die Reise nach Düsseldorf, wo sie — wiederum nicht bestellt wurde. Bon da gelangte die Karte wieder nach Hagen an den Absender zurück. Dieser konnte der Post glücklicherweise den Bestelldienst erleichtern, denn die Adressatin war schon seit Jahren — seine Frau!
Ein galanter Buchdrucker brachte einst bei einem Bankett folgenden Toast aus: „Die Frauen sollen leben I Sie sind das schönste Werk der Schöpfung; und da die Auflage eine sehr bedeutende ist, so möge niemand versäumen, sich ein Exemplar davon anzuschaffen." — „Der Mann hat gut reden", bemerkte einer der Gäste zum andern; „die brochier- tat Exemplare sind ost zu unansehnlich und die in Prachtband und Goldschnitt gebundenen sind meist höllische teuer."
Magisches Quadrat.
Nachdruck verbotene
1. Stand.
2. Kleines Gefäß.
3. Altjüdischer Schriftgelehrter.
4. Titelheld eines Dramas von Shakespeare.
In die Felder vorstehender Figur sind die Buchstaben AAA, DD, EEEE, LL, O, BR, 88 derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichbedeutend sind und Wörter von der beigefügten Bedeutung bilden.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Telegraphenrätsels in vor. Nr.:
Geduld ist die Kunst zu hoffen. (Schleicrmachcr.)
Die Schlüsselwörter sind zu ordnen: Geld, Paul, Distel, Dieb, Kuli, Nest, Zulu, Hohn, Affen.
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.


