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um eine Nichte der Königin Viktoria, die Prinzessin Adelheid Hohenlohe. Die Königin selbst war dem Projekte günstig, stellte indessen die Bedingung, daß die Prinzessin protestantisch bleiben sollte. Vielleicht wäre es trotzdem g‘u einer Einigung gekommen, hätte nicht abermals das Herz des Kaisers den Ausschlag gegeben. Es zog ihn zu Eugenie von Montijo, und neben dem Gedanken an ihren Besch schwanden alle an der Hand des gothaischen Kalenders aufgestellten übrigen Kombinationen in nichts zu- sammen.
Noch ist das Buch zu schreiben, welches die Geschichte der Ehe des dritten Napoleons und Eugeniens schildern wird. Noch ist nicht der Anteil fest zu umgrenzen, den sie am Gange der Politik und damit am Untergange des zweiten Kaiserreiches gehabt hat. Eins aber steht fest, daß Napoleon seiner Gemahlin erst dann überhaupt eine Teilnahme an der Staatsleitung einräumte, als, nach einigen Jahren ungetrübten Glückes, sie die Entdeckung seiner Untreue gemacht hatte. Es läßt sich hier nur andeuten, warum der Kaiser in diesem Punkte nicht so unbedingt schuldig erscheint, wenn man auf die schweren Folgen hin- weist, welche die Geburt des kaiserlichen Prinzen sür seine Mutter nach sich zog. Je mehr der Kaiser altert, je wankender seine Gesundheit wird, desto mehr empfindet er das Bedürfnis nach leichter, ausruhender Zerstreuung. Willige Diener, die an keinem Hofe fehlen, sind schnell zur Hand, aber so eifrig sie die heimlichen Abenteuer ihres Herrn vor .fremden Ohren und Äugen zu schützen bemüht sind, so dringt doch so manches an oie Oeffentlichkeit. Die Liaisons des Kaisers bilden von jetzt ab sozusagen einen eisernen Bestandteil des Boulevardllatsches. Man erzählt sich lachend, daß man dem Kaiser die Nachricht von der Schlacht bei Sadowa in die Wohnung der Courtisane Margot Bellanger bringen mußte, und seine BWehungen zu der Gräfin Casttgltons enden, infolge der Eifersucht der Kaiserin, mit emem offenen Skandale.
Es ist die Furcht vor dieser Eifersucht, das Grauen vor den lauten Szenen, die Eugenie ihm bereitet, welche ihn immer mehr zu verhängnisvollem Nachgeben auch auf dem Gebiete der Politik führen. Auf diesem Wege läßt sich in der That ein Zusammenhang zwischen der Schwäche Napoleons III. gegen die Frauen und dem Ausgange seines Schicksals zurechtzimmern. Bom psycho- logtschen Standpunkts aus gewährt dieser Kausalnexus gewiß mannigfaches Interesse. Für den Historiker aber bildet er doch nur einen einzigen dünnen Faden in dem tausendfach verknüpften Gewebe der geschichtlichen Notwendigkeit. A. v. W.
vermischtes.
Eine immerdlüherrde Pflanze. Die Mehrheit der Pflanzen hat eine bestimmte Blütezeit, die zuweilen sehr kurz bemessen ist, wie bei dem berühmten Beispiel der „Königin der Nacht" und bei anderen Kakteen, während Aber Wochen oder sogar Monate verteilt, wie z. B. bei den Hortensien. Es giebt aber vielleicht nur eine einzige Pflanze, die zu jeder Zeit des Jahres Blüten hervorbringen kann. Sie ist ein Mitglied der Primel-Familie und führt den Artnamen Primulaobconica. Ihre Blüten haben eine blaßlila Farbe. Auch die Zahl der gleichzeitig erzeugten Blüten kann sehr groß sein. Die Zucht hat diese Pflanze in neuerer Zeit noch sehr verschönt sowohl in der Größe als in der Farbe der Blüten. Man kann sie jetzt in rein weißer Farbe haben oder auch in fast beliebigen Schattierungen von Lila und Fleischfarben bis zum dunkelsten Rosenrot. Für Dekorationen ist diese Primel ungewöhnlich geeignet, da sich die abgeschnittenen Blüten lange im Wasser halten und ihre feinen Farben höchst gefällig wirken. Da sich aber selten bei einem Wesen nur Vorzüge finden, so ist auch diese Pflanze mit einer bedenklichen Untugend behaftet. Sowohl die Blätter wie die Blüten sind nämlich giftig, eine Berührung führt zu einem Hautausschlag, der einer Flechte gleicht. Alle Leute, die zu derartigen Hautkrankheiten neigen, sollten jede Berührung mit der Pflanze vermeiden. Manche Personen leiden durchaus nicht davon und können sich mit der Primula obeontca soviel zu schaffen machen, wie sie wollen, ohne einen
Schaden davon zu haben. In den wärmen Monaten gedeiht fie ausgezeichnet im Freien, ist, aber nicht sehr widerstandsfähig gegen Kälte, sodaß sie im Winter in ein Gewächshaus gebracht werden must Ein Mitarbeiter einer naturwissenschaftlichen Wochenschrift versichert, daß er einen großen Topf dieser Pflanze über fünf Jahre lang in dauernder Blüte besessen hat.
