fragte Herr von antwortete der Schloßherr, und „ist die gnädige
„Stern, nein! . . . viel älter, die Kammerjungfer der I Es war 8 Uhr abends. Der Kurierzug aus Paris hielt
gnädigen Frau sagte, er sähe aus wie zwanzig . . I an der kleinen Station £., von welcher aus mau das Schloß
„So alt! ... mir hat's die Kaufmannsfrau gesagt der Rouns erreichte. Der Kutscher Peter, der auf seinem . . . aber die sind auch uoch nicht lange hier, nicht I Sitz ein kleines Nickerchen machte, war nicht wenig er-
länger wre wir, und wissen es ioohl nicht genau." I staunt, als er sich plötzlich am Arm ergriffen fühlte, und
„Oh, der Junge ist ein Thunichtgut, und seine Mutter W • ■ • daß sein Herr vor ihm stand, rst immer viel zu schwach zu ihm gewesen, sie verwöhnt I „He! Peter, was machst Du hier", ' ihn • • • da hat's denn Streit gegeben . . . und der Herr | Ronn.
ben Bengel an die Luft gesetzt . . . Darüber ist die I „Ich warte auf die guädige Frau", Gnädige natürlich sehr traurig . . . zuerst hat sie ihren Kutscher respektvoll.
Mann sehr heb gehabt . . . aber jetzt scheint es . . . damit I " „Auf die guädige Frau?" fragte der vorber zu fern! . . . es ist schade! . . . man muß doch I fühlte wie sein Herz schneller klopfte . . . auch bedenken, daß einer Frau, die wie sie lange Witwe I Mau denn verreist?"
und ganz frei war, so etwas wie Tyrannei Vorkommen I „Gnädige Frau sind heute früh um 10 Uhr nach
muß. . . und einen Tyrannen, na den haßt man! ... I Berck gefahren, und haben mir befohlen, sie von 8 Uhr
<nmt ü>"l man sich rächen . . . man schafft sich an hier auf der Station zu erwarten."
Lrebhaber an . . . und einem giebt man den Vorzug! ..." I Und als der SJZann sah, daß eine Zornesfalte zwischen genug rst sie dazu", beteuerte die kleine | Herrn von Ronu's Augen stand, fügte er hinzu:
ei)]tuentitt. | „Ich glaube, daß guädige Frau den Herrn nicht
m s. i "7 v — ~ — — — — I heute abeitb zurückerwartete."
pthm? sm„rr - ^^^ung der beiden Postbeamtinnen war ! „Bleib hier!" herrschte Herr von Ronn den Kuncher
etwas Alayrev. Es hatte allerdings den Anschein gehabt, I nut einer Erregung an, die er sich vergeblich zu ver-
toen^ ^err ü?n Ronn die Jugendtäuschimg nicht ver- j bergen bemühte . . . warte auf uns ... ich fahre nach gesfen könne. Er war wohlhabend, hatte den größten Berck." ’ ' ’ ’
JbeS\u&tAS Plötzlich aber tour Eine halbe Stunde später sprang Herr von Ronn aus
BekannteneElgeworben. ■ ?ei.njn dem Zug, und lief an den Strand. Die Flut stieg, und Nl denen erWrf w'ÄrL t s^ue Rerseerndrücke, mit leisem Glucksen schlugen die Wellen au den Strand; wolle Material gesammelt, niederschreiben aus der Ferne, wohl aus dem Kasino, drangen einzelne
Das S0rM.fht<irMA. c . .. . m I abgerissene Walzertakte herüber. Das Hotel lag in der
erst bei 'berrn im« .nU+' ^^d^ser Wunsch sich | Richtung, von wo der Wind die Töne hertrieb, aber jedcn- alten a3ertoanbtpn°1L-flJ)nn • re^te'. er bet einer I falls waren „sie" nicht dort, sondern im Freien. Der
lernt hatte. W atzende junge Witwe kennen ge- I Abend war zwar frisch, aber doch sehr schön. Herr von
z ' I Ronn lies am Strand entlang, hin uno wieder zurück.
