Ausgabe 
4.1.1902
 
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fragte Herr von antwortete der Schloßherr, und ist die gnädige

Stern, nein! . . . viel älter, die Kammerjungfer der I Es war 8 Uhr abends. Der Kurierzug aus Paris hielt

gnädigen Frau sagte, er sähe aus wie zwanzig . . I an der kleinen Station £., von welcher aus mau das Schloß

So alt! ... mir hat's die Kaufmannsfrau gesagt der Rouns erreichte. Der Kutscher Peter, der auf seinem . . . aber die sind auch uoch nicht lange hier, nicht I Sitz ein kleines Nickerchen machte, war nicht wenig er-

länger wre wir, und wissen es ioohl nicht genau." I staunt, als er sich plötzlich am Arm ergriffen fühlte, und

Oh, der Junge ist ein Thunichtgut, und seine Mutter W daß sein Herr vor ihm stand, rst immer viel zu schwach zu ihm gewesen, sie verwöhnt IHe! Peter, was machst Du hier", ' ihn da hat's denn Streit gegeben . . . und der Herr | Ronn.

ben Bengel an die Luft gesetzt . . . Darüber ist die IIch warte auf die guädige Frau", Gnädige natürlich sehr traurig . . . zuerst hat sie ihren Kutscher respektvoll.

Mann sehr heb gehabt . . . aber jetzt scheint es . . . damit I "Auf die guädige Frau?" fragte der vorber zu fern! . . . es ist schade! . . . man muß doch I fühlte wie sein Herz schneller klopfte . . . auch bedenken, daß einer Frau, die wie sie lange Witwe I Mau denn verreist?"

und ganz frei war, so etwas wie Tyrannei Vorkommen IGnädige Frau sind heute früh um 10 Uhr nach

muß. . . und einen Tyrannen, na den haßt man! ... I Berck gefahren, und haben mir befohlen, sie von 8 Uhr

<nmt ü>"l man sich rächen . . . man schafft sich an hier auf der Station zu erwarten."

Lrebhaber an . . . und einem giebt man den Vorzug! ..." I Und als der SJZann sah, daß eine Zornesfalte zwischen genug rst sie dazu", beteuerte die kleine | Herrn von Ronu's Augen stand, fügte er hinzu:

ei)]tuentitt. |Ich glaube, daß guädige Frau den Herrn nicht

m s. i "7 v ~ I heute abeitb zurückerwartete."

pthm? smrr - ^^^ung der beiden Postbeamtinnen war !Bleib hier!" herrschte Herr von Ronn den Kuncher

etwas Alayrev. Es hatte allerdings den Anschein gehabt, I nut einer Erregung an, die er sich vergeblich zu ver-

toen^ ^err ü?n Ronn die Jugendtäuschimg nicht ver- j bergen bemühte . . . warte auf uns ... ich fahre nach gesfen könne. Er war wohlhabend, hatte den größten Berck." '

JbeS\u&tAS Plötzlich aber tour Eine halbe Stunde später sprang Herr von Ronn aus

BekannteneElgeworben. ?ei.njn dem Zug, und lief an den Strand. Die Flut stieg, und Nl denen erWrf w'ÄrL t s^ue Rerseerndrücke, mit leisem Glucksen schlugen die Wellen au den Strand; wolle Material gesammelt, niederschreiben aus der Ferne, wohl aus dem Kasino, drangen einzelne

Das S0rM.fht<irMA. c . .. . m I abgerissene Walzertakte herüber. Das Hotel lag in der

erst bei 'berrn im« .nU+' ^^d^ser Wunsch sich | Richtung, von wo der Wind die Töne hertrieb, aber jedcn- alten a3ertoanbtpn°1L-flJ)nn re^te'. er bet einer I falls warensie" nicht dort, sondern im Freien. Der

lernt hatte. W atzende junge Witwe kennen ge- I Abend war zwar frisch, aber doch sehr schön. Herr von

z ' I Ronn lies am Strand entlang, hin uno wieder zurück.

