Ausgabe 
2.8.1902
 
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verloren. Sie ist Traute eine tüchtige Stütze im Hause, und diese sieht seit einiger Zeit mit Freude eine Neigung zwischen ihr und Armin entstehen. Ihr Gatte ist ganz rhrer Ansicht, daß diese beiden ein nettes Paar abgeben werden.

So spinnt sitz jetzt das Leben in Brantikow in fröhlicher Familiengemeinschaft, in fleißiger Arbeit und heiterem Ge­nießen ab. Traute ist unendlich glücklich an der Seite ihres Gatten. Sie haben beide das Beste von einander gelernt. Sie, daß Arbeit die Basis alles Guten, Schönen und Hohen ist, daß der Wert des Mannes in der sittlichen Kraft seiner Leistungen wurzelt und er, daß die Liebe der krönende Bau auf dem Fundament der Arbeitskraft ist. So ist Arbeit und Liebe fortan der Inhalt ihres Lebens, in dem beide, immer reifer und glücklicher, zur besten Entfaltung all ihrer Kräfte und Fähigkeiten kommen.

Ausgrabungen in Oberheffen.

(Nachdruck verboten.)

Seit dem Erscheinen von ffoflers archäologischer Karte (1890) sind in unserem Gebiete fortwährend Untersuchungen des Bodens nach den Resten entschwundener Kulturen vor- Igenommen worden. Indessen sind abgesehen von den Arbeiten der Limes-Kommission keine der Nachforschungen mit der systematischen Gründlichkeit betrieben und so erfolg­reich durchgeführt worden, wie diejenigen, von denen der vor kurzem erschienene Fundbericht*) des Oberhessischen Geschichtsvereins Zeuguis ablegt. Das liegt hauptsächlich varan, daß jetzt endlich wirkliche Sachverständige sich Lieser schwierigen Aufgabe unterzogen haben, während früher die Leitung der Arbeiten sich in Händen wehr oder weniger Ungeübter befand. Damit jedoch dürfen wir keinen Vorwurf verbinden für die Männer, die jahrzehntelang in selbst­losester Weise die knapp bemessene freie Zeit, die ihnen ein anstrengender Beruf übrig ließ, auf das Sa mm eln der zu Tage geförderten Zeugen einer fernen Vergangenheit ge­wendet haben. Im Gegenteil müssen wir ihnen Dank wissen für ihre Thätigkeit, die uns Urnen und Ringe, Steingeräte und Bronzen, vor dem sonst unausbleiblichen gänzlichen Unt ergang bewahrt hat.

Tie jetzt vorgenommenen Arbeiten sind in der Hauvt- sache der Initiative des Herrn Prof. Gundermann, der be­reits im 8. Band der Mitteilungen des Oberhess. Geschichts- Vereins über die Ausgrabungen des Jahres 1898 berichtet hat, zu danken. Damals wurden die Gräber des Triebs genauer untersucht und interessante Feststellungen über ihr Alter gemacht. Es ließen sich Gräber aus der Zeit um 400 v. Ehr. bis zur fränkischen Zeit nachweisen und aus ihrem Inhalt neue Schlüsse über die Besiedelung unserer Gegend, über die Kultur der Bewohner, ja sogar über die in unseren Wäldern damals vorkommenden Holzarten ziehen.

Ungleich bedeutender noch sind die Ergebnisse der Aus­grabungen seit 1899.

Die Bodenuntersuchungen erstreckten sich nicht nur auf die nähere Umgebung von Gießen, sondern auch auf die Gemarkung Ost he im bei Butzbach, auf Hügelgräber bei O b er w etz und auf Gräber in der Lin d e n e r M ar k. Bei Gießen wurden wiederum Hügelgräber auf dem Trieb, sodann die bei den Friedhofsarbeiten aus dem Rodberg gemachetn Funde und endlich das Urnengrabfeld im Gießener Stadtwalde unterfucht. Beteiligt waren außer Herrn Prof. Gundermann die Herren Dr. Kornemann (Ge­markung Ostheim), Hauptmann Kramer (Ostheim und Rod­berg), Major v. Schlemmer (Trieb).

Tie Ostheimer Funde gehören teils Gräbern, teils Wohnstätten an und sind zeitlich der Steinzeit (bis etwa 2000 v. Ehr.) und der Bronzezeit (20001000 v. Ehr.) zu­zuweisen. Sie bestehen m der Hauptsache in Gefäßen aus seingeschlämmtem Thon und lassen aufeinen recht hohen Stand der Kultur in diesem Teil der Wetterau schon während der jüngeren Steinzeit" schließen.

