Ausgabe 
3.1.1902
 
Einzelbild herunterladen

Mitay den 3. Januar.

1902. Ur. 2.

LL« v^W^Wii£v3 nkpo

ijjjra

WM WWW

*2*4*^

WMA

-

l-'.,-..r'5 I

W'_L

J^lViilbj;; ,'Isi-Hiiii

K«M

fsiMi ortgeschwunden sind die Gäste Sst Und verrauscht, was jeder sprach;

Denn dein stillgcword'nen Feste Folgt der Werktag ehrlich nach. Bon der Arbeit neuer Frische Sind die Wangen wieder rot, Ans dem altgewohnten Tische Wieder das gesunde Brot. Kämen allzuschwer die Mühen, Allzulang der Stunden Lanf, Neue Festesweihen blühen Bald am Himmel wieder auf. Und so hält das Leben weise An den Wechsel sich gelehnt, Der vom Festtag sich zum Schweiße Und vom Schweiß zum Feste sehnt.

Joh. Georg Fischer.

Nachdruck verboten.

Verschollen.

Original-Erzählung von M. Ludolfs.

(Fortsetzung.)

Diejenige, über welche jene verschiedenen Meinungen gu Tage gefördert wurden, stand mittlerweile noch immer auf dem erwählten Posten. Sie ahnte nicht, wie sehr die Leute sich mit ihr beschäftigten, hätte sie es indes auch ge­wußt, sie würde es nicht beachtet haben. Ihr blieb gleichgiltig, was man von ihr sprach. Die wenigen Meltschen, die ihr in den Weg kamen, waren ihr fremd, intb sie war ihnen völlig unbekannt. Das war, was sie wünschte; fremd und unbekannt wollte sie bleiben. Dennoch gab es Augenblicke, wo eine namenlose Angst sie erfaßte, in dem Bewußtsein ihrer gänz­lichen Verlassenheit. Sie hatte das so gewollt, nun mußte sie Geduld üben. .Unendlich oft schon hatte sie sich dies während des langen, einsamen Winters gesagt, eindringlich wiederholte sie sich dasselbe an dem linden Sommerabend, da sie müde und enttäuscht den Rückweg nach ihrem kleinen Idyll einschlug. Ihre schmalen, feinen Finger drehten dabei unaufhörlich in nervöser Hast den Trauring an ihrer kleinen Hand, während ihr Schritt lange nicht mehr so leicht und elastisch schien, wie auf dem Hinwege. Welche Sorge sich aber in ihre Seele geschlichen und sie innerlich nahezu mit Verzweiflung erfüllte, das sah niemand; selbst nicht das wißbegierige Auge der hübschen, treuen Bianca, die unter dem grün umrankten Vordach des kleinen Häuschens stehend, Ausschau nach ihrer Herrin hielt. Möglich, daß diese Aus­

schau ursprünglich dem schwarzäugigen Franzesco gegolten hatte; denn Franzesco war eine wichtige Persönlichkeit wegen seiner engen Freundschaft mit dem alten Nikolo^ der den einzigen männlichen Schuh dreier hilfloser Frauen bildete und verpflichtet war, von ferner nahegelegenen Hütts aus für die Wohlerhaltung des kleinen SchweizerhauseA wie für das Wohlbehagen von dessen Bewohnern Sorge zU tragen. Stets sollte er zu deren Dienst bereit sein, und ev that seinen Dienst gern, nur waren seine alten Beine nicht mehr allzu flink und sein Verständnis nicht so klar, wie das Franzescos, weshalb Bianca naturgemäß dazu kam, letzterem den Vorzug zu geben. Sie wußte stets Beschäftigung für ihm Auch heute hatte sie ein Weilchen bei seinem Vorübergang! mit ihm zu plaudern gehabt und sann jetzt ernstlich über seine Mitteilungen nach. Sobald sie jedoch die Signora nahen sah, schwand aller Ernst aus ihren jungen, freundlichen; Mienen. Mit einem eigenen Gemisch von Verehrung und Zutraulichkeit lachte sie ihrer Herrin entgegen. Ehe sie jedoch eine Begrüßung äußern konnte, kam ein anderer ihr darin zuvor. Ein prachtvoller Bernhardinerhund sprang plötzlich aus dem Innern hervor, an Bianca achtlos vorüber, der° Ankoinmenden entgegen. Seine Freude, die Herrin wiederzusehen, war offenbar, doch äußerte sie sich nicht laut, nur ein gedämpftes Brummen gab von dem Wohl­behagen des riesigen Tieres Kunde, da die Signora seinen schönen Kopf sanft klopfte und ihm einige wohllautende Worte zuraunte. Damit schien es völlig befriedigt ; denn es eilte ins Haus zurück, wie jemand, den eine Pflicht ruft. Die Signora hatte, ihm folgend, Bianca erreicht, deren freundlicher Gruß einzig lautete:Sie schläft so süß, Ex­zellenz«."

Es war gleichfalls ein süßes Lächeln, das jene Worte auf dem Antlitz der schönen Frau hervorriefen, unterdes sie leicht zu der Hausthüre hinein und die Treppe mit dem! holzgeschnittenen Geländer hinauf schlüpfte. Oben betrat sje ein wohnliches Gemach, dessen Thüre und Fenster nach den außen umlaufenden Gallerien weit geöffnet standen und der milden stärkenden Luft freien Einzug gewährten. Was sich von ländlichem Luxus erwarten ließ, fand sich daselbst in der geschmackvollsten Art. Der hübsche Raum bot ein Bild friedlicher Häuslichkeit, dessen Mittelpunkt eins zierlich, geflochtene Korbwiege bildete, neben welcher der große Hund sich niedergelegt hatte, während an einem der Fenster eine ältliche Contadina*) saß.

In dem wohlgehüteten Bettchen schlummerte ein lieb­liches Kind, die kleine Clarita Dolores, das ganze Glück ihrer jungen Mutter.

Sachte herantretend, neigte diese sich zärtlich zu dem blonden Köpfchen in den weißen Kissen nieder; das rosige Gesichtchen mit den hellen Farben hatte kaum eine Aehnlich- keit mit den^ ihren, wenigstens jetzt nicht, da die Aeugleirtz darin geschlossen waren.

*) Landfrau.