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70 lebtg, 29 verheiratet, 1 verwitwet oder geschieden; im Alter von 30—50 Jahren x5 ledig, 77 verheiratet, 8 verwitwet oder geschieden; es sind also im Alter von 50 und mehr Jahren 11 ledig, 50 verheiratet, 39 verwitwet oder geschieden. Es ist also im Heiratsalter, vom 16. bis zum 30. Jahre, die große Mehrzahl noch unverheiratet; vom 30. bis 50. Jahre steht zwar eine noch größere Mehrzahl m der Ehe, aber doch fast ein Viertel außerhalb der Ehe und im höheren Alter, über 50 Jahre, ist nur noch die Halste verheiratet, und neben den 11 Proz», die ihr Leben J artig ledig bleiben, eine große Menge von Witwen Und Ge^chire- denen. Im Alter von 16 Jahren und darüber sind von den Männern 39 Proz. ledig, 56 Prvz. verheiratet Und 5 Proz. verwitwet oder geschieden, von den Frauen 35 Proz» ledig, 52 Proz. verheiratet und 13 Prvz. verwitwet vder geschieden; es sind also mehr. Männer ledig, da sie später heiraten, aber mehr Frauen verwitwet, sowohl wegen des späteren Heiratens und der größeren Sterblichkeit der Männer, als auch weil von den Männern 15 Proz., von den Frauen aber nur 10 Proz. zwei- vder mehrmals heiraten. In absoluten Zahlen ausgedrückt, waren im Jahre 1895 von der über 16 Jahre alten Bevölkerung ledig: 6 299 000 Männer und 5 886 000 Frauen; verheiratet: 8 849 000 Männer und 8 784 000 Frauen; verwitwet oder geschieden: 776000 Männer, 2 209 000 Frauen. Nur wenig über die Hälfte der erwachsenen (mehr als 16 Jahre alten) Frauen, 8,8 von 16,9 Mill, leben also in der Ehe; die übrigen sind ledig, verheiratet oder geschieden.
So lange aber die Heiratsfrage nicht auf die eine oder andere Weise gelöst vder gemildert ist, wird man den unverheirateten Frauen das Recht zugestehen und die Möglichkeit bieten müssen, durch Ausübung einer Berufsarbeit ihr Brot zu» verdienen oder ihrem Leben einen Inhalt zu geben. ! i
Vermischtes.
Klara Biebig. ■ Der bekannte Wiener Schriftsteller Moritz Necker enllvirft im „N. W. Tagbl." an der Hand ihrer Merke eine Charakteristik der in Berlin lebenden Roman- Schriftstellerin Klara Biebig. In der Annahme, daß die Ausführungen Reckers auch bei unseren Lesern einem gesteigerten Interesse begegnen dürften, seien die folgenden dieser interessanten Charakterstudie entnommenen Angaben hierher gestellt: „Eine reiche Natur, der sich das eigene Dasein unbewußt und ungesucht zum Epos gestaltet, die in die Welt nicht bineinschauen kann, ohne sie zum poetischen Stoff zu verwandeln; ein unersättliches und nie zu beirrendes Auge, das tausenderlei Wahrnehmen macht, in untrüglichem Gedächtnis festhält, und das dann von einem leidenschaftlichen Bedürfnis geradezu gequält wird, sich vom aufgehäuften Stofs durch das poetische Gestalten desselben zu befreien: das ist Klara Biebigs ungewöhnliche Begabung. Sie muß schreiben, sie muß erzählen, sie muß dichten in krystallheller Klarheit, wie der Waldquell immerfort sein kostbar erfrischendes Naß sprudelt und durch die Fülle seiner Gaben nicht zu verarmen, sondern nur noch reicher zu werden scheint. Dieses ihr Verhältnis zur Kunst erklärt sie uns in dem sichtlich auf persönlichen Erfahrungen beruhenden Romane: „Es lebe die Kunst", neben der „Alten Schule", und „Bertram Vogelweid" von der Ebner, deren Gesinnung Klara Viebtg völlig teilt, der schönste Litteratur- roman unserer Zeit, den ich kenne. Seine Heldin Elisabeth Rcinharz ist eine Doppelgängerin Klara Viebigs, und es ist dieser ihr eigenstes Bekenntnis, wenn sie darin einen jungen sympathischen Dichter über die lttterarische Frauenarbeit in kraftgenialischer Weise sagen läßt:
„Wenn ein Weib ehrlich sein Herz giebt, den Mut seiner Meinung hat Und doch nicht vergißt, daß es einen Unterrock an hat, dann — Hut ab!
„Aber die Weiber, die sich mit angelogenen Empfindungen aufplustern und die Welt mit einem Syruppinsel anmalen — sind lächerlich!
