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des ihn
sie
freundlich ausgenommen haben I Mr sehen uns Wohl nicht Wieder?"
sammengekrochen
er den einsamen Weg entlang.
Sie lag lange da und stöhnte, bald wendete sie Kopf nach der einen, bald nach der andern Seite.
„Hast Tu arge Schmerzen?"
„Ach nein!"
Jeden Augenblick siel ihr Arm über den Rand Bettes, er aber nahm ihn sorgfältig auf und legte wieder zurecht.
„Es war mir, als wenn Karen hustete", stöhnte wieder.
: sich mehrmals um, in der Absicht, ihm zuzuschaute nicht zurück. Gebeugt, gleichsam zu 'n in seinem weiten Ueberzieher, trippelte
„Sie können uns ja einmal wieder besuchen, Sie sollen Uns stets willkommen sein!"
„Nein, hm! Nun leben Sie wohl, vielen Dank für Ihre Freundlichkeit!"
Mit eigentümlich nervöser Unruhe nahm er von ihr !und den Kindern Abschied und eilte dann weiter.
Sie wandte sich mehrmals um, in der Absicht, ihm zuzu- Ulcken, er aber
Im Laufe des Winters fühlte sich Helene so angegriffen Yon Husten und Mattigkeit, daß sie sich am Morgen kaum durch den Garten zu schleppen vermochte; aber sie wollte nichts davon hören, daß sie das Bett hüten müsse; sie war me daran gewöhnt gewesen, Rücksicht auf sich zu nehmen. Welch etit Unsinn, daß sie sich legen sollte! Was sollte dann wohl-aus ihrem Bater, den Kindern, der Wirtschaft und der Meieret werden?
Endlich fiel sie eines Tages in der Vorratskammer ohnmächtig um und mußte ins Haus hinübergetragen werden.
. Woche auf Woche lag sie da mit ihren blanken Augen und den brennenden Flecken auf den Wangen und starrte zu dem dunkelblauen Winterhimmel empor. Thomas kam zehnmal des Tages und sah sich nach ihr um.
Sie war ärgerlich auf den Arzt.
„ „ »Es ist wirklich dumm, daß er mich nicht aufstehen lassen will; nnr fehlt ja gar nichts."
Unablässig waren ihre Gedanken mit den Kämpfen des Lebens beschäftigt. Still, mit dem Wiederschein geistvoller Gedanken auf ihren Zügen, lag sie da und vertiefte sich in tue heiligsten Fragen des Herzens.
„Ich liege hier und grübele tüchtig", sagte sie; „jetzt habe ich ja nichts weiter zu thun."
Vorsichtig sprach sie mit Thomas über die Verantwort- ^ng' dle wir für unser Leben haben, über die Befreiung des Gewissens und das Leben jenseits des Grabes.
Obwohl nicht eine Spur von Ueberspanntheit in ihren Worten lag — sie sprach immer so offen und frisch -h Mel es Thomas gar nicht, daß ihre Gedanken stets in den Lichtglanz der ewigen Ideen emporstiegen. Es schien ihm, als sei ihre Rede mit überirdischen Bildern gefüllt.
sehnte sich nach dem Frühling. Es war, als werde W ledem schwindenden Tage leichter und stärker.
Ihre Gedanken sammelten sich um den wunderbaren Drang nach Leben und Freude, der durch das ganze Dasein, durch die ganze Natur, durch das Tier- und Menschenleben wogt. War es nicht merkwürdig, daß der Glaube und die Sehnsucht nach der ursprünglichen Harmonie des Lebens noch aus der Erde vorhanden war, trotz des Gesetzes der Unzulänglichkeit, unter dem alles hienieden seufzte? Es war, als könnten wir an allem, worin die gesunden Kräfte pes Lebens gären, Lebensäußerungen spüren, die einen Einspruch gegen diese Unzulänglichkeit erheben und sich mit brennender Sehnsucht nach Licht und Befreiung drängen.
Sie erinnerte sich, wie Böje vor einem Jahre beim Ge- dankeii an den Frühling den Lebensdrang in allen seinen Adern verspürt hatte. Wiederholte sich jetzt nicht dasselbe
Niemals hätte sie geglaubt, daß ihr Leben eine solche Wendung nehmen könnte. Sie war so unsagbar müde, als er starb. Wenn die Kinder nicht gewesen wären, hatte sie gern wie jener Bischof in Roeskilde den Totengräber gebeten, Platz, für zwei im Grabe zu machen. Jetzt aber war es etwas anderes. Sie hatte nM so vieles, wofür sie leben mußte.
