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Und laut gab' er Anordnung, Len Befehl des Chefs sofort zu vollziehen.

Aber Dimitry fuhr mit den Pelzen nicht hausieren, Jandern zum Lombard. Genau berechnete er, wahrend ier Wagen eilig dahinrollte, die Summe des Wert- vbjektes und den Betrag, den er dafür erhalten würde. Plötzlich fiel ihm der Brief ein, den er in sein Porte­feuille gelegt hatte. Er zog ihn hervor und las ihn, während seine Lippen ein mattes Lächeln umspielte. Nachdem er die Zeilen nochmals durchflogen, zerriß er den mit feinen Schriftzügen bedeckten Bogen in winzige Stückchen, die der Wind spielend entführte.

Sein Blick fiel wieder auf die Pelze. Richtig, Milica Popow hatte jüngst der Sehnsucht nach einem schönen Zobel Ausdruck gegeben.Wenn der Preis nur nicht gar so horrend wärech war es flagend von ihren rosigen Lippen gekommen. Ihre schönen Augen hatten dabei so wehmütig geblickt, daß er noch jetzt Bedauern empfand. Sie soll den Zobel haben", entschied er,er wird das letzte Opfer sein, das ich vor dem Abschiede vom Junggesellenleben der Schönheit darbringe. Ich hoffe, daß sie es in Gnaden annehmen wird." Mann berechnete er den Ausfall, der durch das Zurückhalten des Zobels in der Lombardsumme entstehen würde . . .Vierhundert Rubel pah, sie machen mich und Jury nicht glücklicher! Jury er wird donnern und fluchen, wenn er von meinem Streich hört, aber es ging nicht anders, denn mein Auftreten in Kiew muß ein standesgemäßes sein."

Ter Wagen hielt fern in einer engen Straße. Vor­sichtig spähte Timitry umher, ob ihn auch kein Bekannter erblicken werde. Niemand war zu sehen, und mit dem gespannten Ausdruck eines Spielers, der im Trente-et- quarante Reichtümer gewinnen will, betrat er das Lom­bardhaus.

Seine Miene hatte sich in eine strahlende umge­wandelt, als er nach Abschluß des Geschäfts mit einem stattlichen Päckchen rosafarbiger Hunbertrnbelnoten zurück­kehrte.Geld ist konzentrierte Thatkraft, Bewegung, Leben", philosophierte er, während er sich im Polster des Magens energisch reckte,und wer es nicht besitzt, ist so gut wie tot."

Er sah auf gerade fuhr ein Wagen am Geschäfts- Hause derGebrüder Kalussoff" vorüber. Aufmerksam blickte er nach den beiden Fenstern, hinter denen das Privatkontor lag.Jury ist noch bei der Arbeit", lachte er ironisch.Bei all seinem Addieren ist nie etwas Vernünftiges herausgekommen."

Jury Kalussoff addierte wirflich noch. Mit fieberhaftem Eifer hatte er sich wieder in das Studium des Geheim­journals vertieft. Lange Zahlenkolonneu zog er zu­sammen, und je weiter er rechnete und vrüfte, um so unruhiger wurde sein Blick, und um so krampfhafter bohrte seine Hand den Bleistift in das Papier. Tiese Zahlen predigten unbarmherzig etwas Furchtbares, das ihn bis in's innerste Mark traf, und erschütterte. Da halfen keine Phrasen und Ausflüchte der Bankerott stand mathematisch bewiesen ans dem Papier.

Tie Außenstände sind erheblich geringer, als ich gedacht habe", stöhnte er.Timitry hat unbarmherzig eingezogen, was nur einzuziehen war. Wenn die Hilfe nicht bald kommt, müssen wir uns decouvieren, und das erlebe ich nicht."

Er starrte vor sich hin. Tie Hoffnung gaukelte ihm freundliche Bilder vor: Ter Acenmulator und die reiche Fran des Bruders zauberten Geld herbei, alle Pelze wurden schlank abgesetzt, das Geschäft hob sich, die Firma Gebrüder Kalussoff" würde wieder glänzen wie die Strahlen der Sonne, die eben durch die Scheiben der Fenster in den stillen Raum drangen.

Ja, wie schön wäre das", flüsterte er, während sich feine Augen feuchteten. Aber bann kroch wieder der bange Zweifel heran, der den Mut, das Vertrauen und die Hoffnung wegfraß.

Unsinn", grollte er,die Hoffnung ist für Thoren rch habe genug gehofft. Mir bleibt nur übrig die Pflicht­erfüllung gegen meine Frau und gegen meine Kinder. Vorsicht ist die Mutter der Weisheit. Deinen Rat, edler Bruder, von unserem Lagerbestande so viel als möglich zum Lombard zu bringen, werde ich befolgen, aber nur zu Gunsten der Meinigen, meiner Hinter­bliebenen, die Gott schützen mögel" (Forts, f.)

