Montag den 1. Dezember.
1902. — Nr. 179.
(Nachdruck verboten.)
Kinder des Ostens.
Original-Roman von Georg Buß. i~T
(Fortsetzung.)
„Jetzt scheint sich sogar das Berühmtwerden mit Elektrischer Geschwindigkeit zu vollziehen", scherzte sie. „Statt des Weihrauchs verbreiten Sie lieber den Dust Ihrer Zigaretten."
„Mit Vergnügen werden wir das verlangte Brand- vpfer darbringen", beteuerte Kalussoff, während er seinem Etui eine Zigarette entnahm.
„Ein reizendes Ding", bewunderte sie mit prüfenden Blicken,, die kleine zierliche Silberarbeit, deren Knauf ein Blicken die kleine, zierliche Silberarbeit, deren Knauf ein Saphir-Cabochon bildete, und deren Ecken Perlen schmückten, näher betrachtend. Sie las das in Gold geschnittene Autogramm „Tatiana", das auf dem Teckel befestigt war. „Der Name klingt weich und schön", warf sie flüchtig Yin, „aber Perlen bedeuten Thränen."
Für einige Sekunden schienen Kalussoff's Gedanken der Umgebung entrückt zu sein, so daß Milica mit scherzendem Drohen den J-inger hob. Aber er faßte sich und lenkte die Unterhaltung aus die Erfindung zurück.
Mit Behagen empfand Popow, der nach dem Erscheinen der Schwester in den Hintergrund getreten war, daß man sich endlich wieder seiner eigenen werten Person erinnerte. ^Vergessen Sie nicht", bat er mit würdevoller Herablassung, „den Herrn von der Feder auch auf das Elektrophon aufmerksam zu machen. Zwar bricht sich das Bedeutende selbst Bahn, aber ein paar gute Worte in der Zeitung sind nicht zu unterschätzen."
„Geben Sie mir nur ein Artikelchen", lachte Glinka, „loben Sie sich nach Kräften, stellen Sie den pyramidalen Wert Ihres Elektrophons in das rechte Licht, setzen Sie die ganze Geschichte als etwas Wunderbares auseinander, nehmen Sie als Unterschrift einen fingierten Namen mit gelehrtem Titel, und bereits morgen soll alles in der „Nowaja Gaseta" stehen. Tie sehr beschäftigten Herren, zu denen ich enge Beziehungen habe, sind seelenvergnügt Und dankbar, wenn sie die Manuskripte nicht selbst zu schreiben brauchen."
Freudige Befriedigung breitete sich über Popow's Gesicht, aber sie verfluchtete sich schnell, als Lanin von einem Professor der Hochschule sprach, der über Elektrotechnik lese, und den er ebenfalls für die Erfindung zu Interessieren gedenke.
„Merkwürdig", dachte Schischkin, „er scheint seine Kollegen von der Elektrotechnik zu fürchten". Weitere Reflexionen anzustellen, hatte er keine-Zeit, denn Milica Popow stand auf, um sich zurückzuziehen.
.Hoffentlich wird nrir von nun an häufiger Gelegen
heit geboten werden, mit Ihnen über Musik zu redens sagte sie mit weicher Stimme zu Glinka, ihm die Hand reichend und seinen Blick tief in die bewundernden Augen senkend.
Er neigte sich dankend und murmelte etwas von einem Wunsche, der ihm ein wahrhaft beglückender Befehl sei.
Wenige Schritte von ihnen stand Kalussoff, in zitternder, kochender Erregung, während sein Gesicht die Maske konventioneller Liebenswürdigkeit trug. Mer als sie sich auch an ihn wandte, als er gar den sanften Truck ihrer Hand und die freundschaftliche Vertraulichkeit ihres Lächelns verspürte, fühlte er sich besänftigt wie der Löwe vor der schönen Gebieterin. Und doch reute es ihn, daß er Glinka und die übrigen Herren in das Heim der Geschwister eingeführt hatte.
Gefolgt von Scherzen, Komplimenten, Verbeugungen und verlangenden Blicken schritt Milica hinaus.
Ihr Rückzug war für die Gäste das Signal zum Aufbruch.
Nur Kalussoff blieb noch eine Weile. Eiftig sprach Popow aus ihn ein, und kräftig, als ob sie einen neuen Bund besiegeln wollten, schüttelten sie sich beim Abschied die Hände. —-
„Nun, hat er sich entschlossen?" fragte Milica den Bruder, während sich in ihren Zügen erwartungsvolle Spannung ausprägte.
„Tas Geschäft ist abgemacht, rief er freudig, „er will sich beteiligen. Zähe war er wie Leder, aber ich war ein guter Gerber."
„Also endlich!" kam es von ihren Lippen. Und nach kurzem Sinnen fuhr sie fort: „Sag', diesep Glinka....?"
„Ist Arzt, reich, im Besitze einer ausgedehnten Praxis und als Träger eines berühmten Namens in den höchsten Kreisen enfant gät6!"
„Ja, ein brauchbarer Mensch", nickte sie, ihre Noten gusammenlegend. „Werkehrte er häufiger bei uns, so könnte es unserer Sache förderlich sein."
2.
Im Privatkontor der Pelzgroßhändler „Gebrüder lussofs" herrschte eine sehr gedrückte Stimmung. Während der Aeltere von Beiden, Jury Kalussoff, sorgenvoll den Kops über das Geheimjournal gebeugt, von Zeit zu Zeit Zahlen in ein Notizbuch eintrug, schritt Timitry überlegend hin und her, wie wenn Außerordentliches seine Gedanken beschäftige. Nervös pafften Beide den Qualm ihrer Zigaretten in die Luft, so daß der elegant ausgestattete Raum dicht mit bläulichem Dunst gefüllt war.
„Also, wie groß ist die Summe?" fragte Timitry, seinen Pendelgang unterbrechend und nach dem Bruder hinschauend.
Jury addierte. „Genau zweimalhunderttausend Rubels sagte er halblaut. „Wie wir die Wechsel decken werden


