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seinen Schutz und brachte es heim zu seiner Mutter. Auf seinen eigenen Armen trug er es in deren Haus. Donna Frasquitta nahm den kleinen Schatz mit Freuden aus, und bald hallte in der stillen Hacienda das laute Lachen der kleinen, munteren Clarita wieder. Sie wurde rasch der allgemeine Liebling und allgemach auch die kleine Tyrannin des Hauses. Donna Frasquitta war bereits ein wenig zu weit in den Jahren vorgeschritten, um dem kleinen, wilden Ding die Energie entgegenzusetzen, die seine Leitung beanspruchte, und Don Joses Besuche waren zu selten und zu kurz, um ihn den Eigenwillen seiner niedlichen Mündel erkennen zu lassen. Er hielt das Kind für einen kleinen Engel, und in Wirklichkeit war dasselbe nie liebreizender, fügsamer und bestechender, als wenn sein lieber Don Jose aus Teneriffa weilte. Dann fand ihre lebhafte Natur ein Genüge. Don Jose verstand sie zu beschäftigen, er brachte die herrlichsten Dinge aus allen Weltteilen mit, er wußte unendlich viel zu erzählen, ohne je durch alle ihre Fragen ermüdet zu werden, er streifte mit ihr zu Fuß und zu Pferde durch das Land, nahm sie mit nach Oralava und Santa Cruce, fuhr sie im Hafen spazieren und zeigte ihr sein stolzes Schiss.
(Fortsetzung folgt.)
Sturmwarnungen.
Ein Geleitwort zur Neuregelung des deutschen Wetterdienstes an den Meeresküsten.
Von RudvlsCurtius.
(Nachdruck verboten.)
Nür selten hat in einem Herbst der Ozean so viel teure Opfer an Gut und Blut gefordert wie in dem letztjährigen. Eine einzige Sturmesnacht Anfang November brachte an den Küsten Englands und Irlands, so weit die noch gar nicht einmal vollzähligen Ergebnisse der Statistik vorliegen, 28 Schiffen den Untergang und bereitete 232 wackeren Seeleuten ein nasses Grab.
Ist es an den deutschen Küsten auch nicht ganz so schlimm hergegangen wie an jenen des Jnselreiches, so hat doch auch hier der Telegraph öfter als in anderen Jahren über Rettungen aus Seenot und schwere Schiffbrüche, und leider auch einmal Aber die Verunglückung der 11 Köpfe starken Besatzung eines Rettungsbootes zu berichten gehabt.
Alle diese Unglücksfälle lenken in Verbindung mit dem Umstande, daß gerade jetzt die Neuregelung des wetter- telegraphischen Dienstes der deutschen Seewarte zu Hamburg zum Abschluß gelangt ist, aufs neue die Aufmerksamkeit auf eine der segensreichsten Einrichtungen, welche der Geist der Neuzeit im Interesse der täglich von größerer Bedeutung werdenden Schiffahrt geschaffen hat.
Während Leuchtfeuer auf bemerkenswerten Küsten- punkten oder aus eigens zu diesem Zwecke erbauten Türmen schon vor Jahrtausenden dem Schisser den Weg wiesen, ist das Sturmwarnungszeichen eine Errungenschaft der neuesten Zeit, dre erst praktisch wurde, nachdem der elektromagnetische Telegraph eine schnelle Verbreitung der Nachrichten überall- hm möglich gemacht hatte und eine Wetterkunde auf wissenschaftlichen Grundlagen geschaffen worden war.
Tie Meteorologie gehört nicht zu den Wissenschaften, welche rm stegreichen Sturmanlaufe ihre Erfolge erringen. Auf dem Wege des langsamen und mühseligen Fortschrittes hat ste srch im Lause von mehr als 100 Jahren zu dem entwickelt, was sie gegenwärtig ist. In früheren Zeiten begnügte man sich, die Mittelwerte der meteorologischen Elemente eines Ortes, sowie deren periodische Veränderungen durch tausendfältige Beobachtungen zu bestimmen. Durch lnese Kleinarbeit, welche deswegen jedoch keineswegs geringschätzig angesehen werden dars, vermochte man zwar allerhand wltterungskundliche Fragen zu beantworten, dasjenige aber, was das praktische Bedürfnis von der Meteorologie verlangt, die Vorherbestimmung des Wetters wenigstens aus die kurze Frist von ein- oder zweimal 24 Stunden, blieb dabei mir ein frommer, unerfüllter Wunsch,
Mit dem Augenblicke aber, als es durch Benutzung der Telegraphie möglich wurde, nach einer Zentralstelle die auf hrrl’-n Gebiete gleichzeitig herrschenden Witterungs- mitzuteilen, sodaß z. B. ein in Berlin oder arbeitender Meteorologe zu einer bestimmten Tagesstunde, ein Bild der gesamten Wetterlage vor sich hat, a-^sst^^bNige Stilnden vorher in Mittel- und Westeuropa herrschte, wuchsen die Aussichten aus die Möglichkeit einer
wirklich zutreffenden Wettervorhersage. Tie theoretischen Forschungen hatten inzwischen auch wenigstens einige von den Gesetzen ergründet, welche zwischen den Windverhältnissen und der Verteilung und Veränderung des Luftdruckes bestehen. Als ich nun während des Krimkrieges gelegentlich des in der Meteorologie zu einer gewissen Berühmtheit gelangten Balaklavasturmes vom 14. November 1854 die! Möglichkeit ergab, einen zu erwartenden Sturm wirklich vorauszusagen, ging man auf Anregung Leverriers bald' überall zur Einrichtung eines telegraphischen Wetterdienstes über.