Auf dem Trieb wurden zwei Gräber ausgedeckt, von denen das eine, aus der Hallstattzeit, besonderes Interesse

*) Fundbericht für die Jahre 1899 bis 1901 mit 20 Tafeln. Er­gänzung zu denMitteilungen" des Geschichtsvereins Band X. Gießen, j. Ricker'sche Buchhandlung, 1902. 122 S. 8°.

beansprucht. In ihm sanden sich (außer zweien bei einer früheren Grabung zu Tage geförderten) zehn Skelettreste vor. Tie Lage der einzelnen Skelette, von denen einige sich tiefer, die anderen höher vorfanden, läßt die Vermutung zu, daß sie zeitlich nicht weit auseinander liegenden Be­stattungen angehören. Tie höher gelegenen sind Nach­bestattungen. Man darf solche Grabhügel als Familien­oder Sippengräber betrachten, wie man sie in Mirttem- berg, Bayern und Baden beobachtet hat.

Ter älteren Hallstattzeit gehört auch der eine der beiden von Prof. Gundermann bei Oberwctz ausgehobenen Grab­hügel an. Er gehört zu einer großen Gruppe von Hügeln, die auf eine nicht kleine Ansiedelung in der Siähe jenes Ortes hindeuten.

In Nr. 4 des Fundberichts giebt Herr Prof. Gunder­mann eine höchst interessante Zusammenstellung der vor­römischen Bronzen aus Oberhessen, die sich im Museum des Oberhessischen Geschtchtsvereins befinden. Dieses Ver­zeichnis mit den eingestreuten Bemerkungen über die bei Herstellung der Gegenstände angewandte Technik, über Tracht und Zierrat usw. gehört zu den wertvollsten Teilen des Fundberichts. Es kann hier leider so wenig auf Einzel­heiten eingegangen werden, wie bei den übrigen Beiträgen, indessen mag zur Erläuterung ein auf gut Glück heraus­gegriffenes Beispiel dienen. Unter den Bronzen befinden sich mehrere Halsreisen und -Ringe, von denen zwei sicher, die übrigen vermutlich, Beigaben eines männliche« Skelettes find. Alle gehöreneiner bestimmten Zeit, dem verhältnismäßig einheitlichen Kulturkreise der Hallftatt- zeit" an. Es giebt unter ihnen offene Ringe mtt Haken- Verschluß und gänzlich geschlossene Ringe, die auch nirgends die Spur einer Lötung zeigen. Diese letzteren konnten daher von dem Träger nie beliebig abgelegt ebensowenig aber überhaupt angelegt werden. Gundermann schließt daher richtig, daß siedem Träger auf dem Leibe angegossen worden sein müssen, indem die Gußsorm aus gebranntem Thon um den Hals gelegt wurde, gewiß ohne Gefahr, wen« der Hals dustch schlechte Wärmeleiter wie Wolle u .a. ge­schützt wurde." Die gleiche Folgerung zieht er für die Arm- und Beinringe.

Durch diese und ähnliche Beobachtungen wird unsere Kenntnis von Tracht und Schmuck in vorgeschichtlicher Zeit wesentlich gefördert.

Won größter Bedeutung aber nicht nur für die Ur­geschichte unserer Gegend allein, sondern überhaupt für die Urgeschichte Deutschlands ist die Aufdeckung des Urnen- grabfeldes im Gießener Stadtwalde, die gleichfalls Pros. Gundermann geleitet und auf S. 93 ff. geschildert hat. Es handelt sich um den Nachweis einer Siedelung von beträcht­licher Ausdehnung, von der man seither nur noch den Name« in der durch den Dialekt veränderten FormUrfulum", ehemalsUrs en he im", kannte. Außer Urnengrübern förderten die Ausgrabungen auch Reste von Wohnstätten zu tage, alles in allem Zeugen der Kulturen aus der Zeit von etwa 2000 v. Ehr. bis 200 n. Ehr. Gundermann rechnet, wie es scheint mit Recht, die Gräber der Hallstadt- und der La-Ttzne-Periode am Eulenkopf zur Siedlung Ursenheim; nach Osten schließen sich dann die ausgedeckten Gräber aus der römischen Kaiserzeit an, und noch weiter östlich ver­mutet G. die Gräber der fränkischen Zeit. Wie lange das Torf gestanden hat, ist bis jetzt nicht ermittelt; erwähnt wird es als Tors, dessen Bevölkerung damals christlich ge­wesen sein muß, überhaupt nur einmal: im Lorscher Tra­ditionskodex in einer Urkunde vom Jahre 775. Bon den reichen Funden auch nur das Wichtigere an dieser Stells hervorzuheben, ist unmöglich; es sei deshalb hier daraus aufmerksam gemacht, daß alle Stücke im Museum des Ober­hessischen Geschichtsverems zu sehen sind.

Tie Untersuchungen über Ursenheim sind noch nicht ab­geschlossen, es harret noch manche Frage ihrer Lösung. Für sie sowohl wie für die Fortführung der übrigen Ausgra­bungsarbeiten bedeutet der Weggang Pros. Gundermanns einen schweren Schlag. Uns bleibt nur zu hoffen, daß sich für ihn ein Nachfolger finden möge, der mit gleicher Lieb« und Umsicht die so glücklich begonnenen Forschungen zu Ende bringt.