Ausgabe 
1.9.1902
 
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Montag den 1. September.

Nr. 130

1902.

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Sfeitt Ohr Carla. Der Sturtn vvrschlai urm, der jetzt sein ganzes. Leben zerhraA

Offiziere.

Seit Anfang des Jahres befand sich unter den Offi­zieren von Sam Houston-Fort auch einer von deutscher Herkunft, ein deutscher Freiherr, Herwarth vvn Schöneck. Im übrigen nahm man, im Regiment von ihm Nur wenig Notiz. Gleich im Anfang hatte er seine Sonderlingsnatur herausgesteckt. Er liebte nämlich die Zurückgezogenheit. Nur die wenigen Dienststunden brachten ihn mit den Kameraden zusammen. In der übrigen Zeit blieb er entweder, nur litt Gesellschaft seines! Kieners, in seitrem Häuschen, oder man sah ihn in seinem Civilanzug einsam an den Ufern des Antouioflusses mit dessen zahllosen Windungen ttttfr Brücken Kerumstreisen oder am Abend unter dem gewöhnlichen Volk Unter freiem Himmel auf der Bank einer Volksküche sitzen, vor seinem Stuhl ein Holzkohlenfeuer. Auch! von seinen Vielen deuticheu Landsleuten, die es in der Stadt gab1, und von den benachbarten deutschen Niederlassungen schjien er Nichts wissen zu wollen. .Ein amerikanisches Offizierkorps' ist nicht wie ein deutsches. Wer will, kann darin seine eigenen Wege gehen und eben davon Machte Herwarth den ausgiebigsten Gebrauch.

Wenn er an die Vergangenheit Nachte, so dachte er auch! an jenen Abend. Wie ein Unsinniger war er von ihr davon- geflohen, fort durch! die Nacht, als müßte er sich selber entfliehen. Eine Stimme, die seinen Namen rtef, schlug an sein Ohr Carla. Der Sturtn verschlang sie, der

(Nachdruck verboten.) Miß Cookson aus New-York. Won Keinrichi Lee.

(Fortsetzung.) Neuntes Kapitel.

Wom Atlantischen bis zum Stillen Ozean hallten die Wereinigten Staatett von dem Ruf der Werbetrointnel wieder Und in deit eleganten und scheinbar nur zum Luxus und tzUM Vergnügen bestimmten Kasernen, Kadetten- und Offiziersschulen dieses Landes erwachte plötzlich ernstes Leben.

Eine sehr ansehnliche derartige Anlage ist Sam Hou- stotr-Fort in der Stadt Antonio in TexaA Sam Houston- Fort liegt, umschlossen Von einer herrlichen Aussicht, auf einem Berge über der Stadt. In einem großen, luftigen Bau, vor den hübschen Zimmern freundliche Veranden, sind hier die Mannschafetn einkaserniert. Bor der Kaserne be­findet sich ein von sch!önen Anlagen, in denen Rehe Und Mntilopen weiden, uinringter Platz, aus denen die Soldaten ,in den freien Stunden Ball spielen und andere Unterhal- itungen treiben und ringsum das Terrain der Kaserne herum zieht sich ein Kranz von reizetrden Landhäusern mit hüb- schen Gärten und einem großen schattigen Platz zum Lawn- Tennis und sonstigen Spielen. Das sind die Hauser der

Ein Eisenvahnzug sauste heran. Das! brachte ihn zur Besinnung.

Wohin wollte er was wollte er?

Warum hatte er. sich nicht unter die Räder M worsett?

Nein, kein Sensationsstück für die Feitungen sollte sein Tod sein. Still und' unauffällig mußts er kommen etz der nun sein.Erlöser war. Niemand' sollte wissen, daß der Gefallene, wenn man ihn finden würde, der letzte derer vott Schöneck war. Auch Carla durste darum Uicht erfahren-, wo er sich hingewendet hatte.

- Am andern Morgen er haste das Hotel sofort nach Begleichung der Rechnung und Erledigung alles dessen, was noch! sonist nötig war, verlassen kam wieder die ruhige Vernunft über ihn.

Zurück nach Deutschland, in die früheren Verhältnisse das blieb ausgeschlossen, das stand fest. Aufs Gerate« wohl ein Abenteurerleben anfangen, zuletzt vielleicht Kellner werden auch dazu wär er nicht veranlagt.

Schwirrten nicht aber die Gerüchte von einem bevor« stehenden Krieg durch das Land? Wenn er Soldat würde? Dann nahm sich! vielleicht eine mitleidige Kugel seiner an.

Er war preußischer Offizier gewesen. Vielleicht konnte ihm d as' etwas Helsen.

Noch! an demselben Tage reiste er ttach Washington, Tort war die Neutschs Botichaft. Außerdem entsann er sich btik selbst von seiner überseeischen Dienstzeit her einen viel­vermögenden Bekannten Und Gönner zu besitzen.

Drei Wochen später waren alle seine Angelegenheiten) seine Entlassung aus dem deutschen Dienst und seine Aufi nähme in die amerikanische Armee erledigt. Auch seinen Namen wollte er ninänbetn und mit einem schlichten bürger« lichen 'vertauschen schon, um allen Nachforschungen ettfe hoben zu sein. Aber aus der Botschaft beruhigte Man ihst darüber, denn giW amerikanischer Offizier wär er davor sichergestellt. Nur noch seinem Anwalt in Berlin hatte er von seiner Veränderung Kenntnis gegeben.

Sv war er denn wieder Soldat, freilich nur der Söldner eines fremden Landes!, das ihm gleichgiltig war, aber gleichst viel. Lange konnte der Ausbruch des Krieges nicht mehr auf sich warten lassen- und dann war sein Zweck erreicht.

Sterben! Und einen anständigen, honnetten Sol«!

datentod.

War sein Leben wirklich so arm, so inhaltlos geworden daß es keinen Wert mehr für ihn harte?

Er hatte sich, diese Frage vorgelegt und sie mit kaltem Blute geprüft. Warum war es so arm, so inhaltlos gei­worden? Weil die Ziele, auf die es' gerichtet gewesen- imMer nur äußerliche waren. Auf Rang und Rerchtum war es angelegt und nun ihm diese Grundlage entzogest