Ausgabe 
2.6.1902
 
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kn frte Thür, Sie Mr Kammer führte, unv MM eine Weile da, den kleinen, dünnen Kops hin und her wiegend.

Hm! Ich bin gerade nicht lebensüberdrüssig, Thomas f im Gegenteil!" slüsterte er;aber wenn ich mit ihr tauschen konnte, so würde ich es, weiß Gott, mit Freuden thun."

Tann preßte er Thomas die Hand und schlich wieder fort.

Sie lag mit gefalteten Händen da. Ihre Atemzüge wurden immer schwächer, aber sie schien such der Ruhe mit einem unsäglichen Wohlbehagen hiuzugeben, so wie sie es als Kind wohl tausendmal gethan, wenn sie sich mit den Worten der Haustafel hinlegte rUnd damit gleich und fröhlich einzuschlasen."

Tie Züge nahmen eine sauste Innigkeit an, es war, als fühle sie eine bisher unbekannte Sicherheit durch alle Wern fließen, als senke sich Gottes Friede auf ihre Brust, wie ein frisches, kühlendes Blatt auf eine Wunde.

Thomas mußte ein Licht anzünden und einen frischen Docht in die Nachtlampe thun.

Als er sich wieder nach dem Bett umwandte, war sie tot.

Er hob die schlaffe Hand zum letztenmal auf, kniete vor dem Bett nieder und rief:

Liebe, liebe, teure Helene!"

Lange blieb er liegen und sah sie an; er weinte nicht, er wußte es kaum, daß er dort lag. Endlich aber fühlte er, daß ihn fror.

Dann erhob er sich/ ohne jedoch den Blick von ihr zu wenden. Er konnte es nicht fassen.

Tie Kleine stieß wieder an. Er trat ans Bett, wickelte die kleinen warmen Körper in ein paar Decken, nahm auf jeden Arm eines der Kinder, trug sie durch den dunkeln Garten in den Mühlhof hinüber und legte sie in sein eigenes Bett, das noch warm war.

Dann ging er zurück, um bei der Leiche zu wachen. Der alte Mann lag hintenüber im Bett und schlief mit laugen, schnarchenden Atenizügeu.

Er setzte sich auf seinen alten Platz und gab sich wieder dem Änschauen der feinen Züge hin, die, von der Schönheit des Todes geadelt, sich -mit ruhigen, befreiten Linien im Lampenlicht abhoben.

Seine Gedanken glitten über ihr Leben hin, über dies Leben, das sich so wunderbar von seinem eigenen abgezweigt, das aber mit seiner Kraft und seiner großen Liebe ihm zu unaussprechlichem Segen gereicht hatte .

Gott weiß sie hatte mehr gekämpft, als irgend jemand geahnt aber jetzt war sie ans Ziel gelangt.

Er strich sauft mit der Hand über ihre Stirne:

Du reute, stille, starke Möve!"

Panzerplatte».

Von W. St en gl, Ingenieur.

(Nachdruck verboten.)

lieber die Herstellung der schweren Panzerplatten zur Armierung unserer modernen Schlachtschiffe herrschen heute, selbst in Fachkreisen vielfach noch recht unklare Borstell« ungen. Dies ist auch kaum verwunderlich, wenn man sich vergegenwärtigt, mit welcher eifersüchtigen Heimlich­keit alles, was nur irgendwie mit der Panzerplatteu- herstellung zusammenhängt, von feiten der wenigen großen Firmen, die sich mit diesem Fabrikationszweige beschäfti­gen, behandelt wird, um sich ihre bisherige Alleinherr­schaft aus diesem Gebiete weiter zu sichern. Vom Stand­punkt der Fabriken ist dieses Verhalten auch sehr wohl zu verstehett, dettu es ist ganz natürlich, wenn dieselben ihre durch die Ausführung ausgedehnter, sehr kostspieliger Versuche gewonttenen wertvollen Erfahrungen ihrer Kon­kurrenz nicht ohne weiteres zugute kommen Iaffen wollen. Dies erklärt auch, in Verbindung mit dem Umstande, daß die Fabrikationseiurichtuugeu einen bedeutenden Kapital­aufwand erfordertr, die jetzt thatsächlich vorhandene Mo­nopolisierung der Panzerplattenfabrikation durch einige wenige große Firmen wie Krupp, Stumnt, Schneider, Arm­strong.

Diese von den Fabriken beliebte geheimnisvolle Be­handlung der Panzerplattenherstellung konnte indessen nur in, Bezug auf verhältnismäßig wenige wuchtige Einzel­heiten von gewissen, allerdings auch nicht allzu bedeu­

tendem Erfolg sein, während dieselbe die Prinzipien der Herstellung nicht zu treffen vermochte. Daher sind heute auch außenstehende Kreise in der Lage, die Panzerplatten- Herstellung ziemlich in allen ihren Einzelheiten zu über­schauen.

