ist mir ein Rätsel. Hierzu treten noch die anderen Ver­bindlichkeiten, deren Gesamtsumme fast ebensoviel beträgt."

Wann haben wir den Wechsel bei Jefim Godunow zu zahlen?"

Zur Messe in Nishni! T-as Accept lautet über vierzigtausend Rubel. Anständig ist, daß er es nicht in Zahlung gegeben hat; aber von Prolongieren ist keine Rede, denn Godunow läßt sich auf solche Geschichten nicht ein Prolongieren widerstreitet seinen geschäftlichen Prinzipien. Warum denkst Tn gerade an ihn?"

Nun, er fiel mir eben ein. Prolongieren ihn möchte ich am allerwenigsten um solche Gefälligkeit bitten."

Wie denkst Tn über Sinowjew?"

lieber den--? Ter ist, seitdem Steinbrecht die

Prokura und das Heft in Händen hat, geradezu imme- diatisiert. Seine ständige Redensart lautet jetzt:Wenden Sie sich an meinen Prokuristen!" Und diesem ein gutes Wort geben nein, nimmermehr!"

Aber, wie sich aus der Klemme ziehen?" seufzte Jury. Sinnend stützte er den Kopf in die Hand.Tas Vermögen meiner Frau ist schon hin", fuhr er in dumpfein Tone fort.Auch die Mündelgelder meines kleinen Schwagers sind verbraucht, und das ist straffällig. Mer den rapiden Niedergang unseres alten, angesehenen Hauses auf dem Gewissen hat, weiß ich. Nichts wie verfehlte Spekulationen die letzte war die verrückteste! Jeder erfahrene Geschäftsmann sagt sich, daß die Mode launisch wie ein verzogenes Kind ist; sie betet heute mit glühender Begeisterung an, was sie schon morgen geringschätzend verwirft. Tu hast wie toll gekauft, und nun ist das Pelzlager bis oben vollgepfropft, aber sein Inhalt ist nicht zu verwerten. Mehr als dreimalhundert- tausend Rubel hat uns Tein Wahnsinn gekostet. Wäre ich nicht leidend im Bade gewesen, die Geschichte wäre nie­mals passiert."

Hör' auf mit Deinen ewigen Vorwürfen", brauste Dimitry aus.Ich kenne Deine Litanei schon aus­wendig und habe sie gründlich satt. Nichts ist leichter, als hinterher den Weisen zu spielen und klug zu reden."

Nein, ich höre nicht auf", fuhr Jurh in zorniger Aufwallung empor.Was ich denke, will ich auch sagen. Ein Verschwender bist Tu, der am Liebsten herum­flaniert, im Klub den großen Herrn spielt, und bei den Zigeunern in Strelna liegt. Statt ungezählte Liaisons anzuknüpfen, solltest Tu vernünftigerweise heiraten. Eine Frau mit Vermögen könnte uns vielleicht noch retten. Da Dein Privatkonto am Stärksten belastet ist, hast Du sogar die Pflicht, diesen einzigen Weg einzu­schlagen. Vorläufig weiß noch niemand so recht, wie es mit unseren Finanzen steht, aber ihre schlechte Lage läßt sich nicht lange mehr verheimlichen. Also heirate, ehe es zu spät ist!"

Heiraten? Hast Tu eine passende Frau für mich? Glaubst Du, daß unter den gegenwärtigen erbärmlichen Verhältnissen eine Verbindung mit einer reichen Kanf- mannstochter so leicht ist? Wie Tu giebst, so werde ich auch geben, so heißt es bei den Herren Vätern in Moskau, und bevor ich nicht mindestens zweimalhunderttausend Ru­bel bar und richtig auf den Tisch lege, wird keine Frau mit nennenswertem Vermögen in meine Arme fliegen. Deine Kritik meiner Geschäftsführung ujtb meines Privat­lebens verbitte ich mir. Weit mehr ist Deine Kleinigkeits­krämerei an unserer üblen Lage schuld. Tu strahlst schon in Glückseligkeit bei einem Verdienst von zwanzig oder dreißig Rubel für einen Zobel, während sich andere Kauf­leute mit solchen Bagatellen gar nicht abgeben. Wer den Blick nicht auf Großes richtet, wird auch nichts Großes erreichen. Mag sein, daß meine jüngste Spekulation im Sande tierlaufen ist, aber was in einem Falle verloren wurde, läßt sich in einem anderen mit einem Schlage zurückgewinnen. Mit Deinen Jeremiaden kommen wir nicht weiter. Ein großer Coup muß gelingen, der uns aller Misere entreißt. Und zu diesem bedarf ich" fuhr er mit gehobener Stimme fortder Summe von dreißig­tausend Rubel! Hast Tu sie? Kannst Tu sie beschaffen? Ist es Tir möglich, sie irgendwo schnell aufzutr eiben - Sein oder Nichtsein hängt von dieser Summe ab, denn es handelt sich um nichts weniger als um die Er­werbung eines Patents, das uns Millionen spielend in den Schoß werfen wird."