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Alexis seinen Diener Dimitri nach der nordischen Heimat I Intelligent und klug hatte die junge Fran die nock gesandt, um genaue Nachrichten über den dortigen Stand der I den ganzen Liebreiz eines iunaen r V 7
Dinye zu erhalten. Die Nachrichten kamen &, sie waren Herrn von Ronn^gefesselt?Dm wenig befriedigender Art. Bald folgte eine Depesche der lich auf dm Skeptiker aus war ohr im Äs«
anderen - sie riesen Alexis an seines Vaters Sterbebett. weichherziger, gütiger Mensch. Es war die alte® etoto neue
Fortsetzung folgt.) Geschichte: sie liebten sich! Und Herrn von Ronn g?nstg!e
I ss nicht, seine junge Frau allein zu vergöttern, allein zu
(£ttt I bewundern! Es sollten sie alle bewundern, feiern! Er
w . ... , ,, YüwÄ V* 1 * <_ I guig wieder rn Gesellschaften, ihretwegen öffnete er gast-
Slutorisierte Uebersetzung nach dem Französischen des I frei sein Haus, und als, dank seiner Bemühungen, Frau
B. Ustariz von A- Friedheim. I von Ronn von einer kleinen Korona von Bewunderern
(Nachdruck verboten.) I umgeben war, da erwachte Herr von Ronn eines Morgens „Bitte, eme Depesche!" unzufrieden und verdrießlich, und kam zu dem Ergebnis
Und mit der feinen, behandschuhten Hand reichte I daß er . . . eifersüchtig sei!
Frau bon Roun das Formular, das sie soeben beschrieben | Oh! er wollte ja nicht an ihr zweifeln, sie gab
.hatte. ihm keinen Grund dazu! Aber liebte sie ihn denn auch?
Die Beamtin sah es an, unb während sie die Worte I Hatte sie ihn aus Siebe genommen? Sie hatte eigentlich zählte, las sie: recht rasch „ja" gesagt! Und die Vergangenheit fiel ihm
„De Veyre 18, Lisbonnestraße, Paris. Unglücklich, I wieder ein.
Brief zu spät. Sei morgen Frühstück Berck, Hotel Schloß. Und dann „ihr" Sohn! Immer und ewig drehte es Werde dort sem. von Ronn." I sich um den! Der junge Mensch mit seinen lockeren LebenK-
„Ein Frank, gnädige Frau", sagte die Telegraphistin. I anschauungen war ihm höchst unsympathisch geworden.
„Hier, danke!" antwortete die junge Frau nervös, I Führte er doch nur zu gern allerlei „Typen", wie er
Und verließ rasch das Bureau. I sich in seinem Jargon ausdrückte, in das Haus des
Die Beamtin und ihre Assistentin .sahen ihr durch I Stiefvaters ein, unb bie konnten bem Stufe seiner Frau
das Fenster zu, wie sie in ihren Wagen stieg, unb sprachen I Abbruch thuu. Herr von Roun, gereizt unb geärgert, griff über bie elegante Toilette. I zu einem Gewaltmittel: er mietete seinem Stiefsohn eine
„Ihr Mann ist verreist, sie hat ihn eben nach ber I „Junggesellenwohnuug", und erklärte ihm kurz und bündig, Bahn gebracht . . . und auf der Rückkehr schickt sie. . . I daß er bei seinen Eltern jederzeit willkommen fein würde, dem Freund eine Depesche! . . . ein „Rendezvous!" . . . I aber ... er müsse allein kommen.
fd)abe! (Sie ma$te einen so guten Eindruck!" . '' Der junge Gaston fügte sich diesem Wunsch, ber sehr
m »np 6, enttäuscht. I viel Aehnlichkeit mit einem Befehl hatte; beim trotz aller ., Assistentin hob bas Stumpfnäschen von I seiner Streiche liebte er bie Mutter aufrichtig Er ma
tSr***» 6H"seI"bc” «--»-» U». «6e, M ■ iu, ni,”& b«?&S felS 9ue. , I Stiefvaters zu betreten.
„J5”dH»R°n?^HHWML „Meinen Sie? . . . Sie haben sich boch aber aus I 8‘er,t^eUt .
Liebe geheiratet, wie bie Leute sagen!" I ®,ie Reisezeit hatte begonnen. Herr von Ronn dachte
„Herr von Ronn hatte einst geschworen, Junggeselle I sem Schloß in ber Picardie, das nun schon so lange
zu bleiben, damals als seine Braut einen anderen nahm I unbewohnt war. Jetzt ober nie war ber richtige Moment
. . . Iwissen Sie bas nicht?" I gekommen, bort in ber Abgeschiedenheit unb Einsamkeit
„Ja, aber um bas Kind hat ber Zank angefangen, I Zuflucht gegen all bie angstvollen Gebankeu, bie ihn
Frau von Ronn, bie noch so jung aussieht, hat schon I übermannten, zu suchen. Dort würbe seine Fran nur
einen ganz großen Sohn!" I rhm, ihm ganz allein, und keinem andern gehören:
,,. ... Ich weiß wohl. . . ein Snabe von vielleicht er. Sollte sie sich wieder zurückgewiuum, wenn er sie zwölf Jahren. . ." z I wirklich verloren haben sollte!


