Ausgabe 
1.3.1902
 
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(gr blieb die Antwort schuldig; denn in demselben Moment fühlte seine Hand wieder das Gitter. Sie Ivar en im Kreis­lauf um den Platz gegangen, sie stunden abermals vor dem Wellington-Denkmal. Daran waren nun die Gedanken schuld, und ihr Geplauder und der Veilchenduft; woran erinnerte ihn das nur? ,

Vorsichtig erforschte er jetzt das Denkmal. Dies war die Fassade. Nun hieß es, sich gerade halten. Er mußte vor­wärts, um jeden Preis; denn er suhlte an ihren Schritten, an der immer schwerer auf seinem Arm ruhenden Hand, daß seine Begleiterin gänzlich erschöpft war.

Da gewahrte er durch den Nebel hindurch, wie eine Vision einen gedämpften Lichtschein, er steuerte darauf zu, und bald standen sie vor der Marble Arch. Riesigen Fackeln gleich schlugen die Flammen der Laternen, von denen die Brenner abgeschraubt, zum Himmel auf, wenigstens auf kurze Entfernungen das unheimliche Dunkel durch­brechend.

Wohin nun, mein Fräulein?"

Sie nannte ein überaus vornehmes Hotel in Picca- dilly. Da ging einer jener Fackelträger in der Nähe, Leute, die ausgehen, um Verirrte zurecht zu führen und beim Rebel überall in London auftauchen.

John ries ihn heran, es war ein noch! junger Bursche.

Sie kennen London?"Wie meine Tasche, Sir, wohin wollen Sie?" John nannte das Hotel; und mit den Worten:O, es ist ganz nahe hier", stapfte der Führer den beiden voran. Nach einem kurzen Wege blieb der junge Mann stehen.Dort, Herr, das helle, große Haus, Sie können nicht fehlgehen!" John zahlte, wie der Bursche dachte, königlich, und dann wandte er sich an seine zuletzt verstummte Begleiterin. Sie standen jetzt direkt unter einem der riesigen Kandelaber. Zum ersten Male konnte John das Gesicht seiner unbekannten Begleiterin sehen. Dieses Gesicht diese Stimme ach, und dieses Parfüm, John wußte mit einem Male, weshalb ihn dieses unsicht­bare Weib so entzückt hatte. Es war kein Zweifel, die veilchenblauen Augen, die schwarzen Löckchen, die Dame, die er aus dem Nebelmeer geführt, war keine andere als hie Königin seines verflossenen Jugendtraumes!

Er raffte sich zusammen was mußte sie denken, baß er ihr derart ins Gesicht starrte? ,Wollen Sie meinen Arm nehmen?"Ich danke", sagte sie dann, stehen- bleibend,ich. darf Sie nun nicht länger belästigen, mein Herr; io, ich bin Ihnen sehr dankbar, Sie haben mir einen großen Dienst geleistet. Leben Sie wohl, Herr Halfter" Sie reichte ihm ihre Hand; ein etwas in ihrer Stimme ließ ihn nicht einmal den Gedanken hegen, daß er wohl doch ein Recht habe, bis zur Thür ihres Hotels sie zu begleiten.

Er nahm ihre Hand und führte sie an ferne Lrppen, die sich heiß darauf preßten.

Dann ging sie. Und einen Augenblick leuchtete durch das Dunkel eine weiße, blnmengeschmückte, teppichbelegte Marmortreppe, strahlende Stifter, dann schloß sich das Thor hinter der schlanken Mädchengestalt.--

Noch drei Tage wogte über London ohne Wanken das Nebelmeer, alles Leben stockte, kein Wagen, keine Bahn, nichts als. Finsternis, Schweigen, Gas und mürrische Ge­sichter. Ünd im elenden Osten der Hunger der Tod!> Endlich, endlich siegte die Sonne. Der Nebel war ver­schwunden, die Millionenstadt atmete auf.

Diese drei Tage hatten John Halfter zu ernsten Be­trachtungen geführt, als deren Ergebnis ihm ein rosiger Zukunftstraum vor sch webte, ein Heim voll Glück und Liebe, und darin als Königin sie!

Er hatte zum ersten Male glückliche Freude über seinen Reichtum empfunden. Ja, aber wenn wenn sie ihn nicht mochte? Würde sein Geld die weite Kluft zwischen ihnen ausfüllen können? denn zweifellos war sie die Tochter einer sehr vornehmen Familie. Doch da lachte die Sonne Und zerstob seine Zweifel.

