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zu sehen, welche ,denn die Wort«
Narr. Sie sind besiegt. Sie müssen sich meinen Anordnungen unterwerfen!"
„Ihren Anordnungen! Sie . . . ." begann er, aber eins Bewegung der Hand, welche den Revolver hielt, lieh ihn verstummen. „Befehlen Sie über mich!" sagte er dann matt, „das Spiel ist aus, ich sehe es ein."
„Ich werde nach einem Ihrer Leute klingeln — ich weiß, es sind zwei da — und ihm sagen, daß er Wilkinson! befreit und ihn hierher führt. Der andere soll etwas mj essen herbringen. Ich weih, Ihr Anschlag ging dahin, ihn hungern zu lassen, bis er Ihnen das Geheimnis seiner Erfindung mitteilen würde."
Ganson atmete schwer.
„Sie wissen alles!" rief er. Dann, als auf das Klingeln ein Diener erschien, erteilte er die nötigen Befehle; und fünf Minuten später konnten wir, mein Freund und ich, dem entführten Wilkinson die Hand schütteln und ihn zu feine« Befreiung beglückwünschen.
„Und nun verlangen Sie gewiß Erklärungen?" fragte Ridley, als Wilkinson seiner überglücklichen Frau zurückgebracht war und wir zusammen im Wohnzimmer übe« die Angelegenheit disputierten. „Natürlich hatte ich kein Recht, Ganson „Birrel" zu nennen — diese Rolle war einem der Komplizen zugefallen. Als Wilkinson ausging, Birrel zu treffen, zeigte sich der letztere nicht, dafür kam Ganson selbst, ihn ins Haus zu führen. Als ich Ganson bat, den Brief zu schreiben, that ich es nur, um zu sehen, welche Wirkung dies auf ihn ausüben würde ,denn die Wort« waren dieselben, wie in dem Brief, den unser Freund am Dienstag Wend empfing - Mir fiel der Unterschied zwischen Frau Wilkinsons nnb Gansons Aussagen über den Zeitpunkt der ersten Begegnung mit Birrel auf. Jener Mann war nur in die Affaire gezogen worden, um den Verdacht abzulenken, und dann kam die Nachricht von der zerbrochenen Scheibe.' Aber vielleicht erklären Sie, Herr Wilkinson, tote Sie das Fenster der Bodenkammer zertrümmert haben?"
„Hat Herr Wilkinson sie zertrümmert?" fragte ich.
„Ja", entgegnete der Befreite. „Mein Kerkermeister toat so freundlich, zufällig eine Flinte in erreichbarer Nähe für mich zu lassen. Meine erste Idee war, dieselbe tzn meiner Befreiung zu benutzen, aber ich verwarf den .Gedanken als zu gefahrvoll. Tann dachte ich daran, nach dem Fenster der Bodenkammer zu schießen und so die Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn jemand aus dem Fenster hinaus- sah, so mußte er mein Schwenken des Taschentuches sehen.
Mein Plan gelang mir ,wie Sie wissen, aber fast bevor ich noch das Fenster heruntergelassen hatte, war mein Kerkermeister hereingekommen und hatte mich entwaffnet. Sie wollten mich gefangen halten, bis ich das Geheimnis meiner Erfindung preisgeben würde. Tann wollten sie verschwinden und es mir überlassen, herau^ukommen. Irgend jemand würde dann die Erfindung schnell durch das Patentamt gebracht haben." t r „
„Und sie würden Sorge getragen haben ,daß dte Bev- bindung dieser Person mit Ihren Entführern nicht hätte bewiesen werden können", sagte der Detektiv. „Ich hatte die Idee, daß zwischen dem Flintenschuß und dem zerbrochenen Fenster irgend eine Verbindung bestehen müsse- und als ich den Raum durchsuchte, fand ich die Stelle, wo dte Kugel die Wand getroffen hatte, und auch die Kugel selbst. Tann sah ich hinaus und war überrascht, wie nah dte fSu&M wand des Gebäudes dieser Billa war. Ich schickte Walter« hinunter, um gleichfalls einen Schuh abzugeben. De« Spiegel gebrauchte ich, um einen Sonnenstrahl über da« Feld herzuleiten, und zum Glück war Herr Wtlkinson tut stände, dasselbe Mittel zu gebrauchen. Da war ich meine« Erfolges sicher. Ich brauche wohl nichts mehr zu fagett Herr Wilkinson machte durch seine kluge Kriegslist die Sach« sehr einfach." „ „ .....c, ,
Ganson und seine Komplizen empfingen ihren verdiente« Lohn. Es erwies sich, das Ganson ein Abenteurer de« schlimmster Sorte war, und daß er mit Hilfe gefälschter Urkunden zu der Jagdgesellschaft Zutritt erlangt
schliefen, ich habe ihn so innig gebeten, mir zu Hilfe zu kommen — ohne daß jemand es wisse — ich wollte es niemand sagen — aber er ist immer da oben geblieben, groß, kalt und schweigsam. Ich weiß nicht, was man glauben soll. Es giebt gewiß gar keinen Gott."