„Tie sich und ihre Mitschwestern ausziehen bis aufs intimste und rufen: „Seht, so sind wir!" — die sind ekelhaft!
„Tie ihre Weiblichkeit in Hosen verstecken: „Laßt uns den Männern gleich sein!" — die verdienen Prügel!
„Ehrlich, ehrlich, Fräulein! Seien Sie immer ehrlich^ ......
Hier hat man in wenigen Sätzen die ganze Poetik Klara Viebigs beisammen. Sie ist wahrhaft, sie scheut nicht das Hinabsteigen in die Abgründe des Lebens, in die Tiefen des sozialen Elends; sie beschreibt Menschen und Sitten so unvoreingenommen, als es nur ihrem begnadeten Auge möglich ist; sie schreckt auch nicht davor! zurück, unliebsame Wahrheiten zu sagen und äußert ebenso offenherzig ihren Haß wie ihre Liebe; aber sie glaubte niemals der Kunst ihre Weiblichkeit zum Opfer bringen zu müssen. Tiefer in allem Realismus festgehaltene, seiner selbst bewußte Adel des Weibes erhebt Frau Biebigs Produktion in die reine Region der echten Poesie^ Jedes ihrer Bücher trägt den Stempel dieser vornehmen Weiblichkeit, obendrein den Stempel eines glücklichen Weibes, keiner sauersüßen Altjüngferlichkeit & la Mar- litt, deren Blick für menschliche Mängel durch Verbitterung geschärft ist.
Ein Herzensroman des siamesischen Kronprinzen. Aus Newyork wird berichtet: Maha Vajiravudh,der einundzwanzigjährige Kronprinz von Siam, hat noch nicht zwei Wochen in den Vereinigten Staaten zugebracht, und doch schon einen Roman mit einer jungen Amerikanerin erlebt. Ter „North American" in Philadelphia kündet mit dem ganzen Apparat der zwei Zoll großen Typen an, daß der Kronprinz sich sterblich in Miß Eleanvr Wilson, die hübsche! und anziehende Tochter des Generals James L. Wilson, verliebt hat, und die Zeitung behauptet, es wäre nicht überraschend, wenn er mit Miß Wilson als seiner jungen Frau nach! Siam zurückkehren würde. Tas Paar traf sich während der KUönungswoche in London, und beide fühlten sich zu einander hingezogen. Sie waren in London und dann in Amerika viel zusammen. Ter Kronprinz von Siam wird von den „Vierhundert" verschwenderisch bewirtet. Sein offizieller Besuch in Amerika war am 1. November beendet, dann wird er noch als Privatmann einen Monat im Lande verbringen. Tie „Pennsylvania Railway'« hat ihm einen Zug luxuriöser Pullmanwaaen zur Verfügung gestellt, und seine Reise wird sich über 7131 englische Meilen erstrecken und in Vancouver enden, von wo er sich am 1. Dezember nach Siam einschifft.
Littsrarlsches.
Katechismus der Maschiuenelemeute von L.O f t e r- dinger. Mit 595 Abbildungen. In Originalleinenband 6 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. — Ofterdingers „Maschinenelemente" sind ein neuer, der 241. Band in der Reihe der weltbekannten „Illustrierten Katechismen" Webers. Der Verfasser, Ingenieur und Oberlehrer am Technikum der freien Hansestadt Bremen, beleuchtet in der Einleitung die Eigenschaften und Verwendungsfähigkeit der zur Herstellung von Maschinenteilen am häufigsten benutzten Materialien und wendet sich dann der Berechnung und Konstruktion der Maschinenelemente im allgemeinen zu. Dm nun folgenden dreizehn Abschnitte behandeln: Schrauben! und Schraubenverbindungen; Keile und Keilverbindungen; Niete und Nietverbindungen; Zapfen; Lager; Achsen und Wellen; Kupplungen; Räderwerke (Reibungsräder, Rtemen- trieb, Seiltrreb, Zahnräder, Kettenzahnräder); Kurbeltrreb! (gekröpfte Wellen, Kurbelschleife, Kurbeln und Exzenter, Pleuelstangen, Geradführungen und Kreuzköpfe); Kolben und Kolbenstangen; Stopfbüchsen; Röhren und Roh.rverbrnd- ungen; Hähne, Ventile und Schieber.
Bilderräts el.
(Nachbildung tterboten).
(Auflösung in nächster Nummer.) .
Redaktion; Cur.t Platy, MtationSdrtich ynd Verlag bg Vrflhl'schcn UniversEL-Buch' und Steindruckerei (Pietsch ErbMütOfeßeN.


