— 200 —
Verständnis besitzen, um nicht Verstöße gegen die Formen zu begehen, die ihn sofort verraten würden, und er muß endlich dem neuen Gegenstand das Aussehen eines alten geben. Aber er weiß sich Rat. Um ein altes Bild neu herzustellen, nimmt er entweder echtes, altes Holz oder ein billiges altes Bild, von dessen Leinwand die Farben abgewaschen werden, und läßt auf dieses zweifellos echte Material von einem geschickten Künstler ein Bild im alten Geschmacke malen; oder es wird neue, grobe Leinwand durch Einweichen in verdünnter Säure und Kochen in Leim und Tabaksast, und nachfolgendes Einpulvern mit Harz-- und Kolophoniumpulver und Einreiben mit dem Staube von lange nicht gereinigten Dachböden künstlich alt gemacht. Besonders verschmitzt ist aber eine Manipulation, welche darin besteht, daß der Betrüger von einem ziveifellos echten Bilde eine genaue Kopie unfertigen läßt, und diese unter das Original spannt. Der Käufer, der von dein durch Sachverständige beglaubigten echten Bilde die Vorderseite, von der Kopie aber die Rückseite sieht, setzt vielleicht auf letztere, damit kein Vertauschen stattfinden kann, sein Merkzeichen und bekommt mit diesem dann doch, indem der Fälscher das Original aus dem Rahmen nimmt, die Kopie ins Hans geliefert. Die Handzeichen berühmter Maler werden, da über dieselbe eine ausgedehnte Litteratur mit Abbildungen existiert, naturgetreu nachgepinselt, und mit Schmutz und Farbe bedeckt, nach dessen Entfernung der Käufer, der längst vor dem Kaufe vermutet hat, daß das Bild von einem hochberühmten alten Meister stamme, das Vergnügen hat, sich nach dem Eriverb davon zu überzeugen, daß er wirklich ein echtes Bild erstand, während er thatsächlich ein neues Bild von etlichen hundert Mark Herstellungskosten in Händen hält.
Möbel werden alt gemacht, indem man die Wurmstichigkeit durch Schüsse mit Vogeldunst erzeugt; Bilder erhalten den beliebten, warmen, goldigen Ton durch das Einreiben mit Lakritzensaft; alte Münzen werden auf galvanoplastischem Wege imitiert; neue Sammte altert mau durch Hängen in die Sonne; von den alten Geigen endlich, welche von Amati, Guarneri, Stradivari und andern stammen sollen, ist nicht der zehnte Teil echt. Man schneidet erst die alten Teile, färbt sie mit Kaffee- und Lakritzenabsud entsprechend, nimmt absichlich Reparaturen mit Holz von anderer Farbe vor, bohrt die Wrrbel- löcher zu groß, um dann Zapfen hineinzutreiben, und diese erst richtig auszubohren, sodaß die Geige das Aussehen bekommt, als ob die Wirbellöcher durch langjährigen Gebrauch ausgedreht gewesen, und dann ausgefüttert worden seien. Inwendig klebt man Reparaturzettel hinein, welche, auf echtes, altes Papier gefälscht sind, und schließlich wird die fertige Geige mit Staub alt gemacht.
Tas klassische Land solcher Fälschungen ist Italien, wo Hochzeits- und Vergnügungsreisende, welche gegenüber der Gattin splendid sein wollen, bei den venetianischen, Florentiner und römischen Trödlern unvermeidliche Opfer der auf den Gimpelfang ausgehenden Jtalianissimi werden. Aber auch anderswo passieren unglaubliche Stücklein. So kaufte ein reicher Sammler einmal um 100 000 Fr cs. eine angeblich aus Basalt gemeißelte Ramsesstatue, welche bei Paris aus schwarzem Schiefer um den hundertsten Teil dieses Preises hergestellt war.
Manchmal entbehren die Fälschungen aber auch des komischen Beigeschmacks nicht. Die Fensterscheibe in einem süddeutschen Schlosse, in welche mehrere noch jetzt lebende Fürsten und Könige mit ihren Tiamantringen ihren Namen eingeritzt hatten, ist von einem findigen Kastellan vor einer Reihe von Jahren an einen sammelwütigen Engländer verkauft worden. Natürlich hatte der Beamte eine Reservescheibe int Vorrat, auf welcher die Namenszüge von ihm selber eingekratzt waren, und welche nach Entfernung der ersteren eingesetzt wurde. Tie zweite Scheibe fand ebenfalls bald einen Liebhaber, und so wurde die seltene Glastafel noch mehr als ein Dutzendmal verkauft. Zum Schlüsse stellte sich heraus, daß der vorsichtige Mann die echte Scheibe überhaupt nicht hergegeben, sondern zum Zwecke des so häufig nötig werdenden Ersatzes, und richtiger Nachahmung für sich behalten hatte. Man sieht also, daß die Fabel von den drei Ringen durch die Wirklichkeit doch noch übertroffen werden kann.