Die geschichtliche Entwickelung dieser jetzt in allen Kultur-, stauten bestehenden Einrichtung gehört nicht hierher, und' es genügt, darauf hinzuweisen, daß es zwar Frankreich war, das zuerst in dieser Richtung vorging, daß die Sache aber erst dann wirklich praktisch wurde, als die Vereinigtest Staaten von Nordamerika ein ausgedehntes Netz von Beobachtuugsstationen schufen zum Zwecke der Aufstellung der Probabilities oder Wetterprognosen, welche nach den Beob-, achtungen von 11 Uhr abends durch den Signal Service oder, wie es jetzt heißt, Weather-Bureau in der Nacht zn- sammengestellt und bereits in den Morgenblättern ver?, öffentlicht werden.
In Deutschland liegt der telegraphische Wetter- und' Sturmwarnungsdienst der im Jahre 1867 von v. Freedest begründeten und 1875 auf das Reich übernommenen Seewarte ob, deren dritte Abteilung sich sonderlich mit diesem Gegenstände beschäftigt. Genannür Behörde dient übrigens nicht nur den Interessen der deutschen Küstenländer, für welche sie die erforderlichen Sturmwarnungen herausgiebt, sondern hat auf den maritimen Konferenzen zu Utrecht 1874 und zu London 1877 auch die wissenschaftliche Bearbeit-t ung der Wetterverhältnisse auf dem ganzen nordatlantischest Ozean übernommen, während die entsprechenden Aufgaben für das südatlantische Meer von den Engländern, für dest Indischen Ozean von den Niederländern und für den Stillen Ozean von den Amerikanern zu bearbeiten sind.
Wenn die Meteorologie auch noch weit davon entfernt ist, die Kunst der Prognose in völlig befriedigender Weise zu lösen, so ist sie doch im stände, aus dem Auftreten einer barometrischen Depression, ihrer Tiefe, der Richtigkeit und- Schnelligkeit ihres Fortschreitens unter Berücksichtigung der gleichzeitig über größeren Ländergebieten herrschenden Witterungsverhältnisse mit großer Wahrscheinlichkeit zu bestimmen, ob ein Sturm im Anzuge ist und über welche Gegenden die Bahn seiner größten Heftigkeit gehen wird.- Durch Vergleichung vieler Hunderte von Wetterkarten hat man überdies herausgefunden, daß ganz besonders typische Wetterlagen häufig wiederkehren, welche dann regelmäßig auch von den gleichen stürmischen Winden in denselben Gegenden begleitet sind.
In solchen Fällen ist es natürlich! von höchster Wichtigkeit, die im Hafen befindlichen Schiffe rechtzeitig vor dem Auslaufen zu warnen und jene, die in der Nähe der Küsten fahren, durch Signalstationen von dem Herannahen eines Sturmes rechtzeitig zu benachrichtigen, damit sie sich entweder in einen Hafen oder auf eine windgeschützte Rhede oder aus der gefährlichen Nähe der Küsten auf die hohe See hinaus retten können.
Zu diesem Zweck sind an zahlreichen Punkten de« Küste sogenannte Signalstellen errichtet. Ist die Wetterlage nun eine derartige, daß ein Sturm zu erwarten ist, so ergeht von der Seewarte sofort an sie ein Sturm-, Warnungstelegramm mit der Anweisung, welche Sturmsignale sie zu hissen haben. Als dieser Signaldienst im Jahre 1877 zuerst eingerichtet wurde, verftigte die See-, warte nur über 50 Stationen. Heute sind es deren weit' über hundert, welche je nach ihrer Bedeutung in solche erster und zweiter Klasse zerfallen. Diejenigen der ersten Klasse sind darauf eingerichtet, die Gefahr auch in 'bte Ferne zu signalisieren, und haben zu diesein Zwecke einenvollständigen Signalmast von 20 Meter Höhe, der in Höhe von 15 Meter eine Rae von 8 Meter Länge trägt. Als eigentliche Signalapparate dienen eine Kugel, zwei Kegeh, zwei rote Flaggen, und eine rote Laterne für die Nacht, Wird nur der Ball in die Höhe gezogen, so bedeutet dies, daß die Seewarte durch ein besonderes Telegramm gemeldet hat, daß ganz im allgemeinen stürmische Winde in Aussicht stehen. Wenn dagegen innerhalb der nächsten 36 Stunden Sturm aus einer ganz bestinimten Richtung zu erwarten ist, so treten die Kegel in Wirksamkeit, die!


