Ausgabe 
3.9.1902
 
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HUK ww 'M Wn/etr«i mußte sie - an sein Laaer. Ihn pflögen, ihn retten. Und wie em Helles Licht fiel es in ihre Mele, als hätte ihr das Schicksal nun tinett Weg gezeigt, ja, eigens für sie bereitet, ihre Sünde abzuLüßen. Den Weg wollte sie gehen.

Was Ottilie Frau von Raszinska mttzuteilen hatte, war, daß sie infolge einer plötzlichen Nachricht abreisen mußte noch heute.

Frau von Raszinska bedauerte sehr. Ihr Trost aber bestand darin, daß erst am Vormittage sich eine ungarische Gräfin gemeldet hatte, die ihr ihre Adresse dagelassen hatte. Much rechnete die angefangene Woche für voll.

Wenn Sie wieder mal nach Dresden kommen, Frau Meheititrat, dantt rechne ich auf die Ehre. Es hat Ihnen hoffentlich bei mir gefallen, und dann bitte, haben Sie die Güte, wo es Ihnen mögliche ist, midj, zu empfehlen", sagte Iran von Raszinska zum Abschied.

Ter Wagen, in dem Ottilie mit ihrer Jungfer saß, fuhr davon, und Frau von Raszinska sagte sich daß sie sirr die beiden Zimmer jetzt in der hohen Saison und noch dazu von einer ungarischen Gräfin ruhig dreißig Mark mehr pro Monat nehmen konnte.

Tas Presbyterian-Hospital in Newyork ist ein stattlicher Bau in der Nähe des Zentralpärks, der von der Newyorker Miliz sonst nicht in Anspruch! genommen wird, und der nur ausnahmsweise jetzt während der Kriegszeit mit zur Unter­kunft der Verwundeten diente. Es war ein großer Heller Saal, in dem Herwarth lag, die Fenster nach Osten und dem westlichen Kanal zu gelegen. Erst in entern der letzten Gefechte, als der spanische Admiral die Blokadelinte zu durchbrechen suchte, war er ins Feuer gekommen, denn schon wenige Tage nach Mkunst der Flotte vor Santiago war er am gelben Fieber erkrankt und ins Lazarett ge­schafft worden. ' In furchtbar eit Konvulsionen und De- kirien, von ' einem entsetzlichen Durst gepeinigt, von un­verträglichen Schmerzen gefoltert, hatte er so zehn Tage lang zwischen Tod und Leben gelegen. Als er genesen war Und der Arzt ihm dazu Glück wünschte, lachte er dazu, sodaß der Arzt erst glaubte, sein Verstand habe gelitten. Nn^r Waren die Qualen der Krankheit umsonst ausgestanden. Warum hatte sie ihn nicht hinweggerasft wie die meisten Anderen? Mer der Tod meinte es gut mit ihm, er hatte sich ihn für eine bessere Gelegenheit aufgespart für das Feld: der Ehre, wie man es nannte. Tas Schiff, auf das er nach seiner Genesung kommandiert wurde, war derBrooklyn", das Flaggschiff des Admirals. Er hätte die Wahl nicht besser treffen können, denn das ganze feind­liche Feuer konzentrierte sich darauf, aber derBrooklyn" hatte Glück. Mehr als dreißig Kugeln schlugen auf ihm ein, ohne daß auch; nur ein einziger Mann dabei verloren wurde. Weil derBrooklyn", wie alle anderen Schiffe der amerikanischen Flotte, nur mit einem Holzdeck versehen war, so war dieses, damit keine Brände ausbrachen, drei Centi- nteter hoch unter Wasser geseM. Tauwerk und Bemastung Mrzen herab!, spritzend und platzend klatscht das Wasser auf und die Mannschaft, deren Laune immer besser wird, lacht dazu, Salve auf Salve kracht, Wolken von dichtem Dulverdampf verhüllen die Sonne, die Mannschaft aus dem Brooklyn" ist noch immer lustig und guter Dinge, nur ein Einziger unter ihnen sticht, einer, zu dem der Tod nicht kommen will. Ueber ihm, zu seinen Häupten, das Steuer­bordboot wird fortgeschvssen > er aber bleibt verschont. Da saust zischenden Fluges eine Granate heran, sie platzt in den Großmars, schlägt Stange und Efelshovfd in Stücke Und aus 'dem brennenden Großsegel kommen Stagen und Pardunen heruntergestürzt. ' Es ist der Tod, der aus der Höhe stürzt. 1 Wehe, wer ihm in die Bahn kommt. Niemand von der Mannschaft hat in der Blitzesschnelle, mit der sie sich in Sicherheit bringt, den Vorgang genau beobachten können, aber aus ihren Reihen ist einer hervorgesprungen, gerade auf 'die Stelle zu, wo im nächsten Moment das herabbrechende Trümmerwerk auf dem nassen Deck ein­schlagen wird, ' dann wird er, darunter begraben, gefunden.