Er machte sehr sorgfältig Toilette; noch heute wollte er fein Glück suchen finden !

Rastlos schritt er im Gesellschaftszimmer seines Hotels iauf und ab, es fehlte noch, eine gute Stunde, ehe er einen Besuch machen konnte; wie sollte er die Zeit hinbringem? Mit dem Lesen war's nichtsWie ist's Halfter, lassen

Sie uns ein wenig spazieren gehen, es thut gut nach der langen Finsternis."

John stimmte freudig zu und schritt bald mit seinem Tischnachbar, einem Ingenieur, wie er selbst, Pieeadilly zu. Wie schön, wie neu belebt heute alles erschien, wie ein Spott kam ihm die Warnung des Hotelportiers vor, daß :ie sich nicht zu weit entfernen sollten, der Nebel werde wahrscheinlich wiederkommen, der Wind sei wieder herum- gegangen.

Da am Piceadilly-Cirkus staute die Menge der Wagen, dicht vor ihnen hielt ein Landauer, dessen herrliche Pferde Johns Interesse erregten. Erst als alle Welt um ihn die Insassen des Wagens grüßten, sah er, daß die Livreen der Diener die königlichen waren. Auch er zog seinen Hut. Die Dame im Fond war die Königin, ihr gegenüber eine Hof­dame aber neben der Herrscherin hier dicht vor ihm John Halfter, den kein Schrecken der Wildnis erregt, bebte an allen Gliedern neben der Königin saß sie seine Königin!

Jetzt sah sie ihn und seinen Gruß. Daß sie ihn erkannt hatte, sagte ihm die flüchtige Röte, die ihre Wangen färbte, als sie den schönen Kopf zu ihm neigte. Dahin flog die Equipage.---

Wer war es?" rauh klang seine Frage.

Nun, man sieht, daß Sie lange dort unten waren", entgegnete sein Begleiterdie Königin",

Und die andere Dame?"

Prinzessin Edith«, eine Nichte der Königin, sie weilt oft hier zu Besuch, sie wird im nächsten Monat den Herzog von Brandenstein heiraten"

Sie gingen weiter. War es nur John Halfter, als ob sich plötzlich die Sonne verfinsterte?

Doch nein Mr. Jring trieb zur Heimkehr.Ich glaube, der Portier hatte Recht, der Nebel kommt wieder!

Kommen Sie schnell, Halfter, damit wir uns nicht verlieren im Nebel!"

Es war ein heiseres, rauhes Lachen, das John Halfter lachte. Gefunden verloren im Nebel!

Lesefrüchte.

Gelingt es, die Aufmerksamkeit durch die Unterhalt­ung mit einem Buche auf einen gegebenen Punkt zu kon­zentrieren, so wird innere Traurigkeit und äußerer Schmerz gewiß den Stachel verlieren. Am gewissesten, wenn diese Richtung dem Leidenden unbemerkt von einem andern ge­geben werden kann." (Feuch ter sleb en.)

Kein Volk auf Erden hat eine solche Geschichte für feine Sprache, wie das deutsche. Zweitausend Jahre reichen die Quellen zurück in seine Vergangenheit; in diesen zwei Tausenden ist kein Jahrhundert ohne Zeugnis und Denk­mal." (Jakob Grimm.)

Das Gewissen ist das Bewußtsein eines inneren Ge­richtshofes im Menschen. Es ist vor der Thai Gesetzgeber, nach ihr Richter und während derselben Zeuge.

Kant.

Von einem, der ein bißchen Bildung in gewählter Rede zeigte, sagte man früher:Er spricht wie ein Buch." Das Bild ist längst veraltet. Man müßte heute sagen:Er redet wie eine Zeitung." (Dr. Wustman n.)

Quadraträtsel.

. (Nachdruck verboten.) AADDEEIM MNNOORRS

Die vorstehenden 16 Buchstaben stnd in Quadratform derart ZU ordnen daß vier Reihen entstehen, die wagerecht und senkrecht gelesen, gleichlautend sind und Wörter von folgender Bedeutung ergeben:

1 Himmelskörper; 2. bekannter siegreicher Chalif; 3. Tetl des Ge­sichts; 4. Zahlwort. (Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Delphischen Spruchs in vor. Nr.: Sage Sago.

Redaktion: E. Burkhardt. - Rotationsdruck und Verlag der Brtihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.