Napoleon und seine Zeit.

Bor uns liegen wieder eine Reihe von Werken jene» Napoleonliteratur, um die sich der Verlag von Schmid? und Günther in Leipzig so sehr verdient gemacht hat. Wir werden sie nachstehend im Einzelnen zu würdigen versuchen. Da ist zunächst

Napoleon I. in der Verbannung, von O'Me- ar a. UeBertrageu und bearbeitet von Oskar Marschall v o n B i e b e r st e i n. 3 Bände. (Brosch. 15 Mk., geb. 18 Mk.j Das Werk O'Mearas, welches unter dem Titel: Napoleon in exile or a voice froni 8t. Helena im Jahre 1822 In London erschien, ist unzweifelhaft das hervor­ragendste aller Memoirenwerke über Napoleon, einmal, weil dieser Autor nicht, wie Las Cafes, Mvntholon oder Gourgaud, mit Napoleon von früher her bekannt war, so­dann weil O'Meara als Nichtfranzose von den Rücksichten entbunden ist, welche Jene, wie man ihren Werken an­merkt, nehmen zu müssen glaubten. O'Mearas Buch, das feit fange schon fast völlig in Vergessenheit geraten ist, wurde bei feinem Erscheinen in nicht weniger als 38 Auflagen gedruckt. Ein Lichtschimmer der Wahrheit liegt in diesen in schlichter Form veröffentliMen AnfzeiM

Eigentümliche Hüte.

(Nachdruck verboten.)

Ein Tumenhut ist ein wunderbares Ting. Oft ist er ein Garten, oder eine Menagerie, bisweilen auch beides

Es giebt indes wohl nur eine Tarne, die sich rühme» kaum einen mit Kolibrinestern garnierten Hut getragen zu haben. Sie war eine Mnerikanerin, und der Preise den sie für ihre originelle Kopfbedeckung zahlte, war selbst für Newyork außerordentlich hoch. Wenn man weiß, daß die reizenden Nestchen der prächtigen Kolibris oft nicht größer sind als die Hälfte einer Walnußschale, so begreift man, daß sich eine ganze AUzahl derselbe» auf einem Hute anbringen lassen. Biele Bögelchen waren gezwungen, ihre zierlichen Bauwerke aus feinstem Moos, Spinnweben und Pflanzenstoffen zu verlassen, um den Hut jener wählerischer: Dance zu schmücken.

Eine andere schöne Mnerikanerin trug einen mit­feinem Golddraht übersponnenen Hut, der nichts anderes darstellte, als einen Käfig für ein halbes Dutzend kleine» Eidechsen, bereit knpfergrüue Haut wie gebräuntes Gold in der Sonne schillerte. Tie Reptilien waren außer­ordentlich lebhaft und kletterten an dem Draht umher zur größten Belustigung der Bekannten der Trägerin. Tiefe seltsame Kopfbedeckung wurde auf einem Sommer- fest zur Schau getragen, an welchem Hunderte vornehmer Personen teilnahmen.

Boi: feenartigem Aussehen war ein Sommerhut aus natürlich ausseheuden, blauen Glockenblumen. Tie zarte» Blumenkelche waren jedoch nicht das Auziehenbste an bet» Hute der duftige Hut war musikalisch! Aus de» zitternden Glöckchen erftangen leise silberne Töne.

Eine winzige Spieluhr war zwischen den Bänder» und dem Laubwerk befestigt. Um dieselbe auszuziehen^ brauchte die Trägerin nur an einem juweleugeschmückte» Knopf zu drehen, der anscheinend nichts anderes toa», als eine gewöhnliche Hutnadel.

Zarte Silberdrähte bildeten das Fundament eines Sonnnerhutes, den eine Pariser Schauspielerin auf einem Sontmerfest trug. Tie Drähte waren so arrangiert, dast sie ein geometrisches Spinnennetz darstellten, in beffett Mittelpunkt eine fette, behaarte Spinne mit drohende» Smaragbaugen saß. Durch Berühren einer Feder wurdS die Spinne in Bewegung gesetzt und kroch in ihrem Netz umher. Schattierte Brombeerblätter umgaben die silberne» Fallstricke, und einige Metaflfliegen faßen in gefährlicher Nähe des Spinnennetzes.

Ein merkwürdiger Hut, der auf einem Bazar gesehen wurde, steflte Sommer und Winter dar. Rote Rose» und grüne Bänder versinnbildlichten die schöne Jahres­zeit. Diese Blumen und Bänder waren jedoch auf Draht befestigt, und so angeordnet, daß sie durch ein bloßes Biegen der Hutkrempe umgewandt wurden und man tut» weiße Blumen und graue Bänder sah. Wenn die winterliche Garnitur sichtbar war, so war bte rote Seite der Blume» dem Stroh zugekehrt, und nicht wahrnehmbar für de» Beschauer. Tit-Bits. (Autor. Uebersetz.)