Jury Kalussoff schaute den Müder mit einem Blick

an, der zu fragen schien: Bist Tu noch zurechnungs­fähig?Ich glaube", sagte er nach einer Weile,daß Tu nicht ins Kontor, sondern ganz wo anders hin­gehörst. Wachsen die Rubel auf den Bäumen, daß ich sie nach Bedarf herunterschütteln kann? Und wenn ich's könnte, für Teine Projette würde ich nicht mehr einenl einzigen Kopeken hergeben!"

Ich habe eine solche Antwort erwartet", entgegnete Timitrh,es ist die übliche, die ich stets erhalten habe.. Aber die Sache ist zu ernst, als daß sie mit solchen Redensarten abgemacht wäre. Kurz und gut, es handelt sich um das Patent zu einem Aecumulator, also nicht um irgend welche Pelzgeschäfte. Tu weiht, in Moskau und in vielen anderen Städten Rußlands werden elektrische Straßenbahnen in Betrieb gesetzt. Wer im Besitze eines leistungsfähigen Mccumulators ist, kann Hunderttausende verdienen! Ilja Popow, den Tu kennst, hat einen ausgezeichneten erfunden, der alle bis­herigen übertrifft. Er nimmt ein Patent ans feine Er­findung und bietet mir gegen Zahlung von dreißig­tausend Rubel die Hälfte des zu erwartenden Rein­gewinnes an."

Jury Kalussoff war doch etwas nachdenklich geworden. Daß in der Elektrotechnik Geld zu verdienen war und ein gutes Patent Gold wog, wußte er.

Mer wennPopow's Erfindung nichts wert ist?" fragte er nach einigem Nachsinnen.

Was kann da sein", versetzte Timitrh kaltblütig, krachen wir, dann ist es gleichgiltig, ob es mit dreißig- tausend Rubel mehr oder weniger geschieht."

Und wo hernehmen?"

Lächerlich! Wozu ist der Lombard?!"

Nein, das geht nicht, denn in vierundzwanzigj Stunden spricht ganz Moskau davon. Man läßt uns die Ware nicht im Hause, sondern verlangt, daß sie; deponiert wird."

Beide überlegten. Jury riet, sich an Lednew in Kiew zu wenden.Er ist noch der einzige Mensch, der Rück- icbt kennt", versicherte er.Unsere Bitte um ein Ge- älligkeitsaeeept wird er nicht abschlagen, zumal er sich' etzt in vorzüglicher Position befindet. Tas Beste wird ein. Tu reist hinüber und ordnest die Angelegenheit! mit ihm persönlich.

Dimitry nickte befriedigt. Mit der Miene eines Trium­phators, der auf seine Umgebung überlegen hinabschaui> sprach er emphatisch:Als Tank für die vernünftig« Annahme will ich Tir ein Geständnis machen: Tie Millionenbraut ist schon gefunden!"

Jury sprang auf, als habe der Bruder den Gewinn des großen Loses verkündet.Wirklich?" rief er zu höchster Freude.

Ja", versicherte Dimitry,wenn die Geschichte mit dem Aeeumnlator gelingt, führe ich die Milkionenbraut noch in diesent Jahre heim."

Gut", versicherte Jury, erleichtert aufatmend und dem Bruder die Hand reichend,ich bin hoch befriedigt und wünsche Dir von Herzen Glück. Wer Deine , Frau auch sei, sie soll mir als Schwester willkommen sein!" _

Air der Thür des Privatkontors wurde geklopft; ein Kommis überreichte die eingetroffenen Korrespondenzen^

Für Dich", sagte Jury, indem er dem Bruder einen Brief hinschob.

Das Couvert trug zierliche Schriftzüge, wie von Damenhand, und den PoststempelKiew". Dimitry iuarf einen Blick auf die Adresse.Tie Sache mit Lednew hat Eile, ich werde schon heute fahren", sprach er hastig. Musternd durchschritt Timitrh den Lagerraum.

Sie, Sergi Petrowitsch, wo find die Zobel?" fragte er den alten Geschäftsführer.

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,',Wie viele Pelze sind vorhanden?"

Zwanzig Stück zehn Herrenpelze und zehn Damenpelze."

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"Das Stück zwischen zweitausend und fünftausend Rubel."

Gut, lassen Sie die zehn teuersten in meinen Wagen legen!"

Merkwürdig", dachte Sergei Petrowitsch,er Efe kümmert sich doch sonst so wenig um diese Tinge, jetzt scheint er mit einem Male in Pelzen hausieren zu wollen/-