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1902. — «r. 131.
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darin, war, was nur in der Botschaft bekannt war, Offizier bei der amerikanischen Armee. Er war mit ins Feld gezogen und schwer verwundet worden. Augenblicklich befand er sich wieder in Newyork, tvo er im Presbyterian-Hospitav lag. Der Brief war kurz und bündige alle weiteren Angaben fehlten, sein Inhalt war damit erschöpft.
Das Mädchen wiederholte noch einmal seine Frage.
„Ich lasse Fran von Raszinska zu mir bitten", erwiderte Ottilie endlich.
Als Frau von Raszinska eintrat, fand sie die Frau Geheimrat auffallend blaß.
In Ottilien stand ein sofortiger Entschluß fest, Verwundet war er. Schwer! Vielleicht war er schon tot. Menu er aber noch lebte, so war ihr das,, was sie zu thun, hatte^
unbekannt, vielleicht aber ließ sie sich in Washington auf der deutschen Botschaft erfahren, an die sich der Genanntei zuletzt gewendet hätte. ,
Was hatte sie von dieser Auskunft zu hakten? Als« nach Amerika war er gegangen? lind sie schrieb abermals.
Wochen vergingen. Die grünen Hügel, die über den gelben Elb ström ragten, färbten sich dunkler und dunkler^ Ungezählte kleine Dampfboote glitten auf ihm hin und her, mit Fremden beladen, die den roten Bädecker in der Hand hielten. Das Unternehmen von Frau von Raszinska! blühte, und fasst täglich! wurde sie in die Lage versetzt, vornehme Persönlichkeiten, die bei ihr vorsprachen, ab- weisen zu müssen.
„Nach Flensburg. Wie ich aber in Berlin höre, ist er auch dort nicht mehr/< ,
Was hörte sie? Und sie dürste nicht erstaunt feto nicht fragen. Sie mußte noch die Unterrichtete spielen.
Der alte Herr empfahl sich ihr. Er hatte keine Zeit meMj Sein Zug wartete auf ihn. *' ।
Zu Hause angelangt, setzte sie sich an den Schreibtisch. Sre schrreb nach Flensburg an den Regierungs-Präsidenten — daß sie ihrem Verwandten, dem Assessor von SchMeck, eine Mitteilung zu machen hätte, und deshalb um seine Adresse bäte.
Schon ein paar Tage später traf die Antwort ein. Sie Lam von dem Herrn Präsidenten persönlich: Der genannte
Sie war verdammt. Wohin sie sah — nichts konnte das Geschehene ungeschehen machen. War sie nicht bereit, auf jedes Glück der Erde zu verzichten, wenn sie nur den Frieden ihrer Seele wiederfand? Nun waren die Rache- geister hinter ihr her — so lange sie noch lebte. Keine Beichte, keine Strafe gab es, die sie (frei machte.
Tie Rückkehr in ihr Haus, in ihren Garten, in den jetzt der Frühling einzog, wagte sie nicht- Sie fürchtete die Gesellschaft, die Besuche, die sie belästigen würden. Darum machte sie in Dresden Halt. Sie liebte diese schöne, angenehme S-tadt itocf). von ihrer Mä-dchenzeit her, und sie dachte dabei an Bell — an die Zeit, wo sie beide halbe Kinder und Freundinnen gewesen. Aus ihrer Freundschaft war bitterer Haß geworden; daran hatte sich nichts geändert — sie haßte Bell n o ch.
Seit dem Tage, wo sie in Dresden eingetroffen war, waren drei Wochen vergangen. Der Mai war gekommen, er machte ausnahmsweise seinem Ruse Ehre und die freundliche, elegante Stadt strahlte in ivarmem Frühlingsglanz. Ottilie hatte das schöne Vormittagswetter benutzt, um einen Spaziergang zu machen, und war auf dem Rückwege in die Gemälde-Gallerie eingekehrt. Vor der Holbeinschen Madonna trat ein alter Herr auf sie zu, der sie respektvoll begrüßte. Es war der außerordentliche Gesandte eines süddeutschen Staates in Berlin, der sich hier aus der Durchreise befaird, ein früherer Bekannter ihres Mannes. Der alte ritterliche Herr drückte ihr seine Freude aus, sie hierzu finden, und wiederholte noch einmal seine große Teilnahme an dem schweren Verluste, der sie betroffen. Tie Begegnung war ihr erst peinlich dann aber regte sich doch das weibliche Bedürfnis, nach, so langer Zeit mit einem Bekannten zu plaudern, in ihr.
„Schade", sagte der alte Herr, nachdem man auf dem Runddivan Platz genommen hatte, „daß wir auch Ihren Vetter verloren haben."
„Ja", erwiderte sie ihrer sicher, daß nie,wand merken sollte, was bei seiner Erwähnung in ihr vorging, „er ist zur Regierung übergegangen."
Ottilie wartete. Sie wartete mit Fieberungedulb
Endlich Anfang Juli, kam ein amerikanischer Brief —• mit dem Poststempel Washington.
Sie riß ihn auf, sie las, dann stieß sie einen Schrei aus.
Tas Dienstmädchen trat gerade ein, um den Tisch zu decken. Verwundert blieb sie an der Thür mit dem Tablett stehen.
„Ter gnädigen Frau etwas gefällig?" fragte sie.
Ottilie hörte sie nicht.
Sie starrte in den Brief.
Der Brief begann mit einer Erklärung, Itmrimt er sich lange verzögert hatte. Man hatte erst Erkundigungen einziehen müssen. Der Betreffende, hieß es dann weiter
(Nachdruck verboten.)
Miß Cookson aus New-Aork.
Von Heinrich Lee.
(Fortsetzung.)
ihre Kammerjungfer, die sie begleitete, hatte sie sich Nachrichten beschafft, hatte sie erfahren, was aus beiden geworden war. In obskurer Abgeschiedenheit, ein Gegenstand des Mitleids aller derer, die ihn gekannt, büßte er, was sie an ihm begangen, ab. Wenn sie ihm ihr halbes Vermögen schenkte, nur damit er wenigstens in seinen _ . ......_________T„,,_____ ~ _________
Karriere bleiben konnte? Aber er würde es nicht je« Herr war nicht mehr im Dienst, seine jetzige Adresse war nehmen — nicht von ihr annehmen. unbekannt. ttfprMAf nftw «» um 4«


