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ittib fühlte nicht, wie der scharf Seewind ihm ta das glühende Gesicht.schlug.
Eine fieberhafte Angst schnürte ihm düs Herz zusammen, . . . tausend Kleinigkeiten fielen ihm em, di-e er früher Nicht beachtet hatte: einzelne Briefe, die gleich, nachdem die Post gekommen, auch verschwunden waren . - - Couverts, die hastig zerrissen wurden. - . Einmal, vor garnicht langer Zeit, hatte Frau von Ronn schnell das Fach ihres Schreibtisches zugeschoben, als er in ihr Zimmer trat... das alles fiel ihm heute wieder ein, stand greifbar deutlich vor seinem geistigen Auge . - .
Plötzlich tauchte in der Entfernung ein Paar aus: ein großer, stattlicher Mann, der den Kragen des Mantels hochgeschlagen, einen weichen Filzhut bis tief über dre Ohren gestülpt hatte Und eine weibliche Gestalt in einem dunklen Mantel, die sich auf den Arm des Gefährten stützte, und sich dicht anschmiegte ... Ihr Flüstern drang letzt bis zu Herrn von Ronn . - . der Mond war von einer Wolke verdeckt, und nur aus den grauen Wellen lag ein glitzernder Widerschein. - .
War sie es? ... . Herr von Ronn konnte bei der Finsternis nichts mehr sehen, aber er glaubte deutlich die Stimme seiner Frau zu erkennen. . . sein Herz klopfte zum Zerspringen, alle Nerven waren in dem einen ver- zweifeletn Versuch angespannt, zu „sehen" und zu „wissen" .... er stürzte vorwärts, auf gut Glück ....
Das Paar war stehen geblieben, und auch Herr von Ronn stand jetzt wie angewurzelt; denn er hörte eine nur zu bekannte Stimme mit dem ihr eignen leichten Singen zärtlich und wie ihm deuchte, überredend und leidenschaftlich flüstern:
„Und nun, mein Liebster, müssen wir uns trennen! . . „Wann sehen wir uns wieder?" . . . „Ich kann es jetzt nicht genau bestimmen. .. aber nicht wahr, nun sorgst Du Dich nicht mehr um mich ... ich liebe Dich noch immer so wie früher! . . ." und zwei Arme legten sich auf die Schultern des Mannes, den sie an sich zog, während er den blonden Kops, von dem das schwarze Spitzentuch hinuntergeglitten war, zwischen beide Hände nahm und mehrmals küßte. . .
Wütend und außer sich stürzte Herr von Ronn vorwärts. Der Mond hatte den Wolkenschleter zerrissen, und der Lauscher konnte direkt auf seinen Nebenbuhler zusahvrn, ihn mit kräftigem Griff aus den Armen seiner Frau reihen und ihm den Hut vom Kopfe schlagen; aber da fiel der erste klare Mondstrahl direkt auf den nun des Hutes Beraubten, und Herr von Ronn brach in ein erschütterndes, langanhaltendes Lachen aus.
„Wie! Du bist es, Gaston?" rief er, und atmete, tote von einer Zentnerlast befteit, aus . . ., und ich dachte . .
Frau von Ronn und Gaston, die zuerst bestürzt gewesen, singen auch an zu lachen, ein Lachen, das von Minute zu Minute zunahm ... aus dem Duo wurde ein Trio! . . . Besonders Gaston „krümmte" sich fast vor Lachen und rief ein über das andere Mal: „Nein, das ist wirklich zu fein! zu sein!"
„Ja, wie kommt es denn", fragte Frau von Ronn. . . ich denke, Du bist in Brüssel?"
„Wie Du siehst, nein!" entgegnete der Gatt: heiter; ich fand eine Depesche vor, die Reise ist ausgeschoben!"
„Und tote hast Du denn erfahren, daß ich hier bin?"
„Durch Peter, den ich auf dem Bahnhofe getroffen habe . . . also, so -treibt man's, meine Gnädigste, wenn die Katze aus dem Haus ist, besteigt die Maus die Eisenbahn!"
„Robert", sagte Frau von Ronn, „zwei Monate hatte ich ihn nicht gesehen. . ."