Im untersten Raume des Schiffes, unter der Wasser­linie, haben die Aerzte mit ihren Gehilfen den Verband­platz eingerichtet. 1 Die Planken und Treppen, die hinunter- führen, sind mit Sand bestreut, um den Füßen, wenn sie mit Blut bespritzt werden, einen Halt zu geben. Wer wird der Erste sein, den man hinunterbringt?

(Fortsetzung folgt.)

Staufenberg bei Gieße«, von einem Amerikaner geschildert.

(Nachdruck verboten.)

Mr. I. T. H.*) schreibt in The Chicago Daliy News vom 7. August:

Schloß Staufenberg, am 23. Juli.

Die Zeit ist gekommen, daß ich jetzt anfangen sollte, über das tägliche Leben und die Gewohnheiten unserer neuen Nachbarn, des hessischen Volkes, zu berichten. Man findet eitte sympathische Schilderung ihrer fleißigen Lebens- tveife und ihres gediegenen Charakters in den kurzen Novellen von Herrn Alfred Bock aus Gießen, der nicht nur der tüchtige Direktor einer Fabrik, sondern auch em Schriftsteller ist, welcher von Autoritäten, wie z. B. Paul Heyse, hochgeschätzt wird.

Die Gemeinde hier ist vollständig mit dem Erdboden verwachsen, denn es gießt keine andere Gewerbihättgrett an diesem Orte von etwa 750 Seelen außer Land bau; man könnte sich auch kaum eine gedeihlichere oder fruchtbarere Gegend denken.

Es ist keine Wüste oder vernachlässigte Stelle zu sehen.

In diesem Augenblick schaue ich von der tiefen Nische eines Schloßfensters meilenweit auf das Land umher, und ich erblicke nicht eine wüste oder vernachlässigte Stelle. Der Boden ist sorgfältig bis an den Rand der Landstraßen, Feldwege und Wälder gepflügt, l« selbst die Abhange der Hügel hinauf bis auf deren Gipfel; mit sichtbarem Stolze und der einsichtsvollsten Vorsorge für die Zukunft ist er bebaut. Die Fortschritte der Landleute und dte Anwendung wissenschaftlicher Methoden sind wahrhaft überraschend. Die hessische Regierung orgt für freie Vortrage über wissen­schaftlich betriebene Landwirtschaft, die von den Landeigen­tümern gut besucht werden. Diese Vortrage haben so offen­baren Erfolg gehabt, daß die Ergiebigkeit des Bodens in den letzten Jahren bedeutend erhöht worden ist. Die größte Sorgfalt wird auf die Wwechselung un Anbau, das, . Düngen und die Bearbettung des Bodens verwandt. I u. Früher waren viele Felder nur dann zugänglich, wenn de^Nachbar des Eigentümers seine Erlaubnis dazu gab; sie konnten deshalb nur so bebaut werden, daß die Ernte ohne Unannehmlichkeiten für beide Parteien emgcholt wer­den konnte. Jetzt hat die Regierung eine neue Einteilung der Felder angeordnet, wodurch, jedes Stück Land emen freien Feldweg an beiden Enden hat. Das Landest zum größten Teile in schmale, rechtwinklige Aecker euigeteilt, die so verschieden bepflanzt sind, daß mau die Landschaft mit einer großen, aus vielen Flicken zusammengesetzten Bettdecke vergleichen könnte. Auf den meisten Feldern wachst Korn; dann kommen meiner Schätzung nach Kartoffeln, die hier in Vollkommenheit gedeihen und von unserem überall auftretenden Kartoffelkäfer nicht geschädigt werden. Auch, Hafer, Weizen, Gerste und Klee, sowie Rüben werden ge­zogen. Dicht bei dem Dorfe, sind kleine eingezaunte Gärten mit Obstbäumen, wo Gemüse und Blumen m Fülle wachsen; auch die näher liegenden Felder sind mit zahl­reichen Obstbäumen bestanden.

Die Aepselbäume an den Landstraßen.

Die schönen Landstraßen sind auf beiden Seiten mit Aepfelbäumen bepflanzt, die dem Lande gehören, und deren Ernte jedes Jahr öffentlich versteigert wird. Das Thal, durch welches der Fluß langsam dahlnzieht, und dte Abhänge der Hügel sind mit Gras bewachsen, das zwei­mal im Jahre abgemäht wird. Ausgedehnte Walder, die entweder Gemeinde- oder Staatseigentum sind, liefern reich­lich Holz zur Feuerung und zum Bauen, und da, wo der Boden zu steinig für die Schafherde ist, befinden sich Stem- brüche von Sandstein und Basalt.

Die Leute im Felde und in der Heuernte.

Von unseren hohen Fenstern können wir bequem die Landleute in ihrer Thätigkeit auf den Feldern beobachten, besonders wenn wir unseren guten Feldstecher zur Hand nehmen, den mir einst die Evanston-Studenten zum Ge­schenk machten. Die größte Sorgfalt wird bei jeder Arbeit angewandt; wenn die Leute das Feld bestellen, ziehen ' *) Professor Hatfield von der Universität Chicago,

der, wie wir s. Zt. meldeten, in Staufenberg mit mehreren akademisch gebildeten Amerikanerinnen geweilt hat. D Red.