Ausgabe 
3.5.1902
 
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föcbaftion: I. B.: 9?. Dittmann. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch, und Cteindruckcrei tPietsch Erbm) in Gießen.

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Weiß. (6 + 8)

Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge matt.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Magischen Dreiecks in vor. Nr.r

L

A I

UFA NEUN ERNTE

Gleichgiltig geblieben, und da endlich die Tante des Jung- räuleins gegen eine Verbindung mit dem jungen Manne nichts einzuioenden hatte, so wäre alles in schönster Ord­nung gewesen, wenn ja wenn--

Lieschen war eine Waise und von Tante Anna auf­gezogen worden, sodaß sich zwischen ihnen ein Verhältnis wie zwischen Mutter und Tochter entwickelt hatte. Tante Anna war dabei noch nicht so alt, wie man sich gemeinhin derartige ihre Nichtchen und Neffen bemutternde Damen vorstellt. Anfangs der vierziger Jahre war sie, eine etwas beleibte aber nicht unüble Dame, die nichts von einer Alt- jungferlichkeit an sich hatte. Mit der einmal übernommenen Mutterpflicht war es ihr ernst. Und so hatte sie sich auch jetzt erst genau nach Albert erkundigt und erst, als sie die besten Auskünfte über ihn erhielt, erlaubte sie ihm, daß er sie aufsuche.

Tas heißt: Wbert liebte Lieschen wie sie war und sich gab. Doch war es ihm recht angenehm, als er auf Um­wegen erfuhr, daß Tante Anna in die schöne Kategorie der Erbtanten gehörte und ihre Nichte einmal zur Universalerbin einsetzen würde. Donnerwetter, das war nicht zu verachten. Ta ist doch sicher, daß sie einen Teil des Erbes schon bei der Hochzeit auszahlen wird. Was sich damit nicht alles thun läßt! Zum Mindesten kann er ein eigenes Geschäft gründen und sich unabhängig machen. Dann braucht er nicht mehr von morgens früh bis abends spät für andere Leute zu schuften, dann kann er den großen Herrn spielen. Und -er rieb sich bei diesen angenehmen Aussichten vergnügt die Hände.

Nun saß er jeden Wend bei seiner Zukünftigen. Und da störte ihn nur eins. Eben die Tante. Die blieb behaglich im Zimmer und duldete nicht die geringste Zärtlichkeit. Nur beim Abschiednehmen durfte er einen Kuß auf Lieschens Wange drücken. Wer ein Kuß unter Aufsicht ist überhaupt gar kein Kuß, ist eine würzlose Formel---

Lieschen war das selbst nicht angenehm. Doch was wollte sie machen.

Ihre ganze Hoffnung setzten die beiden nun auf den Sommer. Ta war man doch nicht an das Zimmer gebunden. Ta konnte man ausfliegen, konnte sich wohl mal etwas! abserts verlieren..... Jawohl, die Tante war auch im

Freien wachsam. Einen Ausflug ohne Aufsicht gab's nicht. Niemals.

Dem muß ein Ende gemacht werden", wetterte Albert insgeheim.Irgend ein guter Freund mag uns beglücken. Ter beschäftigt die Tante und wir sind ihre Argusaugen los und können machen, was wir wollen."

Der Plan war einfach genial.

Wer wer sollte ihn verwirklichen helfen?

Er ließ seine Freunde Revue passieren, 's war niemand drunter, dem er die Rolle zutrauen konnte. Sie waren eben alle zu jung für eine Dame von 40 Jahren.

. Doch halt. In seinem Hause wohnt ein Junggeselle, ern durchgefallener Studiosus, der sich in seinen 35 Jahren mit allem Möglichen das tägliche Brot verdiente. Heute gab er Auskunft in Rechtssachen oder fertigte Gesuche an, morgen dichtete er ein Hochzeitscarmen oder eine Reklame . in Versen für irgend ein Warenhaus usw. Dabei war er gar keine schlechte Erscheinung. Wenn er dem hier und da 'nen Thaler giebt und die Zeche vergütet, so wird er sicher­lich aushelfen.

Und Jodocus Reißler half aus. Der war sofort bereit. Billiger und angenehmer konnte er seine Sonntag-Nach- Mittage ja gar nicht verbringen.

Als denn Tante Anna und das Liebespärchen draußen rn einem Ausflugsorte saßen, tauchte auf einmal Jodocus a^if' '[jum/ erblickt Albert und geht freudestrahlend ,/Ach, mein lieber junger Freund; das ist aber hübsch, daß ich ein bekanntes Gesicht finde. Wenn Du gestattest, nehme ich Platz."

Gern. Darf ich die Herrschaften mit einander bekannt machen?"

Jodocus hatte die Tante schnell in ein Gespräch ver- wickelt und zeigte seine liebenswürdigsten Seiten, sodaß sie ldeilerhin gerne die Erlaubnis erteilte, sich ihnen anfchließen

Und wirklich, die Tante achtete gar nicht darauf, daß

Albert Und Lieschen allmählich zurückblieben und einen Seitenweg durch den Wald einschlugen.....Das bischen

Schelte ließ sich ja späterhin ertragen.

Ein angenehmer Mensch, Dein Freund", sagte sie am andern Wend.Ich habe mich wirklich vorzüglich mit ihm unterhalten."

Auch er war von Ihnen ganz entzückt", beeilte sich Albert zu entgegenen,und Würde sich uns demnächst ganz gerne wieder anschließen."

Alberts Plan war also glänzend gelungen. Die Tante hatte so schön auf den Köder angebissen, wie er es besser gar nicht wünschen konnte.

Ta meinte sie einmal so von ungefähr:

Ich dächte, es wäre nun bald Zeit, daß ihr ans Hei«! raten kommt. Die lange Brautzeit liebe ich just nicht. Lieschens Aussteuer ist fertig. Die Wohnungseinrichtung schaffe ich auch schnell. Also woran fehlt's noch?"

Albert war's sicherlich Recht und Lieschen nicht minder.

Ich hatte natürlich Ursprünglich vor, meine Kinder, zu Euch zu ziehen. Wer das wird nun doch nichts werden."

Gottseidank", dachte Albert. Wer er frug:Wieso denn?" Und antwortete gleich darauf fo'n Heuchler: Das ist aber schade."

Nun ja, einmal muß ich's euch ja doch sagen. Herr Jodocus Reißler hat um meine Hand angehalten"

Tas ist unverschämt", entfuhr es dem ob dieser Ent­hüllung ganz verblüfften Albert.

Wer inwiefern denn?" entgegnete nun die Tante ver­wundert.Bin ich vielleicht nicht noch begehrenswert? Ist denn an mir etwas auszusetzen? Kurzum, ich habe ihm mein Jawort gegeben. Unsere Herzen haben sich eben ge­funden. Ta hat das Alter gar nichts zu sagen."

Er ist doch aber nichts, hat keine sichere Stellung^ nichts."

Dafür habe ich doch Geld, nicht? Und überdies macht er reizende Gedichte."

Albert schlug sich en'tsetzt vor den Schädel. Da hatte er ja was Nettes angerichtet. Weg die Mitgift, das Erbe, Und vor seinen Augen zerrann sein Traum, sein schöner! Traum, von großer Mitgift, von eigenem Geschäft, von eigener Herr sein". Und er schüttelte nur sprachlos den Kopf.

Daß doch die Menschen dann immer am düm'msten find, wenn sie glauben, ganz besonders gescheidt zu sein.

Schachaufgabe.

Von P. H. Willinms in Hampstead. (Nachdruck verboten.)