Herr von Ronn wandte sich zu seinem Stiefsohn:
„Das heißt so viel. . . ich soll verzeihen. . . und Dich mit uns nehmeü . . . und Dich wieder ins Haus lassen! . . . Ja, nun bin ich dazu gezwungen, denn Du hast Deine arme Mutter richtig bloßgestellt ... die Leute sprechen schon darüber, Du wirst für meinen Nebenbuhler gehalten." Und während er einen Arm in den seiner Frau und bett andern in ben seines Stiefsohnes schob, sagte Herr von Ronn mit einem
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„Ach, Du schrecklicher Junge, wenn das doch wenigstens Dein letzter Erfolg auf diesem Gebiet sein wollte!"
„Flitterwochen des Ruhms"
ist der Titel des neuen Romans von A. Schoebel-Mrlln, bet. gegenwärtig in „Dies Blatt gehört der Hausfrau!" verössenth licht wird. Agnes Schoebel ist bekannt als eine Novelnstin, die es versteht, das Interesse des Lesers anzufachen und mit packender Naturtreue Charaktere aus der modernen Gesellschaft zu schildern. Viele ihrer sehr modernen No« Vellen gelten als Kabinettsstücke geistreicher Erzählungs« 'ünst. Daher das ungewöhnliche Interesse, das dem neuesten Werke entgegengebracht wird. Agnes Schoebel zeigt sich hier von einer neuen Seite. Sie bringt ein von der landläufigen Art der Familienromane himmelweit entferntes großes Werk, das tn einer lebendigen, farbenreichen Sprache vor« getragen wird und der Verfasserin einen Platz in der vordersten Reihe der deutschen Romanschriftstellerinnen an« weist. Indessen ist es nicht der Roman allein, der der Fa« milien-Zeitschrist „Dies Blatt gehört der Hausfrau!" Ein« gang in den gebildeten- Kreisen verschafft hat. Ihr Prak« tischer Inhalt über alle Fragen des Hauswesens und der Er« ziehung erweist sich als äußerst wertvoll in der schweren Zeit der jetzigen wirtschaftlichen Krisis, wo sich jede, selbst die vermögendste Hausftau einzurichten sucht. Außerdem bietet die Zeitschrift mit dem ausgewählt guten Inhalt und dem ansprechenden äußeren Zuschnitt eine vollständige Modenzeitung für Damen- und Kindergarderobe und Wäsche,- Handarbeiten, zwei Jugendschriften, wie auch ein mannrg- falttges Unterhaltungsblatt mit Romanen, Novellen und illustrierten Feuilletons. Und trotz der erstaunlichen Vielseitigkeit kostet „Dies Blatt gehört der Hausftau!" (Verlag von Friedrich Schirmer, Berlin SW., Neuenburgerstr. 14a) nur 1.75 Mk. vierteljährlich.
Gemeinnütziges.
Ein hochinteressanter Baum. Kennen Sie einen Baum, der, ein Verwandter unserer Coniferen, richtig« Blätter statt der üblichen Nadeln trägt? Der ferner unter Umständen weißliche durchscheinende Früchte hervorbrtngt, die vielfach auch gegessen werden? — Nein, werden _ di« meisten unserer Leser antworten. — Das ist der japanisch« Fächerbaum (Gingko biloba), der auch bei uns gar nicht selten ist, wie der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau (Frankfurt a. O.) in seiner Nr. 51 berichtet. Nach dem Ratgeber stammt der seltsame Baum aus Japan und ist der einzige Vertreter seiner Art. Seine zweilappigen! Blätter bestehen aus einer Anzahl fächerartig angeordneter, aber untereinander verwachsener Nadeln. Die pflaumen« artigen, eßbaren Früchte entstehen erst, wenn der Baum ein höheres Alter erreicht hat und auch dann nur, wenn zwer Bäume verschiedenen Geschlechts bei einander stehen. Der Gingko gehört nämlich zu den wenigen Pflanzen, bei welchen wie bei den höher organisierten Treren das männliche und weibliche Geschlecht getrennt auf je einem besonderen Individuum vorkommt. Der Fächerbaum verträgt das deutsche Klima recht gut, sodaß kein Hindernis besteht, diesen rnter« essanten, merkwürdigen Baum öfter anzupflanzen. Jede! Baumschule liefert ihn auf Verlangen. Wer, bevor er pflanzt, eine Abbildung des Baumes sehen möchte, und näheres über die Behandlung erfahren will, wende sich um Uebersendung der Nr. 51 an das Geschäftsamt vorgenannter Zeitschrift. Sie wird ihm kostenlos zugestellt.
Bilderrätsel.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Magischen Quadrats in vor. Nr.r RABE ADEL BEIL E L L A
Redaktion: E. Burkhardt. - Rotationsdruck und Bcrkaa der Brühl'schen Universttats-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