H

Alexis seinen Diener Dimitri nach der nordischen Heimat I Intelligent und klug hatte die junge Fran die nock gesandt, um genaue Nachrichten über den dortigen Stand der I den ganzen Liebreiz eines iunaen r V 7

Dinye zu erhalten. Die Nachrichten kamen &, sie waren Herrn von Ronn^gefesselt?Dm wenig befriedigender Art. Bald folgte eine Depesche der lich auf dm Skeptiker aus war ohr im Äs«

anderen - sie riesen Alexis an seines Vaters Sterbebett. weichherziger, gütiger Mensch. Es war die alte® etoto neue

Fortsetzung folgt.) Geschichte: sie liebten sich! Und Herrn von Ronn g?nstg!e

I ss nicht, seine junge Frau allein zu vergöttern, allein zu

(£ttt I bewundern! Es sollten sie alle bewundern, feiern! Er

w . ... , ,, YüwÄ V* 1 * <_ I guig wieder rn Gesellschaften, ihretwegen öffnete er gast-

Slutorisierte Uebersetzung nach dem Französischen des I frei sein Haus, und als, dank seiner Bemühungen, Frau

B. Ustariz von A- Friedheim. I von Ronn von einer kleinen Korona von Bewunderern

(Nachdruck verboten.) I umgeben war, da erwachte Herr von Ronn eines Morgens Bitte, eme Depesche!" unzufrieden und verdrießlich, und kam zu dem Ergebnis

Und mit der feinen, behandschuhten Hand reichte I daß er . . . eifersüchtig sei!

Frau bon Roun das Formular, das sie soeben beschrieben | Oh! er wollte ja nicht an ihr zweifeln, sie gab

.hatte. ihm keinen Grund dazu! Aber liebte sie ihn denn auch?

Die Beamtin sah es an, unb während sie die Worte I Hatte sie ihn aus Siebe genommen? Sie hatte eigentlich zählte, las sie: recht raschja" gesagt! Und die Vergangenheit fiel ihm

De Veyre 18, Lisbonnestraße, Paris. Unglücklich, I wieder ein.

Brief zu spät. Sei morgen Frühstück Berck, Hotel Schloß. Und dannihr" Sohn! Immer und ewig drehte es Werde dort sem. von Ronn." I sich um den! Der junge Mensch mit seinen lockeren LebenK-

Ein Frank, gnädige Frau", sagte die Telegraphistin. I anschauungen war ihm höchst unsympathisch geworden.

Hier, danke!" antwortete die junge Frau nervös, I Führte er doch nur zu gern allerleiTypen", wie er

Und verließ rasch das Bureau. I sich in seinem Jargon ausdrückte, in das Haus des

Die Beamtin und ihre Assistentin .sahen ihr durch I Stiefvaters ein, unb bie konnten bem Stufe seiner Frau

das Fenster zu, wie sie in ihren Wagen stieg, unb sprachen I Abbruch thuu. Herr von Roun, gereizt unb geärgert, griff über bie elegante Toilette. I zu einem Gewaltmittel: er mietete seinem Stiefsohn eine

Ihr Mann ist verreist, sie hat ihn eben nach ber IJunggesellenwohnuug", und erklärte ihm kurz und bündig, Bahn gebracht . . . und auf der Rückkehr schickt sie. . . I daß er bei seinen Eltern jederzeit willkommen fein würde, dem Freund eine Depesche! . . . einRendezvous!" . . . I aber ... er müsse allein kommen.

fd)abe! (Sie ma$te einen so guten Eindruck!" . '' Der junge Gaston fügte sich diesem Wunsch, ber sehr

m »np 6, enttäuscht. I viel Aehnlichkeit mit einem Befehl hatte; beim trotz aller ., Assistentin hob bas Stumpfnäschen von I seiner Streiche liebte er bie Mutter aufrichtig Er ma

tSr***» 6H"seI"bc «--»-» U». «6e, M iu, ni,& b«?&S felS 9ue. , I Stiefvaters zu betreten.

J5dH»R°n?^HHWML Meinen Sie? . . . Sie haben sich boch aber aus I 8er,t^eUt .

Liebe geheiratet, wie bie Leute sagen!" I ®,ie Reisezeit hatte begonnen. Herr von Ronn dachte

Herr von Ronn hatte einst geschworen, Junggeselle I sem Schloß in ber Picardie, das nun schon so lange

zu bleiben, damals als seine Braut einen anderen nahm I unbewohnt war. Jetzt ober nie war ber richtige Moment

. . . Iwissen Sie bas nicht?" I gekommen, bort in ber Abgeschiedenheit unb Einsamkeit

Ja, aber um bas Kind hat ber Zank angefangen, I Zuflucht gegen all bie angstvollen Gebankeu, bie ihn

Frau von Ronn, bie noch so jung aussieht, hat schon I übermannten, zu suchen. Dort würbe seine Fran nur

einen ganz großen Sohn!" I rhm, ihm ganz allein, und keinem andern gehören:

,,. ... Ich weiß wohl. . . ein Snabe von vielleicht er. Sollte sie sich wieder zurückgewiuum, wenn er sie zwölf Jahren. . ." z I wirklich verloren haben sollte!