Von einem ganz ähnlichen Fall erzählt übrigens der
oben genannte Professor Hanns Groß in seinem Handbuch für Untersuchungsrichter. Derselbe betrifft eine Fensterscheibe in der auf steilem Basaltfelsen in Steiermark unweit der Bahnlinie Graz—Fehring gelegenen Riegersburg: Ein alter Ritter hat einstens in diese die Worte eingegraben: „Am 17. Marzi hat das Sauffen ängehebt, und bis Sankt Vinzenzidag gedauert, und alle Dag ain Rausch aehabt."- Tas war der rechte Gegenstand für Sammler, welche den biederen Burgwart unter Verabreichung eines hohen Trinkgeldes, um irgend einen nichtigen Auftrag auszuführen, herausmanöverierten, und sich dann die Scheibe aneigneten. Ter Veste redlicher Hüter kannte das schon, blieb hartnäckig bei den fremden Besuchern, wenn das Trinkgeld zu gering ausftel, und war so gütig, sich zu entfernen, wenn sein Minimalsatz erreicht war. Eine Gesellschaft, die vielleicht ein paar Stunoen später zu dem gleichen Zwecke kam, konnte ebenfalls ihren Sammeleifer befriedigen, da sofort nach Entfernung der vorangehenden eine neue Scheibe mit derselben Inschrift eingesetzt wurde.*)
*) Na, na! Entweder verstanden sich die Sammler nicht auf den Kitt, oder der Hüter war Schnell-Blei- verglaser. D. R.
GeMeinnÄtzrses.
Hochstämmige Rofen. Im April denkt man an das AbdÄen und Herausnehmen der Rosen. Man wähle dazu möglichst einen trüben und feuchten Tag bei Süd- und Westwind. Gewöhnlich wird man dazu durch warme und sonnenhelle Tage verlockt. Das ist aber falsch, weil die wärmenden Sonnenstrahlen den im Dunklen vorgeschobenen Trieben vorläufig schaden würden. Dann schneide man die Kronen und zwar starkwachsende Sorten auf 4 bis 6, schwachwachsende mehr, also auf 2 bis 4 Augen zurück. Schling- oder Trauerrosen werden gar nicht oder nur an den Spitzen beschnitten.
Für Rosen ist aufgelöster Schweinedünger ein ganz vorzügliches Düngemittel. Er ist besonders bei sandigem Boden und der Sonne sehr ausgesetzten, vorzugsweise abhängigen Südlagen empfehlenswert.
Haarausfall. Schlechtem und mangelhaftem Haarwuchs begegnet man durch gute Hautpflege der Kopfhaut, also durch fleißiges Kämmen mit nicht zu scharfem Kamm, was hier die Stelle der Massage vertritt, durch kühle Waschungen mit 12- bis lögrädigem Wasser mit nachfolgender Einwicklung des Kopfes in ein wollenes Tuch oder ein Stück Flanell, durch eine angemessene Diät und Allgemeinpflege des Gesamt-Organismus, damit sich der Körper kräftigt. Ein kräftiger Körper waltet in allen seinen Organen gut, er weiß aus allen Nahrungsmitteln das Richtige und Notwendige herauszuarbeiten. Die Ernährung ist die Quelle, woraus wir alles schöpfen, und nur der richtig ernährte Organismus kann in allen seinen Teilen gut funktionieren. Recht funktionieren kann aber nur der gesunde, gut gepflegte Organismus. Wir können somit durch gute Körperpflege, vereint mit richtiger Ernährung, auf alle Mängel im Körper wirken; auf schlechten Haarwuchs, schlechtes Augenlicht, mangelnden Geruch, schlechtes Gehör u. s. w., denn auch der kräftige Körper stößt alles Fremdartige ab und hinaus. Zur Bildung von Haar gebraucht der Körper: Schwefel, Phosphor und Kieselsäure. Diese Bestandteile finden wir im Obst, im Gemüse — Möhren, Spinat, Rhabarber — und im Hafer. Man bevorzuge diese bei der Ernährung, und man wird den Haarwuchs fördern.
„Prakt. Wegweiser", Würzburg.
Magisches Dreieck.
A
A A
D I I
L N N 0
[ 0 R S T W
In die Felder des Dreiecks sind die Buchstaben derart cinzutragen, daß die drei Außenseiten wie die drei mittleren wagerechten Reihen Wörter von folgender Bedeutung bilden: 1. weiblicher Vorname; 2. Hauptstadt eines russischen Gouvernements; 3. altgeschichtlich bekannte Stadt in Italien; 4. brasilianisches Tier; 5. Fluß in Afrika; 6. Pflanzenteil.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Redaktion; E, Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


