Ausgabe 
3.9.1902
 
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werden kann, so ränge es frisch geMkt ist. Die Häuser haben Steinsnndamente; oft sind sie auf massiv gebautem, gewölbtem Mauerwerk errichtet, auch sind steinerne Treppen davor. Tie älteren Häuser sind ans schweren, eichenen Balken zusammengesiigt und haben in das Holz gegrabene Inschriften; einige der weniger festen Gebäude zeigen altes Flechtwerk von Splinten und Spänen, das' dann mit Lehm ausgefüllt ist. Tie neuesten Häuser sind aus einem Weißen, künstlichen Steine errichtet, der ans grobem Kies mit Kalk gemacht und zu großen Mauersteinen geformt wird. An den Straßenecken stehen Laternen. Bor den Fenstern auf kleinen Gestellen, die durch Eisenstäbe befestigt sind, stehen Blumen in Töpfen. Bor vielen Häusern wachsen üppig blühende Kletterrosen aus einem einzigen schlanken Stamme empor, oder die wilde Weinrebe bedeckt einen großen Teil der Vorderseite. Der Raum in dem steinernen Fundamente ist gewöhnlich zu Ställen für das Rindvieh hergerichtet, besonders für die Kühe, die thatsächlich die einzige,: Zug­tiere tut Orte sind; einen ebenso großen Nutzen gewähren sie wegen der Milch und der Butter, die sie liefern. Sie werden mit einer Sorgfalt gepflegt, die einen an die Bor- schriften der Hindch-Religion erinnert. Tie zahlreichen Hühner in jedem Haushalte nehmen einen Raum ein, der sich neben dem KUH st alle befindet; wichtig und ernsthaft steigen sie auf einer Außen lei ter von etwa 20 Stufen zu ihrer Schlafstelle empor.

Die Scheine.

An der Scheune fällt uns zunächst das große, hölzerne, nicht angestrichene Thor auf; es ist vom Alter dunkel ge­worden, und ist auf eine merkwürdige und kunstvolle Weise aus dicken Brettern zusammengefügt. In diesem Thore ist ein Pförtchen, ließet: das Ganze ragt ein Bretterdach vor, Um Leitern, Pfähle, Stangen und Futterraufen vor dem Naßwerden zu schützen. An; der Scheune lehnen Sensen und Heuraufen; nicht weit davon liegen Zuggeschirre und Ketten, und rund umher stehen Haus- und Ackergeräte, wie Bütten, ZMer, Eimer, Wägen, Pflüge u. der gl. m. Lebende Haustiere von allen Arten, außer Pferden, sind' fast über­reichlich Vorhanden. Ziegen, Schweine und' Gänse machen einen Teil eines jeden wohl geordneten Haushaltes aus» Und ihre Pflege verlangt nicht wenig Aufmerksamkeit. Um 5 Uhr am Nachmittag lägt der Schweinehirt seine Trom­pete durch die Gassen ertönen, und wie Husaren bei dem Tone des Bersammkungsrufes kommen die Schweine zu Dutzenden aus jedem Stalle und jedem Hofraume, alte und junge, helle und schwarzfleckige. Der Treiber in kurzer, blauer Bluse ist einer der bemerkenswertesten Leute im Dorfe und ist sich seiner Würde wohl bewußt. Er hat ein militärisches Ansehen; wenn er gerade nicht auf seinem Horn bläst oder mit seiner langen Peitsche knallt, scherzt er häufig mit den Leuten auf dem Wege. Gewöhnlich geht ihm sein jugendlicher Sohn voran, der auch mit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft mit seiner Peitsche knallt. Die Schweine werden der Bewegung und der frischen Luft halber ein paar Stunden lang nach einem alten Steinbruch getrieben; dann kehren sie unter den Tönen des' Hornes nach derStadt" zurück. Die Schafe bleiben den ganzen Sommer im Felde unter der Obhut eines Schäfers- der mit zwei ziemlich wild aussehenden, schwarzen Hunden die Herde zusammenhält und Hürden für die Nacht rundum aufstellt; er schläft auf feinem überdachten, fahrbaren Schäferkarren. Die Gänse werden von den Mädchen während des Tages auf die Weide getrieben.

Die Han d w er ke.