Während die Größe der Panzerplatten von jeher un­gefähr die gleiche geblieben ist (etwa 7,5 Meter Länge bei 1,4 Meter Breite), sind dieselben in ihrer Dicke in neuerer Zeit ganz wesentlich heruntergegangen, ohne je­doch dabei an Widerstandsfähigkeit abgenommen zu haben. Diese den neueren Platten eigene bedeutend größere Festig­keit ist die Folge einer vollständigen Umwälzung in den Grundprinzipien ihrer Konstruktion.

Die ältesten Panzerplatten, welche aufkamen, wurden aus Schweißeisen hergestellt, und zwar in folgender Weiser Aus je 5 etwa 40 Kilogramm schweren Brammen besten, sehnigen Schweißeisens, die zusammengeschweißt wurden/ wurden zunächst Bleche hergestellt, die dann zu je dreien bis fünfen zu einer stärkeren Blechplatte zusammengewalzt wuroen. Von diesen Platten wurden nunmehr in einem Schweißofen je 3 bis 5 durch Eisenstücke von einander ge­trennt, hohl aufeinaudergelegt und auf Schweißwärme er- S, worauf dann das Ganze durch mehrmaliges Durch- en eines Walzenpaares zum Verschweißen gebracht wird. Die so hergestellten Platten vermochten indessen den rapiden Fortschritten der Geschütztechnik bald nicht mehr stand zu halten; es wurden der vermehrten Durch­schlagskraft der Geschosse gegenüber so große Stärken der Panzerung erforderlich, daß die dadurch verursachte Schiffsbelastung ein unzulässig hohes Maß erreichte. Ab­gesehen davon ließen aber auch diese sehr dicken Platten (300 Millimeter und mehr) in Bezug auf Homogenität und besonders Elastizität sehr viel zu wünschen übrig.

Diese Umstände sührten zu der namentlich in England gepflegten Konstruktiott der sogenannten Verbundpanzer­platten. Diese bestehen aus einer nach dem vorigen Ver> fahren hergestellten Grundplatte von etwa 300 Millimeter Stärke, auf welche vermittelst Stehbolzen eine 50 Milli­meter starke Deckplatte aus Flußeisen, Flußstahl oder auch aus Schweißeifeu so aufgeschraubt wurde, daß zwischen beiden ein Zwischenraum von' etwa 130 Millimeter ver­blieb. Dieser wurde schließlich mit Flußeisen ausgegossen und dann das Ganze bis aus etwa zwei Drittel der vor-, handenen Stärke ausgewalzt.

Das wesentlich Neue bei diesen Platten bestand also in der Verbinduttg einer harten Deckschicht, welche ein Zerschellen der auftretenden Geschosse bewirken soll, mit einer Gruudschicht aus weicherem nachgiebigerem Metall, welches den elastischen Träger der harten Schicht abgab.

Das gleiche Ziel suchte man unter Umgehung der! schweißeiserneu Grundplatte durch Verbindung zweier ver­schiedener Arten Flußeisen in folgender Meise zu erreichen: Man goß zunächst eine Grundplatte aus weichem Fluß-, elfen und ließ die oberste Schicht derselben eben erstarren. Dann goß man sofort eine Deckschicht von hartem Fluß- eifen oder Stahl auf diese, sodaß eine gute Verbindung! der beiden Sagen eintrat.

Alle diese Verfahren sind indessen nur als eine Vor­stufe zu der heute allgemein üblichen Herstellungsweife aus einer einzigen Eifensorte auzuseheu, die erst durch die Anwendung des Nickels zur Legierung mit Eisen er­möglicht wurde. .

Bekanntlich verleiht schon ein verhältuismapig sehr niedriger Nickelgehalt dem Eisen eine ganz außerordent­liche Festigkeit, die sich mit einer gerade für die Panzer­platte sehr erwünschten bedeutenden Zähigkeit und Elasti­zität paart. Die Härte der Eisen-Nickellegierungen ist eine so enorme, daß nur sehr kohlenstoffarmes Nickeleisen über- baupt eine Bearbeitung zuläßt. Bei höherem Kohlenstoff­gehalt (Nickelstahl) kann fich eine Bearbeitung bei den Mitteln der heutigen Technik höchstens auf ein gewißes! Abschleifeti oder Polieren beschränken.

Der Nickelgehalt des zur Pauzerplattenherstellung be- nutzten Eisens beträgt 3 bis 6 Prozent; in der Regel enthält dasselbe auch noch andere Zusätze, die nach Art und Menge bei den verschiedenen Fabriken verschieoen sind; meist ist Chrom darin vorhanden, jedoch nicht mehr als etwa 1 Prozent. , ,, . .

Die Fabrikation der modernen Nickelstahlpanzerplatten geht nun in folgender Weise vor sich:

Zunächst wird das erforderliche Quantum möglichst