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Zeit sich m< Uankeelandes
..... der Traum des Fürsten, sein verrostetes Wappenschild durch das Geld semer Gattin wieder vergolden zu lassen, zunichte geworden.
Prinz und MiMoniirin. Die nordamerikanische Presse äußert sich mit großer Genugthuung über die in letzter Zeit sich mehrenden Fälle, in denen reiche Töchter desj Uankeelandes sich ganz energische weigern, Heiraten mit ausländische Adeligen, von deren Dollarsehnsucht sie sich Überzeugt zu haben glauben, etnzügehen. Früher war das anders. Da fragten sich die transatlantischen Schöne oder deren Eltern nicht erst lange, ob der adelige Freier von jenseits des Wassers auch ungehalten hätte, wenn Miß Jessie, Consuelo, Carrte usw. keine Hunderttausende oder gar Millionen mitbekommen würde. Den Newyorker oder Chicagoer Parvenüs lag eben daran, sich eines Schwiegersohnes mit klingendem Titel rühmen zu können, und da war ihnen kein Preis zu hoch Heute dagegen sind die englischen Lords, och französischen Barone und Grafen, selbst die russischen Fürsten und italienischen Herzoge keine so begehrte Ware mehr. In den Töchtern des freien Columbia ist der Stolz erwacht, und dieser veranlaßt sie, in erster Linie nach den wahren Empfindungen zu forschen, mit denen der vornehme Bewerber ihnen naht. Vor kurzem! löste die Bostoner Milliardärstochter Anita Men ihre Verlobung mit einem Grafen, weil sch durch Zufall in den Besitz! ehte§' untrüglichen Beweises dafür gelängt war, daß der noble Bräutigam es nur auf ihr Vermögen abgesehen hatte. Jetzt berichtet der „Newyork Harald" ein ähnliches, noch romantischeres Gefchichtchen. Mit inniger Befriedigung erzählt das Blatt, daß wieder einmal eins amerikanische Millioneuerbin es ausgeschlagen habe, die Gattin eines ausländischen Aristokraten zu werden. Miß Bella Rogers aus Colorado, um deren Hand fich der Sprosse einer alten rumänischen Fürstenfamilie schon seit längerer Zeit bemühte, ist nicht nur sehr reich, sehr schon und sehr liebenswürdig, sondern sie besitzt auch emä ungewöhnlich klangvolle Sopranstimme, die von einem ßto rühmten italienischen Gesangsweister ausgebildet wurde. Miß Rogers liebt ihre Kunst über alles, und entschloß sich, trotz ihres immensen Reichtums, zur Bühne zu gehen. Gegenwärtig weilt die schpne Amerikanerin in Paris, wo es vor einigen Tagen zu einer definitiven Auseinandersetzung zwischen der reichen Sängerin aus dem wilden Westen uno dem hartnäckigsten ihrer zahlreichen Bewerber kam. Nachdem Miß Bella erfahren, daß der Prmz durch Agenten eingehende Erkundigungen über das Bankkonto ihres Großvaters, dessen Universalerbm sie fern wird, einziehen ließ, empfängt sie den unklugen Frerer nicht mehr, und somit ist der Traum des Fürsten, iem ver-
Gute Ausrede. Ein Bräutigam wußte sich einmal recht schlau aus einer kleinen Verlegenheit zu ziehen. Seins Zukünftige fragte ihn, ob es wahr sei, was man ihr erzählt habe, nämlich, daß er in einer Gesellschaft, an welcher sie nicht teilnahm, zwei Damen geküßt hätte. Er gab. es zu, sagte aber lachend, daß das Alter der beiden Damen erst 21 Jahre ausmachte. Die harmlose Braut dachte ast kleine Mädchen von 10 und 11 Jahren und lachte ebenfalls, — Er hütete sich wohl, ihr zu erklären, daß eine der Damen 19, die andere zwei Jahre alt war.
Kapselrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Seegeist — Duldung — Erben — Leiche — Tertianer — Malerei — Leim — Pflaster.
ES ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reibe nach eingekapselt flnd in vorstehenden Wörtern, ohne Rücksicht auf derm Silbenteilung.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Gleichklangs in vor. Nr.r Schloß.
Rehaktion: Curt Plato. — Notalionshruck und Verlag der Brühl'schetz UniverMtS-Buch- Md Steindruckerei (Pfetsch Erben) in Gießen.