Es werden nur wenig Handwerke betrieben, und auch ihre Vertreter sind mit Ackerbau beschäftigt. Ter vielseitige Nachtwächter, Schweinehirte und Glockenläuter hat ein Schild au der Vorderseite seines Hauses':Haarschneiden und Ra­sieren". Es sind noch zwei Hufschmieds, ein Bäcker, ein Schneider, ein Schuhmacher und einige Zimmerleute vor­handen, aber die meiste mechanische Hilfe wird von aus­wärts geholt. Ein regelmäßiges Postamt ist nicht da; die Postsendungen werden zweimal täglich von Lollar herauf­geschickt, und in die Häuser getragen. Eigentliche Verkanfs- läden giebt es nicht. Nur wenige Häuser können sich einer Art von Laden in einem der vorderen Zimmer rühmen, der von der Hausfrau bedient wird, wenn sie nicht auf dem Felde ist, und wo man nur die notwendigsten Dinge kaufen kann. Ein solcher Laden trägt die Aufschrift:

Flaschenvier, Tabak und Schreibmaterialien." Ein linderer Laden wird zugleich mit einer Wirtschaft geführt, aber die Waren können nur an Mitglieder des Vereins verkauft werden.

Vielleicht der interessanteste Zug des Lebens hier ist seine soziale Organisation. Außer den Unternehmungen^ die bei uns allgemeine und öffentliche sind Wasserwerke, Wege, Schulen leiten die lokalen Behörden andere, wie das Backhaus, den Steinbruck), das Züchten von Haustieren und die Pflege des Rindviehes. Tie Gemeinde besitzt einen ausgedehnten, wertvollen Wald, der fast so viel einbringt, als die direkten Steuern betragen.

Ein ungestörter Zufluchtsort.

Ich darf nicht unterlassen, den Friedhof zu erwähnen, der an einem Abhänge außerhalb des Dorfes mitten unter Gärten liegt. Eine breite, niedrige Mauer, die fast unter Grombeerenranken und wilden Rosen verborgen ist, nm- giebt ihn. In der Mitte erhebt sich ein stattlicher Linden­baum, der den ganzen Platz unter seinen Schutz zu nehmen scheint. Auf den Gräbern wachsen schön gepflegte, , alt­modische GartenblUmen, wie z. B. Goldlack, Winde, Löwen­maul, Nelke, Ranunkel u. bergt, m. Tie Wege sind mit glänzendem, langsam wachsendem Buchsbaum eingefaßt. Ter Friedhof ist immer ein ruhiger, ungestörter Zufluchtsort, wo man sitzen und sinnen kann über endlose, ungeschriebene Klagelieder".

Velhagen & Klasmgs Monatshefte laden soeben mit dem Beginne ihres XVII. Jahrganges zu einem neuen Abonnement ein. Das erste Heft bringt eine erstaunliche Fülle interessanter Beiträge. Neben zwei großen RomanenAllein ich will" von Frieda v. Bülow undJungfrau Königin" von Franz Rosen, eine kleine originelle mystische NovelleAb- bots Bild" von G. v- Gabel en tz und em feinsinniges StimmungsbildDie Dorfkirche" von Johannes; Schlaf. Allgemein fesseln wird der ArtikelDre Fl u ch t des Prinzen von Preußen im Marz 1848 von Prof. Dr. W i l h. Ducken, in dem der berühmte Historiker zum ersten Male all die so verschiedenen Berichte über jenen Vorgang unter die kritische Lupe nimmt; em zweiter geschichtlicher Aufsatz von Prof. Dr. H. Ed. H e y ck behandelt, reijch illustriert,Englands und Hollands Kampf um die Vorherrschaft zur See." Georg Frhr. v. Ompteda erzählt sehr hübsch von dem Entstchen seines besten Romans in einem ArtikelMeine Be­ziehungen zu Sylvester v. Geyer"; H. v.Zobel- titz plaudert überBerlin an der.Oberspree. Glanzvolle, echt künstlerische Illustration ist stets em be­sonderer Vorzug der Velhagen & Klasmgscheu ? ^"o^hefle gewesen: was Autotypie, Farbendruck, Holzschnitt ja leisten vermögen, zeigen sie auch diesmal: Der Artikel Wand u n d B i l d" von Dr., Willrich nnt seinen mehr­farbigen Illustrationen, die lustige SportskizzeFit mit den Zeichnungen von Prof. Georg Koch, ine vollendet wie- derqeaebenen Einschaltbilder von Hans Loosch en, Ludw. v. Hofmann, Ludw. Dettmann, Ad. Echtler, Andr. Zorn, Jul- , Exter u. a. sind Meisterleistungen. Das Heft bringt endlich za) - reiche Poesien von L. Fulda, Hugo Salu§, Gust. Falke, G. Busse-Palma u- a., eine Eusttierte kunst­gewerbliche Rundschau und, wie stets, eine kritische Studie Über neue litterarische Erscheinungen von Heinrich Hart. ________

Ergänzirngsräls el.

(Nachdruck verboten.)

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(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr.: Geduld erleichtert alle Last.

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universttäts.Tuch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.