„Sie wissen nicht, was Sie sagen, Frau Eck, das sind schreckliche Worte.
Die junge Frau schüttelte den Kopf.
„Sie sind wohl nicht viel in die Welt hinaus gekommen, Frau Böje — und haben wohl auch nicht viel gelesen. Ist es nicht sonderbar, alle die großen Dichter der Gegenwart sind Freigeister: Viktor Hugo, Swinburne, Spielhagen, Flaubert, Paul Heyse und alle unsere eigenen hervorragenden Männer. Sie wissen wohl nicht, doß ein großer Umschlag vor sich gegangen ist. Man ahnt nichts davon, ehe man nicht ins Leben hinaus kommt. Ach, als Kind war ich so gottesfürchtig, ich glaubte steif und fest, daß Gott im Himmel oa droben säße und die Stirn runzelte, wenn man nur „bei Gott" sagte. Ich bin in einem streng orthodoxen Heim aufgewachsen — mein Vater ist Prediger auf Bornholm."
„Ja, das haben Sie mir erzählt."-
(Fortsetzung folgt.)
Sonderbares Verschwinden.
Nach Tit-Bits.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Ich ließ mich wieder mitschleppen, war aber überzeugt, daß Ridley nicht gang bei Sinnen sei. Nochmals legten wir den Weg zu dem alten Landsitze zurück.
„Ich fürchte, hier ist wenig für einen Pferdeknecht zu thun", sagte der Detektiv. Auf diesem Wege sinh lange keine Pferde entlang gegangen."
„Pferdeknecht? — Ach so!"
Zum zweiten Male an diesem Tage wurden wir in Gansons Arbeitszimmer gewiesen. Er drückte seine Ueber- raschung aus, uns schon wieder zu sehen, und sein Benehmen schien mir etwas gedrückt, wenn nicht ängstlich.
„Ich möchte Sie bitten, mir einen kurzen Brief zu schreiben", sagte Ridley ohne Umschweife. „Da es sich um eine Sache von großer Wichtigkeit handelt, hoffe ich, daß Sie mir meine Bitte erfüllen werden."
„Wer mit Vergnügen", war die Antwort, aber seine Stimme drückte das Gegenteil aus. Er schritt quer durch den Raum zu seinem Schreibtisch hinüber und legte alles zum Schreiben zurecht.
„Glattes Papier ,Bitte", sagte der Detektiv. „So, nun schreiben Sie, bitte, was ich Ihnen diktiere." Der andere nahm die Feder, und Ridley stellte sich hinter seinen Stuhl und Begann:
„Herrn R. Wilkinson. Geehrter Herr! Obgleich Ihre Entscheidung Bei unserer letzten Verhandlung ungünstig aus- siel . . ."
Ter Schreiber schrieb die ersten Worte nieder, zögerte und schrieb wieder . Plötzlich warf er seine Feder weg und drehte sich um. „Was bedeutet denn das?" fragte er. „Ich verstehe nicht."
„Es Bedeutet .... und Ridley ergriff das Stück Papier — „es Bedeutet, daß Ihr Spiel ausgespielt ist, Herr Birrel I" ,
Wir waren völlig verBlüsft — Ganson und ich. Ganson sprang mit einem Fluch auf und wollte die elektrische Klingel CvrcicEjctt.
„Zurück, Herr!" rief Ridley, indem er sich vor ihn stellte und ihm einen geladenen Revolver entgegenhielt.
„Ich weiß, daß Ihre Komplizen draußen sind. Wer machen Sie keinen Versuch, sie zusammenzurufen. Setzen Sie sich, bitte!"
„Ich möchte wissen, was dies Bedeuten soll", sagte Ganson, Bleich vor Wut.
„Sie haben ausgespielt" ,sagte Ridley in ruhigem Tone. -,Herr Wilkinson befindet sich als Gefangener in diesem Hause, im Mittelzimmer des zweiten Stockes nach Süden. Ich verlange seine sofortige Befreiung!"
„Es ist eine Lüge!" rief Ganson. „Wie können Sie es wagen, mich so zu beschuldigen? Ich erkläre Ihnen, ich weiß nichts von Wilkinsons Aufenthalt!"
Ridley sah ihn einen Augenblick an, bevor er antwortete. ,Lch habe mit ihm signalisiert" ,sagte er. „Seien Sie leim
hatte ___________
Eine falsche Rechnung.
Ski^e von XaverLang.
(Nachdruck verboten.)
Albert hatte Lieschen auf einem der letzten Vereins bälle kennen gelernt und sich gleich bis über beide Ohre« in das hübsche Mädchen verliebt. Auch chr war er nicht