. Während^ laue Winde über die sonnenhellen Felder strichen, lag sie da und dachte, wie sich jetzt die tote, wasser- gesattigte Erde erwärmte. Larven und Gewürm regten sich die Pflanzenwurzeln sogen frische Kräfte ein. Alles traf seme Vorkehrungen. Bald würden sich kleine, trockene Erdschollen im Garten heben, und ehe man sich's versah, standen die Krokusköpfe da und lachten im warmen Sonnenschein.
Bilder und Ahnungen drangen auf sie ein: Waldmeister- duft, wogende grüne Roggenfelder, Lerchensang, perlenfunkelnde Tautropfen und dann, inmitten des Ganzen, ein großes, warmes Herz, aus dessen Kammern Leben und Liebe für die ganze Schöpfung strömte.
„Wenn ich nur erst wieder auf bin, Thomas, dann wollen
wir tüchtig zugretfen! Der große Rasen muß wahr um-, gegraben werden, und für das Beet vor den Flaggenstangen müssen wir einige hochstämmige Rosen kommen lassen. Schön wäre es, wenn die Thüren im Wohnzimmer gestrichen und für Deine Stube neue Gardinen gekauft werden könnten."
Er sank auf den Stuhl an ihrem Bett nieder und gab! sich einer Stimmung hin, in der Dankbarkeit, unsagbares Glück iumd unsagbarer Schmerz mit einander rangen. Er wußte vom Arzt, daß sie nicht leben konnte.
Eines Tages, als er am Strande gewesen war, fragte sie, ob er die Möve nicht gesehen habe.
„Nein!"
_ "Es war doM 'Merkwürdig mit der Möve! Erinnerst Du Dich noch, wie sie die Flügel anspannte — gerade gegen den Wmd an? Sie wollte nach dem Felsen hinüber."
Thomas konnte fast niemals ein Wort hervorbringen> Mm "ihr' ihr saß; aber seine Augen wichen nicht fuhr sie mit eigenartig glänzendem Blick fort. . „Es handelt sich doch in Grunde nur darum, daß wir glücklich über das große Wasser gelangen und die weiße Küste erreichen." a
Thomas sah es ihren Augen an, daß sie sich jetzt klar darüber war, daß sie auf ihrem letzten Flug be-, griffen sei.
Als die Krokusköpfe die Erdschicht durchbrachen, hatten sich Helenes Augen geschlossen.
Thomas wachte die letzte Nacht bei ihr. Um zwölf Uhr hatte er sich schlafen gelegt, war aber kaum warm geworden, als er — unruhig wie er war — aus dem Bett sprang, zu Helene hinüberging und das Mädchen ablöste, das bei ihr Wache hielt .
Der alte Redakteur, der im Wohnzimmer schlief, saß im Bett und bewegte die spitzen Winkel der Kniee, die er gegen das Federbett gestemmt hatte, wiegend hin und her.
Thomas bat ihn, sich zu legen, er wolle schon für sie sorgen.
Die Kinder, die in Helenes Zimmer in einem Bett schliefen, hatten das Kissen abgestoßen, die Kleine lag mit dem einen Bein über dem Magen des Bruders. Beide, schnarchten sie mit offenen Mündern. Thomas legte sie zurecht und deckte sie zu.
Es war in der letzten Zeit eine eigenartige stille Kraft über ihn gekommen, die seinen Gang fest machte.
Mit Helene ging es scheinbar zu Ende. Tie verzerrten Gesichtszüge, der krampfhafte Griff der Finger zeugten davon, daß sie litt.
„Wenn die Kinder nur zugedeckt sind", flüsterte sie. \
„Ich habe sie eben warm eingepackt."
„Hai Vater die Wärmflasche wohl bekommen?"
„Er liegt warm und gut; ich kann hören, daß er schläft."
„Neun sie stieß nur an. Sie schläft ganz fest und ruhig." Er legte ihren Arm wieder aufs Kissen und trocknete ihr den Schweiß von der Stirn.
„Tanke, Thomas! Aber Du solltest schlafen gehen. Ich werde ganz igiut allein fertig."
Nach einiger Zeit öffnete sie die Augen und sah nach dem Wohnzimmer hinüber. Der Schein der Nachtlampe spiegelte sich einen Augenblick in den glänzenden Pupillen wieder, dann schlossen sich die Lider abermals.
Um zwei Uhr klopfte eine Hand ans Fenster der Vorder- stube. Thomas ging hinaus und öffnete.
„Ich konnte nicht schlafen, Thomas! Hm, hm, — wie steht es?"
„Ja, jetzt liegt sie still, aber —" Er schüttelte den Kops. „Ich glaube, es ist besser, wenn Du nicht hinein-! gehst, Vater."
„Nein, nein! Ich möchte sie nur einmal sehen, nur einmal sehen!"
Er schlich auf den Zehen durchs Zimmer, stellte sich


